Elektroauto mit Stern soll 450 Kilometer schaffen (aktualisiert)

Das Tesla Model S gibt es bereits seit 2012. Nicht Deutschland, sondern China ist weltweit der Leitmarkt für Elektroautos. Und die Batteriezellen für E-Mobile kommen in aller Regel aus Asien. Man sieht: Die deutsche Industrie hinkt bei der Elektromobilität hinterher. Doch nun scheint es allmählich loszugehen. Mercedes jedenfalls stellt nun den neuen EQC vor. Wir waren live vor Ort bei der Präsentation in Stockholm und haben uns informiert.

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Der EQC ist nicht das erste E-Mobil mit Stern (es gab ja schon eine elektrische B-Klasse, den B 250 e), und er ist wohl auch nicht das erste speziell auf Elektroantrieb getrimmte Auto – er ist eher ein GLC mit Elektroantrieb. Dafür spricht, dass der Radstand auf den Millimeter mit dem konventionellen GLC identisch ist. Mit 4,76 Meter ist der EQC allerdings etwa zehn Zentimeter länger als der GLC, die Höhe (1,62 Meter) liegt zwischen GLC und GLC Coupé. Der EQC konkurriert mit dem ähnlich großen Jaguar I-Pace. Wie dieser hat der EQC hat zwei Elektromotoren, einen pro Achse. Leistungsmäßig spielt der Mercedes ebenfalls in der gleichen Liga: Der Jaguar hat 400 PS, Mercedes gibt rund 408 PS (300 Kilowatt) an. Das Drehmoment des EQC liegt bei 765 Newtonmeter (Jaguar: 696 Newtonmeter). Die beiden E-Maschinen leisten je 150 Kilowatt, sagt der Chefingenieur für die Elektrofahrzeuge von Mercedes, Jürgen Schenk. Im niedrigen bis mittleren Lastbereich wird vor allem die Vorderachse angetrieben, wenn es um Dynamik geht, eher die hintere. Den Standardsprint schafft der EQC laut Datenblatt in 5,1 Sekunden (Jaguar: 4,8 Sekunden), die Spitze wird auf 180 km/h beschränkt (Jaguar: 200 km/h).

"Reichweite: Der Jaguar I-Pace kommt 70 Kilometer weiter als der EQC"

Die wichtigste Kennziffer von Elektroautos ist jedoch die Reichweite. Die Lithium-Ionen-Akkus des EQC im Fahrzeugboden speichern 80 Kilowattstunden (kWh), was für etwa 450 Kilometer reichen soll. Das entspricht in etwa den Daten des Jaguar (90 kWh, 470 Kilometer), doch Jaguar gibt die Reichweite nach WLTP an, Mercedes nach NEFZ. Mercedes-Experte Schenk kann aber auch den WLTP-Wert für den EQC nennen: Es sind 400 Kilometer, der Jaguar kommt also 70 Kilometer weiter.

Aufladen kann man den ersten Wagen der Mercedes-Submarke EQ zum Beispiel mit Wechselstrom an der Haushaltssteckdose. Das Ladegerät an Bord verkraftet eine Ladeleistung von 7,4 Kilowatt, eine volle Ladung dürfte also mindestens elf Stunden dauern. Sinnvoller ist das Aufladen an der Wallbox, wo es bis zu dreimal schneller gehen soll. Mit einem Gleichspannungs-Schnelllader bei 110 kW Ladeleistung (in Europa nach dem CCS-Standard, in Japan per CHADeMO) dauert das Aufladen von 10 auf 80 Prozent sogar nur 40 Minuten. Induktives Laden ist zunächst kein Thema. Die damit erzielten Ladeleistungen waren mit etwa drei bis vier Kilowatt einfach zu gering, um die Akkus in einer vertretbaren Zeit aufzuladen, sagt Mercedes-Technikvorstand Ola Källenius.

"Pluspunkt für den EQC: Der Stauassistent berücksichtigt, dass man eine Rettungsgasse bilden sollte. Das tut sonst kaum ein Auto."

Zu den Besonderheiten des EQC gegenüber der Konkurrenz gehört die Sprachsteuerung. Sie versteht Fragen wie „Hallo Mercedes, wo ist die nächste Ladestation?“ oder „Ich möchte morgen um acht Uhr starten“. An Bord ist auch das MBUX-Widescreen-System. Anders als in der A-Klasse ist das 10,25 Zoll große Instrumentendisplay und der ebenso große Infotainmentmonitor hier Serie. Das Gleiche gilt für ein Navigationssystem. Es umfasst auch spezielle Funktionen wie Ladestationen als POI und intelligente Routenplanung fürs E-Auto. Neu ist ein Eco Assist, der einen beim vorausschauenden Fahren unterstützt. Die Hinweise erhält man als Anzeige oder durch ein „haptisches Gaspedal“, das dem Gasfuß einen gewissen Widerstand entgegensetzt, wenn es keinen Sinn hat, zu beschleunigen, zum Beispiel weil gleich ein Kreisverkehr oder ein Tempolimit kommt. Ähnliches gibt es bei Audi als prädiktiver Effizienzassistent. Ein Pluspunkt für den Mercedes ist auch der Stauassistent: Er berücksichtigt auch, dass im Stau auf der Autobahn eine Rettungsgasse gebildet werden muss. Das tut in ähnlicher Form bisher nur der DS 7 Crossback (der lernt dieses Verhalten, wenn es der Fahrer häufiger praktiziert). Wer lieber alles selbst steuert, kann die Stärke der Rekuperation über Paddles am Lenkrad verändern. Es gibt fünf Stufen. Bei maximaler Rekuperation wird auch das Fahren nur mit  dem Gaspedal möglich. Maximal kann der EQC mit 180 kW rekuperieren. "Das ist eine starke Verzögerung, aber noch lang keine Vollbremsung. Man wird mit etwa 0,2 g gebremst, eine Vollbremsung läge eher bei 0,8 g", so Mercedes-Experte Schenk. 

Das Leergewicht ist mit 2,4 Tonnen recht üppig – hier schlägt sich die 650 Kilo schwere Batterie nieder. Die Zuladung liegt bei praxistauglichen 500 Kilo, und auch das Kofferraumvolumen von 500 Liter (Maximalwert noch nicht bekannt) dürfte für den Alltag ausreichen. Beeindruckend ist die Anhängelast von 1.800 Kilo (gebremst, 12 Prozent Steigung). Der Jaguar ist im Vergleich rund 300 Kilo leichter, er fasst über 650 Liter Gepäck, eine Anhängelast wird allerdings nicht angegeben.

Auch wenn Mercedes bereits jetzt kräftig die Werbetrommel rührt: Auf den Markt kommt der EQC erst Mitte 2019. Gebaut wird der EQC in Bremen, wo die C-Klasse sowie deren Derivate GLC und SLC (sowie der SL) gefertigt werden. Das zeigt, wie eng die Beziehung zum GLC ist. Die Preise für den EQC wurden noch nicht mitgeteilt, aber Mercedes dürfte sich hier am I-Pace (ab etwa 78.000 Euro) orientieren – und an den demnächst startenden Konkurrenten Audi e-tron und BMW iX3.

Bildergalerie: Mercedes-Benz EQC