Mit TÜV-Segen: Allradgetriebene 624-PS-Rakete auf Basis Porsche 911 Turbo

Ursprünglich wollte Porsche-Spezialist Cargraphic bei der 2008er-Ausgabe des Tuner Grand Prix mit einem modifizierten 911 GT2 antreten. Da die Regeln zu diesem Zeitpunkt allerdings den Einsatz von Semi-Slicks nicht gestatteten, entschied man sich in Landau für den 911 Turbo als Basis. Dessen Allradsystem, so vermutete der Tuner, müsste mit Straßenreifen deutliche Traktionsvorteile gegenüber dem heckgetriebenen GT2 bieten.

Auto-Phönix aus der Asche
Um den Stuttgarter für seinen Einsatz auf dem kleinen Kurs in Hockenheim richtig vorzubereiten, wurde das gute Stück von Cargraphic praktisch komplett zerlegt und mit hauseigenen Performance-Komponenten neu aufgebaut. Dem 3,6-Liter-Boxermotor spendierten die Pfälzer unter anderem eine Sportabgasanlage, modifizierte Turbolader und ein Software-Update. Diese Maßnahmen hauchen dem aufgeladenen Sechszylinder eine Gesamtleistung von 624 PS ein und verhelfen ihm zu einem Drehmomentmaximum von 826 Newtonmeter. (Serie: 480 PS, 620 Nm).

Alles muss raus!
Für die Kontrolle von so viel Kraft ist ein vom Tuner abgestimmtes, komplett einstellbares Bilstein-Gewindefahrwerk zuständig. Den Kontakt zur Straße stellt der 997 Turbo GT RSC 3.6 über geschmiedete Monoblock-Felgen im Format 19-Zoll her. Vorne sitzen 265er-Gummis in den Radhäusern, hinten kommen 315er-Reifen zum Einsatz. Um die Vernichtung der kinetischen Energie kümmert sich eine Stahlbremse mit 380er-Scheiben rundum. Die haben mit dem modifizierten Schwaben leichtes Spiel: Dank umfangreicher Leichtbaumaßnahmen drückt Cargraphic das Gesamtgewicht des Allradlers um 110 Kilogramm. Vollgetankt wiegt das Turbo-Geschoss gerade mal 1.495 Kilogramm. Verantwortlich für den Gewichtsverlust sind Leichtbau-Türen, Frontkotflügel und Kofferraumdeckel aus Karbon, spezielle Türverkleidungen sowie Leichtbau-Rennschalen und -Teppiche. Zusätzlich entfernt der Tuner die Rücksitze und ersetzt sie durch den Überrollbügel des 911 GT3 RS.

Deutlich schneller als die Serie
Der Lohn all der Mühe? Bei den Fahrleistungen lässt der Cargraphic-Porsche seiner – keineswegs lethargischen – Serien-Basis keine Chance. Von null auf 100 geht es in 3,3 Sekunden, die 200er-Marke ist nach 9,8 Sekunden geknackt (Serie:3,9 beziehungsweise 12,8 Sekunden). Trotz höher entwickeltem Abtrieb liegt auch die Höchstgeschwindigkeit deutlich über dem Wert des 911 Turbo: Im Urzustand erreicht der Porsche 310 km/h, die Cargraphic-Version schafft 326 Sachen. Beim Tuner Grand Prix 2008 stellte Rennfahrer Marc Basseng die dynamischen Fähigkeiten des 997 Turbo GT unter Beweis: Seine Rundenzeit von 1:06:945 Minuten liegt fast fünf Sekunden unter der des Ausgangsprodukts.

Kein billiges Vergnügen
Die gute Nachricht für Porsche-Fans: Sämtliche Umbaumaßnahmen sind für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen und können jetzt beim Tuner geordert werden. Die schlechte Nachricht: Der Umbau auf Cargraphic-Spezifikation ist nicht wirklich billig: Schon die Leistungskur für den Motor schlägt mit heftigen 41.644 Euro zu Buche. Wer seinem Elfer Turbo sämtliche Modifikationen des Cargraphic-Flitzers gönnen möchte, muss insgesamt 96.520 Euro plus etwa 15.000 Euro für Montage und Lackierung nach Landau überweisen. Hinzu kommen natürlich noch die Kosten für den Serien-Turbo von 143.008 Euro. Der Gesamtpreis des Cargraphic 997 Turbo GT liegt somit bei beeindruckenden 254.528 Euro.

Cargraphic Turbo GT RSC