Was kann die neue Studie besser als das altbekannte Serienmodell?

Audi hat auf der Los Angeles Auto Show den Audi e-tron GT als Studie vorgestellt. Die rein elektrisch angetriebene Sportlimousine tritt an gegen das Tesla Model S, den Fisker EMotion und den Porsche Taycan (mit dem sich der e-tron GT die Plattform teilt). Da von diesen nur der Tesla schon in Serienproduktion ist und sich die äußeren Abmessungen ähneln, vergleichen wir den Audi mit ihm. Bei dem Tesla gehen wir von der Version 75D aus.

Audi E-Tron GT Versus Tesla Model S

Beide Autos verfügen über vier Türen, zwei Elektromotoren für Allradantrieb und ein sportliches Leistungsniveau. Es gibt aber auch deutliche Unterschiede. Der Audi legt bei dem Wort „Sportlimousine“ den Akzent auf das erste Teil, der Tesla dagegen auf den zweiten.

Was die Reichweite angeht, so hat der Audi eine 90-kWh-Batterie und schafft 400 Kilometer im WLTP-Zyklus. Das Model S 75D bietet nur 75 kWh und schafft 490 Kilometer nach NEFZ. Da der WLTP-Zyklus anspruchsvoller ist, daher dürfte der Reichweitenunterschied zwischen Audi undTesla nicht allzu groß sein.

Audi E-Tron GT Versus Tesla Model S

Zweiter Punkt: Ladezeiten. Hier ist es schwierig, präzise zu sein. Beim Schnellladen mit Gleichstrom (ideal, wenn man längere Strecken am Stück fährt) macht Tesla keine exakte Angabe. "170 Meilen in 30 Minuten" ist die einzige Aussage. Leider bezieht sich diese Zahl auf die 100D-Variante. Positiv ist, dass neue Model-S-Kunden für sechs Monate das Supercharger-Netzwerk von Tesla kostenlos nutzen können. Danach profitieren sie von den günstigen Preisen von Tesla. Ein Vorteil des Tesla ist auch, dass sowohl die Batterie des Model S als auch das Supercharger-Netzwerk bis Anfang 2021 (wenn die ersten Audi e-tron GT ausgeliefert werden) noch optimiert werden können.

Audi E-Tron GT Versus Tesla Model S

Der Audi e-tron GT soll sich in 20 Minuten von 0 auf 80 Prozent aufladen lassen. Natürlich rollen die meisten Elektroautos nicht vollständig leer zur Ladestation, und die Ladegeschwindigkeit nach dem Erreichen von 80 Prozent ist unbekannt. Positiv zu vermerken ist jedoch, dass sich die Ladenetze für Nicht-Tesla-Fahrzeuge in den kommenden zwei Jahren wesentlich besser entwickeln sollten, da in Europa das Ionity-Ladennetz und in den USA in das Electrify-America-System aufgebaut wird.

Beim Aufladen zu Hause liegen die beiden Autos ziemlich nahe beieinander, jedoch mit einem interessanten Unterschied. Der Tesla wird mit einem 11,5-kW-Onboard-Ladegerät geliefert, das an einen Tesla Wall Connector angeschlossen wird. Der Audi lässt sich drahtlos mit 11 kW laden, was äußerst komfortabel wäre: einfach über der Ladeplatte parken, und schon startet der Ladevorgang.

Audi E-Tron GT Versus Tesla Model S

Nun zum Fahrspaß. Der e-tron GT hat hier einen klaren Vorteil. Er soll in 3,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h (um genau zu sein: 60 mph, also 96,6 km/h) sprinten und bis zu 240 km/h erreichen. Unser Tesla dagegen braucht 4,2 Sekunden für den Sprint und schafft "nur" 225 km/h. Außerdem kann der e-tron GT laut Audi ohne Probleme die Peak-Leistung für längere Zeit halten. Dies ist ein Schuss auf Tesla, denn das Model S drosselt bekannterweise die Leistung nach einem harten Einsatz. Vorteil Audi.

In puncto Handling können wir die beiden nicht exakt vergleichen, aber Audi hat wohl auch hier die Nase vorn. Der Tesla macht sich in Kurven recht gut, aber der e-Tron wird sowohl mit Torque Vectoring als auch mit Allradlenkung ausgestattet sein. Das dürfte den Audi flinker durch die Biegung bringen als das Model S.

Audi E-Tron GT Versus Tesla Model S

Das Tesla Model S (Bild oben) hat jedoch einen Vorteil bei der Zahl der Sitzplätze. Der Wagen bietet Platz für fünf Personen und verfügt optional über zwei Klappsitze -- für Kinder, die den Kindersitzen entwachsen sind, aber aber noch nicht so groß wie Erwachsene sind. Der Tesla liegt auch vorne, wenn es um das Transportieren von Gepäck geht. Die beiden Wagen haben ähnlich große Frunks (vordere Kofferräume, von front und trunk), aber das Model S hat eine große Hatchback-Heckklappe, die das Beladen vereinfacht. Mit umgeklappten Rücksitzen wird das Auto damit zum Umzugsauto.

Der e-tron GT hingegen (Bild unten) fasst nur vier Insassen. Es bleibt abzuwarten, ob man in der Serienversion hinten einen fünften Passagier unterbringen kann. Sein traditioneller Kofferraum ist für die meisten Anwendungen geräumig genug, wird der deutsche Rivale bei einem spontanen Ausflug zu Ikea besser abschneiden.

Audi E-Tron GT Versus Tesla Model S

Wie die Entscheidung zwischen den beiden Konkurrenten ausgeht, hängt von den spezifischen Bedürfnissen und Wünschen des Käufers ab. Das Tesla Model S bietet ein klassisches Styling mit hervorragender Benutzerfreundlichkeit. Das Auto wird ständig kostenlos über Over-the-Air-Updates der Software verbessert, was ein großer Bonus ist. Der Tesla verfügt mit dem optionalen Autopilot auch über ein erweitertes Fahrerassistenzsystem (ADAS).

Der Audi e-tron GT setzt dagegen auf Leistung. Obwohl dies in der Serienversion nicht mehr ganz so extrem sein dürfte, wird der Wagen immer noch viel Power haben. Er wird wohl auch eine tolle Fahrmaschine sein, die beim Ampelsprint oder auf eine rkurvigen Bergstraße dem Fahrer ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Schön, dass mit dem Audi e-tron GT eine weitere vollelektrische Limousine kommt. Wettbewerb tut sowohl den Herstellern als auch uns Verbrauchern gut. Der Erfolg des Newcomers aus Ingolstadt könnte ein weiterer Nagel im Sarg des Verbrennungsmotor sein.

Quelle: InsideEVs