Die Oberklasselimousine bietet Technik vom Feinsten (Update)

Nach diversen Erlkönig-Bildern und Teaser-Häppchen zum Interieur sowie zur sonstigen Technik stellte Mercedes Anfang September die neue S-Klasse im Ganzen vor. Nun stehen auch die preise fest; sie beginnen bei 96.094 Euro - die anderen Preise finden Sie in unserer Tabelle weiter unten.

Maße und Optik

Das erste Modell, das von Mercedes als S-Klasse bezeichnet wurde, die Baureihe 116, startete bereits 1972, also vor fast 50 Jahren. Die auslaufende Baureihe 222 ist die sechste Generation; sie ist seit 2013 auf dem Markt.

Nun folgt die siebte Generation. Mit einer Länge von 5,13 Metern in der Normalversion ist die neue S-Klasse fünf Zentimeter länger als die alte. Die Variante mit langem Radstand misst nun 5,29 Meter. Stolz ist Mercedes auf den niedrigen cW-Wert von 0,22. Die Stirnfläche A hat sich mit 2,5 Quadratmeter leicht vergrößert, doch das für den Windwiderstand entscheidende Produkt aus beiden Werten (cW mal A) liegt mit 0,56 Quadratmeter 200 Quadratzentimeter niedriger als beim Vorgänger.

  alte S-Klasse neue S-Klasse
Länge 5.125 mm 5.179 mm
Breite 1.899 mm 1.954 mm
Höhe 1.493 mm 1.503 mm
Radstand 3.035 mm 3.106 mm

Die Optik bleibt in den Grundzügen unverändert. Zu den wichtigsten Erkennungszeichen der neuen Version gehören die schärfer gezeichneten Scheinwerfer; außerdem sieht die Schürze nun anders aus:

Mercedes S-Klasse von 2017
Alte S-Klasse (von 2017)
2021 Mercedes-Benz S-Klasse Exterieur
Neue S-Klasse

Zu den kleinen, aber feinen Details, die bereits im Vorfeld anhand der Erlkönigbilder rege diskutiert wurden, gehören die bündig integrierten Türgriffe, die optional erhältlich sind. Sie fahren elektrisch aus, wenn sich der Fahrer mit dem Schlüssel nähert oder über die Außenfläche des Türgriffs streicht.

2021 Mercedes-Benz S-Klasse Exterieur
2021 Mercedes-Benz S-Klasse Exterieur

Cockpit mit Infotainment-Monitor im Tesla-Stil

Innen bekommt die S-Klasse eine neue Display-Landschaft. Im Detail haben wir die Besonderheiten des Cockpits bereits in einem eigenen Artikel dargestellt. Dort finden Sie auch Details zum verbesserten "Kuschelkissen" im Fond und zur raffinierten Ambientebeleuchtung.

Die S-Klasse kommt nun mit bis zu fünf Bildschirmen daher, darunter ein großes, senkrechtes Zentral-Display im Tesla-Stil. Neben dem serienmäßigen 11,9-Zoll-Display wird ein größeres mit 12,8 Zoll Diagonal angeboten. Es arbeitet mit OLED-Technologie, also organischen LEDs mit besserem Schwarzwert, höherem Kontrast und weniger Stromverbrauch.

2021 Mercedes-Benz S-Klasse Innenraum

Das Instrumentendisplay ist auf Wunsch ebenfalls mit einer Innovation erhältlich: Auf Knopfdruck kann in einen 3D-Modus geschaltet werden. ein Eye-Tracking-System mit zwei Kameras erfasst dabei die Augenposition, ohne dass eine 3D-Brille getragen werden muss.

Die auf den Fahrer gerichteten Kameras werden auch genutzt zur neuen biometrische Authentifizierung, für die Müdigkeitswarnung, die Voreinstellung der Außenspiegel und (voraussichtlich ab dem zweiten Halbjahr 2021) für die Beobachtung der Bewegung von Kopf und Augenlidern beim automatisierten Fahren.

Den Fondpassagiere bietet die S-Klasse dasselbe Infotainment- und Komfort-Angebot wie dem Fahrer und Beifahrer. Darüber hinaus können sie noch Filme schauen oder im Internet surfen. Sie verfügen über bis zu drei Touchscreen-Bildschirme und können auch die Hey-Mercedes-Sprachsteuerung nutzen.

