Notrufsysteme: myGo für ACE-Mitglieder, GDV-Unfallmeldedienst mit Bosch-Hardware und Copilot vom Verband Öffentlicher Versicherer

In Deutschland wurden 2018 bei Autounfällen mehr als 3.200 Menschen getötet und fast 68.000 schwer verletzt. Im Notfall zählt jede Sekunde für die Rettungskräfte. Fest eingebaute sogenannte eCall-Systeme mit automatischem Rettungsnotruf zur direkten Verständigung von Feuerwehr oder Krankenwagen erhöhen die Chance auf schnellere Rettung. Autos, die noch keine solche eCall-Einrichtung haben, können nachgerüstet werden.

Seit April 2018 sind EU-weit alle Neuwagen verpflichtend mit einem eCall ausgerüstet. Davor aber gab es das System nur bei einigen Premiumherstellern, zum Beispiel bei Mercedes seit 2012 (aber nur mit dem teuren Comand Online) oder bei BMW (nur mit Connected Drive) und bei Volvo. Der Großteil der in Deutschland zugelassenen Fahrzeuge verfügt aber noch nicht über das im Notfall lebensrettende System. Nachrüstsysteme sollen diese Lücke schließen.

eCall-Nachrüstsysteme

ACE myGo

Neu ist ACE myGo vom Automobilclub ACE, der ab dem 1. Juni 2019 verfügbar ist. Es besteht aus einem Stick, der in die Onboard-Diagnose-Schnittstelle (OBD2) des Fahrzeugs gesteckt wird, und einer App für das Smartphone. Über die benötigte OBD2-Schnittstelle verfügen die meisten Fahrzeuge ab dem Baujahr 1996. Der Stick erkennt einen Unfall anhand der integrierten Beschleunigungssensoren. Das Smartphone wird über Bluetooth angebunden. Bei einer Kollision verständigt das System automatisch den Rettungsdienst und lotst ihn mithilfe von GPS zur Unfallstelle. Das System verfügt über einige interessante Zusatzfunktionen. Dazu gehören eine Fehlercode-Analyse für schnelle Selbsthilfe bei Fehlermeldungen, ein Performance-Monitor zur Messung von Fahrzeugdaten wie Batteriestatus, Benzinverbrauch oder Öltemperatur in Echtzeit, ein Finanzamt-konformes elektronisches Fahrtenbuch und eine Find-My-Car-Funktion zum Auffinden des geparkten Fahrzeugs. Der Stick kostet 34 Euro, ist aber nur für Mitglieder des ACE erhältlich.

ACE myGo
ACE myGo besteht aus einem Stick zum Einschieben in die Onboard-Diagnose-Schnittstelle und einer App

GDV-Unfallmeldedienst mit Hardware von Bosch 

Wer kein ACE-Mitglied ist, kann sich ein eCall-Nachrüstsystem über seinen Versicherer besorgen. Das vom GDV entwickelte System heißt Unfallmeldedienst. Anders als beim ACE-System wird hier ein Stecker in die 12-Volt-Buchse gesteckt, nicht in die OBD2-Schnittstelle. In den Stecker sind Sensoren integriert, die einen Unfall erkennen können. In diesem Fall sendet er diese Information zusammen an die Unfallmelde-App auf dem Smartphone des Autofahrers, die dann einen Notruf absetzt. Bei schweren Kollisionen wird automatisch eine Sprachverbindung zur Notrufzentrale der Autoversicherer hergestellt. Dieser erhält auch die Information über Unfallort und Fahrrichtung sowie das Kfz-Kennzeichen. Das System ist beim Versicherungsunternehmen zu bekommen. Die Hardware stammt von Bosch. Die Firma listet auf einer Website auch die Versicherer auf, die den Unfallmeldedienst anbieten. Für Versicherte der HUK Coburg zum Beispiel kostet der Dienst neun Euro pro Jahr, bei der Allianz ist eine entsprechender Tarif zu buchen.

eCall-Nachrüstsysteme
Bosch bietet ein eCall-Nachrüstsystem für den Zigarettenanzünder an

VÖV-Copilot

Eine weitere Alternative ist das Copilot-System vom Verband Öffentlicher Versicherer. Es wird unter anderem von der SV Sparkassen-Versicherung in Stuttgart angeboten. Das System besteht aus einer Box zum Selbsteinbau. Auch hier sind Crash-Sensoren integriert, zur Notruf-Übermittlung wird aber kein Handy benötigt, da in die Box eine SIM-Karte integriert ist. Bei einem Unfall werden der per GPS ermittelte Unfallort an eine Notrufzentrale übermittelt. Bei leichteren Kollisionen wird eine Kontaktaufnahme über die hinterlegte Handynummer versucht, bei schweren Unfällen sofort der Rettungsdienst alarmiert.

Bildergalerie: eCall-Nachrüstsysteme von ACE, GDV/Bosch und VÖV