Volkswagen griff mit dem VR6 von 1991 eine Idee von Lancia wieder auf

Man hatte Großes mit ihm vor, deshalb musste er sich klein machen: Im Frühjahr 1991 debütierte der erste Sechszylinder-Benziner von Volkswagen. In der Oberklasse waren Sechszylinder wohlbekannt, aber ihre Baugröße setzte gute Platzverhältnisse voraus. Nun aber sollte der Sechszylinder in Modelle mit Quermotor und Frontantrieb gequetscht werden. Vorgesehen war der Antrieb für die Modelle Golf, Vento, Corrado, Passat und T4.

VR-Konzept von Lancia
Ein Reihenmotor wäre für den Quereinbau zu lang gewesen, ein V-Motor mit 60 oder 90 Grad Zylinderwinkel zu breit. So kombinierte man beide Konzepte in einem VR-Motor. Diese Motorart mit kleinem Zylinderwinkel, bei der der erste Buchstabe für die V-Bauform, das R für die Reihenbauform steht, wurde von Lancia im Jahr 1915 entwickelt. Nach dem ersten Einsatz in V12-Flugzeugmotoren folgten im Jahr 1918 ein V8 mit 45 Grad Zylinderwinkel und ein V12 mit 30 Grad – beide für den Einsatz im Auto. Zu den ersten Serienfahrzeugen mit VR-Motoren gehörte der Lancia Lambda aus dem Jahr 1922, dessen Vierzylinder 13 bis 14 Grad Zylinderwinkel aufwies.

Debüt im Golf III
VW griff das alte Konzept nun bei seinem Sechszylinder wieder auf. Man ordnete die Zylinderbänke mit jeweils drei Töpfen in einem Winkel von 15 Grad zueinander an. So konnte man die Zylinder im Motorblock enger als in einem Reihenmotor anordnen, ohne in der Breite zu ausladend zu werden. 1991 wurde der VR6-Motor präsentiert – unter anderem im Golf III, der nun ebenfalls 20-jähriges Jubiläum feiert. Technisch kontinuierlich bis hin zur Vierventil-Version weiter entwickelt, lebte die VR-Bauform unter der verkürzten Bezeichnung V6 und in verkürzter Bauweise auch als V5 in den nachfolgenden Passat- und Golf-Generationen weiter. Seine finale Ausbaustufe erlebte der VR6 im Passat R36, bei dem aus mittlerweile 3,6 Liter Hubraum beachtliche 300 PS generiert wurden.

Bugatti Veyron mit VR-Spezialmotor
Eine Spezialform eines VR-Motors besitzt der 2005 eingeführte Bugatti Veyron. Sein 16-Zylinder stellte ebenfalls große Anforderungen an den Platz unter der Haube. Es handelt sich um einen V-Motor mit zwei VR-Zylinderbänken. Dabei stehen die beiden Zylinderbänke in einem 90-Grad-Winkel zueinander, während innerhalb der beiden VR-Bänke die Zylinder einen Winkel von 15 Grad aufweisen. Man kann dieses Aggregat also auch als eine Sonderform des W-Motors auffassen.

20 Jahre VR6