Alpina B3 GT im Test: Das Bessere ist des Guten Feind
M3 für Softies? Anders, und in vielen Bereichen ist er das bessere Auto
Nicht nur Fans der Marke werden es mitbekommen haben: Ab 2026 geht Alpina in BMW auf. Man wird die eigene Klassik-Sparte ausbauen (immerhin hat man in den letzten fast 60 Jahren mehr als 60.000 äußerst erhaltenswerte Fahrzeuge unter die Leute gebracht), weiter die heißgeliebten Alpina-Felgen, -Lenkräder und Co. anbieten, aber mit eigenen Neufahrzeugen wird es das dann gewesen sein.
BMW plant wohl, unter dem exklusiven Label das ein oder andere High-End-Fahrzeug im Bereich „250.000 Euro aufwärts“ zu bringen. Darunter ist künftig tote Hose. Eigentlich ein Drama, wenn man bedenkt, was die Buchloer gerade in den letzten Jahren aus ihren Bankkonto-freundlicheren 3er- und 4er-Kreationen herausgeholt haben.
Alpina B3 GT und B4 GT sind der beste Beweis. Jetzt hat man die von Kritikern und Enthusiasten hochgelobte Modellfamilie überarbeitet. Erstmals gibt es in einem B3/B4 mehr als 500 PS. Dazu Feinschliff an Fahrwerk und Optik. Sehen wir hier den besseren, vollkommeneren M3?
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Exterieur | Interieur | Fahrbericht | Fazit
Was ist das?
Der B3/B4 GT-Mix (der Einfachheit halber werden wir uns ab hier an den Bestseller B3 GT Touring halten) ist technisch recht einfach skizziert. Im Prinzip haben wir es mit einem M340i xDrive Touring zu tun, dem Alpina einen in Eigenregie optimierten M3-Motor sowie eine alltagstauglicher abgeschmeckte Fahrwerksabstimmung implantiert. Dazu kommen die bekannten Aerodynamik-Optimierungen an der Karosserie, gewohnt atemberaubende 20-Zoll-Räder im neuen Gold-Look sowie umfangreiche Individualisierungsmöglichkeiten im Interieur.
Der 3,0-Liter-Biturbo-Reihensechszylinder (S58) leistet nach jüngsten Überarbeitung 529 PS. Das sind 34 PS mehr als im bisherigen B3 GT. Demgegenüber will man sowohl das Ansprechverhalten untenrum, als auch die Lust ab gut 5.500 U/min gesteigert haben. Der „Respektabstand“ von einem PS zu den allradelnden BMW M3s ist Konzernpolitik at its best. Vor allem, weil die Münchner den Allgäuern auf der anderen Seite das wesentlich größere Drehmoment erlauben – 730 gegenüber 650 Nm, die obendrein früher anliegen.
Mühelosere, souveränere und frühzeitigere Leistungsentfaltung - das ist ja sowas wie das inoffizielle Mantra von Alpina. Eingeimpft wird sie dem M3-Aggregat durch neue Turbolader-Gehäuse mit strömungsoptimierten Kanälen, die für eine schnellere Beschleunigung der Abgase und damit ein schnelleres Ansprechen sorgen. Dazu ist die komplette Ansaugluftführung ein Eigengewächs – mit größerem Durchmesser, weniger Knicks und Verjüngungen, damit die Luft besser in den Motor gelangt.
Obendrein hat man an der thermischen Stabilität des Motors gearbeitet, sprich: die Kühlung verbessert. So soll der Alpina-Kunde auch eine Stunde 280 oder 300 fahren können, wenn er das denn will. Höchstgeschwindigkeit beim B3 GT Touring übrigens: 305 km/h. Die 0-100 km/h gehen in 3,5 Sekunden. Sapperlott.
| Schnelle Daten | Alpina B3 GT Touring |
| Motor | Biturbo-Reihensechszylinder; 2.993 ccm |
| Getriebe | 8-Gang-Automatik |
| Antrieb | Allradantrieb |
| Leistung | 389 kW (529 PS) bei 6.250 U/min |
| max. Drehmoment | 730 Nm bei 2.500 - 4.500 U/min |
| Basispreis | 102.900 Euro |
Das Hohelied singt die Käuferschaft aber nicht nur auf die Motoren, sondern beinahe noch ergriffener auf die Fahrwerke aus dem Hause Bovensiepen. In aller Regel bedient man sich hier aus dem Federn-Pool der Bayerischen Motoren Werke. Im Falle des B3 wurde man da aber nicht so recht fündig und entwickelte deshalb zusammen mit Eibach eine eigene Lösung. Das Feder-Dämpfer-Setup ist fürs Facelift-Modell komplett neu. Außerdem gibt es eigene Stabilisatoren. Das Versprechen: gesteigerte Sportlichkeit bei gleichbleibend hohem Komfort.
