Optisch wird die Modellpflege zum Mini-RS 6

Vor gut fünf Monaten präsentierte Audi das Facelift des A4 mit einem - für eine Modellpflege - überraschend radikal geänderten Design. Vor knapp sechs Wochen zeigten die Ingolstädter den neuen RS 6 Avant mit einem generell sehr radikalen Design. Warum ich Ihnen das erzähle? Nun, heute ist Premiere für den überarbeiteten RS 4 Avant und er sieht aus, als hätte man die beiden erstgenannten in einen engen Raum gesperrt und die romantische Musik angemacht. 

Die Front des gelifteten RS 4 ist komplett neu, orientiert sich am Facelift des normalen A4. Das gilt auch für die serienmäßigen LED-Scheinwerfer. Optional sind abgedunkelte Matrix-LED-Leuchten zu haben. Verglichen mit dem normalen A4 gibt es jedoch einen breiteren, flacheren Singelframe-Grill und größere seitliche Lufteinlässe. Außerdem bringen die RS-Designer auch beim neuen RS 4 ordentliche Kotflügel-Kaliber ins Spiel. Pro Seite wächst das Auto vorne und hinten um je 30 mm in die Breite. Am Heck verfügt auch der RS 4 über die neuen Rückleuchten im A6-Stil. Dazu kommen ein Diffusor-Einsatz und zwei dicke Oval-Endrohre. Wenn aus letzteren etwas mehr Krawall entfleuchen soll, empfiehlt sich die aufpreispflichtige Sportabgasanlage mit schwarzen Auspuff-Tröten.

Wie bisher steht der RS 4 ab Werk auf 19-Zoll-Rädern. Neu ist ein 20-Zoll-Vollfräsrad in Mattbronze mit 275/30er-Reifen. Die serienmäßige 6-Kolben-Stahlbremse kommt vorne mit 375-mm-Scheiben und hinten mit 330 mm-Discs. Wenn Sie sehr viel mehr Geld loswerden wollen, kriegen Sie aber auch eine Carbon-Keramik-Anlage. Allerdings nur vorne und mit 400 Millimeter großen Scheiben.

Wie bei allen anderen A4-Varianten passiert auch im Interieur des neuen RS 4 auf den ersten Blick wenig. Sie kriegen einen schwarzen, sehr penibel zusammengebauten Innenraum, den Sie auf Wunsch mit Tonnen an Alcantara, Carbon, Kontrastnähten und roten oder grauen Akzenten ausschmücken können. Neuerdings lassen sich sogar die Rückseiten der Vordersitze rot einfärben. Ebenfalls neu: Auf dem unten abgeflachten Sportlenkrad (mit "deutlich größeren" Aluminium-Schaltwippen) finden Sie künftig eine RS-Taste. Dabei handelt es sich quasi um einen Kurzwahl-Schalter für all ihre individuellen Fahrdynamikeinstellungen, die Sie in einem RS1- und in einem RS2-Modus abspeichern können.

Außerdem legt der Infotainment-Bildschirm natürlich auch im RS 4 Avant in der Größe zu. Er misst nun 10,1 Zoll und lässt sich nur noch per Sprach- oder Touchbedienung steuern. Das Drehrädchen in der Mittelkonsole entfällt. Buh!

Audi RS 4 Avant 2020
Audi RS 4 Avant 2020

Technisch ändert sich beim Facelift des AMG-C-63-T-Modell-Rivalen im Prinzip gar nichts. Es bleibt beim 2,9-Liter-Biturbo-V6, der weiterhin einen Output von 450 PS und 600 Nm liefert. Eine Achtgang-Automatik verteilt die Kraft an alle vier Räder. Die Grundverteilung ist mit 40:60 Prozent leicht hecklastig, wenn Schlupf auftritt, können aber auch bis zu 70 Prozent der Power nach vorne oder bis zu 85 Prozent nach hinten geschickt werden. Wie zuvor geht es in 4,1 Sekunden von 0-100 km/h, auf Wunsch heben Ihnen die Audianer die Höchstgeschwindigkeit von 250 auf 280 km/h an. 

Serienmäßig steht der RS 4 wie bisher auf einem 7 mm tieferen Sportfahrwerk. Gegen Aufpreis ist das sogenannte Dynamic-Ride-Control-Fahrwerk (DRC) zu haben. Hier sind die Dämpfer jeweils diagonal über zwei separate Ölleitungen mit je einem Zentralventil verbunden. Beim Einlenken und in Kurven soll das System die Dämpferkennung so verändern, dass Wank- und Nickbewegungen quasi in Echtzeit reduziert werden. Zu den weiteren optionalen Tech-Gimmicks gehören das Hinterachs-Sportdifferenzial und eine Dynamiklenkung mit variabler Lenkübersetzung. 

Der neue Audi RS 4 Avant ist ab Oktober 2019 bestellbar. Der Marktstart erfolgt im Dezember dieses Jahres. Die Preise starten bei 81.400 Euro. 

Bildergalerie: Audi RS 4 Avant Facelift 2020