Tatsächlicher Verbrauch: Mercedes B 180 d im Test
Wie viel Diesel braucht der 116 PS starke Kompakt-Van im realen Verkehr?
Derzeit wird nicht viel über Dieselautos gesprochen, denn die Selbstzünder wurden durch die Elektro- und Hybridautos ein wenig in die Ecke gedrängt. Aber wer täglich mit einem solchen Auto fährt, weiß den geringen Spritverbrauch und die große Reichweite zu schätzen.
Die geliftete Mercedes B-Klasse, die vor fast einem Jahr zu den Händlern kam, hat mich jedenfalls mit ihrem 116 PS starken Basis-Diesel überzeugt. Auf der 360 km langen Standardstrecke unseres Verbrauchstests benötigte der Mercedes B 180 d nur 3,30 Liter/100 km. Ein hervorragender Verbrauch, der mit deutschen Dieselpreisen zu bescheidenen Spritkosten von 5,51 Euro je 100 km führt.
Verbrauchsrekord bei den aktuellen Dieseln
Der 116 PS starke Zweiliter-Diesel wird im Mercedes B 180 d mit Frontantrieb und Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe kombiniert. Mit den genannten 3,30 Liter/100 km gelingt dem Auto Spitzenleistung, die ihm in der Diesel-Kategorie im Ranking unserer Testergebnisse den fünften Platz einbringt.
Mercedes B-Klasse: Die Front
Das Kompakt-SUV mit Stern hebt sich mit seinem niedrigen Verbrauch positiv von den vor einigen Jahren erzielten Testergebnissen ab. Beim Spritverbrauch mithalten können in jüngster Zeit allenfalls der Citroen C4 BlueHDi 130 (3,35 Liter/100 km), der Mercedes GLA 200 d 4Matic (3,40 Liter) und der Mercedes A 180 d (ebenfalls 3,40 Liter).
Kurz gesagt, in den letzten Jahren hat kein Dieselfahrzeug, mit dem ich von der italienischen Hauptstadt bis nach Forlì in der Emilia-Romagna gefahren bin, so wenig verbraucht wie dieser Mercedes. Das zeigt, was die Kombination aus effizientem Antrieb, hervorragender Aerodynamik (cW-Wert 0,24) und dem richtigen Automatikgetriebe vermag.
Geräumig und komfortabel
Der von mir getestete Wagen war ein italienischer Mercedes B 180 d AMG Line Advanced Plus. Serienmäßig besitzt diese Version 18-Zoll-Sporträder, ein sportliches Exterieur, High- Performance-LED-Scheinwerfer, ein schlüsselloses Zugangssystem, eine elektrisch bediente Heckklappe und einen 10,25-Zoll-Zentralbildschirm.
Mercedes B-Klasse: Das Cockpit
Für dieses Modell zahlt man in Italien 46.107 Euro. Mit der Metallic-Lackierung steigt der Preis auf knapp 47.000 Euro. Dafür kriegt man ein ausgesprochen geräumiges und praktisches Auto, das sich auch auf langen Strecken sehr komfortabel fährt. Der Wagen liegt aber so niedrig, dass man zuweilen mit der Front aufsetzt. Alles in allem ist die B-Klasse jedoch ein ausgezeichnetes Familienauto mit präzise arbeitenden Fahrerassistenzsystemen, die für hohe Sicherheit sorgen.
In Deutschland ist die B-Klasse derzeit nicht konfigurierbar (Stand: 12. Juli 2024). Die Preisliste führt den B 180 d mit einem Basispreis von 39.972 Euro auf; für die "AMG Line Advanced Plus" kommen weitere 7.170 Euro hinzu, womit man bei 47.142 Euro landet.
Konstant niedriger Verbrauch
Überraschend niedrig ist der Kraftstoffverbrauch, den ich mit dem Mercedes B 180 d in den gängigsten Fahrsituationen erzielt habe, vom Stadtverkehr bis zur (italienischen) Autobahn. In all diesen Verkehrssituationen ist das Auto so sparsam wie kaum ein anderes.
Mercedes B-Klasse: Das Heck
Der 43 Liter fassende Kraftstofftank sorgt für eine mehr als ausreichende Reichweite von durchschnittlich 800 km beträgt. Auf einer idealen, flachen Strecke und bei niedriger, konstanter Geschwindigkeit erzielte ich sogar einen Verbrauch, mit dem theoretisch fast 1.500 km möglich gewesen wären.
