Würden Sie ihr Auto mit vielen Menschen teilen? Die Antwort auf diese Frage ist nur ein Aspekt des besonderen Ansatzes der Marke Lynk & Co, die jetzt in Deutschland startet. Noch eine Automarke? Ist der Markt nicht gesättigt? Wir waren mit dem schlicht "01" genannten SUV unterwegs. 

Was ist das?

Nun fragen Sie sich nicht ganz zu Unrecht: Lynk wer? Lynk & Co. gehört zum chinesischen Geely-Konzern, der auch die Marke Volvo sein Eigen nennt. Im April 2017 debütierte der 4,54 Meter lange 01, er teilt sich die modulare CMA-Plattform mit dem Volvo XC40. Das zeigt sich am Radstand des Lynk von 2,73 Meter, der nur minimal über dem des Volvo liegt. 

Lynk & Co. 01 (2021) im Test

In China gibt es mittlerweile von Lynk & Co. auch den 02, ein gegenüber dem 01 etwas kleineres SUV sowie den 03, eine Limousine. 2020 ergänzten der 05 und 06 das Modellprogramm als größere SUVs, bald soll der 4,85 Meter lange 08 als erstes Elektroauto der Marke folgen. 

Europa kommt nun endlich in den Genuss des ersten Lynk und zwar in einer überarbeiteten Version. Bei uns wird es den 01 als Plug-in-Hybrid und als Vollhybrid geben. Der von uns gefahrene Plug-in-Hybrid bringt es auf 261 PS Systemleistung, 69 Kilometer weit soll er laut WLTP rein elektrisch kommen. Den gleichen Antriebsstrang bekommen Volvo-Liebhaber übrigens im XC40 T5 Recharge, der mit ähnlicher Ausstattung locker die 50.000-Euro-Marke knackt.

Beim 01 ist schon viel inklusive: Einparkassistent, 18-Zoll-Felgen (HEV) respektive 20-Zöller (PHEV), 12,7-Zoll-Instrumentendisplay, 12,3-Zoll-Touchscreen mit Navi und eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik. Der Vollhybrid ist für 35.000 Euro erhältlich, der Plug-In-Hybrid für 42.000 Euro.

Lynk & Co. 01 (2021) im Test

Ebenso Panoramadach, Metallic-Lackierung, automatische Heckklappe, Premium-Stereosystem, Carsharing-Funktion, digitaler Schlüssel, eingebaute Apps, adaptive Geschwindigkeitsregelung, kabelloses Laden von Smartphones und vieles mehr.

Interessenten müssen nur zwei Entscheidungen treffen: welche Farbe (Schwarz oder Blau) und welchen Hybridantrieb (Vollhybrid oder Plug-in-Hybrid) ihr Auto haben soll. Das erinnert ans selige Ford T-Modell, doch der Vertrieb ist anders: Man bezahlt 500 Euro im Monat ohne Anzahlung und dort ist dann alles außer Sprit und Strom inklusive. Problem am Auto? Hilfe-Knopf drücken, es wird abgeholt und man erhält bei Bedarf einen baugleichen Ersatzwagen. Und natürlich, wer das Auto kaufen möchte, kann dies ebenfalls. 

Bildergalerie: Lynk & Co 01: EuroNCAP-Crashtest

Die Besonderheit bei Lynk: Nutzer können das Auto auch mit anderen Mitgliedern teilen und so ihre monatlichen Kosten senken. Eine speziell geschnürte Versicherung deckt alle Schäden ab. Wer zudem kein eigenes Auto benötigt, nur ab und an eins leihen will, erhält eine kostenlose Mitgliedschaft mit Zugang zu allen weiteren Vorteilen der Lynk & Co-Community und zahlt nur für die tatsächlich angefallenen Fahrten.

Und hier wird es spannend: Im Auto selbst kann ich Uhrzeiten festlegen, wann ich meinen 01 nicht benötige. Dann geht der Wagen quasi ins Carsharing. Wer mit ihm fahren will, zahlt eine kleine Grundgebühr inklusive Versicherung und mir Geld, mit dem ich meine Rate senken kann. Quasi eine Art AirBnB auf Rädern.

