Zugegeben: Wirklich neu ist der aktuelle Audi A4 der fünften Generation nicht mehr. Er wurde bereits im September 2015 auf der IAA (damals das noch das vorletzte Mal in Frankfurt am Main) vorgestellt. Anfang 2019 folgte dann ein größeres Update. Und das ist mittlerweile auch schon im Maßstab der Automobilwelt eine halbe Ewigkeit her.

Doch trotz seines Alters ist dieser Mittelklasse-Kombi nach wie vor das beliebteste Modell der Ingolstädter. Im vergangenen Jahr konnten die vier Ringe ganz genau 35.905 Einheiten neu zulassen. Und damit liegt der A4 (erhältlich als Limousine oder Avant) sogar noch vor dem Kompaktfahrzeug – dem A3 (erhältlich als Limousine und Sportback) mit 34.686 Exemplaren.

Was macht das alte Eisen von Audi also so beliebt? Wir haben uns das Traummodell eines jeden Außendienstlers schicken lassen und sind der Frage die letzten 14 Tage auf den Grund gegangen.

Schnelle Daten Audi A4 Avant 40 TDI quattro (2024)
Motor 1.968 cm3 / Vierzylinder-Turbodiesel
Getriebe 7-Gang-S tronic-Doppelkupplung
Antrieb Allradantrieb
Leistung 204 PS (3.800 - 4.200 U/min) 
Drehmoment 400 Nm (1.750 - 3.250 U/min)
Basispreis / Testwagenpreis 50.700 Euro / 68.140 Euro

Ein Diesel also. Den stärksten, den es aktuell und seit dem Auslaufen der 3,0-Liter-V6-Aggregate noch gibt. Mit dem 2,0-Liter-Vierzylinder-Standardmotor aus dem VW-Konzern-Regal. Sowie 204 PS und kräftigen 400 Nm Drehmoment. Plus quattro-Allrad und 7-Gang-DSG. Perfekt also, um im nicht ganz günstigen Premium-Ambiente mit reichlich Platz ordentlich Kilometer bei vermeintlich geringen Verbräuchen zu schrubben, oder?


Exterieur | Interieur | Fahrbericht | Wissenswertes | Fazit


Exterieur

Beim Blick auf die Daten ist das Modell branchenüblicher Durchschnitt. Mit seiner Länge von 4,76 Meter qualifiziert sich der A4 Avant (B9) aber natürlich mit Bravour für die Mittelklasse. Das Kofferraumvolumen von 494 bis 1.495 Litern liegt so ziemlich genau auf den Niveaus der schärfsten (und vor allem deutlich jüngeren) Konkurrenz um BMW 3er Touring oder Mercedes-Benz C-Klasse T-Modell.

Bei den Gewichten ergibt sich das gleiche Bild. Man kann ordentlich zuladen, mit dem Diesel und Allrad genug ziehen und die allgemeine Fahrzeugmasse ist ebenfalls kein besonderer USP. Durchschnitt. Durch und durch.

Abmessungen Audi A4 Avant 40 TDI quattro (2024)
Länge x Breite x Höhe 4.762 mm x 1.847 mm x 1.435 mm
Leergewicht 1.700 kg
Kofferraumvolumen 495 - 1.495 Liter
Zuladung 530 kg
Anhängelast 750 kg (ungebremst) / 1.800 kg (gebremst, 12%)

Optisch sieht man dem A4 Avant sein Alter auch nicht unbedingt an. Eine absolute Stärke von Audi, Fahrzeuge zu bauen, die auch nach knapp 10 Jahren und nur durch Facelifts frisch gehalten, immer noch modern und zeitlos aussehen.

Audi A4 Avant 40 TDI quattro (2023) im Test
Audi A4 Avant 40 TDI quattro (2023) im Test

Aber mit der letzten Überarbeitung im Mai 2019 wurden auch einige Exterieur-Punkte in Angriff genommen. Sowohl die Front- als auch die Heckstoßstangen sowie das Design der Scheinwerfer und der Rückleuchten wurde geändert. Ebenso die Seitenlinie.

Außerdem sind seit der Modellpflege LED-Scheinwerfer und -Rückleuchten serienmäßig, optional können diese mit dem dynamischen Blinklicht ergänzt oder durch die Matrix-LED-Funktion aufgewertet werden. Beides sollte man machen. Ehrlich. Auch wenn der Hersteller dafür immer noch 1.590 Euro Aufpreis dafür verlangt.

