Dieses cW-Wert-Wunder ist einem Kofferfisch nachempfunden und hat (glücklicherweise) keinerlei Ähnlichkeit mit irgendeinem anderen Mercedes

Name: Mercedes-Benz Bionic Car

Premiere: Juni 2005 in Washington auf dem DaimlerChrysler Innovation Symposium

Technische Daten: 2.0-Liter Turbodiesel; 140 PS; 300 Nm; stufenlose Automatik; 0-100 km/h: 8,2 Sekunden; 190 km/h Höchstgeschwindigkeit;  cW-Wert: 0,19; Länge: 4,24 Meter; Breite: 1,82 Meter; Höhe: 1,59 Meter

Hintergrund:

"Schrullig" ist das Wort, das für den Großteil der Autos in unserer großartigen Vergessene Studien-Reihe passt. Naja und viel schrulliger als beim Mercedes Bionic von 2005 wird es wohl nicht. Er ist ausgerechnet nach einem Kofferfisch (Ostracion Cubicus) geformt. Das Ergebnis ist optisch mindestens fragwürdig, der Sinn dahinter ist aber durchaus nachvollziehbar. 

Während der wenig erbaulichen Daimler-Chrysler-Ära probierte sich Mercedes an der Idee, ein Auto nach dem Vorbild der Natur zu entwerfen. Im Speziellen ging es dabei um eine Spezies von Kofferfischen, die man im Indischen und Pazifischen Ozean findet. Auch wenn man es nicht direkt vermuten würde, sind einige der Kofferfisch-Eigenschaften auch für ein Automobil durchaus wünschenswert. So bewegt sich der kleine Meeresbewohner mit wenig Kraftaufwand durch sein Biotop, ist wendig und sein Körper hält Kollisionen besonders gut stand.

Wie seine Inspirationsquelle ist auch der Bionic von eher seltsamer Formgebung, dafür mit einem cW-Wert von 0,19 aber hoch aerodynamisch. Ganz ähnlich wie der später eingeführte VW XL1, übrigens. Zum Vergleich: Das aerodynamischste Auto, dass man heute von Mercedes kaufen kann, ist die neue A-Klasse Limousine mit einem cW-Wert von 0,22. 

Innen ist die kofferfischige Mercedes-Studie ziemlich schlicht gestaltet. Ein bisschen wirkt sie wie die zweite A-Klasse-Generation mit modernerem Anstrich. Bei einer Länge von etwas über 4,20 Meter bietet der Zweitürer Platz für vier Personen. Ziemlich beeindruckend - nicht nur für damalige Verhältnisse - ist der Spritverbrauch des Bionic, den Mercedes mit 4,3 Liter im Schnitt angab. Bei einer konstanten Geschwindigkeit von 90 km/h sollte das Auto mit 2,8 Liter auskommen. Dabei war der 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel mit SCR-System keinesfalls langsam. Für den Spurt von 0-100 km/h gab man 8,2 Sekunden an. Die Höchstgeschwindigkeit sollte bei 190 km/h liegen. Und: Dank Oxidationskatalysator und Partikelfilter, hieß es seinerzeit, würden die Euro-4-Abgaslimits deutlich unterschritten. Das klingt 14 Jahre später auch nicht mehr ganz so überzeugend. 

Letztlich blieb vom Übertrag der Natur in den Automobilbau im Falle des Bionic nicht all zu viel für spätere Mercedes-Serienfahrzeuge übrig. Zumindest nichts, was man auf den ersten Blick erkennen kann. Inwieweit die Kofferfisch-Studie für die traditionell hervorragenden Aerodynamik-Eigenschaften jüngerer Mercedes-Automobile verantwortlich zeichnet, ist eine andere Frage. 

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Bildergalerie: 2005 Mercedes Bionic Concept