Wir kennen alle den modernen Octavia. Aber es gab schon 1959 einen ...

Woran denken Sie beim Namen Skoda Octavia? Klar, an die Mittelklasse der Marke auf Golf-Basis, seit 1996 ziemlich erfolgreich am Markt. Allerdings war die Namensgebung vor 23 Jahren kein Zufall, denn lange vorher gab es bereits einen Octavia. Er feiert jetzt seinen 60. Geburtstag.

1959 bereicherte der Name Octavia erstmals das Modellangebot der Marke Skoda. Dass er sich vom lateinischen Begriff ,octavia‘ ableitet, war kein Zufall. Er bedeutet ,die Achte‘, denn bei dem damaligen Newcomer handelte es sich um das achte Modell der Marke nach dem Zweiten Weltkrieg und zugleich um das achte Skoda-Modell mit Einzelradaufhängung rundum, die der Hersteller 1933 eingeführt hatte.

Die ersten zweitürigen Octavia verließen im Januar 1959 das Stammwerk in Mladá Boleslav, wo sie in den ersten Wochen noch gemeinsam mit den Vorgängermodellen Š 440 und Š 445 produziert wurden. Unter der Motorhaube arbeitete ein robuster Reihenvierzylinder mit 1,1 Liter Hubraum und einer Leistung von 40 PS, der über ein Vierganggetriebe die Hinterräder antrieb. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 110 km/h, der Durchschnittsverbrauch lag bei 7,7 Liter Benzin auf 100 Kilometer.

Technische Neuerungen wie die Vorderachse mit Spiralfedern und Drehstabstabilisator bescherten dem Octavia für damalige Zeiten einen hohen Fahrkomfort und ein angenehmes Handling. Die Einführung der asymmetrischen Scheinwerfer im Laufe des Jahres 1959 erhöhte die aktive Sicherheit. Als leistungsstärkere Variante stellte Skoda ebenfalls 1959 den Octavia Super mit 1,2-Liter-Motor und einer Spitzenleistung von 45 PS vor.

Skoda Octavia 1959

Aber es noch etwas mehr: Der Autosalon in Genf sah am 10. März 1960 die Premiere der sportlichen Version Octavia Touring Sport (TS), die mit einer auf 50 PS erhöhten Motorleistung aufwartete. Skoda beantragte beim Automobil-Weltverband FIA die Homologation des TS für Rennen und Rallyes in der Klasse der nicht modifizierten Straßenfahrzeuge – damit war der Weg frei, den bis zu 130 km/h schnellen Zweitürer im Motorsport einzusetzen. Mit Klassensiegen in den Jahren 1961,1962 und 1963 gelang dem Octavia TS ein Hattrick bei der Rallye Monte Carlo.

Am 11. September 1960 präsentierte Skoda in Brünn erstmals den Octavia Combi mit einer zweiteiligen, horizontal geteilten Heckklappe. (Seither schreibt Skoda das Wort Kombi mit C ...) Trotz kompakter Außenabmessungen bot das Fahrzeug selbst bei voller Besetzung mit fünf Personen einen Kofferraum mit einer Ladelänge von 0,965 Metern und einem Volumen von 690 Litern bis zum Dachhimmel. Nach Umklappen der hinteren Rücksitzlehnen ließen sich sogar bis zu 1.050 Liter Gepäck verstauen.

Die zweitürige Limousine wurde bis 1964 gebaut – am 11. April rollte das letzte Exemplar in Mladá Boleslav vom Band. Als direkter Nachfolger trat die völlig neu konstruierte Baureihe Skoda 1000/1100 MB mit selbsttragender Karosserie und Heckmotor an. Der Octavia Kombi sollte noch deutlich länger leben und verließ am 21. Dezember 1971 das Werk Kvasiny. Zwischen 1959 und 1971 entstanden insgesamt 360.000 Octavia, darunter mehr als 54.000 Kombiversionen.

Ein eher unbekanntes Skoda-Kapitel hat ebenfalls mit dem ersten Octavia zu tun: Er lieferte 1966 die technische Basis für das erste in Neuseeland hergestellte Automobil: Der Trekka entstand in enger Zusammenarbeit mit dem tschechischen Automobilhersteller und hatte das verkürzte Chassis des Octavia Super als Basis.

Bildergalerie: Skoda Octavia 1959