Audi A4 Avant 40 TDI quattro (2023) im Test

Ebenfalls extra bezahlen muss man bei dem auf den Bildern gezeigten Fahrzeug übrigens die Lackierung in "Navarrablau Metallic" (für 900 Euro), das "Glanzpaket" für die Alu-Akzente beispielsweise um die Scheiben (für 200 Euro), die Dachreling in Aluminium (für 85 Euro) und die 18-Zoll-Felgen im 5-Speichen-Dynamik-Design (für 1.000 Euro). Klingt viel, sind aber dann doch Peanuts im Vergleich zu den Summen, die man bei den Ingolstädtern dann noch im Innenraum versenken kann.

Interieur

Bevor wir jetzt aber mit Preisen um uns werfen, blicken wir noch einmal fünf Jahre auf das letzte Facelift zurück. Damals flog der auf dem Armaturenbrett montierte TFT-Bildschirm raus und er wurde durch einen serienmäßigen 10,1 Zoll großen Touchscreen mit einer Auflösung 1520 × 720 Pixel ersetzt.

Damit zog auch die Infotainment-Touch-Bedienung in die Mittelklasse von Audi und der bisherige Dreh-Drück-Steller in der Mittelkonsole konnte entfallen. Hinter dem Lenkrad sitzt seitdem auch das Audi virtual cockpit mit einer auf 1920 x 720 Pixeln erhöhten Auflösung. Sie wollen die "plus"-Version des Kombiinstruments? Das macht dann 600 Euro extra.

Audi A4 Avant 40 TDI quattro (2023) im Test

Und damit wären wir wieder beim Thema. Um aus dem eigentlich so pragmatisch angelegten Kombi ein Premiumfahrzeug zu machen, muss man im Detail ziemlich viele zusätzliche Euros einplanen. Gute Verarbeitung und tolle Materialien bekommt man zwar auch in der Basis, aber wer es individuell und technisch am Zahn der Zeit haben möchte, wird zur Kasse gebeten. Selbst für Dinge, die bei anderen Herstellern mittlerweile meist serienmäßig verbaut sind.

Optionale Ausstattung Audi A4 Avant 40 TDI quattro (2024)
3-Zonen-Klimaautomatik 695 Euro
4-Wege-Lendenwirbelstütze für Vordersitze 280 Euro
Ablage- und Gepäckraumpaket 190 Euro
Akustikverlasung für Türscheiben vorne 150 Euro
Akzentflächen schwarz glänzend 180 Euro
Ambiente-Lichtpaket 250 Euro
Assistenzpaket (Stadt) 1.120 Euro
Assistenzpaket (Tour) 1.300 Euro
Audi Soundsystem 320 Euro
Businesspaket 2.990 Euro
Dekoreinlagen Aluminium Ellipse silber 265 Euro
Fahrersitz (elektrisch einstellbar) 400 Euro
Head-up-Display 980 Euro
Interieurelemente in Kunstleder 290 Euro
Komfortmittelarmlehne vorne  190 Euro
Multifunktion-Lenkrad mit Heizung 190 Euro
Smartphone-Interface 320 Euro
Sportsitze vorn 375 Euro
USB-Ladeschnittstelle im Fond 75 Euro
Variable Kopfstützen für die Vordersitze 125 Euro

Fühlt man sich jetzt wenigstens Wohl in dem Premium-Fahrgastraum? Allerdings. Die Sitze sind großartig, der Stoff fühlt sich toll an. Nichts knarzt, alles lässt sich flüssig und vor allem schlüssig bedienen, im Fond sitzen auch erwachsene Menschen gut und der variable Kofferraum mit all seinen Zusatzfunktionen lässt keine Wünsche offen. Außerdem ist es unglaublich ruhig in dem Fahrzeug. Selbst bei Linke-Spur-Geschwindigkeiten. Old, but gold mit etwas altbackenem Klavierlack, aber mit modernem Touch. Vor allem mit Blick auf die Assistenzsysteme.

Fahrbericht

Der Audi A4 hat sich in den letzten 9 Jahren aber nicht nur im Außen- und Innenbereich kontinuierlich weiterentwickelt. Auch unter der Haube wurde immer wieder angepasst. Hinter dem 40 TDI-Kürzel verbirgt sich jetzt ein mildhybridisierter 2,0-Liter-Vierzylinder, der seit August 2020 nun 204 PS leisten darf. Davor waren es 190 PS. Beim Drehmoment von 400 Nm hat sich allerdings seit 2015 (als das Modell noch 2.0 TDI hieß) nichts geändert.

