Macht das Basismodell mit 95 PS glücklich?

Immer größer, immer stärker, immer teurer: Haben Sie nicht auch das Gefühl, das Autos immer komplexer werden, obwohl die Mehrheit der Kunden es gar nicht will? Nun gut, man wird dann eben gefügig gemacht. Technik aus den oberen Klassen wandert immer tiefer und irgendwann fragt sich der geneigte Pkw-Besitzer, wie er all die Jahre eigentlich ohne serienmäßige Lenkradheizung ausgekommen ist. Zum Glück gibt es in unserer Branche auch noch Testwagen, die einen wieder zurück auf den Boden der Tatsachen bringen. So wie der Fiat Tipo Street mit 95 PS als Basismodell der Baureihe, den wir als Kombi testen konnten. Was braucht man eigentlich wirklich auf vier Rädern?  

Was bedeutet "Basismodell" beim Fiat Tipo?

Zur Serienausstattung des Tipo Street gehören unter anderem eine Klimaanlage, glänzend schwarz lackierte 16-Zoll-Leichtmetallräder, getönte Fensterscheiben hinten, Tagfahrlicht in LED-Technologie, Radio mit USB-Anschluss und MP3-Kompatibilität, elektrische Fensterheber vorne, Zentralverriegelung, elektrische Servolenkung, höhenverstellbarer Fahrersitz, längs- und höhenverstellbares Lenkrad sowie „Street“ Logo auf der Heckklappe. Für eine sportliche Optik sorgen der glänzend schwarz lackierte Kühlergrill und die in Schwarz gehaltenen Abdeckkappen der elektrisch verstellbaren Außenspiegel, Türgriffe, Verkleidungen der B-Säule sowie Einfassungen der Nebelscheinwerfer. Dazu kommen sechs Airbags, die elektronische Fahrstabilitätsregelung ESC, Antischlupfregelung ASR sowie ein ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent umfassend. Als Kombi ist der Fiat Tipo Street zusätzlich mit einem verstellbaren Boden im Laderaum ausgestattet.

Klingt also soweit durchaus ordentlich. In der Praxis sieht das dann so aus: Die Türen öffne ich mit einem unlackierten Plastikgriff. Innen dominiert genarbtes Hartplastik plus ein silberfarbenes Zierelement auf dem Armaturenbrett. Irgendwelche metallischen Elemente? Fehlanzeige, sogar der Türöffner ist aus schwarzem Kunststoff. Nun gut, höherwertiger als bei den meisten Dacia-Modellen wirkt das Ganze schon. Ein Multifunktionslenkrad gibt es allerdings erst im Paket für 1.000 Euro, dann sind auch Parksensoren hinten, ein Tempomat, Bluetooth und ein Lederlenkrad an Bord. 

Fiat Tipo Street (2019) im Test

Fest steht jedenfalls, dass die Bedienung im Fiat Tipo Street mangels viel Technik einfach ist. Drehknöpfe für die Klimaanlage gingen früher schließlich auch. Und bei über 30 Grad ist die pure Existenz einer Klimaanlage schon ein Wert an sich.

Großer Pluspunkt des Tipo ist sein üppiges Platzangebot, zumal als Kombi. Auffallend sind die üppige Innenraumbreite und der großzügige Fußraum im Fond. 550 Liter Kofferraumvolumen bei voller Bestuhlung sind ein Wort, allerdings ist der Kombi auch 4,57 Meter lang. 

Fiat Tipo Street (2019) im Test

Aber 95 PS unter der Haube. Viel ist das ja nicht ...

Ist es auch nicht, zumal die erwähnten 95 PS ein Saugbenziner mit 1,4 Liter Hubraum bereitstellt. Erst bei 4.500 Umdrehungen sind alle 127 Newtonmeter zusammengekratzt. Laufruhig ist der Motor immerhin, in der Stadt und auf der Landstraße präsentiert er sich besser als erwartet, sofern man fleißig mit der unpräzisen Sechsgang-Schaltung hantiert.

Doch spätestens auf der Autobahn ist Schluss mit lustig: Fühlbare Beschleunigung ist schlicht nicht vorhanden, erst nach einer Ewigkeit nähert sich die Tachonadel der 130er-Marke. 12,6 Sekunden auf Tempo 100 klingen auf dem Papier besser als in der Realität. Wer kein Sicherheitsrisiko auf der Schnellstraße darstellen möchte, sollte zum deutlich stärkeren 1.4 Turbo mit 120 PS greifen.

Und wie steht es mit Assistenzsystemen beim Tipo? Wer sich ungern von seinem Auto hineinfunken lässt, kann jubeln: Das höchste der Gefühle sind ein adaptiver Tempomat und ein Notbremsassistent als Optionspaket (600 Euro) für die höheren Ausstattungen. 

Fiat Tipo Street (2019) im Test

Erweist sich der Fiat Tipo als Schnäppchen?

Nun, ganz so megabillig wie ein Dacia Sandero ist der Tipo nicht, schon weil er eine Klasse darüber spielt und an der Basis nicht völlig nackt ist. In Euro sieht das beim "Street" so aus: 15.090 für die Limousine, 16.090 der Fünftürer und 17.090 der Kombi. Je nach Verhandlungsbereitschaft des Händlers dürfte zudem noch etwas Rabatt drin sein. Tipp: Schauen Sie, welche Tipo er auf dem Hof stehen hat.

Wer den 120-PS-Turbobenziner möchte, ist beim Kombi laut Liste mit 19.790 Euro dabei. Dann rollt der Tipo schon als "Mirror" zu ihnen, da es den "Street" ausschließlich mit 95 PS gibt. Namensgebend ist die Spiegelung von Smartphone-Inhalten auf dem serienmäßigen 7-Zoll-Touchscreen. Inklusive sind auch verchromte Türgriffe und Außenspiegel, elektrische Fensterheber hinten und schickere 16-Zoll-Alus. Wer unbedingt die 95-PS-Maschine möchte, spart 1.200 Euro. 

Fazit: 6 von 10

Sparen ist nie verkehrt, doch nicht an der falschen Stelle: Während die Basisausstattung beim Fiat Tipo einen durchaus charmanten Reiz bietet, ist der schlappe 95-PS-Sauger die Achillesferse. Für gemütliche Fahrernaturen mag er ausreichen, doch schon aus Gründen der Sicherheit raten wir zum 120-PS-Turbo. Auch dann bietet der Tipo viel fürs Geld. Er will nichts sein, er ist einfach. 

Fiat Tipo Kombi Street (95 PS)

Motor Vierzylinder-Saugbenziner, 1.368 ccm
Leistung 70 kW (95 PS)
Getriebeart Sechsgang-Schaltgetriebe
Max. Drehmoment 127 Nm bei 4.500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h 12,6 s
Höchstgeschwindigkeit 185 km/h
Antrieb Frontantrieb
Länge 4.571 mm
Breite 1.792 mm
Höhe 1.512 mm
Leergewicht 1.360 kg
Zuladung 475 kg
Anhängelast 1.500 kg
Kofferraumvolumen 550 Liter
Verbrauch 7,2 Liter/100 km (NEFZ)
Emission 164 g/km CO2 (NEFZ)
Basispreis 17.090 Euro

Bildergalerie: Fiat Tipo Street (2019) im Test