In Kürze wird die dritte Generation des Dacia Duster ab 18.950 Euro bei den Händlern aufschlagen. Mit schickerem Design, mehr Technik und erstmals auch mit einem Hybrid-Antrieb. Doch bevor es soweit ist, wollen wir herausfinden, ob wir das aktuelle Modell nach seinem Ableben vermissen werden?! Oder ob es auch Punkte gibt, auf die wir künftig gerne verzichten können?! Auf geht's ... im Dacia Duster TCe 150 4x4 Extreme. Mit AT-Geländebereifung.

Zurück in der Zeit

Am 12. September zog Dacia auf der IAA 2017 (damals noch in Frankfurt am Main) die Tücher von der damals brandneuen zweiten Generation des Duster. Die Markteinführung fand dann am 13. Januar 2018 statt. Der Basispreis damals? 11.290 Euro. Überarbeitet wurde das Modell dann im Sommer 2021, bei den Händlern stand diese Version seit Herbst des selben Jahres.

Dacia Duster TCe 150 4x4 Extreme (2024) im Test

Doch was dachten wir eigentlich bei unserer ersten Testfahrt mit dem Duster 2.0? Damals waren wir mit dem Dacia Duster TCe 125 4x2 Prestige (2018) unterwegs und zogen im November 2017 folgendes Fazit und vergaben 9 von 10 Sternen:

"Ein Schnäppchen für SUV-Freunde war der Dacia Duster schon immer, jetzt ist er auch ein richtig gutes Auto. Geschickt hat Dacia die bisherigen Schwachstellen, etwa bei der Ergonomie, ausgemerzt. Trotzdem bleibt der Duster preislich sehr interessant. Erkauft wird das mit einem Verzicht auf starke Motoren. Wer so etwas will, muss bei Konzernmutter Renault vorbeischauen, die damit ihren Kadjar vor dem bissigen Duster schützt."

Roland Hildebrandt – Chefredakteur, Motor1.com Deutschland

Gelten diese Feststellungen auch noch gut sechs Jahre später? Zumindest der Punkt mit den fehlenden starken Motoren lässt sich relativ leicht entkräften. Seit 2019 gibt es nämlich bereits den 1,3-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner unter der Duster-Haube. Mit 150 PS, 250 Nm, 6-Gang-Schaltgetriebe und einem echten Allradantrieb. Damit ist der Offroad-Dacia zwar auch keine richtige Rakete, aber man schafft es in rund 10 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und wird sogar bis knapp 200 km/h schnell.

Dacia Duster TCe 150 4x4 Extreme (2024) im Test
Dacia Duster TCe 150 4x4 Extreme (2024) im Test

Die anderen (positiven wie negativen) Kritikpunkte benötigten dann aber doch noch einmal eine Testfahrt unter den Gesichtspunkten von 2023/2024. Wieso wir uns also auf die neue Generation freuen und welche Eigenschaften des aktuellen Modells wir schmerzlich vermissen werden? Hier kommen fünf Punkte für und fünf Punkte gegen den geländebereiften Dacia Duster TCe 150 4x4 in der Hütte-voll-Ausstattung.

Was werden wir vermissen?

  1. Das mittlerweile doch irgendwie lieb gewonnene Design: Der Gen2-Duster sieht nämlich schon cool aus. Jetzt ... mit dem neuen Markenlogo im Kühlergrill, dem Markennamen breit über die Heckklappe, den insgesamt so knubbeligen Formen, den breit ausgestellten Radkästen und der schicken LED-Beleuchtung ringsum. Dazu kommen in unserem ganz speziellen Fall die Extreme-typischen Akzente mit Höhenlinien und den kupferfarbenen Applikationen. Einfach schön.
  2. Der Mangel an Fahrassistenzsystemen: Klingt komisch und sorgt bei den EuroNCAP-Crashtests immer für schlechte Bewertungen, aber muss man wirklich einen Abstandstempomat, eine Spurhalteassistenz oder eine Geschwindigkeits- und Müdigkeitserkennung an Bord haben, wenn man alles sowieso immer nur abschaltet? Eher nicht. In unserem Testwagen ist lediglich ein Toter-Winkel-Warner an Bord und der nervt uns auch öfter, als das er hilft. Abgeschaltet ist er mit einem einfach Knopfdruck. Und schon hat das Blinken im Spiegel ein Ende. Spart nerven und Kosten.
  3. Das gute Infotainment-System und die klaren Instrumente: Zwei analoge und gut ablesbare Rundinstrumente hinter dem Lenkrad, dazu ein kleines Infodisplay in der Mitte. Mehr braucht man eigentlich nicht. In der neuen Version wird es so etwas nur noch im Basismodell geben. Außerdem gefällt uns das einfach gestaltete und recht schnelle Infotainment-System. Keine unnötigen Funktionen, schicke Optik und wenn das Onboard-System doch einmal nervt: einfach kabellos das Smartphone spiegeln.
  4. Den echten Allradantrieb und die Geländefähigkeiten: Kompakte SUVs gibt es mittlerweile von so ziemlich jedem Hersteller. Aber einen echten Allradantrieb (nein, keine elektrifizierte Hinterachse, sondern richtiges 4x4 mit Differenzialsperre) findet man bei der Konkurrenz eigentlich nicht mehr. Umso erfreulicher ist es, dass der Duster diese fast altmodische Technik noch an Bord an. Dazu eine gute Bodenfreiheit und die von uns gefahrenen Cooper-Discovery AT-Reifen mit grobstolligem Profil und es kann abseits der befestigten Pisten eigentlich nichts mehr schief gehen.
  5. Das Preis-Leistungs-Verhältnis: Wo bekommt man noch 150-Benziner-PS aus einem Vierzylinder, Allrad, Platz für fünf Personen und einen halbwegs brauchbaren Kofferraum gepresst in ein Kompakt-SUV für rund 20.000 Euro? Richtig ... auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Oder eben bei Dacia. In der vollausgestatteten Extreme-Line klettert der Preis dann zwar auf 25.050 Euro und für die Metallic-Lackierung und das Ersatzrad werden noch einmal insgesamt 800 Euro fällig, aber hey ... bei 25.850 Euro beginnt bei den meisten Herstellern erst die Preisliste für die kompakten Möchtegern-Geländegänger.
Dacia Duster TCe 150 4x4 Extreme (2024) im Test
Dacia Duster TCe 150 4x4 Extreme (2024) im Test
Dacia Duster TCe 150 4x4 Extreme (2024) im Test
Dacia Duster TCe 150 4x4 Extreme (2024) im Test