Ein ungewöhnliches Konzept also, zu dem das ungewöhnliche Design des 01 gut passt. Oben auf der Motorhaube helfen die Knubbel der Tagfahrlichts beim Abschätzen der Frontpartie. Darunter liegen die eigentlichen Scheinwerfer, fertig ist das Lynk-Markengesicht. Am Heck wird die Formensprache etwas beliebiger, doch ansehnlich ist der 01 allemal.

Lynk & Co. 01 (2021) im Test

Wie fährt er sich?

Ich schlüpfe hinein und sehe mich um: Ein gutes Platzangebot im Fond, ein großer Kofferraum und ein weitestgehend übersichtlich gestaltetes Cockpit. Die verwendeten Materialien gehen in Ordnung, wenngleich alles Chrom eigentlich Plastik ist. Der Kunststoff in der Mittelkonsole könnte höherwertiger anmuten.

Etwas Eingewöhnung benötigt die Bedienung des zentralen Touchscreens. Interessant: Sobald ich eine Route im Navi eingegeben habe, schaltet sich das Digitalcockpit auf die große Kartenansicht um. 

Jetzt aber los! 520 Kilometer Reichweite mit Sprit und 72 mit Strom werden mir beim Start angezeigt. Leise stromere ich durch die Stadt. An der Ampel zeigt sich, dass der knapp 1,9 Tonnen schwere PHEV-01 kein brachialer Beschleuniger ist. Exakt acht Sekunden nennt das Datenblatt für den Sprint auf 100 km/h, auf der Autobahn zieht der 01 dann auch flott voran. Auffallend ist die gute Dämmung, auch bei Tempo 140 bleibt es ruhig. 

Lynk & Co. 01 (2021) im Test
Lynk & Co. 01 (2021) im Test

Überraschend ausgewogen ist der Federungskomfort trotz der 20-Zöller, wenngleich das Fahrwerk kurze Wellen gerne mitteilt. Besagtes Fahrwerk teilt sich der 01 mit dem Volvo XC40 und dem Polestar 2, bei Lynk hat man aber noch Feinabstimmung betrieben. Fest steht: Der 01 mag Komfort lieber als Sportlichkeit.

Nach einer Testrunde von 82 Kilometer blicke ich auf den Bordcomputer: 2,9 Liter Kraftstoff habe ich im Schnitt verbraucht, die Batterie müsste jetzt natürlich wieder aufgeladen werden. Fünf Stunden dauert das an einer Haushaltssteckdose.

Alain Visser, CEO von Lynk & Co im Interview

Mehr als genug Zeit also für andere Dinge, etwa ein Interview mit Lynk & Co-Chef Alain Visser.

Braucht es noch eine neue Automarke in Europa?

"Nein, überhaupt nicht. Deswegen sehen wir uns auch nicht als Automarke. Eher als Gegenentwurf zu einer klassischen Automarke. Ich habe vor fünf Jahren gesagt: Es braucht keine neue Automarke, also lasst uns etwas Neues versuchen. Genau das, was wir hier tun."

Wie zufrieden sind Sie mit dem Start von Lynk & Co in Deutschland?

"Sehr zufrieden. Wir hatten europaweit für 2021 ein Ziel von 9.000 Mitgliedern, inzwischen sind wir schon bei 29.000 Mitgliedern, davon etwa 4.000 in Deutschland. Und das obwohl wir hier bislang wenig kommuniziert und noch keine Werbung geschaltet haben. Damit liegen wir weit über unseren Erwartungen."

Warum sollte ich mir einen 01 zulegen? Es gibt ja viel Konkurrenz in diesem Segment.

"Wir könnten jetzt sagen, unser Auto ist das Beste. Aber das sagt jeder. Wir sind davon überzeugt, das unser Auto wirklich gut ist. Aber wir haben gesagt, der Grund sollte vielleicht nicht unbedingt das Auto sein, obwohl es guter Grund wäre. Der Grund, warum ein Kunde zu Lynk & Co geht, sollte sein, dass wir einfach ein komplett anderes Geschäftsmodell haben."

