Krawall am Curb: So schnell sind die neuen BMW X5 M und X6 M

Irgendwie sieht das neue Garchinger Power-Doppel BMW X5 M und X6 M auf den ersten Blick völlig überzeichnet, ja beinahe Comic-haft aus. Damit passt das Design also bestens zur Performance der beiden M-Wuchtbrummen. BMW zeigt die zweite Generation seiner Super-SUVs erstmals auf der Los Angeles Auto Show (21. bis 30. November 2014). Die Gilde der Performance-Schlachtschiffe um Porsche Cayenne Turbo oder den neuen Range Rover Sport SVR sollte sich auf einiges gefasst machen.

Mehr Dampf, weniger Durst
Zum Beispiel auf einen 4,4-Liter-Biturbo-V8 (BMW spricht von einer Neuentwicklung), der tatsächlich nochmal 20 PS sowie 70 Newtonmeter stärker ist als sein Vorgänger. X5 M und X6 M verfügen nun also über 575 PS und gewaltige 750 Newtonmeter. Ein Porsche Cayenne Turbo generiert bei identischem Drehmoment 55 PS weniger. Der Range Rover Sport SVR leistet 550 PS und 680 Newtonmeter. Vor allem das Ansprechverhalten des neuen Aggregats will BMW deutlich verbessert haben. Außerdem sorgt eine modifizierte Abgasanlage mit elektrisch gesteuerten Klappen für adäquate Akustik. Damit können wir gut leben. Noch mehr freuen wir uns aber über die Entsorgung der alten Sechsgang-Automatik zugunsten der ebenfalls neu entwickelten Achtgang-M-Steptronic mitsamt Lenkradpaddles, Launch Control und Kriechuntersetzung (auf Neudeutsch: Low Speed Assistent; man ist ja schließlich nicht immer auf der Rennstrecke unterwegs). Die sportliche Wandlerautomatik soll schneller reagieren und obendrein entscheidenden Anteil an der Senkung des Normverbrauchs um 20 Prozent haben. High-Performance-SAV (X5 M) und High-Performance-SAC (X6 M) soll man laut BMW jetzt schon mit 11,1 Liter im Schnitt bewegen können. Vorher waren es 13,9 Liter. Was die Fahrleistungen betrifft, gibt es natürlich ebenfalls Fortschritte: Der Null-auf-100-km/h-Sprint dauert jetzt nur noch 4,2 Sekunden und damit eine halbe Sekunde kürzer als bisher. Die Höchstgeschwindigkeit wird wie üblich bei 250 km/h elektronisch begrenzt.

Rennstrecke und Drifts
Wenn wir der Pressemeldung vertrauen (in der das R-Wort circa 48-mal vorkommt), dann ist die neue Generation BMW X5 und X6 M absolut Rennstrecken-tauglich. Um sogar diesen – von den meisten Käufern wohl sträflich vernachlässigten – Teilbereich zu optimieren, wurde nicht zu knapp an Fahrwerk und zugehöriger Elektronik geschraubt. Mehr Sturz an der Vorderachse, steifere Lager an beiden Achsen, straffere Tragfedern und zehn Millimeter Tieferlegung sollen Seitenneigung und Karosseriebewegungen minimieren und die Agilität erhöhen. Die elektrische Servolenkung bietet über die M-Drive-Tasten drei verschiedene Kennlinien (Comfort, Sport, Sport +). Auch der xDrive-Allradantrieb scheint eher für die Fahrspaß-Fraktion ausgelegt. Die Kraftverteilung ist vollvariabel mit einer heckbetonten Grundauslegung. Dazu übernimmt das Fahrdynamiksystem Dynamic Performance Control die stufenlose Verteilung der Antriebsmomente zwischen den Hinterrädern. Wie die Kräfte gerade wirken, verdeutlicht eine Pfeilanzeige im Zentraldisplay. Wer mit den beiden Sport-Schlachtschiffen driften will, soll das laut BMW ebenfalls problemlos tun können. Die Stabilitätskontrolle umfasst die drei Modi DSC on, M Dynamic Mode (MDM) und DSC off. Letztere ermöglichen ein Leistungsübersteuern, wobei der Fallschirm in Form gezielter Bremseingriffe (sollte die Elektronik allzu wilde Manöver identifizieren) immer aktiviert bleibt. Für entsprechende Verzögerung sorgen Compound-Bremsscheiben und Sechs-Kolben-Festsättel vorne.

Optischer Überfall
Kommen wir zurück auf den Comic-haften Auftritt. BMW hat sich alle Mühe gegeben, die berstende Brachialität seiner Performance-SUVs X5 M und X6 M auch entsprechend zu visualisieren. Gigantische Lufteinlässe, Nebelscheinwerfer und Spoiler-Flaps in der neuen Frontschürze sowie eine neue Heckschürze mit markanten Ausformungen, standesgemäßem Heckdiffusor und vier Auspuff-Endrohren sind nichts für zarte Gemüter. Dazu stehen die beiden Kampf-Kolosse serienmäßig auf 20-Zoll-Felgen mit 285er- und 325er-Bereifung (21-Zöller sind optional zu haben). Im Interieur locken serienmäßige Ledersportsitze mit elektrischer Verstellung, eine lederbezogene Instrumententafel, ein neu entwickeltes M-Lederlenkrad sowie eine eigenständige Instrumentenoptik. Gegen Aufpreis ist ein besonders enthusiastisches Head-up-Display erhältlich, dass auch eine Ganganzeige, das Drehzahlband und Schalt-Lichter darstellt.

Nordschleife in unter acht Minuten?
Zur Serienausstattung der Modelle BMW X5 M und X6 M zählen neben genannten Sitzen eine Klimaautomatik, LED-Scheinwerfer, Park Distance Control und eine Alarmanlage. Beim Händler wird das dynamische Duo ab Ende März 2015 stehen. Die Preise beginnen bei 114.300 Euro für den X5 M und 117.700 Euro für den X6 M. Zum Vergleich: Die Vorgänger-Generation war für 105.900 beziehungsweise 108.500 Euro zu haben. Der Porsche Cayenne Turbo kostet aktuell mindestens 128.378 Euro. Und die Rundenzeit auf der Nordschleife? Land Rover hat mit seinem Range Rover Sport SVT 8:14 Minuten in den Eifel-Teer gebrannt. Das sollte doch zu schlagen sein. Schließlich fuhr Strietzel Stuck schon vor 14 Jahren im legendären V12-Einzelstück X5 Le Mans eine 7:49 Minuten.

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