Hintergrund ist offenbar die Kritik wegen Problemen mit Golf und ID.3

VW-Konzernchef Herbert Diess gibt die Verantwortung für die Kernmarke Volkswagen zum 1. Juli 2020 ab. Das teilte VW nun nach einer außerplanmäßigen Sitzung des Aufsichtsrats mit. Neuer Markenchef wird Ralf Brandstätter, der bisher schon das operative Geschäft leitete.

In letzter Zeit wurde Diess in letzter Zeit öfter kritisiert, zuletzt Ende Mai durch den mächtigen Betriebsratschef Bernd Osterloh. Dieser hatte Diess für Probleme mit der Golf-Produktion verantwortlich gemacht. Außerdem hatte es Probleme mit dem Anlauf des ID.3 gegeben und mit einem Werbe-Posting der Marke VW in den sozialen Netzwerken, der als rassistisch verstanden worden war. 

Diess hatte bisher Konzern und Marke in Personalunion geführt. Nach einer außerplanmäßigen Sitzung des Aufsichtsrats teilte der Konzern nun am gestrigen Abend (8. Juni) per Twitter die Übergabe der Marke Volkswagen mit:

 

Mit Abgabe der Führungsverantwortung für die Marke durch Diess solle "eine stärkere Fokussierung auf die jeweiligen Aufgaben an der Spitze von Konzern und Marke" möglich werden, so VW in seiner Pressemitteilung. Der Schritt ist von Kommentatoren allerdings überwiegend so verstanden worden, dass Diess die Marke gegen seinen Willen entzogen wurde.

Ein Kommentator sprach gar von "Kaltstellung". Der Bayerische Rundfunk berichtete in seinem Radioprogramm B5 aktuell am heutigen Dienstagmorgen davon, dass in der Aufsichtsratssitzung die Zukunft von Diess bei VW spitz auf Knopf gestanden habe.

Davor hat es Spekulationen gegeben, dass Porsche-Chef Oliver Blume die Marke VW übernehmen solle, berichtet tagesschau.de. Nun hat man sich doch für den Marken-Insider Brandstätter entschieden. Der gelernte Schlosser und studierte Wirtschaftswissenschaftler ist bereits seit 1993 im Konzern. Seit Sommer 2018 arbeitete er als COO der Marke Volkswagen, das heißt, er lenkte bereits wichtige Bereiche des Tagesgeschäfts. Künftig wird er nun allein verantwortlich sein.

Ob die Teilentmachtung von Diess schlussendlich zu seiner Ablösung als Konzernchef führen wird? Das können nur Glaskugel-Besitzer wissen. Nach Branchengerüchten steht im Aufsichtsrat nur noch die Kapitalseite hinter ihm, die Arbeitnehmerseite will den Kostensenker absägen.