Neben Sicherheit gehört Platz seit jeher zum Markenzeichen von Volvo. Natürlich in besonderem Maße bei den Kombis. Wer früher das Raumwunder schlechthin haben wollte, kam nicht an Volvo vorbei. Mit dem V90 sticht Volvo allerdings nicht mehr aus der Masse hervor.

Der Testwagen besitzt ein Kofferraumvolumen von 560 bis 1.526 Litern. Bei umgeklappter Rückbank ist das merklich weniger als bei einem Audi A6 Avant (565 – 1.680 Liter). Damit bewegt sich der V90 auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Gut möglich, dass sich ein Auto wie der V90 nicht mehr so stark über sein Platzangebot definieren muss wie früher. Diese Nische haben inzwischen SUVs übernommen. Durch die größeren Abmessungen und die höheren Aufbauten kann ein Kombi ohnehin nicht mit dem Platzangebot eines SUV mithalten.

Der Fußraum in der zweiten Reihe dehnt sich zu einer angenehmen Länge für üppige Beinfreiheit. Das Panoramaglasdach trägt zusätzlich zum luftigen Raumgefühl bei. Die Ladefläche bei umgelegter Rückbank misst übrigens 1,99 Meter in der Tiefe. Genug für die meisten Baumarkteinkäufe. Die Zuladung beträgt 510 Kilo und die Anhängelast 2.200 Kilo. Beides gute Werte, aber nicht außergewöhnlich.

Volvo V90 (2021) im Dauertest, Teil 3
Volvo V90 (2021) im Dauertest, Teil 3

Gute Verarbeitung, aber technische Probleme

Ebenfalls nicht außergewöhnlich: Qualität und Verarbeitung. Das klingt negativer als ich es meine! Die Materialien sind nämlich schön und solide verarbeitet. Bei einem Basispreis von 66.645 Euro muss das aber so sein. Man bekommt also genau das, was man bei diesem Preis erwartet.

Technische Probleme haben wir hingegen nicht erwartet. Doch die haben wir bekommen. Bei manchen Fahrten fiel das Radio unvermittelt aus. Dieses Problem ließ sich durch Anhalten, aus- und anschalten des Autos beheben.

Volvo V90 (2021) im Dauertest, Teil 3

Ein anderer technischer Fehler hielt sich jedoch hartnäckiger: Zeitweise leuchteten sämtliche Warnlampen, darunter Reifendruckkontrolle, Handbremse, Airbags und ABS. Wir vermuteten einen elektronischen Fehler, der die Warnungen auslöste, nicht aber die Systeme als solche betraf. Die Handbremse funktionierte beispielsweise, trotz Warnleuchte.

Auch die Servolenkung will nicht mehr

Nach einiger Zeit verschwanden die Warnmeldungen so unvermittelt wie sie aufgetaucht waren. Manchmal nach ein paar Stunden, manchmal nach einem oder mehreren Tagen. Sie kamen jedoch immer wieder zurück. Von magischer Selbstheilung kann leider keine Rede sein.

Volvo V90 (2021) im Dauertest, Teil 3

In einem besonders kuriosen Fall quittierte die Servolenkung ihren Dienst. Es waren also nicht „nur“ Warnleuchten, sondern betraf die „Hardware“. Als ich rechts ran fuhr, um den V90 neu zu starten, ließ er sich nicht ausschalten. Keine Reaktion auf das Drehen des Start-Stopp-Knopfs. Absichtliches Abwürgen kam auch nicht in Frage. Automatik. Nach einer kurzen Fahrt um den Block konnte ich den V90 schließlich ausschalten. Auch die Servolenkung war zwischenzeitlich wieder zum Leben erwacht.

Mit diesem Sammelsurium an Erfahrungen ging der V90 zum Werkstatt-Termin. Die Fehlerquelle laut Volvo: Zu wenig Spannung in der 12-Volt-Batterie, was die Kommunikation innerhalb des Systems beeinträchtigt haben soll. Bei Volvo wurde die Batterie geladen und die Fehlermeldungen verschwanden. Bis sie ein paar Tage später wieder auftauchten. Diesmal testeten wir, ob auch ein essenzielles Sicherheitssystem wie das ABS betroffen war. Dieses Video zeigt, ja:

Weil wir davon ausgehen mussten, dass auch die Airbag-Warnleuchte nicht nur zum Spaß auftauchte, sondern auf ein sicherheitsrelevantes Problem hinwies, verbrachte der V90 die letzten Testtage in geparktem Zustand.

Was soll man davon halten?

Das alles ist unschön, bedarf aber der Einordnung: Das von uns gefahrene Modell ist ein Presse-Testfahrzeug und gehört somit zu den ersten Modellen, die aus der Fabrik gerollt sind. Kinderkrankheiten können vorkommen – auch bei anderen Herstellern. Insofern ist unsere Stichprobe von einem Fahrzeug natürlich nicht repräsentativ. Sie zeigt allerdings, dass moderne Elektronik durch geradezu banale Bauteile, wie eine schwache Batterie außer Gefecht gesetzt werden kann. Ob diese tatsächlich die einzige Fehlerquelle war, können wir nicht unabhängig bestätigen – es handelt sich um die Information von Volvo.

Volvo V90 (2021) im Dauertest, Teil 3
Volvo V90 (2021) im Dauertest, Teil 3

Das alles trübt leider den Gesamteindruck, den der Volvo V90 B5 AWD bei uns hinterlässt. Unabhängig von den technischen Problemen bietet Volvo einen konzeptionell guten, aber nicht außergewöhnlichen Kombi. Anders als in der Vergangenheit hebt sich Volvo nicht durch Überlegenheit beim Antriebsstrang, dem Platz, der Ausstattung oder dem Preis-Leistungsverhältnis von der Konkurrenz ab. Lediglich das Design und die Entscheidung bei 180 km/h den Riegel vorzuschieben sind einzigartig. Ob das reicht, entscheidet letztendlich jeder Kunde selbst.

Bildergalerie: Volvo V90 (2021) im Dauertest, Teil 3

Bild von: Fabian Grass

Volvo V90 B5 AWD

Motor 2,0-Liter-Vierzylinder-Biturbo-Diesel (48-Volt-Mild-Hybrid)
Leistung 235 PS (bei 4.000 U/min)
Max. Drehmoment 480 Nm (1.750 - 2.250 U/min)
Leergewicht 1.890 kg
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h 7,2 sek.
Verbrauch 6,5 - 7,2 l (WLTP)
Getriebeart Achtgang-Automatik
Länge 4.945 mm
Breite 1.895 mm
Höhe 1.475 mm
Kofferraumvolumen 560 - 1.526 l
Zuladung 510 kg
Bodenfreiheit 15,6 cm
Wattiefe 25 cm
Anhängelast 2.200 kg
Antrieb Permanenter Allradantrieb
Anzahl der Sitze 5
Basispreis 66.450 Euro
Preis des Testwagens 85.510 Euro