Lynk & Co. 01 (2021) im Test
Lynk & Co-CEO Alain Visser

"Woanders kaufen oder leasen Sie ein Auto. Bei uns kommen Sie zu einem Club vor Ort oder online und benutzen ein Auto beispielsweise für einen Monat. Die Kündigungsfrist beträgt immer nur einen Monat. Sie können das Auto teilen, um so Ihre Kosten zu senken. Ich glaube, das Konzept ist sogar weniger vergleichbar mit der Autoindustrie als mit anderen Industrien."

Wie ist es eigentlich mit den Lieferfristen beim 01? Stichwort Chipkrise …

"Wir merken auch die Chipkrise, sind aber zum Glück weniger betroffen, weil wir bei der Produktion in China deutliche Prioritäten bekommen. Weil für uns der Launch ist und es für uns gut läuft. Wir haben im Moment Lieferfristen von zwei Monaten, was für uns lang ist, aber im Vergleich zum derzeitigen Durchschnitt der Autoindustrie sehr niedrig ist."

Der 01 kostet als Plug-in-Hybrid und als Hybrid die gleiche monatliche Rate. Müsste der Hybrid nicht etwas günstiger sein?

"Im Barpreis ist der Unterschied vorhanden, das stimmt. Wir haben uns aber bewusst dafür entschieden, die monatliche Rate super einfach zu halten. Da sind wir bei 500 Euro für beide, alles inklusive außer Kraftstoff und Strom. Wir sehen nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa, dass der Plug-in-Hybrid mit Abstand die meistgefragteste Variante ist."

Wie sieht es mit weiteren Modellen aus?

"Wir schließen nicht aus, dass weitere Modelle kommen werden. Aber wir verfolgen nicht die Strategie 'Je mehr, desto besser'. Eher 'Je weniger, desto besser'. Alles ist sehr simpel bei uns, so gibt es den 01 nur in zwei Farben ohne zusätzliche Optionen. Ein neues Auto wird es bestimmt geben, wir glauben, die Zukunft ist auch vollelektrisch. Das nächste Auto wird bestimmt vollelektrisch sein, aber das sollte man nicht in den nächsten zwei Jahren erwarten. Der Grund, warum wir noch nicht auf Elektroautos setzen, ist die noch nicht ausreichende Ladeinfrastruktur in Europa."

Fazit: 8/10

Der Lynk & Co 01 ist ein gelungenes Auto, so viel lässt sich festhalten. Über das Miet- und Carsharing-Konzept der Marke kann man diskutieren, aber sie liegt damit im Trend. Gemessen an anderen Anbietern gehen 500 Euro pro Monat in Ordnung. Der große Vorteil gegenüber einem Leasingauto ist die monatliche Kündbarkeit. Wer etwa temporär in einer anderen Stadt lebt und arbeitet, sollte sich Lynk & Co einmal näher betrachten. Ein weiterer Pluspunkt: Man muss sich keine Gedanken um den Wertverlust machen.

Bildergalerie: Lynk & Co. 01 (2021) im Test

Lynk & Co 01 PHEV (2021)

Motor Dreizylinder-Turbobenziner, 1.477 ccm plus E-Motor (60 kW) und 14,1-kWh-Akku, 261 PS Systemleistung
Leistung 132 kW (180 PS), 261 PS Systemleistung
Motor 60 kW (82 PS)
Batterie 14,1 kWh
Max. Drehmoment 160 plus 265 Nm
Getriebeart 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Beschleunigung 0-100 km/h 8,0 Sek.
Höchstgeschwindigkeit 210 km/h
Länge 4.541 mm
Breite 1.857 mm
Höhe 1.694 mm
Kofferraumvolumen 466 - 1.213 Liter
Leergewicht 1.879 kg
Zuladung 471 kg
Anhängelast 1.800 kg (gebremst)
Elektrische Reichweite 69 km (WLTP)
Verbrauch 1,2 Liter/100 km (WLTP)
Emission 27 g CO2/km (WLTP)
Basispreis 42.000 Euro oder 500 Euro monatlich (inkl. Steuer, Wartung, Versicherung, monatlich kündbar)