Der geliftete B3 GT profitiert obendrein von den jüngsten Facelift-Maßnahmen des BMW 3er. Namentlich von einer steiferen Anbindung der hinteren Dämpfer an die Karosserie. Um Ausgleich zu schaffen, spendierte man dem neuen B3 GT zwei neue Dom-Frontend-Streben im Motorraum, um das Einlenkverhalten zu präzisieren.
Alpina rechnet bis Ende 2025 mit etwa 1.000 verkauften B3 GT (2/3 davon werden Kombis sein) und 500 B4 GT. Die Preise starten im Falle des B3 GT Touring bei 102.900 Euro. Zum Vergleich: Ein BMW M3 Touring kostet mindestens 106.300 Euro.
Exterieur
Auch wenn man über das Design des B3 GT spricht, kommt man am M3 einfach nicht vorbei. Viele Kunden entschieden sich tatsächlich für das Alpina-Modell, weil ihnen das kontroverse M-Gesicht nicht gefalle, heißt es aus Buchloe. Das soll die eigenen Design-Bemühungen des Exklusivherstellers natürlich keinesfalls schmälern. Die Alpina-Optik mit dem klassischen Frontspoiler, den vier eingefassten Endrohren und dem güldenen Dekor-Set ist so geschmackssicher und prestigeträchtig wie kultig. Das kann man so sicher auch von den Rädern im neuen Gold-Ton namens „Oro tecnico“ behaupten, die beim B3 GT jetzt serienmäßig 20 Zoll messen.
Für die Aerodynamik gibt es seitlich am Frontspoiler-Schwert neue Canards und hinten einen etwas ausgeprägteren Diffusor, der nun auch weiter unter das Fahrzeug reicht. Hilft tatsächlich bei der Senkung des Auftriebs, sagt Alpina.
| Abmessungen | Alpina B3 GT Touring |
| Länge x Breite x Höhe | 4.725 mm x 1.827 mm x 1.440 mm |
| Radstand | 2.851 mm |
| Gewicht (inkl. Fahrer) | 1.875 kg |
| Kofferraumvolumen | 480 Liter |
| Zuladung | 540 kg |
| Anhängelast | 1.800 kg |
Interieur
Innen hat zwangsläufig auch der B3 GT mit den zweifelhaften Optimierungen der BMW 3er-Modellpflege zu kämpfen. Ich spreche von den fürchterlich klapprig und billig wirkenden neuen Luftausströmern, die BMW nun unverständlicherweise verbaut. Da könnte Alpina doch vielleicht mal eine schicke Leder-Lösung entwickeln, nachdem ohnehin so gut wie alles im B3-Innenraum mit Tierhaut veredelt werden kann.
Das Höchste der Gefühle ist in diesem Zusammenhang sicher das butterweiche Lavalina-Leder, mit dem die Allgäuer serienmäßig jedes Lenkrad und auf Wunsch auch jegliches Gestühl beziehen. Allerdings ist die Nachfrage nach dem Luxus-Produkt so hoch, dass die Sattlerei hier bis Ende 2025 "ausgebucht" meldet.
Das Lenkrad selbst ist leider genau so wulstig wie die zu dicken Dinger in den M-Modellen, allerdings liegt das wohl tatsächlich an allerlei Technik (Hands-on Detection, Heizung und Co.), die inzwischen einen drahtigeren Kranz verhindert.
