Auto-Professor: Erst 2020 wird der Elektroauto-Absatz richtig anziehen

"Deutschland soll in den kommenden zehn Jahren Leitmarkt für die Elektromobilität werden." So vollmundig tönte die Bundesregierung im November 2008, also vor ziemlich genau zehn Jahren. Geworden ist nichts daraus. heute ist China Leitmarkt für die E-Mobilität. Während der Marktanteilvon Elektrofahrzeugen in Deutschland nun 2,0 Prozent beträgt, hat China schon fast fünf Prozent erreicht. Diese und weitere interessante Zahlen nennt nun eine Studie vom "Auto-Professor" Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach.

Während Deutschland das Ziel von einer Million Elektroautos im Jahr 2020 aller Voraussicht nach verfehlen wird, werden in China voraussichtlich 2018 erstmals 1,27 Millionen E-Fahrzeuge abgesetzt werden, was einem Zuwachs von 64 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Der Marktanteil der E-Fahrzeuge an den Gesamtzulassungen steigt auf von 2,7 auf 4,6 Prozent. Reine E-Autos machen dabei 77 Prozent aus, der Rest sind Plug-in-Hybride.

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Nach China sind die USA mit weitem Abstand der zweitwichtigste Markt für Elektromobilität. In den Staaten stieg der Absatz im Vergleich zum Vorjahr um 84 Prozent auf 356.000 Autos. Der Elektroauto-Anteil in den USA ist jedoch mit 2,1 Prozent immer noch ähnlich niedrig wie in Deutschland. Über 50 Prozent der E-Fahrzeug-Zulassungen entfallen auf Tesla. Wie in China sind auch in den USA rein elektrisch angetriebene Autos weitaus beliebter als Plug-in-Hybride.

Elektro-Leitmarkt in Europa ist Norwegen. Obwohl das skandinavische Land nur fünf Millionen Einwohner hat, werden hier mehr E-Fahrzeuge abgesetzt als in Deutschland, nämlich 73.000 Stück (Deutschland: 68.000 Stück). Der Markanteil erreichte hier im Jahr 2018 schier unglaubliche 48 Prozent. Auch hier machen reine Elektroautos etwa zwei Drittel aus, Plug-in-Autos sind weitsaus weniger beliebt.

In Deutschland stiegen die E-Neuzulassungen um 26 Prozent. Der Marktanteil wuchs von 1,6 Prozent auf 2,0 Prozent. Hier ist die Vorherrschaft der reinen Elektroautos deutlich weniger ausgeprägt: Der Marktanteil der reinen E-Autos liegt bei 53 Prozent, PHEVs kommen auf 47 Prozent. In den weiteren europäischen Ländern kommt Großbritannien auf rund 59.000 E-Fahrzeuge, während
in Frankreich bis Jahresende etwa 45.000 E-Pkw neu zugelassen werden dürften. In den Niederlanden verdreifachen sich nahezu die Absatzzahlen von Elektrofahrzeugen auf rund 24.000. Dort steigt der Marktanteil auf 5,2 Prozent. Auch in Schweden nehmen die E-Fahrzeugabsätze deutlich zu und belaufen sich auf einem Marktanteil von acht Prozent. Dagegen ist in Japan mit einem Rückgang der
E-Fahrzeugzulassungen auf etwa 50.00 zu rechnen, wodurch der Marktanteil auf 1,1 Prozent sinkt.

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„Die Elektromobilität wird (...) auch im nächsten Jahr weiter an Bedeutung gewinnen", glaubt Studienleiter Stefan Bratzel. Doch rechnet er für Deutschland erst ab dem Jahr 2020 mit einem starken Anstieg des E-Autoabsatzes. Denn dann müssen die Hersteller die CO2-Ziele der EU (95 Gramm pro Kilometer im Flottendurchschnitt) erreichen und werden Strafzahlungen verhindern wollen, so Bratzel. Für 2025 rechnet Bratzel im Weltmaßstab mit einer E-Quote von 12 bis 25 Prozent.