Die Hey-Mercedes-Sprachsteuerung erklärt nun auch einzelne Funktionen des Fahrzeugs und hilft weiter, wenn man zum Beispiel den Verbandskasten sucht oder sein Handy per Bluetooth mit dem Auto verbinden möchte. Auch Smart-Home-Geräte lassen sich nun per Sprache aus dem Auto heraus steuern. Auch die Klimaanlage mit zwei oder vier Zonen ist über Sprachbefehle regelbar. Sie passt sich automatisch an eine geänderte Außentemperatur an.

Die neue S-Klasse kann zudem ferngesteuert per Smartphone ein- und ausgeparkt werden. Mit der Vorrüstung für den Intelligent Park Pilot ist die S-Klasse für "Automated Valet Parking" (AVP, SAE-Level 4) vorbereitet. Damit kann der Wagen vollautomatisiert und fahrerlos in Parkhäusern, die mit AVP-Infrastruktur ausgerüstet sind, ein- und auszuparken, sofern die nationalen Gesetze dies erlauben.

Aktives Fahrwerk hebt die Karosserie an

Die Neuheiten in Sachen Fahrwerk hat Mercedes bereits vorab verkündet und detailliert erklärt. Hier daher nur die Grundzüge: Serienmäßig hat die S-Klasse eine Luftfederung (Airmatic) und adaptive Dämpfer an Bord.

Optional erhältlich ist ein aktives Fahrwerk (E-Active Body Control), das die elektrische Energie des 48-Volt-Mildhybridsystems nutzt. Das System hat einerseits eine Sicherheitsfunktion: Es kann das die Karosserie bei einem Seitencrash anheben, um Verletzungen der Insassen zu vermeiden.

Darüber hinaus erzeugt die Luftfederung mit aktivem hydraulischen Dämpfer dynamische Kräfte, die den Kräften der Luftfeder überlagert sind und den Fahrzeugaufbau aktiv abstützen und dämpfen. Das macht Querbeschleunigungskräfte leichter erträglich. Die Funktion Road Surface Scan erfasst mit einer Stereokamera kontinuierlich die Fahrbahnoberfläche vor dem Auto. Die Federbeine werden dann so angesteuert, dass die Karosseriebewegungen beim Überfahren von Bodenwellen deutlich reduziert werden.

Beim Bremsen und Beschleunigen taucht die Karosserie nicht mehr ein und auf schlechten Straßen kann das System sogar elektrische Energie zurückgewinnen, so dass der Energiebedarf gegenüber dem Vorgängersystem in der bisherigen S-Klasse etwa halbiert wurde.

Optional gibt es in der neuen S-Klasse eine Allradlenkung, die mit einem Einschlagwinkel von bis zu 10 Grad an den hinteren Rädern das Auto agiler macht.

Motoren: Nur wenige Änderungen

Was die Motoren angeht, so halten sich die Neuheiten in engen Grenzen. Zum Start gibt es zwei Sechszylinder-Benziner und zwei Sechszylinder-Diesel. Der S 400 d 4Matic hat nun 330 statt 340 PS, also zehn PS weniger. Wie gehabt, besitzen die Benziner ein EQ-Boost-Mildhybridsystem (mit 16 kW/22 PS Zusatzleistung und 250 Nm Zusatz-Drehmoment), die Diesel aber nicht. Als Getriebe wird wie bisher stets die 9G-Tronic eingesetzt.

  Motor Leistung / Drehmoment Basispreis
S 450 4Matic 3,0-Liter-R6 (Benziner) 367 + 22 PS / 500 + 250 Nm 106.650 Euro
S 500 4Matic 3,0-Liter-R6 (Benziner) 435 + 22 PS / 520 + 250 Nm 117.786 Euro
S 350 d 3,0-Liter-R6 (Diesel) 286 PS / 600 Nm 96.094 Euro
S 350 d 4Matic 3,0-Liter-R6 (Diesel) 286 PS / 600 Nm 99.806 Euro
S 400 d 4Matic 3,0-Liter-R6 (Diesel) 330 PS / 700 Nm 106.998 Euro

Bald nach Marktstart folgt ein V8-Benziner mit Mildhybridsystem (der S 560 mit 469 PS oder dessen Nachfolger). Erst 2021 startet dann ein Plug-in-Hybrid mit einer elektrischen Reichweite von 100 Kilometern. Letzterer ersetzt den aktuellen S 560 e mit 367 PS Systemleistung und rund 50 Kilometer Reichweite. Von einem V12-Modell (als Nachfolger des aktuellen S 600 mit 530 PS) ist nicht die Rede, zumindest bisher nicht. Auch zum AMG S 63 äußert sich Mercedes noch nicht.

