Reicht der 150-PS-Saugbenziner für den Mittelklassekombi?

So schnell kann's gehen, eben noch durchtrainierter Sportler und nun braver Familienmensch: Was bei uns Menschen oft durch einen goldenen Ring und ein Kind verursacht wird, ist beim Subaru Levorg durch neue Abgasnormen passiert: Da der bisher eingesetzte 1,6-Liter-Turbobenziner mit 170 PS die neue Abgasnorm Euro 6d-Temp nicht schaffte, wird künftig ein 2,0-Saugbenziner mit 150 PS eingebaut. Die Folge ist, dass Subaru den Mittelklassekombi nun nicht mehr als Sports Tourer einstuft, sondern als Familienkombi. Wir haben das Auto getestet.

Was ist an dem Auto neu?

Hauptsächlich der Motor: Der 170-PS-Turbo wurde wie gesagt durch einen 150 PS starken Sauger ersetzt. Der ist aus dem Forester bekannt und erfüllt die Abgasnorm Euro 6d-Temp. Damit entfiel auch die Lufthutze auf der Fronthaube, die beim Vorgänger nötig war, um den Turbo-Boxer zu kühlen. Dritte Änderung ist ein verbessertes Infotainmentsystem. Ach ja, in puncto Ausstattung und Preis hat sich auch was getan, aber dazu vielleicht später noch mehr.

Subaru Levorg 1.6GT (2018)
Subaru Levorg 1.6GT (2018)
Subaru Levorg 2.0i (2019)
Subaru Levorg 2.0i (2019)

Und, wie fährt sich der Wagen mit dem 150-PS-Sauger?

Naja, man kann sich vorstellen, dass er nicht mehr so dynamisch ist wie bisher. Der 170-PS-Vorgänger brachte das Auto in 8,9 Sekunden auf 100, der neue Motor braucht dafür 11,7 Sekunden. Das Drehmoment von knapp 200 Newtonmeter ist für ein 1,6-Tonner auch nicht eben üppig. Zum eher gemütlichen Eindruck trägt auch das stufenlose CVT-Getriebe bei. Es ist zwar akustisch lange nicht mehr so aufdringlich wie frühere Vertreter dieser Klasse, aber es setzt den Schwerpunkt eben mehr auf eine gleichmäßige Beschleunigung als auf Dynamik. Die sieben simulierten Fahrstufen werden mit Paddles am Lenkrad gewechselt. Ohne CVT-Getriebe gibt es übrigens bei Subaru nur noch den Roadster BRZ, sonst ist die "Lineartronic" bei allen Modellen serienmäßig. Genauso wie der Allradantrieb. Zu dem jetzt jeher gemütlichen Levorg passt das Etikett Familienkombi ganz gut. Wegen des Allradantriebs könnte man sagen: Familienkombi für den Skiurlaub.

Noch ein Wort zum Verbrauch. Subaru gibt 7,2 Liter an, was enorm viel ist. Der Normverbrauch des Skoda Octavia Combi 2.0 TSI 4x4 DSG mit 190 PS (also 40 PS mehr) liegt bei nur 6,6 Liter. Ein Kollege kam von einer kurzen Levorg-Testfahrt mit einem Bordcomputer-Verbrauch von 10 Liter wieder und auch bei meiner Testfahrt lag der angezeigte Verbrauch zuerst im Bereich zwischen neun und 11 Liter. Später pegelte er sich aber bei nur 6,5 Liter ein. Und unser (allerdings generell sehr sparsam fahrender) Kollege Fabio Gemelli von Motor1.com Italien brauchte sogar nur 5,2 Liter. Offenbar kann man das Auto also auch sehr sparsam bewegen.

Bildergalerie: Subaru Levorg (2019)

Wie ist das Fahrwerk? Mit Kindermägen kompatibel?

Wenn es über Serpentinen geht, könnte das ein Problem sein. Testen konnten wir das mangels geeigneter Straßen nicht, aber wenn man bei Tempo 80 das Lenkrad ein bisschen hin- und herbewegt, fühlt sich das Ergebnis nicht so exakt an, wie man sich das wünschen würde. Und das, obwohl Subaru immer wieder hervorhebt, dass der markentypische Boxermotor sich sehr tief einbauen lässt, was den Schwerpunkt absenkt und damit dem Kurvenverhalten zugute kommen soll. Spüren lässt sich davon aber nichts.

Reicht der Platz denn für eine vierköpfige Familie?

Wenn es mit den Kindern in den Urlaub gehen soll, ist vor allem der Kofferraum gefragt. 522 bis 1.446 Liter bietet der Levorg. Das ist deutlich weniger, als in einen Skoda Octavia Combi (610 bis 1.740 Liter) passt. Praktisch ist, dass sich serienmäßig auch der Mittelteil der Lehne umklappen lässt, so kann man zum Beispiel Skier im Auto transportieren und muss dabei die Kinder nicht zu Hause lassen. Ebenfalls praktisch ist, dass sich die Sitze auch vom Heck aus per Hebel flachlegen lassen.

