Der Aussie-Kübel war eine Mischung aus Käfer und Bulli

VW Käfer und Gelände: Diese Mischung begleitet das berühmteste deutsche Auto seit seinen Anfangstagen. Im Zweiten Weltkrieg mutierte der "Typ 1", wie der Käfer intern hieß, zum Kübelwagen samt diversen Ablegern für das Militär. Später gab es den VW 181 und unzählige Buggys. Kaum bekannt ist hingegen dieses Modell hier: der "Country Buggy" aus Australien.

In der Natur gibt es ein Phänomen, das als "konvergente Evolution" bekannt ist - die Art und Weise, wie verschiedene Lebewesen an verschiedenen Orten die gleichen Merkmale entwickeln, um gemeinsame Probleme zu lösen. Es beschreibt auch, was in den frühen 1960er-Jahren geschah, als die Menschen weltweit erkannten, dass sich der VW Käfer mit nur geringen Modifikationen in einen Geländewagen verwandeln ließ.

VW 181 (1969)
Den VW 181 kennen viele noch von der Bundeswehr

In den Vereinigten Staaten führte dieser Prozess zu Fahrzeugen wie dem Meyers Manx. In Europa übernahm Volkswagen selbst das Käfer-Grundchassis und Teile für den Typ 181, oder wie er später in den USA genannt wurde, "The Thing". Und fast zeitgleich hatte Volkswagen in Australien eine ähnliche Idee, wie ein Fahrzeug auf Käferbasis die Strandszene des Landes erobern könnte. Das Ergebnis: der Country Buggy.

Zunächst als potenzielles Militärfahrzeug konzipiert, wurde der Country Buggy in Australien unter Verwendung von Komponenten des Typ 1 und Typ 2 konstruiert und gebaut. Der Country Buggy wurde mit kurzen Überhängen konstruiert, um den An- und Abfahrwinkel im Gelände zu vergrößern, und die Auspuffrohre wurden durch die Stoßstange geführt, um die Bodenfreiheit zu erhöhen.

VW Country Buggy
VW Country Buggy

Die Kraft des serienmäßigen Käfer-Vierzylinder-Boxermotors wurde über Portalachsen aus den frühen Typ-2-Bussen auf die Hinterräder übertragen. Der Buggy hatte keine Türen, nur hohe Seitenschweller, die mit Vinylvorhängen verschlossen werden konnten, eine klappbare Windschutzscheibe und ein Hard- oder Softtop-Dach. Die Karosserie bestand aus flachgepresstem Stahl, die Käfer-Scheinwerfer waren in die Kotflügel gewandert.

Obwohl das Projekt zu Beginn der 1960er-Jahre für Volkswagen Australien vielversprechend war, hatten sich die Bedingungen für den Bau des Country Buggy geändert, als die ersten Modelle 1968 das Werk verließen. Das endgültige Modell war nicht für militärische Anwendungen geeignet, und da der Typ 181 weltweit auf den Markt kam, sahen nur wenige Kunden in Australien den Reiz des lokalen Modells. Nach nur 1.952 Fahrzeugen endete die Produktion des Country Buggy in Australien.

Und doch lebte er weiter. Teilweise montierte Country-Buggy-Bausätze wurden später auf die Philippinen verschifft, wo sie allgemein gut angenommen wurden. Als der Typ 181 in Serie ging, wurde dessen Fahrgestell auf den Philippinen mit lokal gebauten Country-Buggy-Karosserien verkauft.

Und 1972 investierte Volkswagen zusammen mit anderen Firmen in die lokale Produktion eines leicht modifizierten Country Buggy auf den Philippinen, der "Sakbayan" genannt wurde - ein philippinisches Kofferwort, das übersetzt "Volksauto" bedeutet. Der Sakbayan blieb mehrere Jahre in Produktion.

Heute haben Country Buggy- und Sakbayan-Fans ihre Fahrzeuge als Sammlerstücke erhalten. Der Country Buggy war ein seltenes Modell aus einer bestimmten Ära, aber dank derer, die sie hegen und pflegen, werden sie nie ganz aussterben.

Bildergalerie: VW Country Buggy