Das Standard-Gestühl aus dem 3er sieht mit neuem Alpina-Bezug samt Steppung und dezenter Gold-Naht definitiv um Längen besser aus. Passend zum Charakter des Wagens sagt der Seitenhalt an Schenkeln und Rücken deutlich lauter Straße als Strecke. Da hätte etwas mehr Aufpolsterung sicher auch optisch zum Edel-Image gepasst. Allerdings: Wer hier mehr will, kann zum Sportsitz mit integrierter Kopfstütze greifen, der dann ebenfalls veredelt wird und spürbar fester sitzt.
Die Zeiten des klassischen Holzdekors sind auch bei Alpina längst passé. Zumindest in der Mittelklasse, weil BMW hier einfach nichts mehr im Programm hat. Das Material der Wahl ist nun Kohlefaser. Inklusive edlem Alpina-Pin auf dem Armaturenbrett. Dazu gibt's eine schicke Plakette mit Produktionsnummer auf der Mittelkonsole.
Wirklich gut gelungen: Die neue Digital-Instrumentierung in hauseigenem Blau, die deutlich cooler aussieht als bei BMW. Gleiches gilt für die Grafik im Head-up-Display.
Fahrbericht
Selbst auf die Gefahr hin, dass es Ihnen bereits zu den Ohren herausquillt: Natürlich macht es irgendwo Sinn, den B3 GT auch fahrdynamisch mit dem aktuellen M3 zu vergleichen. Dann nehmen wir zur Abrundung noch den Audi RS 4 Avant mit in die Runde auf und Sie kriegen hoffentlich ein vernünftiges Bild davon, was Sie bei diesem neuen Gefährt erwartet. Den AMG C 63 lasse ich aufgrund des völlig anderen Antriebskonzepts mal außen vor. Außerdem kauft ihn eh niemand.
Das Wunderbare an einer Fahrt mit dem letzten Schrei aus Buchloe ist ja, dass man danach denkt: Ja! Das hier macht so unglaublich viel Sinn! Weil es 1.) ein ganz ganz hervorragender Performance-Mix ist, den es 2.) so nirgendwo anders gibt. Und „nirgendwo anders gibt“ bedeutet in diesem Fall ganz sicher nicht, dass wir es mit einem schrulligen Manufaktur-Filou zu tun haben. Es bedeutet, dass der B3 GT (und natürlich auch der B4 GT, die nehmen sich da wirklich nix) als performanter Daily Driver zu großen Teilen besser funktioniert als die eben genannte Konkurrenz.
Alpina hat etwa den M3-Motor mit seinen Änderungen zu einem absoluten Charakterkopf gemacht. Das war er so beim M-Produkt für viele bisher nicht. Es gibt ja nicht wenige, die den Single-Turbo-Sechszylinder aus dem M340i für das lebendigere Aggregat halten. In der B3 GT-Applikation des S58-Biturbo dürfte diese Diskussion nicht aufkommen. Und das obwohl die Drehzahlgrenze deutlich auf unter 7.000 Touren fällt.
Was bis dahin passiert, ist allerdings mehr als entschädigend. Beherrscht wird die Gefühlswelt hier eindeutig vom fast schon überwältigenden Drehmoment-Punch, der einem selbst als Fahrer mal wieder ein gutes altes Kribbeln in der Bauchgegend verabreicht. Der B3 GT ist wesentlich früher wach als der etwas turbolochige M3. Seine Antwort auf Gasbefehle wirkt in niedrigeren Drehzahlgefilden spontaner.
Im Anschluss empfiehlt er sich mit einer sehr befriedigenden Kombination aus Umtriebigkeit und schierer Gewalt. Meiner Meinung nach auch oberhalb von 5.500 Touren, wo Alpina dem M GmbH-Motor Vorteile einräumt. In jedem Fall haben wir es hier mit einer begeisternden Leistungscharakteristik zu tun, die gewaltigen Vortrieb leicht und komfortabel zugänglich macht.
Ganz ähnlich verhält es sich mit dem querdynamischen Potenzial des Kleinserien-Kombis. Wer es bis hierhin noch nicht gespannt hat, spürt spätestens nach ein, zwei Kurvenkombinationen, dass der B3 GT kein M3 sein will. Damit macht er wahnsinnig viel richtig.