Subaru Levorg (2019)
Subaru Levorg (2019)

Der Platz im Fond reicht für Kinder allemal, und auch mittelgroße Erwachsene um die 1,75 Meter haben keine Probleme:

Subaru Levorg (2019)
Ziemlich üppige Kniefreiheit
Subaru Levorg (2019)
Ausreichende Kopffreiheit

Und sonst?

Das Navigationssystem ist ziemlich weit unten angebracht. Das stört umso mehr, als es keine Abbiegepfeile zwischen den Rundinstrumenten gibt. Man muss also wirklich auf den Monitor in der Cockpitmitte gucken. Etwas seltsam ist auch, dass die Rückfahrkamera ihre Bilder sowohl in einem schmalen oberen Display als auch auf dem Infotainmentdisplay anzeigt. Etwas seltsam ist die Beschriftung eines Knopfs in der Mittelkonsole: AVH. Dabei handelt es sich offenbar um eine automatische Feststellbremse. Ist sie aktiviert, kann man an der Ampel vom Bremspedal gehen, ohne dass der Wagen wegrollt -- sehr praktisch. Aufgefallen sind sonst noch zwei Knöpfe am Lenkrad. Sie gehören zum "SI Drive"-System, das offenbar die Wahl zwischen zwei modi erlaubt. Schaltet man af den S-Modus um, schnellt die Drehzahl hoch, es scheint sich also um einen Sportmodus zu handeln.  

Bitte noch die versprochenen Angaben zu Ausstattung und Preis ...

Gerne. Hier gibt es etwas Positives zu melden, was Familien freuen dürfte: Der Basispreis für den Levorg sank um 3.000 Euro. Bisher kostete er 29.990 Euro, nun nur noch 26.990 Euro. Das wurde möglich durch den schwächeren Motor und die abgespeckte Basisversion Trend: Die Rückfahrkamera, die getönten Scheiben, das dynamische Kurvenlicht, der schlüssellose Zugang und die LED-Scheinwerfer entfielen. Doch auch so ist dei Basisausstattung noch sehr üppig. An Bord geblieben sind ein Abstandstempomat, aktiver Spurhalteassistent, eine elektrische Parkbremse, das Eyesight-Sicherheitssystem (mit Antikollisionssystem, Spurhalteassistent, Abstandstempomat) , Licht- und Regensensor, 7,0-Zoll-Display, CD-Radio, DAB+-Radio, Smartphone-Anbindung, Zweizonen-Klimaautomatik, doppelt geteilt umklappbare Fondsitzlehne, Sitzheizung vorne, 2 USB-Anschlüsse vorne und zwei hinten und 17-Zoll-Alufelgen. Extras im eigentlichen Sinne gibt es bei Subaru kaum, in Sachen Konfigurierbarkeit und Individualisierung ist hier nicht viel geboten. Wer mehr Ausstattung will, kann statt Trend die Versionen Active (29.990 Euro) oder Exclusive (34.990 Euro) bestellen. Spezielle Ausstattungselemente wie eine elektrische Heckklappe oder Hightech-Features wie ein Instrumentendisplay, ein Head-up-Display oder adaptive Dämpfer gibt es aber auch dann nicht.

Eine Alternative wäre der Skoda Octavia Combi 1.5 TSI DSG Ambition für 27.820 Euro. Er hat die gleiche Leistung von 150 PS, braucht aber nur 8,4 Sekunden für den Normsprint (statt 11,7 Sekunden), hat durch den Turbolader mehr Drehmoment (250 statt 198 Nm), ist leichter (1.302 statt 1.620 Kilo) und verbraucht weniger (5,2 statt 7,2 Liter). Allerdings hat er keinen Allradantrieb, er ist teurer (27.820 statt 26.990 Euro) und schlechter ausgestattet.

Fazit: 7/10

Der Subaru Levorg ist mit der Bezeichnung "Familienkombi" richtig etikettiert, wobei ihn der serienmäßige Allradantrieb vor allem für Bewohner gebirgiger Gegenden (oder begeisterte Wintersportler) geeignet macht. Mit dem 150-PS-Saugbenziner bietet der Wagen zwar wenig Motorpower und ist auch wegen des CVT-Getriebes nichts für sportliche Fahrer. Dafür bietet Subaru viel Ausstattung zu einem günstigen Preis. Der Kofferraum ist allerdings für den Familienurlaub eher klein.

Subaru Levorg 2.0i Lineartronic

Motor 2,0-Liter-Saugbenziner in Boxeranordnung, 1.995 ccm
Leistung 110 kW / 150 PS bei 6.200 U/min
Max. Drehmoment 198 Nm bei 4.200 U/min
Getriebeart CVT (stufenlose Automatik mit 7 simulierten Gängen)
Antrieb Allradantrieb
Beschleunigung 0-100 km/h 11,7 Sek.
Höchstgeschwindigkeit 195 km/h
Verbrauch 7,2 Liter/100 km
Emission 165 g CO2 pro km
Länge 4.690 mm
Breite 1.780 mm
Höhe 1.485 mm
Kofferraumvolumen 522 - 1.446 Liter
Leergewicht 1.602 kg
Zuladung 438 kg
Anhängelast 1.500 kg (12%, gebremst)
Basispreis 26.990 Euro
Preis des Testwagens 35.629 Euro

Bildergalerie: Subaru Levorg 2.0i Test (2019)