Audi zeigt am neuen A3 den Kampf um Zehntelmillimeter

Der Audi A3 der dritten Generation ist da – er wurde von Grund auf neu entwickelt. Und damit bei der Produktion die Qualität ultimativ stimmt, wird im Hintergrund ein ungeheurer Aufwand betrieben. ,Anders geht es nicht", heißt es bei Audi. Wir sind dort hingegangen, wo sonst kein Außenstehender hin darf: in die heiligen Hallen des Außen- und des Innenmeisterbocks. So sind wir dem Geheimnis der Audi-Qualität ein Stück näher gekommen.

Fugen-Fetischismus
Vorbei an einem lebensgroßen Plüsch-Bock geht es in die Halle, in welcher der Außenmeisterbock zu Hause ist. Dieser Außenmeisterbock ist nichts anderes als eine massive Metallträger-Platte. Mit Hilfe von Aluprofilen werden darauf die Blech- und Außen-Trimmteile befestigt. Bei Trimmteilen handelt es sich um nützliche Dinge wie beispielsweise Stoßfänger, Scheinwerfer und Spiegel. Und dann geht der Spaß los: Mit hand- und CNC-gesteuerten Messmaschinen wird jedes Detail geprüft. Dabei sind die Fugen genauso wichtig wie die Überstände beispielsweise einer Heckleuchte über die Heckschürze. Dank immer besserer Fertigungsmethoden und der ausgeklügelten Prüfmethoden auf dem Außenmeisterbock konnten die Fugen in den letzten Jahren immer enger und immer gleichmäßiger gezogen werden. Dies ist Audi und dem Mutterkonzern VW wichtig. Nicht umsonst trägt VW-Aufsichtsrats-Chef Ferdinand Piëch den Spitznamen ,Fugen-Ferdl". An einigen Stellen des neuen A3, wie beispielsweise beim Übergang des vorderen Stoßfängers zum Kotflügel, gibt es inzwischen eine aufwendige Null-Fuge. Dort liegen die Materialien optisch direkt aufeinander. Auf der Innenseite der Karosserie überlappen sich hier die Bauelemente.

Vorbereitung mit Funktionscuben
Bevor die Einzelteile auf den Außenmeisterbock dürfen, werden sie bereits in kleinen Baugruppen auf so genannten Funktionscuben vorbereitet. Diese Cuben werden neun Monate vor SOP (Start of Production) erstellt. Das Problem dabei: Diverse Bauteile, wie beispielsweise Heckleuchten, sind zu diesem frühen Zeitpunkt noch gar nicht vom Zulieferer verfügbar. Also werden sie nach einer technischen Zeichnung als Dummy aus einem Aluminiumblock gefräst.

Fügemeisterbock
Optisch nicht ganz so präsent wie der Außenmeisterbock, aber nicht minder wichtig, ist der Fügemeisterbock. Hier geht es um Entspannung: Die Unterbaukomponenten des Fahrzeugs müssen spannungsfrei miteinander verbunden werden. Verziehen sich Teile des Unterbaus, wie beispielsweise Vorder- und Hinterboden, setzen sich diese Fehler bis in die Karosserie fort.

Fugen-Tricksereien
Über den Wunsch nach einer perfekten gleichmäßigen Fuge ist Audi längst hinausgewachsen. Inzwischen geht es um ein gleichmäßiges Erscheinungsbild unter Ausnutzung optischer Tricks. So ist beim neuen A3 der Frontstoßfänger beim Übergang zum Kotflügel etwas nach innen versetzt, damit dieser Übergang beim Blick von oben harmonischer wirkt. Ähnlich wird beim Tankdeckel getrickst: Dort ist die obere Fuge etwas enger als die untere. Dadurch wirken beide Fugen für den Betrachter gleich groß.

Innen genauso
Kaum etwas nervt bei der Fahrt in einem Auto mehr als ein Klappergeräusch, das man nur schwer lokalisieren und noch schwerer beseitigen kann. Um solch Unbill von vornherein auszuschließen, wird das Fahrzeuginterieur vor dem Produktionsstart auf den Innenmeisterbock gespannt. Und die Arbeit am Innenmeisterbock beginnt gut einen Monat vor dem Aufbau des Außenmeisterbocks. Somit stehen noch keine Karosserieteile zur Verfügung. Also müssen sich die Jungs vom Interieur Karosserieteile, wie beispielsweise Türen, nach den jeweiligen Zeichnungen aus dem Vollen fräsen lassen. Der dadurch gewonnene zeitliche Vorsprung kostet wegen der extravaganten Fräs-Karosserie soviel wie ein Einfamilienhaus.

Bis ins winzigste Detail
Beim Innenmeisterbock geht es neben der Montierbarkeit von Bauteilen und deren festen Sitz sowie Bedienbarkeit vor allem um ein optisch stimmiges Gesamtbild. So wurde beispielsweise beim neuen A3 die Lautsprecherverkleidung auf dem Armaturenbrett geändert: Die Ausrichtung der Lochperforation musste verschoben werden, damit der Abdeckungsrand harmonischer aussieht. ,Das haben wir beim A3 gelernt. Nochmal müssen wir jetzt so einen Fehler nicht korrigieren", sagt dazu der Chef der Innenmeisterbock-Abteilung Thomas Hertel. Selbst der Zierring auf dem Schaltknauf wurde auf Hundertstelmillimeter genau eingepasst. Stünde er zu weit raus, würde er den Fahrer nach einiger Zeit stören. Und im Gepäckraum des A3 mussten die Mitarbeiter des Innenmeisterbocks eine Neuigkeit einpassen: Der Ladeboden lässt sich im hochgeklappten Zustand komfortabel hinter zwei gefederten Kunststoffnasen verankern und muss somit nicht mit einer Hand oben gehalten werden.

Der Vorstand kommt vorbei
Außenstehende haben zu den Räumlichkeiten der Meisterböcke zwar keinen Zutritt, aber Spezialisten schauen dort gerne mal vorbei. Audi-Ingenieure sind genauso gerne gesehen wie die Entwickler der Zulieferer. Und da auch die Audi-Führungsetage heiß ist auf maximale Perfektion, ist auch der Vorstand regelmäßig bei den Meisterböcken zu Gast.

Bildergalerie: Qualität vom Meisterbock