Denn wer Rennstrecke kloppen oder maximal bissig und obendrein reichlich intim gefedert durch die Lande ballern möchte, der wird sich ohnehin für das blau-dunkelblau-rote M aus Garching entscheiden. Damit macht er dann garantiert keinen Fehler, aber es ginge eben auch anders und gerade für Fahrdynamik-Gourmets vermutlich sogar besser.
| Fahrleistungen | Alpina B3 GT Touring |
| 0-100 km/h | 3,5 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 305 km/h |
| Verbrauch | 10,6 Liter |
| Emissionen | 241 g/km CO2 |
Nehmen wir etwa die im eigenen Haus abgestimmte Lenkung. Natürlich ist sie nicht so arg weit weg von dem, was man auch bei den sportlichen 3ern aus München aufgetischt bekommt: Sprich: mit dem bereits erwähnten dicken Lenkradkranz noch immer ein bisschen gummig und sehr sehr direkt. Hier zeigt sie sich jedoch ausgewogener, weniger nervös und gefühlsechter, was dazu führt, dass man mehr Infos von der Straße in die Hände transferiert bekommt und die kann man ja immer gut gebrauchen.
Die Lenkung ist also schon mal das eine, aber die wahre Magie passiert bei der Fahrwerksabstimmung. Man kennt das ja inzwischen aus Buchloe. Da werden uns in erstaunlicher Regelmäßigkeit Fahrzeuge präsentiert, die den dynamischsten Vertretern der Klasse in wenig bis nichts nachstehen, selbige beim Fahrkomfort aber düpieren, dass es nur so raucht.
Der B3 GT ist nur ein weiteres Beispiel. Im Prinzip ist es egal, in welchen Fahrmodus Sie sich gerade befinden, der Federungskomfort ist schlicht herausragend. Das etwas weichere Setup bedeutet dabei übrigens nicht, dass Sie jetzt fahren wie auf einem sportbereiften Sofa. Ganz im Gegenteil macht diese Abstimmungsidee den B3 fahrdynamisch vielleicht sogar zum interessanteren Auto.
Bildergalerie: Alpina B3 GT Touring (2024) im Test
Es besteht kein Zweifel, dass der M3 auf dem Track das fokussiertere, sattere, schnellere Gefährt ist. Aber fahren Sie mal eine schöne Landstraße in einer etwas ambitionierteren Gangart und Sie werden feststellen, dass der Alpina ein paar Dimensionen im Repertoire hat, die der radikal auf Performance getrimmten Konkurrenz so ein bisschen abgehen.
Unter Zug fühlen Sie hier in der Kurve richtig gut, wie die Seitenkräfte das Auto aufladen, einfach weil es mehr Bewegung im Unterbau zulässt. Das hilft, mehr von dem zu spüren, was das Auto macht und es hilft, besser ins Geschehen involviert zu sein.
Obendrein fällt es durch das monumentale, sehr früh anliegende Drehmoment ziemlich leicht, den B3 GT auch mal mit dem Gas zu lenken. Natürlich müssen Sie es schon wollen, aber das Heck braucht auch nicht so arg viel Überredungskunst, um sich zum Rutschen bewegen zu lassen. Das Ganze passiert hier gutmütiger und deutlich weniger schnappig als etwa beim M3 und lässt sich auch butterweich wieder einfangen.
Ein großer Spaß und letztlich noch ein weiterer Beweis dafür, dass Alpina mit dem B3 GT einen absoluten Sweet Spot im Segment der Performance-Mittelklasse gefunden hat.
Fazit: 9/10
Trotz der engen Verwandtschaft nach München zeigt der Alpina B3 GT einen sehr ausgeprägten eigenen Charakter. Einen Charakter, der vielen Fans potenter Mittelklasse-Fahrzeuge besser munden dürfte als das Angebot der Konkurrenz.
Hauptverantwortlich - neben des geschmackssicheren Auftritts – sind sicher die sehr durchdachten, leicht zugänglichen Abstimmungen von Motor und Fahrwerk. Das Auto bietet enorme Kraft und Performance, die aber gleichzeitig so lockerleicht, angenehm, gefühlig daherkommt. Das kriegt man in dieser Ausprägung derzeit nirgendwo anders.
Für mich persönlich hätte man das Interieur durchaus noch ein wenig feudaler und spezieller gestalten können. Dennoch: Nicht nur im Hinblick auf die Übernahme 2026 gab es wohl selten einen besseren Zeitpunkt, einen neuen Alpina zu erwerben.
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