Auf was können wir in Zukunft verzichten?

  1. Die doch immer noch grauenhaften Sitze: Im Vergleich zum Ur-Duster mag das Gestühl zwar schon in seiner Bequemlichkeit gereift sein, aber Sitzgenuss kommt trotzdem noch nicht auf. Außer man steht auf wenig Unterstützung. Beim Seitenhalt, beim unteren Rücken und auch sonst überall. Rücken und Hintern mussten sich jedenfalls über 1.000 km (und recht schmerzhaft) an die miesen Sitze gewöhnen. Dann ging es, aber auf Dauer kann die reine Schaumstoffposterung trotzdem nicht gesund sein.
  2. Billige Verarbeitung im Detail: Günstige Preise müssen irgendwo ihren Tribut zollen. Beispielsweise beim Einsatz von viel Hartplastik. Kann man erwarten und ist völlig okay. Aber stellen Sie mal eine Getränkekiste auf den dünnen Pressspan-Ladeboden im Kofferraum. Der biegt sich ganz schön durch. Oder schauen Sie sich das billige Styropor darunter an, das bricht, wenn man es nur schief ansieht. Oder strecken Sie sich etwas ausgiebiger mit den Füßen auf der Matte im Fahrerfußraum und schön löst sie sich aus ihrer Verankerung. Oder rütteln Sie an den äußeren Türgriffen. Gruselig. Alles ganz nach dem Motto: Sitz, passt, wackelt und hat Luft.
  3. Teils windige Fahreigenschaften: Das ein Duster nicht das Brett auf der Straße ist, dürfte klar sein. Muss er ja auch nicht. Trotzdem gibt es Punkte, die einfach nerven. Das Getriebe ist in den ersten Gängen viel zu kurz und selbst mit einem geübten Kupplungsfuß, ist es schwierig, ohne Hoppeln anzufahren. Ab 120 km/h wird es dazu ziemlich laut im Innenraum. Motor, Wind und Reifen (gut, wir hatten ja auch die AT-Pneus drauf) singen ihre Lieder. Dazu kommen dann noch eine gefühllose Lenkung und ein Fahrwerk ohne jegliche Rückmeldung. Der Rest passt aber. Spritziger Motor (er verschwindet trotzdem aus dem Programm), passgenaues Getriebe.
  4. Die Verbrauchswerte: Angegeben ist der rumänische Kollege mit 6,1 l/100km im WLTP-Zyklus. Wir kamen mit Mühe und Not unter 8,0 l/100km. Ziemlich viel für so wenig Auto mit vergleichsweise geringem Gewicht. Anrechnen muss man natürlich die schon mehrfach erwähnte Bereifung, die in Sachen Rollwiderstand nicht wirklich optimal ist. Dafür sind wir andererseits mindestens 95 Prozent unserer Zeit im 2WD-Modus gefahren und haben den verbrauchssteigernden Allrad nicht einmal angesehen. Hier geht weniger. Und wir sind gespannt, wie sich der Vollhybrid im neuen Modell schlagen wird.
  5. Steigende Preise: Alles wird teurer. Auch ein Dacia. Und Einstiegspreise von 11.290 Euro wie einst 2018 sind schon lange Geschichte. Beim Generationswechsel wird wieder erhöht. Von 17.400 auf 18.950 Euro. Klingt wenig, ja. Es handelt sich aber um eine Preissteigerung von rund 9 Prozent. Und wenn wir das erste Modell der zweiten Generation von 2018 mit dem ersten Modell der dritten Generation von 2024 vergleichen, wurde der Preis in sechs Jahren um stolze 68 Prozent erhöht.
Dacia Duster TCe 150 4x4 Extreme (2024) im Test
Dacia Duster TCe 150 4x4 Extreme (2024) im Test
Dacia Duster TCe 150 4x4 Extreme (2024) im Test
Dacia Duster TCe 150 4x4 Extreme (2024) im Test

Ziehen wir einen Schlussstrich

Eigentlich war die zweite Generation des Dacia Duster auch schon vor sechs Jahren veraltet, als sie erstmalig auf den Markt kam. Dann hat sie sich aber durchaus gut halten können und wirkt heute noch erstaunlich frisch. Natürlich zwickt es heute an einigen Stellen noch mehr als noch 2018 (wer will beispielsweise noch USB-A-Anschlüsse für sein Smartphone), aber als günstiges Allrad-Auto mit einem gewissen Restkomfort und vor allem ordentlich Platz ist er eben nach wie vor ziemlich konkurrenzlos. Ob das der Neuauflage auch gelingen kann? Wir sprechen uns in sechs Jahren, Dacia ...

Bildergalerie: Dacia Duster TCe 150 4x4 Extreme (2024) im Test