Im Interview mit Motor1 verrät Bugatti-Chef Winkelmann auch, wer "La Voiture Noire" NICHT gekauft hat

Im Rahmen der Motor1 Days 2019 im italienischen Modena gab Bugatti-Chef Stephan Winkelmann den weltweiten Motor1.com-Editionen ein Interview. Auch Motor1.com Deutschland war mit von der Partie. Im Gespräch äußerte sich Winkelmann unter anderem zum Elektroantrieb und einem möglichen Ausbau des Modellprogramms. Wir fassen seine wichtigsten Aussagen zusammen.

 

Zu Beginn eine Frage, die viele Leser interessiert: Peilt Bugatti noch einen Geschwindigkeitsrekord mit dem Chiron an? Theoretisch sollen ja über 460 km/h möglich sein.

"In meinen Augen ist es ein Fehler, ein Auto wie den Bugatti Chiron nur auf seine Höchstgeschwindigkeit zu reduzieren. Denn wir sind der einzige Hersteller von Supersportwagen, der viele Dinge in einem Fahrzeug kombiniert. Normalerweise ist ein Hypercar sehr schnell und besonders im Design, aber es mangelt an Komfort. Ein Luxusauto ist das Gegenteil: komfortabel und ansprechend gestaltet, aber es fehlt die Performance. Der Chiron verbindet beide Welten miteinander. Für mich hat die Erlangung eines Weltrekords aktuell keine Priorität."

 

Sind Sie zufrieden mit den Verkaufszahlen des Chiron?

"Sehr zufrieden. Aber das ist nicht das Wichtigste für uns. Der durchschnittliche Bugatti-Kunde besitzt zwischen 30 und 40 Autos. Ein Chiron ist dann meist die Krönung dieser Sammlung. Unsere Aufgabe ist es, unser Produkt über den gesamten Lebenszyklus frisch und begehrenswert zu halten."

 

Wie sehen Sie die Zukunft der Marke Bugatti? Wird es irgendwann eine Limousine oder gar ein SUV geben?

"Wenn man über eine zweite Baureihe nachdenkt, stellt man natürlich Überlegungen zur Karosserieform an. Ich glaube nicht, dass Limousinen noch Up-to-Date sind, weshalb ich für mich persönlich heute diesen Fahrzeugtyp ausschließen kann. Glauben Sie mir: Wir blicken in Sachen Karosserieform wirklich auf jedes Detail. Es gibt eine, die für eine Firma wie Bugatti sehr vielversprechend ist und die es heute so noch nicht auf dem Markt gibt."

"Ich denke, wir sind bereit, mehr als eine Baureihe zu machen, wenn wir die Möglichkeit dazu haben. Auch Ettore Bugatti produzierte mehr als eine Baureihe. Heute sind wir ein sehr kleines Unternehmen und müssen unsere Prioritäten sortieren. Wir wollen stets etwas erreichen, was heute noch unmöglich erscheint. Bereits den Nachfolger eines bestehenden Modells zu bringen, ist für uns eine Herausforderung. Aber eine neue Baureihe stellt noch einmal etwas Besonderes dar."

Bugatti Das schwarze Auto

Und wie sieht es mit Plug-in-Hybrid oder Elektroantrieb aus?

"Der W16 ist das Alleinstellungsmerkmal des Chiron, das wir nicht verlieren wollen. Natürlich wird es irgendwann eine Zeit des Wandels geben. Wenn wir über Elektroantrieb oder Ähnliches sprechen, dann ist es für Bugatti nicht wichtig, diese Technik vor anderen zu haben. Das Rennen, das wir gewinnen müssen. Wir wollen in allem, was wir machen, die Besten sein."

"Ein Elektroantrieb wäre für Bugatti nicht unmöglich. Wenn ich an eine Ergänzung unserer Modellpalette denke, denke ich an ein täglich nutzbares Fahrzeug, das sehr schnell ist. Es muss nicht wie der Chiron die Referenz in der automobilen Welt sein. Es genügt, wenn es in seinem Segment die Referenz ist. Ein Auto, um ohne große Herausforderungen von A nach B zu kommen. Das könnte auch ein vollelektrisches Fahrzeug sein. Aber es muss das Beste sein. Wir stehen diesbezüglich nicht unter zeitlichem Druck."

 

Wie muss man sich den typischen Bugatti-Kunden vorstellen?

"Viele sind CEOs oder Firmenbesitzer. Es gibt kein Durchschnittsalter. Wir haben Kunden in den späten 20ern, also viel jünger, als man oft denkt. Unsere Herausforderung: Nah am Kunden zu sein, aber dennoch seine Privatsphäre achten."

 

Apropos Kunde: Können Sie uns verraten, wer nun „La Voiture Noire“ [siehe Bild oben] gekauft hat?

"Nein (lacht). Aber ich kann Ihnen sagen, dass es nicht Cristiano Ronaldo war."

Bildergalerie: Bugatti auf den Motor1Days 2019