Ein großer Name kehrt zurück

Der Toyota Camry ist quasi die Erdnussbutter unter den Autos: Hierzulande verschmäht, in den USA ein riesiger Erfolg. Regelmäßig zählt die große Limousine zu den meistverkauften Pkw in den Staaten jenseits der Pick-ups. Satte 19 Millionen Exemplare wurden bislang weltweit verkauft. Bis 2006 gab es auch in Deutschland einen Camry, doch blieb seine Fangemeinde übersichtlich. Jetzt wagt Toyota einen neuen Anlauf. Lohnt sich der Blick über den VW-Passat-Tellerrand?

Was ist das?

Eine durchaus ansprechend gestaltete Limousine mit Fließheck-Anleihen. 4,88 Meter lang, also eher BMW-5er-Niveau und gut zehn Zentimeter länger als ein VW Passat. Angenehm: Toyota verzichtet beim Camry auf Felgen-Exzesse, mehr als 18 Zoll gibt es nicht. 524 Liter Gepäck passen trotz der Hybridtechnik (dazu später mehr) in den Kofferraum, ein guter Wert. Apropos Größe: Trotz seines Formats ist der Camry nicht fettleibig, 1.595 bis 1.660 Kilogramm Leergewicht gehen in Ordnung.

Innen gibt der sich der König von Amerika bemerkenswert unamerikanisch, was Verarbeitung und Qualität angeht. Die Materialien sind ansprechend, einzig an den Drehreglern für Radio und Klima wäre etwas Metall ganz nett. Aber es gibt immerhin noch Drehregler, denn Toyota verzichtet im Camry auf Displayexzesse. Acht Zoll in der Mittelkonsole, sieben Zoll zwischen den Instrumenten  und gut ist. Wer mag, kann noch ein Head-up-Display bekommen. 

Besonders großzügig ist das Platzangebot im Fond. Dort kann man fast die Beine übereinanderschlagen. Unser erster Gedanke: ein perfektes Taxi!

Toyota Camry Hybrid (2019) im Test

Aber einen Diesel hat er nicht, oder?

Richtig. Seit geraumer Zeit hat Toyota dem Diesel abgeschworen und verwendet im Camry einen Hybridantrieb. Herzstück ist ein Vierzylinder-Benziner mit 2,5 Liter Hubraum und 178 PS Leistung. Das maximale Drehmoment des Benziners – 221 Newtonmeter – steht von 3.600 bis 5.200 U/min zur Verfügung. Hinzu gesellt sich ein Elektromotor, mit dessen Unterstützung die Systemleistung 160 Kilowatt respektive 218 PS beträgt.

Der Vierzylinder zeichnet sich durch einen langen Kolbenhub von 103,4 Millimetern sowie eine Kompression von 14:1 aus. Mit einem thermischen Wirkungsgrad von 41 Prozent gehört er Toyota zufolge zu den effizientesten Benzinmotoren der Welt. An Bord sind unter anderem eine kombinierte Saugrohr-/Direkteinspritzung und die variable Ventilsteuerung Dual VVT-i mit VVT-iE (Variable Valve Timing intelligent system by Electric motor). Bei VVT-iE ersetzt ein elektrischer
Stellmotor die ölhydraulische Betätigung und ermöglicht auf diese Weise größere Öffnungszeiten. Dies verbessert speziell bei geringen Drehzahlen oder niedrigen Temperaturen die Verbrauchs- und Abgaseigenschaften. Eine elektronisch geregelte Ölpumpe mit variabler Kapazität verbessert den Wirkungsgrad des Motors. Sie passt die Fördermenge und damit ihren Energiebedarf den Umdrehungen und der Öltemperatur an. Dies bedeutet: Bei kaltem Motor werden zum Beispiel jene Düsen abgeschaltet, die für die Kühlung der Kolbenböden zuständig sind. Hierdurch wärmt sich der Vierzylinder schneller auf und erreicht eher das für die Abgasreinigung optimale Temperaturfenster.

Viel Theorie. Und in der Praxis?

Die Schaltarbeit im Toyota Camry übernimmt ein stufenloses Planetengetriebe. Da denkt man natürlich an fiese CVT-Getriebe, bei denen die Leistung erst nach viel Lärm bereitstand. Auch im Camry wird es beim Kickdown lauter, aber anders als bei früheren Toyota-Hybriden erfolgt parallel auch ein spürbarer Geschwindigkeitszuwachs. In 8,3 Sekunden kann der Camry auf Tempo 100 beschleunigen, mehr als 180 km/h sind aber nicht vorgesehen. Warum auch: Wer es richtig krachen lassen will, findet bei Toyota auch Autos mit "Sup" am Anfang und "Ra" am Ende.

Toyota Camry Hybrid (2019) im Test

Vielmehr liegt die Stärke des Camry im gelassenen Personentransport, ohne deswegen ein Schleicher zu sein. Laufruhig gleitet die Limousine über die Autobahn, unterstützt von einem guten Federungskomfort. Es gäbe sogar einen Sport-Modus, doch uns reicht der Eco-Modus, ohne dass sich der Toyota plötzlich kastriert anfühlen würde.

Und so gerät der Durchschnittsverbrauch in fantastische Diesel-Bereiche: Wir ermittelten im Schnitt 5,5 Liter auf 100 Kilometer. Sie lesen richtig. Fünf-Komma-Fünf.

Ganz schön sparsam. Was kostet er?

39.990 Euro in der schon üppig ausstaffierten "Business Edition", 42.390 Euro als "Executive". Aufpreispflichtige Extras gibt es keine, abgesehen von den Lackierungen. Schon deswegen sollte man die 2.400 Euro für die bessere Ausstattung investieren. Mit dabei sind dann diverse Assistenzsysteme, 18-Zoll-Alus, Navi, LED-Scheinwerfer, Totwinkelwarner und Rückfahrassistent.

Fazit: 8 von 10

Der (für Deutschland) neue Toyota Camry überrascht positiv: Viel Platz, sehr gute Ausstattung und eine ausgewogene Motor-Getriebe-Kombination. Gewiss, in dieser Klasse werden hierzulande viele einen Kombi und einen Diesel vermissen. Doch insbesondere für Taxifahrer könnte der Camry zur idealen Alternative für innerstädtische Umweltzonen sein.

+ großzügiges Platzangebot, reichhaltige Ausstattung, niedriger Verbrauch

- nur als Limousine erhältlich, teils umständliche Bedienung, noch ausbaufähiges Navi

Toyota Camry Hybrid Executive (2019)

Motor Vierzylinder-Benziner mit kombinierter Saugrohr-/Direkteinspritzung, 2.487 ccm plus Elektromotor
Leistung 160 kW (218 PS) Systemleistung
Antrieb Frontantrieb
Getriebeart stufenloses Planetengetriebe
Max. Drehmoment 221 Nm von 3.600 - 5.200 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h 8,3 Sek.
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Emission 127 Gramm CO2 pro km (mit 18-Zoll-Rädern nach WLTP)
Verbrauch 4,4 Liter/100 km (korreliert nach NEFZ)
Länge 4.885 mm
Breite 1.840 mm
Höhe 1.445 mm
Leergewicht 1.660 kg
Zuladung 440 kg
Kofferraumvolumen 524 Liter
Basispreis 42.390 Euro

Bildergalerie: Toyota Camry Hybrid (2019) im Test

Bild von: Fabian Grass