Verbrauch in verschiedenen Verkehrssituationen
- Stadt-Umland-Mix: 5,0 Liter/100 km, 860 km Reichweite (errechnet)
- Landstraße: 5,3 Liter/100 km, 808 km Reichweite (errechnet)
- Spritspartest: 2,8 Liter/100 km, 1.535 km Reichweite (errechnet)
Aus dem offiziellen Datenblatt
| Modell | Kraftstoff | Leistung | Abgasnorm | Normverbrauch (WLTP) | CO2-Emissionen (WLTP) |
| Mercedes B 180 d | Diesel | 116 PS | Euro 6d-ISC-FCM (EU Reg 2018/1832 AP) | 5,2-5,7 Liter/100 km | 136-150 g/km |
Daten des Testfahrzeugs
Fahrzeug: Mercedes B 180 d AMG Line Advanced Plus
Listenpreis: 47.142 Euro (in Italien 46.107 Euro)
Testdatum: 19. Juni 2024
Wetter (Abfahrt/Ankunft): heiter, 35 Grad/heiter, 30 Grad
Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Strecke Rom-Forlì: 69 km/h
Reifen: Bridgestone Turanza T005 - 225/45 R18
Verbrauch und Kosten
Bordcomputer-Anzeige: 3,1 Liter/100 km
An der Zapfsäule bestimmter Verbrauch: 3,5 Liter/100 km
Mittel aus diesen Werten: 3,30 Liter/100 km
Kraftstoffpreis: 1,67 Euro/Liter (Diesel)
Spritkosten: 5,51 Euro/100 km
Unsere italienischen Kollegen erstellen ein stets aktualisiertes Ranking der Verbrauchstest-Ergebnisse. Das Ganze ist in italienischer Sprache, aber wir denken, Sie finden sich zurecht.
Und so ermitteln wir den Verbrauch
Wenn Sie eine Freundin oder einen Freund nach dem Verbrauch seines Autos fragen, wird Ihnen wahrscheinlich ein Wert genannt, der keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebt. Vielleicht wurde der Wert vom Bordcomputer abgelesen, oder die Tankrechnungen wurden aufbewahrt und daraus ein Verbrauch errechnet.
Ähnlich ermitteln wir unseren Testverbrauch: Er ergibt sich als Mittel aus Bordcomputer-Wert und dem an der Tankstelle ermittelten Verbrauch. Die Testautos werden stets von Fabio Gemelli von Motor1.com Italien gefahren. Der Journalist fährt häufig fürs Wochenende von der Redaktion in Rom in seine Heimat Forlì (in der Emilia-Romagna).
Dabei bewegt er die Autos bewusst sparsam: Er bleibt knapp unter der Höchstgeschwindigkeit (auf der italienischen Autobahn: 130 km/h), vermeidet abruptes Beschleunigen und Bremsen und fährt vorausschauend. Die Teststrecke Rom-Forlì ist etwa 360 Kilometer lang und umfasst 65 Prozent Superstrada (autobahnähnliche Schnellstraße, Tempolimit zwischen 90 und 110 km/h), 25 Prozent Autostrada (Autobahn, Tempolimit 130 km/h), fünf Prozent Strada Statale (Bundesstraße, Tempolimit 90 km/h) und fünf Prozent Stadtverkehr.
Dabei wird der Apennin überquert, die Strecke enthält also durchaus auch Steigungen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt in der Regel bei 70 bis 80 km/h. Am Ende der Strecke notiert unser Tester die Bordcomputer-Anzeige und berechnet (bei Autos mit Verbrennungsmotor) den Verbrauch an der Zapfsäule.
Dabei wird "von voll bis voll" gemessen, wobei voll bedeutet: Das Tanken wird beim ersten Klick der Zapfpistole beendet. Dann berechnet Fabio den Mittelwert. Die Kosten berechnen wir jedoch anhand der deutschen Preise (Durchschnittskosten laut ADAC zum Zeitpunkt der Veröffentlichung).
Bei Elektroautos verwenden wir den Bordcomputer-Verbrauch und einen durchschnittlichen Strompreis von 42 Cent pro kWh (durchschnittlich gezahlter Preis für Haushaltsstrom in Deutschland im 2. Halbjahr 2023 laut Destatis). Bei Erdgas- und Autogas-Fahrzeugen wird der Durchschnittspreis von www.gas-tankstellen.de in Anschlag gebracht.
Bildergalerie: Mercedes-Benz B-Klasse (2023)
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