Ehemaliger FCA- und Ferrari-Chef stirbt nach kurzer, schwerer Krankheit

Sergio Marchionne ist tot. Der 66-jährige Manager starb im Universitätsspital Zürich, wo er seit dem 27. Juni 2018 laut offizieller Version für eine Schulteroperation stationär behandelt wurde. Der Gesundheitszustand von Marchionne verschlechterte sich in den folgenden Tagen aufgrund postoperativer Komplikationen. Diese kritische Situation zwang die Vorstände von FCA und Ferrari zu einem Notfallwechsel an der Spitze: Nachfolger von Marchionne soll der bisherige Jeep-Chef Mike Manley (54) werden. Er übernimmt die Führung zunächst kommissarisch, soll aber schon in den nächsten Tagen von der Aktionärsversammlung gewählt werden. Bei Ferrari übernimmt John Elkann die Führung, das Oberhaupt der Agnelli-Familie.

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Der letzte öffentliche Auftritt von Marchionne war am 24. Juni 2018 in Rom anlässlich der Übergabe eines Jeep Wrangler an die Carabinieri, dann verschwand er aus der Öffentlichkeit. Anfang Juli sollte Marchionne zwei weitere Termine wahrnehmen, darunter einen Besuch im Werk Sevelsud im italienischen Atessa.

Vom Wirtschaftsprüfer zum Konzernboss

Was bleibt von Sergio Marchionne? Nach einem Studium der Philosophie, Betriebswirtschaft und Jura arbeitete er zunächst als Wirtschaftsprüfer und übernahm dann verschiedene Führungspositionen in der Verpackungsindustrie. Ab 1997 arbeitete er für zwei Schweizer Unternehmen und gelangte 2003 in den Fiat-Aufsichtsrat. Ein Jahr später wurde er CEO. Nach der Fusion mit Chrysler wurde er Geschäftsführer von FCA sowie der damals abgespaltenen Firma Ferrari. Marchionne gilt als Retter des lange defizitären FCA-Konzerns. Ein großer Manager, eine umstrittene Figur, geliebt und gehasst, aber zweifellos ein Charakter. All dies war Sergio Marchionne, der Fiat nach seinen eigenen Worten am Rande des Bankrotts und kurz vor einem drohenden Verkauf an GM übernahm. Er machte den Konzern in weniger als 14 Jahren zum sechstgrößten Autokonzern weltweit und baute die Schulden komplett ab.

Der Kettenraucher Marchionne war als nüchterner Workaholic bekannt und forderte viel von seinen Untergebenen. Geboren in Italien, emigrierte Marchionnes Familie nach Kanada, als er 13 Jahre alt war, und er hatte die doppelte Staatsbürgerschaft. Der charismatische CEO war für seinen charakteristischen schwarzen Wollpullover bekannt und wurde selten in Anzug und Krawatte gesehen. Oft traf man ihn am Rande von Formel-1-Rennen, wo er ein Auge auf sein Ferrari-Team warf. 2014 hatte Marchionne angekündigt, FCA nur noch bis zum Jahr 2019 führen zu wollen.