Zehn Technik-Highlights

Im Folgenden haben wir die zehn wichtigsten Highlights für Sie zusammengestellt.

  1. Zu den Highlights gehört die zweite MBUX-Generation (Mercedes-Benz User Experience) mit bis zu fünf Displays, darunter ein neues senkrechter Touchscreen in der Cockpitmitte im Tesla-Stil. Teilweise arbeiten die Displays mit OLED-Technologie. Außerdem gibt es ein neues dreidimensionales Fahrerdisplay und ein Head-up-Display mit Augmented-Reality-Funktion. So werden zum Beispiel beim Navigieren animierte Abbiegepfeile auf die Fahrbahn projiziert.
  2. Mit Hilfe von Kameras am Dach und Künstlicher Intelligenz soll der MBUX-Innenraumassistent die Wünsche und Absichten der Insassen erkennen. Dazu registriert er Blickrichtung und Gesten des Fahrers und reagiert mit entsprechenden Fahrzeugfunktionen. Schaut man beispielsweise über die Schulter nach hinten, öffnet der Assistent automatisch die Sonnenblende am betreffenden Fenster im Fond.
  3. Die aktive Ambientebeleuchtung mit rund 250 LEDs kann nun auch Lauflichter anzeigen. Zudem ist sie mit den Assistenzsystemen vernetzt und kann deren Warnungen optisch verstärken. Darüber hinaus ist eine Rückmeldung möglich, etwa bei der Bedienung der Klimaanlage oder des Sprachassistenten "Hey Mercedes".
  4. Die neueste Generation des Fahrassistenzpakets umfasst neue und verbesserte Funktionen wie die vorausschauende Einhaltung von Tempolimits.
  5. Bei schweren Frontalkollisionen kann der Fond-Airbag (Sonderausstattung für die S-Klasse mit langem Radstand) die Belastungen der Insassen auf den äußeren Rücksitzen deutlich reduzieren. Der Frontal-Airbag für die Rücksitze entfaltet sich dank seiner Gitterstruktur besonders sanft.
  6. Dank der optionalen Hinterachslenkung soll die S-Klasse so wendig wie ein Kompaktwagen sein. Der Lenkeinschlag an der Hinterachse beträgt bis zu zehn Grad. Selbst bei der S-Klasse mit langem Radstand und Allradantrieb verringert sich der Wendekreis um 1,9 Meter auf weniger als 10,9 Meter.
  7. Die Software der S-Klasse kann künftig per Over-the-Air-Update aktualisiert werden. Das betrifft das gesamte MBUX-Infotainmentsystem, das Fahrerdisplay, die Fahrassistenzsysteme sowie die Scheinwerfer.
  8. Wenn ein Seitenaufprall eines anderen Fahrzeugs droht, kann die Fahrzeugkarosserie durch das optionale System E-Active Body Control innerhalb weniger Zehntelsekunden angehoben werden. Diese neue Funktion von Pre-Safe Impulse Side soll die auf die Insassen wirkenden Belastungen reduzieren, weil sie die Aufprallkräfte auf besonders widerstandsfähige Strukturen im unteren Fahrzeugbereich lenkt.
  9. Voraussichtlich ab der zweiten Hälfte des Jahres 2021 wird der neue Drive Pilot (Sonderausstattung) bestellbar sein, ein System fürs teilautonome Fahren auf Level 3. Auf geeigneten Autobahnabschnitten in Deutschland fährt die S-Klasse damit bei hoher Verkehrsdichte oder im Stau "hochautonomatisiert". Der Fahrer kann derweil im Internet surfen oder E-Mails bearbeiten.
  10. Das neue Digital Light ermöglicht neue Lichtfunktionen wie die Projektion von Markierungen oder Warnsymbolen auf die Fahrbahn. Wenn das System erkennt, dass sich das Auto auf eine Baustelle zufährt, wird zum Beispiel ein Baggersysmbol auf die Straße projiziert. Auf ähnliche Weise kündigt die S-Klasse Stopp-Schilder, Einfahrt-verboten-Schilder und Ampeln an. Dazu gibt es in jedem Scheinwerfer ein Lichtmodul mit drei besonders leistungsstarken LEDs, deren Licht von 1,3 Millionen Mikrospiegeln gebrochen und gelenkt wird.

Bildergalerie: Mercedes S-Klasse (2021)