Panzerung und drei Zentimeter dickes Glas und allerlei Zusatz-Features für Krisengebiete

BMW stellt ein Sicherheitsfahrzeug auf der Basis des neuen X5 vor. Der neue X5 Protection VR6 schützt vor gewaltsamen Angriffen, Entführung oder organisierter Kriminalität – besonders in Südamerika, Afrika oder Russland ein wichtiges Kaufkriterium.

Das Auto erfüllt die Anforderungen der Schutzklasse VR6 der Vereinigung der Prüfstellen für angriffshemmende Materialien und Konstruktionen (VPAM). Die Panzerung wurde schon bei der Entwicklung des neuen Serien-X5 bedacht. Anders als nachträglich gepanzerte Fahrzeuge ist das Auto äußerlich und im Interieur kaum von einem normalen Serienfahrzeug zu unterscheiden. Man bleibt also unauffällig, was ein zusätzlicher Sicherheitsaspekt ist.

Die Fahrgastzelle wird mit Teilen aus hochfestem Stahl im Bereich von Türen, Seitenrahmen, Dach und Stirnwand ausgestattet. Hinzu kommen ein Unterboden-Splitterschutz aus Aluminium, eine gepanzerte Gepäckraum-Trennwand und die Sicherheitsverglasung. Die Windschutzscheibe ist rund drei Zentimeter dick und hat als zusätzlichen Splitterschutz eine innen liegende Polycarbonat-Schicht. Das Eindringen von Geschossen oder Splittern wird durch überlappende Panzerungen an Türfugen und anderen Übergängen verhindert.

BMW X5 Protection VR6 (2019)

So ergibt sich ein Schutz vor Faustfeuer- und Langwaffen mit Munition bis zum Kaliber 7,62 × 39 FeC beziehungsweise 7,62 × 39 SC, wie sie auch in der Kalaschnikow AK-47 verwendet wird. Die Fahrgastzelle hält auch seitlichen Explosionen von bis zu 15 Kilogramm TNT in einer Entfernung von vier Meter stand. Auch nach dem Knall bleiben sämtliche Scheiben stabil in der Karosserie, sodass sich keine Öffnungen für Sekundärangriffe auftun.

Die Bodenpanzerung schützt vor Splittern bei der Explosion von Handgranaten vom Typ DM51 (die Standardgranate der Bundeswehr). Optional wird eine noch bessere Unterbodenpanzerung angeboten, die auch Handgranaten vom Typ HG85 widersteht. Auf Wunsch gibt es auch ein besonders gepanzertes Dach gegen Drohnenangriffe.

Serienmäßig eingebaut wird ein Tank, der sich nach einem Beschuss selbstständig verschließt, um das Austreten von Kraftstoff zu verhindern. Die serienmäßigen Notlauf-Reifen ermöglichen die Weiterfahrt auch nach einem vollständigen Druckverlust. Optional sorgen weitere Features dafür, dass der Motor auch nach einer Kollision funktioniert.

Apropos Motor: Für den Antrieb sorgt der 530 PS starke Biturbo-V8 aus dem BMW X5 M50i. Damit beschleunigt das Fahrzeug in 5,9 Sekunden auf 100 km/h – der normale M50i braucht dafür 4,3 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit verringert sich von 250 auf 210 km/h (limitiert).

Zum Gewicht macht BMW keine Angaben. Fahrwerk und Bremsen wurden an die größere Masse angepasst. Die Stahlfederung wurde gezielt verstärkt, die elektronisch geregelten Dämpfer bekamen modifizierte Kennfelder. 20-Zoll-Alufelgen mit Mischbereifung ermöglichen schnelle Kurvenfahrten, eine Sportbremsanlage garantiert konstant hohe Verzögerungswerte. Einen zusätzlichen Beitrag leistet die aktive Wankstabilisierung. Die Serienausstattung umfasst außerdem die Hinterradlenkung ("BMW Integral Aktivlenkung").

Auf der Fahrerseite wird die Sicherheitsglasscheibe per elektrischem Fensterheber bewegt, für die Beifahrerseite gibt es optional einen weiteren Fensterheber. Ebenfalls auf Wunsch wird die Öffnungshöhe für die vorderen Fenster auf zehn Zentimeter begrenzt, sodass eine Kommunikation und der Austausch von Dokumenten möglich ist, aber keine größeren Gegenstände ins Auto gelangen können.

Zur Serienausstattung gehört auch eine Wechselsprechanlage zur Kommunikation mit Personen außerhalb des Fahrzeugs, ohne dass Türen oder Fenster geöffnet werden müssen. Dazu werden Mikrofone in die Außenspiegel integriert und ein Außenlautsprecher genutzt. Die ebenfalls serienmäßige Überfallalarm-Funktion sorgt dafür, dass die Türen automatisch verriegelt und die vorderen Fenster geschlossen werden. Außerdem werden akustische und optische Alarmsignale abgegeben. Die Bedienelemente sind in einem zusätzlichen Schaltzentrum vor dem Gangwahlhebel untergebracht.

BMW X5 Protection VR6 (2019)

Für die Kunden ebenfalls interessant sein dürfte das Surround-View-System mit Remote 3D-View. Damit kann man sich ein Live-Bild des Fahrzeugs und seiner Umgebung auf dem Smartphone ansehen. Außerdem sind verfügbar: LED-Blitzlichter im Kühlergrill, Blitzlichter fürs Heck, Dachkennleuchten inklusive Signaltonanlage, eine Dachantenne mit zusätzlichem Empfangsteil für Digitalfunk sowie eine Panzerung für die Fahrzeugbatterie. Für repräsentative Einsätze ist auch eine Standartenhalterung erhältlich.

Das eigenständige Fahrwerk erhält das Sicherheitsfahrzeug bereits im BMW-Werk Spartanburg (South Carolina), wo der VR6 gemeinsam mit den Serien-X5 produziert wird. Anschließend wird die Schutzausstattung in einem Spezialwerk im mexikanischen Toluca eingebaut. 

Bereits 1978 präsentierte BMW sein erstes Sicherheitsfahrzeug, den BMW 733i High Security auf Basis eines BMW 7er. Mit dem X5 Security kam 2004 erstmals ein SUV mit Schutzausstattung auf den Markt. Im Jahre 2009 war der BMW X5 Security Plus das erste Fahrzeug seiner Art, das die Anforderungen der Widerstandsklasse 6 erfüllte. Mit dem neuen X5 Protection VR6 wird nun bereits die vierte Generation des X5 auch als Sicherheitsfahrzeug angeboten.

Bildergalerie: BMW X5 Protection VR6 (2019)