Schon vor 80 Jahren wurde der Kugel-Porsche getunt - auf 32 PS!

Geschichte hat nicht nur schöne Seiten, wie uns das 20. Jahrhundert gelehrt hat. Und auch in der Automobilhistorie gibt es helle und dunkle Momente. Nehmen wir zum Beispiel die Entwicklungsgeschichte von Deutschlands berühmtesten Auto, dem VW Käfer. Hier vermischen sich viele Aspekte: Der konstruktive Ehrgeiz von Ferdinand Porsche, interessante Ingenieurslösungen, aber auch die gnadenlose Durchsetzung des "KdF-Wagens" durch das Nazi-Regime, Zwangsarbeit inklusive. Und so sind Fahrzeuge wie der letzte existierende VW-39-Prototyp besonders aufschlußreiche Zeugnisse der Zeitgeschichte.

Die Besonderheit am hier gezeigten VW 39 ist sein leistungsgesteigerter Motor, der bereits den Weg in die spätere eigenständige Porsche-Zukunft wies. Denn auch der Porsche 356 "Nummer 1" von 1948 nutzte ein ähnliches 1,1-Liter-Aggregat mit 35 PS Leistung.

Aber der Reihe nach: Ferdinand Porsche konstruierte 1939 den Ur-Käfer als Vorserienmodell und Versuchsträger. Im Gegensatz zu den sonst in Zuffenhausen gebauten VW-Prototypen arbeitete im Heck hier aber ein Typ-64-Motor. Dieses Aggregat war für den Einsatz im Berlin-Rom-Wagen (besagter Typ 64) gedacht. Der Sportwagen sollte 1939 bei der ersten Fernfahrt von Berlin nach Rom zum Sieg fahren. Die Leistung des Triebwerks war dafür auf bis zu 32 PS gesteigert worden. Die für den Herbst 1939 geplante Berlin-Rom-Fahrt wurde jedoch aufgrund des Kriegsausbruchs abgesagt.

Mit der 32-PS-Maschine unter der Haube waren Ferdinand Porsche und sein Sohn immer wieder mit dem VW 39 zwischen dem Produktionsort in Zuffenhausen, dem noch im Bau befindlichen Volkswagenwerk in Wolfsburg (damals "Stadt des KdF-Wagens") sowie der Hauptstadt Berlin unterwegs. Mit dem stärkeren Motor erreichte das Fahrzeug eine für damalige Verhältnisse enorme Höchstgeschwindigkeit von 145 Stundenkilometern.

Als der Volkswagen 39 mit der Fahrgestellnummer 1-00003 die Porsche-Fertigung in Zuffenhausen verließ, ging seine Reise nach Berlin zur Zentrale der Deutschen Arbeitsfront. Über seine Verwendung dort gibt es kaum Erkenntnisse. Vermutlich wurde er ausgestellt, um die Begeisterung der Käufer zu wecken. Sicher ist, dass das Fahrzeug dort nach dem Krieg arg lädiert aus den Trümmern geborgen und 1948 an einen Sammler nach Hamburg verkauft wurde. Der legte immer mal wieder Hand an, hielt das Fahrzeug mit zeitgemäßen Ersatzteilen am Leben und lackierte den Oldie grau.

Volkswagen 39

Vor rund fünf Jahren kauften Thomas König und Oliver Schmidt, die Gründer des Hamburger Prototyp-Museums, den Klassiker. In mehr als dreijähriger Arbeit bei einem Spezialisten für frühe Volkswagen-Modelle wurde die Nummer 1-00003 in ihren Originalzustand versetzt. Viele Bauteile mussten dafür in Handarbeit eigens hergestellt werden. Mit dem nitroschwarzen Lack glänzt der einzige erhaltene VW 39 nach der aufwendigen Restaurierung wieder wie am ersten Tag.

Der Motor war aber nicht das einzige Bemerkenswerte an diesem Volkswagen, der wegen seines zweigeteilten Heckfensters, einem beliebten Gebäckstück ähnlich, Brezelkäfer genannt wurde. Bei der Produktion des Modells 39 kamen im Rahmen der Vorbereitung zur geplanten Serienfertigung erstmals Werkzeugmaschinen zum Einsatz: Bauteile wie die Kotflügel oder die bogenförmige Motorhaube entstanden in einer Karosseriepresse – eine Produktionsweise, die später weiterentwickelt und dauerhaft eingesetzt wurde. Beim VW 39 ist aber noch der markante Falz auf dem Heck als Relikt zu sehen.