Vor 30 Jahren feierte das Kompaktmodell seine Premiere

Nach fünf Nachkriegs- und insgesamt aber sechs Generationen machte Opel bei "E" Schluss und schickte den Fahrzeugnamen "Kadett" in den Ruhestand. Es war Zeit für etwas Neues, denn nicht nur der Hersteller in Rüsselsheim war im Umbruch, die ganze Welt war es Anfang der 1990er-Jahre. 

BRD und DDR vereinten sich, der Eiserne Vorhang fiel und der Kalte Krieg galt als beendet. Im Radio liefen dann Joyride von Roxette oder Wind Of Change von den Scorpions. Und während Bryan Adams noch "Everything I do, I do it for you" in unsere Ohren hauchte, tat Opel was für seine Kundinnen und Kunden und ließ auf den Kadett E den Astra F folgen. Das war 1991. Vor genau 30 Jahren.

30 Jahre Opel Astra F (1991-2000)
30 Jahre Opel Astra F (1991-2000)
30 Jahre Opel Astra F (1991-2000)

"Astra" hieß bereits der Kadett unter Vauxhall-Regie in Großbritannien. Ziel war es bei Opel damals, einen geringeren Verbrauch mit einem erhöhten Bedürfnis nach Komfort zu vereinen. Das Ergebnis dieser Symbiose-Bestrebungen war schlussendlich die siebte Generation der Opel-Kompaktklasse – die bis heute erfolgreichste Generation, das bis heute meistverkaufte Modell. Von 1991 bis 1997 laufen rund 4,13 Millionen Astra F vom Band, in Polen sogar bis 2002.

Die Kundinnen und Kunden können damals aus fünf Benzinern und einem Diesel wählen, die Vierzylinder sind durch die Bank mit einem für damalige Verhältnisse hochmodernen Abgasnachbehandlungssystem ausgerüstet. Die 1,4-, 1,6-, 1,8- und 2,0-Liter Benziner fahren mit Drei-Wege-Katalysator vor, der Selbstzünder mit 1,7-Liter-Hubraum verfügt über einen speziell entwickelten Diesel-Oxidationskatalysator.

30 Jahre Opel Astra F (1991-2000)
30 Jahre Opel Astra F (1991-2000)

Der Astra rollt im Oktober 1991 zunächst als fünftürige Fließheck-Variante, als fünftüriger Caravan und als Sportversion Astra GSi zu den Händlern. Diese Autos können nun, 2021, als historische Fahrzeuge angemeldet werden und das "H"-Kennzeichen tragen. Wenn nicht das leidige Thema mit dem Rost wäre. Denn selbst wenn die Antriebstechnik und die Elektronik der Fahrzeuge selten zu Problemen führte, war die Karosse des Astra F ein Freund der freizügigen Metall-Oxidation.

30 Jahre Opel Astra F (1991-2000)

Viele Astra F sind deshalb heute nicht mehr unbedingt im Straßenbild zu sehen. Aber da geht es dem Golf III nicht viel anders. Doch es hätte sich gelohnt, das eine oder andere Modell des Astra besser zu konservieren. Beispielsweise den großartigen GSi. Ausschließlich als Dreitürer erhältlich, fuhr er wahlweise mit 115 oder 150 PS aus einem Zweiliter-Vierzylinder mit 16 Ventilen und zwei obenliegenden Nockenwellen vor.

Die viertürige Stufenheck-Limousine folgt im Frühjahr 1992. Und ein Jahr später können sich Freiluft-Fans über das vom italienischen Karosseriehersteller Bertone gefertigte Astra Cabrio freuen. Diese Variante des F trifft man heutzutage noch am ehesten an.

Opel? Sicher! Zum sogenannten "Opel Safety System" zählen unter anderem Doppelrohr-Verstärkungen in den Türen, die vor einem Seitenaufprall schützen. Die Sitzrampen verhindern im Falle eines Frontalaufpralls das "Wegtauchen" unter dem Gurt, die Gurtstraffer halten den Körper sicher im Sitz. 1994 führt Opel für Fahrer und Beifahrer serienmäßig Full-Size-Airbags ein, was die passive Sicherheit weiter erhöht.

30 Jahre Opel Astra F (1991-2000)

Im Vergleich zum Kadett E verfügen die Passagiere über fühlbar mehr Platz. Die Opel-Ingenieure haben die Windschutzscheibe um 74 Millimeter nach vorne versetzt und Kopf- und Kniefreiheit um bis zu 50 Millimeter erhöht. Die neue Geräumigkeit geht dabei nicht auf Kosten der Opel-typisch vorbildlichen Aerodynamik. Der cW-Wert des Astra F beträgt gerade einmal 0,30.

Das "Multi Info Display" am Kopf der Mittelkonsole kombiniert Anfang der 1990er weltweit erstmals die Anzeigen von Radio, Bordcomputer und Kontrollhinweisen in einem Display, sodass der Fahrer alles im Blick hat. Vorreiter in der Kompaktklasse ist der neue Astra zudem mit seinem "Clean Air System", das die Passagiere wirksam vor Pollen, Staub und Schmutzpartikeln schützt. Und der GSi 16V ist im Astra-Segment der Erste mit elektronischer Traktionskontrolle.

30 Jahre Opel Astra F (1991-2000)

Der Astra F diente auch als Technologie-Plattform. Mit dem "Astra Impuls III" führt Opel von 1993 bis 1997 den ersten Elektroauto-Großversuch des Unternehmens durch. Eine Flotte von zehn Impuls III läuft auf der Ostseeinsel Rügen im Testbetrieb. Die Fahrzeuge legen dabei insgesamt 350.000 km zurück.

Fünf der Elektro-Astra beziehen die Energie aus einer Nickel-Cadmium-Batterie (45 kW/61 PS), fünf weitere aus einer Natrium/Nickelchlorid-Hochenergiebatterie (42 kW/57 PS). Alle zehn Astra Impuls III verfügen über einen Drehstrom-Asynchron-Motor. Höchstgeschwindigkeit? 120 km/h! Reichweite? 160 Kilometern!

Auch bei alternativen Kraftstoffen weitet Opel Forschung und Entwicklung aus: 1996 fährt eine limitierte Serie von Astra Caravan mit schadstoffreduziertem CNG-Erdgasantrieb (Compressed Natural Gas) vor. Ausgewählte Versorgungsunternehmen, Behörden und Flottenbetreiber unterziehen 500 Astra Caravan CNG dem Alltagstest.

Aktuell steckt Opel übrigens mittendrin in der Entwicklung der neuesten Generation. Jetzt bereits mit dem Buchstaben "L". Dabei wird der Nachfolger des seit 2015 erhältlichen K wieder so etwas wie ein Neubeginn für die Marke. Schließlich wird die Kompaktklasse der Rüsselsheimer ab diesem Zeitpunkt wie beispielsweise der neue Peugeot 308 auf der EMP2-Plattform aufbauen. Es wird Plug-in-Hybrid-Antriebe geben und auch ein elektrischer Astra ist – dann knapp 30 Jahre nach den ersten E-Versuchen mit dem Astra F – nicht mehr undenkbar.

Bildergalerie: 30 Jahre Opel Astra F (1991-2000)