Audi A4 Avant 40 TDI quattro (2023) im Test

Und selbst in einer Autowelt, die sich zunehmend bis vollständig elektrifiziert, hat VW EA288evo (so die Typenbezeichnung des Aggregats) noch durchaus seine Berechtigung. Er läuft geschmeidig und entfaltet sich ohne Überraschungen ziemlich kraftvoll. Den Dieselsound hält der Hersteller zudem gut aus dem Innenraum raus und nur im Leerlauf kann man ganz unterschwellig ein leichtes Nageln vernehmen. 

Das 7-Gang-DSG passt ebenfalls hervorragend zu dem Motor. Es ist vergleichsweise sanft abgestimmt und wenn es sich für Sie im "Comfort"-Modus doch einmal zu sehr nach Wandlerautomatik anfühlen sollte, kann man immer noch für etwas zackigere Gangwechsel in "Dynamic" wechseln. Dann kann es allerdings hin und wieder zu ruckartigen Fahrmanövern kommen, da sich der entspannte Selbstzünder nicht so recht mit den schnelleren Drehzahlanpassungen anfreunden möchte.

Fahrleistungen Audi A4 Avant 40 TDI quattro (2024)
0-100 km/h 7,1 Sek.
Vmax 210 km/h
Verbrauch 6,2 - 5,3 l/100km (WLTP) / 6,7 l/100km (Test)
CO2-Emissionen 162 - 139 g/km

Auf die Straße überträgt unser Testwagen die Kraft über den optionalen quattro-Antrieb. Nett, aber im Alltag wahrscheinlich nicht unbedingt notwendig. Bei forscheren Fahrmanövern merkt man zwar, wie sich das Heck aktiv bei der Gripsuche im Kurvenausgang beteiligt und so mehr Selbstbewusstsein hinterm Steuer generiert.

Aber für diese seltenen Ereignisse muss man nicht unbedingt immer 75 kg mehr mit sich herumfahren. Allerdings waren wir immer auf freien Straßen unterwegs. Kein Schotter, kein Schnee, nur glatter bis leicht schlaglöcheriger Asphalt.

Bildergalerie: Audi A4 Avant 40 TDI quattro (2023) im Test

Das Fahrwerk war deshalb ebenfalls weit davon entfernt, an seine Grenzen zu gelangen. Es ist ziemlich komfortabel bis straff abgestimmt. Was daran liegt, dass Audi das "Komfortfahrwerk mit Dämpferregelung" für 1.030 Euro Aufpreis in unseren Testwagen verbaut hat. In jedem Fall empfehlenswert, da sich über die Fahrmodi eine ordentliche Spreizung wählen lässt.

Außerdem waren unsere italienischen Kollegen unlängst mit dem Standard-Fahrwerk im A4 Avant unterwegs und mussten feststellen, dass dieses System vor allem bei kurzen Stößen so seine Probleme hat. Und die können wir nicht herausfahren. Trotz der 18-Zoll-Felgen.

Wissenswertes

Hier möchten wir Sie noch flott auf zwei Dinge aufmerksam machen, an denen man im Detail merkt, dass der Audi A4 Avant doch ein relativ altes Auto ist. Zum einen sind es die Assistenzsysteme, die zwar gut funktionieren (Spurhaltung, Abstandstempomat, etc.). Aber die Bedienung über den kleinen Hebel unterhalb des linken Lenkstockhebels ist doch etwas gewöhnungsbedürftig und wirkt wie nachträglich und etwas lieblos ins Bedienkonzept integriert. Darüber hinaus ist die Rückfahrkamera in ihrer Auflösung nicht viel besser als eine Handykamera aus den frühen 2010er-Jahren. Nicht wirklich "Premium".

Zum anderen fällt auf, dass man sein Handy zwar kabellos mit dem Infotainment verbinden und es auch kabellos in einer (etwas schwer zugänglichen) Ladeschale mit Strom befüllen kann, aber als Kabel-Schnittstelle wird noch ein alter USB-Anschluss angeboten. USB-C findet man nur unter der Klappe der Mittelarmlehne.

Fazit: 7,5/10

Auch wenn das Grundgerüst dieses Kombis schon recht alt ist und der Audi A4 Avant immer wieder durch Einzelmaßnahmen in verschiedenen Bereichen auf dem neuesten Stand gehalten wurde, wirkt das Endprodukt heute immer noch gut durchdacht, sodass sich der Mittelklasse-Kombi nicht vor seiner deutlich jüngeren Konkurrenz verstecken muss.

Die Zukunft wird übrigens A5 Avant heißen und von Audi im Laufe des Jahres 2024 präsentiert, wie Konzernchef Gernot Döllner kürzlich ankündigte.