Kann man mit Erdgas wirklich sparen?

Erdgas ist billiger als Benzin – darum kostet das Fahren mit dem Erdgas-Octavia weniger. Und damit endet der Artikel. Leider nein! Erdgas kostet tatsächlich weniger als Benzin, nur ist der Preis an der Zapfsäule nicht alleine ausschlaggebend für potenzielle Ersparnisse.

Zuerst einmal unser Verbrauch: Wir sind bislang 2.393 Kilometer gefahren und haben 108,67 Kilogramm Gas verbraucht. Das entspricht einem Durchschnittsverbrauch von 4,5 Kilogramm auf 100 Kilometern. Werksangabe: drei bis 4,4 Kilo. Wir liegen also etwas drüber. Der Grund: mehrere längere Autobahnfahrten. Gerast sind wir nicht (Höchstgeschwindigkeit: 202 km/h), doch auch Geschwindigkeiten um 130 km/h erhöhen den Verbrauch in größerem Maße als es bei einem Benziner der Fall wäre. Das Sparpotenzial des Octavia G-Tec liegt vor allem bei 100 km/h und darunter. Beladung wirkt sich natürlich ebenfalls auf den Verbrauch aus und unser Ziel war es nicht, den ultimativen Minimalverbrauch herauszufahren.

Es gibt leider einen Haken

Davon abgesehen sind 4,5 Kilo kein schlechter Verbrauch. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Erdgas im Bundesdurchschnitt 1,08 Euro pro Kilo kostet. Der vergleichbare Benzinpreis liegt bei 1,39 Euro. Der Erdgaspreis entspricht somit einem Vergleichswert von 70 Cent für einen Liter Benzin. Klingt ziemlich gut. Die Sache hat nur einen Haken. Der CNG-Octavia kostet in der Style-Ausstattung ab 30.800 Euro, rund 1.800 Euro mehr als der Benziner mit 150 PS. Um die Preisdifferenz beim Kauf aufzuwiegen, müsste man (je nach Fluktuation von Erdgas- und Benzinpreisen) zirka 50.000 Kilometer fahren. Somit relativiert sich das Sparpotenzial.

Verglichen mit dem 1,6-Liter-Diesel verhält es sich ähnlich. Dieser besitzt jedoch kein Siebengang-DSG. Macht man das zum Kriterium, wird der Zweiliter-Diesel (150 PS) zur Vergleichsoption. Da dieser mit einem Basispreis von 30.240 Euro teurer ausfällt als der G-Tec, rechnet sich der Gas-Octavia ab dem ersten Kilometer.

Der Tank könnte in den Augen mancher allerdings einen Nachteil darstellen. Alle zwei Jahre sind Dichtigkeits- und Sichtprüfungen der Erdgasanlage nötig und die Lebensdauer beträgt 20 Jahre ab Produktionsdatum. Danach müssen die Tanks getauscht werden. Das kann erhebliche Kosten verursachen und sich schon vorher auf den Wiederverkaufswert des Autos auswirken.

Ökologischere Alternative zu Benzin

Vielleicht liegt das Problem auch im Marketing, das in den letzten Jahren für Erdgas betrieben wurde. Als günstige Alternative zum Benziner wurde CNG angepriesen, dabei ist es vielmehr die umweltfreundlichere Alternative. Tankt man sogenanntes H-Erdgas (mit hohem Methangehalt) sind die CO2-Emissionen 25 Prozent geringer als bei einem Benzinmotor. Die Stickoxid-Emissionen fallen sogar um 80 Prozent. Fülle ich Biogas in den Tank, fällt die Bilanz noch besser aus. CNG (Compressed Natural Gas) muss nicht unbedingt aus der Erde kommen. Stroh kann beispielsweise in Form von Biomasse zum Erzeugen von CNG dienen.

Vier große Strohballen (zwei Tonnen) reichen dann um einen Mittelklasse-PKW über 10.000 Kilometer anzutreiben. Experten gehen in Deutschland von acht bis 13 Millionen Tonnen ungenutztem Stroh aus, was für rund vier Million Autos pro Jahr reichen würde.

Schlechte Infrastruktur

Im Moment handelt es sich jedoch nur bei 125 der insgesamt 900 CNG-Tankstellen um Biogas-Tankstellen. Überhaupt ist das Tankstellennetz ausbaufähig. Dennoch kamen wir bislang auch auf längeren Fahrten zurecht. Im schlimmsten Fall sind kleinere Umwege nötig, um eine Tankstelle zu finden – Umwege, die die Reserve im Benzintank überbrücken kann, falls es wirklich eng wird. Nerviger ist das Fehlen einer Tankstelle in unmittelbarer Nähe des Wohnorts. Das stört fast immer, wenn die Tankfüllung zur Neige geht.

Wer also viel fährt (am besten nicht auf der Autobahn), kann mit dem CNG-Octavia tatsächlich sparen. Das dafür notwendige Fahrprofil trifft aber nicht auf jeden zu. Nahezu jeder könnte allerdings seine Emissionen reduzieren – vor allem durch das Tanken von Biogas. Dafür fehlt bislang die flächendeckende Infrastruktur, woran auch der Skoda Octavia G-Tec nichts ändern kann.

Bildergalerie: Skoda Octavia Combi mit CNG-Antrieb (2019)

Bild von: Fabian Grass