Die "Linie der Vernunft" wurde zum riesigen Erfolg

1960: Ein neues Jahrzehnt kündigt sich an. Es wird vieles im wahrsten Wortsinne auf links drehen. Weg von den rückwärtsgewandten 1950er-Jahren mit Wirtschaftswunder, chrombehangenen Autos und Dominanz der Alten hin zu Fortschritt und immer mehr Einfluss der jungen Nachkriegsgeneration.

Sinnbildlich dafür steht 1960 die Wahl von John F. Kennedy zum US-Präsidenten, obwohl sein Herausforderer Richard Nixon nur vier Jahre älter ist. Kurz zuvor sorgt eine Art JFK auf Rädern in Köln für Aufsehen: Am 10. Oktober 1960 stellt Ford in Anwesenheit von Bundeskanzler Konrad Adenauer und Henry Ford II den neuen Taunus 17M vor.

Das Publikum ist zunächst überrascht, dann begeistert. Vor ihnen steht eine 4,50 Meter lange Limousine mit sachlicher Formgebung. Rundlich, ohne den Chrom und die Heckflossen des Vorgängers. Das spiegelt sich im Spitznamen wider: Der intern P3 genannte Taunus 17M ist die "Badewanne" und folgt auf den "Gelsenkirchener Barock".

Ford selbst preist das Design in der Werbung als "Linie der Vernunft" an, die beim Spritsparen hilft: Nur 7,9 Liter seien mit der serienmäßigen 55-PS-Maschine möglich. Ein Liter Normalbenzin kostet 1960 übrigens rund 60 Pfennig.

Ford Taunus 17M (1960)

Wer über den großen Teich geschaut hätte, dem würde die Form der "Badewanne" nicht ganz neu vorkommen. Bereits 1959 lancierte Ford den kompakten Falcon in den USA, kaum länger als der spätere Taunus, aber ähnlich rundlich-sachlich.

Fun Fact am Rande: Uwe Bahnsen, verantwortlich für die Optik des Taunus 17M P3, sollte 1982 mit dem Sierra einen noch größeren Design-Coup landen. Doch zurück ins Jahr 1960: 6.485 DM kostet damals der günstigste Ford Taunus 17M P3, die zweitürige Limousine. Der Viertürer notiert bei 6.875 Mark. Ein Angestellter verdient damals zwischen 450 und 625 Mark im Monat. 

Ford Taunus 17M (1960)

Das relativiert auch die heute günstig anmutenden Aufpreise: 150 Mark für Scheibenbremsen vorne (ab April 62), 75 Mark für einen stärkeren Motor. Statt der normalen 55 PS aus 1,5 Liter Hubraum gibt es hier 60 PS und 1,7 Liter. 95 DM muss man für vier Gänge anstelle der werksseitigen Dreigang-Lenkradschaltung investieren. 

Die Händler können sich nicht beschweren, der Badewannen-Taunus sorgt für hohe Nachfrage und lange Lieferfristen. Die 17M-Produktion schnellt von 99.373 im Jahr 1960 auf 138.623 im Folgejahr hoch. Ford schaltet trotzdem Werbung wie "Stromform nutzt die volle Motorkraft zum Fahren" oder in späterer BMW-Diktion "Freude am Fahren auch im Stadtverkehr". Durchaus richtig: Es gibt riesige Fensterflächen, ein übersichtliches Cockpit und ab Herbst 1961 noch mehr Kraft unter der Haube. 

Ford Taunus 17M (1960)

Zu diesem Zeitpunkt erscheint die sportliche TS-Version für 1.245 DM extra. Ob es nur reiner Zufall war, dass fast parallel die ähnlich starke Borgward Isabella TS abdankte? Fest steht, der Taunus-TS-Besitzer konnte sich nicht nur auf Einzelsitzen vorne fläzen, sondern dank 70 PS aus 1,8 Liter Hubraum ordentlich Stoff geben. 16 Sekunden auf 100 km/h und eine Spitze von 150 km/h waren 1961 nicht von schlechten Eltern. 

Ford Taunus 17M (1960)

Der Karosseriebauer Deutsch in Köln baut einige Taunus 17M zu Cabrios (siehe Bild oben) um, jedes von ihnen kostet etwa 11.000 Mark.

Ford Taunus 17M (1960)

Bereits im Frühjahr 1961 hatte Ford den Taunus 17M als Kombi namens "Turnier" vorgestellt. Ungewöhnlich waren anfangs die oberhalb der Heckklappe am Dach montierten Rückleuchten. Ob Handwerker oder Familienvater, viele griffen gerne zum P3, der ab August 1963 fünf PS mehr Leistung erhielt. Bis 1964 werden fast 670.000 Ford Taunus 17M gebaut.

Bildergalerie: Ford Taunus 17M (1960)

Quelle: Ford Werke