Tempo 490 sind erstmal genug

Im Juli 2010 schrieb Bugatti Geschichte, als der offizielle Testfahrer Pierre Henri Raphanel mit einem unbeschränkten Veyron Super Sport einen Geschwindigkeitsrekord aufstellte, indem er im Durchschnitt 430,9 km/h auf dem Hochgeschwindigkeitsoval von Volkswagen in Ehra-Lessien erreichte. Wenige Jahre später stellte der chinesische Rennfahrer Anthony Liu mit dem Veyron Grand Sport Vitesse einen Rekord für das schnellste offene Serienfahrzeug auf, indem er 408,8 km/h auf dem gleichen Testgelände in Niedersachsen absolvierte.

Am 2. August 2019 brachte Le-Mans-Sieger und Bugatti-Testfahrer Andy Wallace einen eigens dafür gebauten Chiron am gleichen Ort auf eine Höchstgeschwindigkeit von 304,7 mph (490,4 km/h).

Weitere Höchstgeschwindigkeitsrekorde von Bugatti werden wir in absehbarer Zeit aber nicht mehr sehen, denn Firmenchef Stephan Winkelmann hat bekannt gegeben, dass die Molsheimer Marke keine weiteren Geschwindigkeits-Bestmarken verfolgt. Bugattis Ziel war es, der erste Autohersteller zu sein, der die 300-Meilen-Marke durchbrach, und jetzt, da sie es mit dem Chiron Longtail geschafft haben, ist die Aufgabe beendet.

Bugatti Chiron Sport built for top speed run

„Bugatti hat einmal mehr gezeigt, wozu wir in der Lage sind. Mit diesem neuen Rekord des Chiron betreten wir erneut absolutes Neuland. Nie zuvor hat ein Serienhersteller diese hohe Geschwindigkeit erreicht“, so Winkelmann. „Unser Ziel war es die magischen 300 Meilen pro Stunde zu erreichen, als erster Hersteller überhaupt. Das haben wir nun geschafft und macht uns, die gesamte Mannschaft, und mich, unheimlich stolz.“ Gleichzeitig war es für Bugatti die letzte Rekordfahrt. „Wir haben mehrfach gezeigt, dass wir die schnellsten Autos der Welt bauen. Künftig legen wir unseren Focus auf andere Bereiche.“

Das bedeutet, dass Koenigsegg mit dem Jesko, Hennessey mit dem Venom F5 und SSC North America mit dem Tuatara die verbleibenden Autohersteller sind, die daran interessiert sind, um den Höchstgeschwindigkeitsrekord unter den Serienfahrzeugen zu kämpfen. Es lohnt sich, alle daran zu erinnern, dass der im letzten Monat verwendete Chiron Sport nicht zum Verkauf steht, daher ist er technisch gesehen kein Serienauto. Allerdings wird allgemein angenommen, dass ein Chiron Super Sport folgen wird und dieser ähnliche Spezifikationen haben wird.

Ein solcher Schritt wäre keine Überraschung, wenn man bedenkt, dass Bugatti bereits eine Veyron SS World Record Edition auf den Markt brachte, obwohl diese auf 415 km/h begrenzt war. Die bereits erwähnte Grand Sport Vitesse brachte auch eine WRE-Edition hervor, um den Open-Top-Geschwindigkeitsrekord zu feiern.

Bugatti Chiron Sport built for top speed run

Bugatti hat unterdessen weitere Details über den modifizierten Chiron-Prototyp, insbesondere die Reifen, veröffentlicht. Die vom regulären Chiron verwendeten Hochgeschwindigkeitsgummis des Michelin Pilot Sport Cup 2 mussten noch einmal verstärkt werden, um die beeindruckenden Geschwindigkeiten zu bewältigen. Die Gurte wurden für die extremen g-Kräfte verstärkt, während sie noch straßenzugelassen sind, was ein Zeichen dafür sein könnte, dass tatsächlich ein Chiron SS kommt.

Die Reifen drehen sich in einer Minute bis zu 4.100 mal und wurden in den USA mit Geschwindigkeiten von bis zu 317,5 mph (511 km/h) getestet. Jeder Reifen wurde durchleuchtet, um eine maximale Optimierung zu gewährleisten, und das Set wurde kurz vor dem rekordverdächtigen Lauf auf dem Longtail-Chiron installiert.

Was den Fahrer betrifft, ist Andy Wallace kein Unbekannter im Aufstellen von Geschwindigkeitsrekorden: Im März 1998 jagte der Le-Mans-Sieger von 1988 einen McLaren F1 auf 386,2 km/h. Für seinen neuen Versuch beschleunigte er den Chiron auf 300 km/h in 50-km/h-Schritten, um zu überprüfen, ob alles in Ordnung ist, bevor er das Gaspedal des Prototypen auf der 8,8 Kilometer langen Geraden ins Bodenblech nagelte, um die 490 km/h zu erreichen. Bei maximaler Geschwindigkeit legte das Auto jede Sekunde 136 Meter zurück.

Bildergalerie: Bugatti Chiron fährt schneller als 490 km/h