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Hyundai Kona im Test

Die Koreaner treiben es plötzlich bunt, urban und lifestylig

Hyundai Kona

Stefan Leichsenring Stefan Leichsenring

Von: Stefan Leichsenring

17. Okt. 2017 um 17:20 Uhr

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Was Hyundai mit dem Kona vorhat, lässt sich gut an der Launch-Farbe festmachen: Das neue kleine SUV wird in knalligem Limonen-Grün präsentiert. Der Unterschied etwa zum i30 (Launchfarbe: Dunkelblau) könnte nicht größer sein. Der Neuling soll Emotionen wecken, Hyundai will mit ihm in Lifestyle-Sphären vordringen. Was das Auto auf der Straße taugt, haben wir bei unserem Test erfahren.

Besonderheit: Allradantrieb
Mit 4,17 Meter Länge gehört der Kona zu den kleinsten SUVs – er konkurriert unter anderem mit dem Renault Captur, dem Nissan Juke, dem Seat Arona und dem Citroën C3 Aircross. Eine gewisse Besonderheit ist, dass es den Hyundai auch mit Allradantrieb gibt, der in der kleinsten SUV-Klasse beileibe nicht immer angeboten wird. Möglich wird der 4x4-Antrieb durch die Plattform: Der Hyundai beruht eben nicht auf einem Kleinwagen wie der Stonic von Konzernschwester Kia, sondern auf einer eigenständigen Basis.

Urbaner Dreizylinder
Der Allradantrieb wird beim Kona allerdings ausschließlich in Kombination mit einem Doppelkupplungsgetriebe und einem 177 PS starken Turbobenziner angeboten. Das ist für ein urbanes SUV schon eher zu viel Power und Traktion. Passender erscheint der 1,0-Liter-Turbobenziner mit 120 PS, den es ausschließlich in Kombination mit Handschaltung und Frontantrieb gibt. Er soll auch über 70 Prozent der Verkäufe ausmachen. Die 172 Newtonmeter Drehmoment, die der 1.0 T-GDI aus drei Zylindern holt, lassen den 1,2 Tonnen schweren Kona wirklich flott wirken. Selbst über Land ist man damit keineswegs untermotorisiert, nur bergauf heißt es öfter zurückschalten. Und bei Tempo 181 ist Schicht am Schacht. Aber seien wir mal ehrlich: Für gelegentliche Wochenendausflüge reicht das doch dicke, oder?

Straffes Fahrwerk
Das Fahrwerk des Fronttrieblers (mit Verbundlenkerhinterachse, der Allradler hat eine Mehrlenkerachse) ist straff ausgelegt. Bei so mancher Temposchwelle ruft man unversehens ,autsch", wenn der Kona in harter Gangart darüberpoltert. Dafür wankt der kleine Wagen kaum. Zum guten Kurvengefühl tragen auch die Sitze mit ihrem guten Seitenhalt bei. Dazu kommt, dass man zwar höher als in einem Kleinwagen sitzt, aber deutlich tiefer als etwa in einem Hyundai Tucson. Leute, die wegen der guten Übersicht ein SUV anpeilen, sind etwa mit einem Renault Captur besser bedient. Dafür dürfte der Windwiderstand des Kona geringer sein.

Außen und innen bunt, aber ... die Preise
Die Front des Newcomers ist durch die aufgeteilten Leuchten und die anderen Elemente ziemlich überladen. Wie im Segment der B-SUVs inzwischen üblich, gibt es den Kona auch in Bicolor-Lackierung – mit dunkelgrauem oder schwarzem Dach. Damit kombinierbar sind zehn verschiedene Außenfarben, darunter etliche auffällige wie das erwähnte Limonengrün, aber auch ein schönes Rot und ein tolles Blau. Einige von diesen Farben kann man auch im Innenraum haben. Prima. Doch beim Studium der Preisliste wird mein Gesicht immer länger und länger: All die schöne Farbe gibt es nur für viel Geld. Für Bicolorlack und Farbakzente innen muss mindestens die teure Ausstattung Style gekauft werden. Für die Cockpit-Farben muss man nochmal 1.400 Euro drauflegen, da sie nur im Paket mit Ledersitzen gehandelt werden. Sehr schade, denn in reinem Schwarz büßt der Innenraum viel von seinem Charme ein. Hyundai versucht offenbar, die Variantenvielfalt zu beschränken – denn der Kona wird in Korea produziert.

Gutes 8,0-Zoll-Display
Der Innenraum erinnert ein wenig an den i30. So hat mein Testwagen ein großes 8,0-Zoll-Display, das oben aufs Armaturenbrett gepflanzt ist. Es ist sehr bedienungsfreundlich gestaltet und spiegelt kaum. Auch sonst haben die Designer offenbar auf Ergonomie geachtet. Und im Fond sitze ich als 1,75 Meter großer Mann (mit kurzen Oberschenkeln) gut – vor den Knien und über dem Kopf bleiben jeweils etwa fünf Zentimeter Platz.

Mittelgroßer Kofferraum
Der Kofferraum fasst 361 bis 1.143 Liter – das ist im Segment ein mittlerer Wert. Die Rückbank lässt sich asymmetrisch geteilt umklappen, wobei sich ein ziemlich ebener Ladeboden ergibt. Es gibt zwar einen Einlegeboden, er lässt sich aber nicht sinnvoll in die untere Position legen.

Pure ist okay
Die Preise für den Kona beginnen bei 17.500 Euro. Das ist günstig, denn den Kia Stonic mit dem gleichen Motor gibt es erst ab 18.390 Euro, ein Renault Captur mit 120-PS-Turbo kostet mindestens 19.090 Euro. Die Grundausstattung Pure ist dabei keineswegs spartanisch. Zur Serie gehören neben Klimaanlage, Audiosystem, elektrisch einstell- und anklappbaren Außenspiegeln sogar ein Tempomat und ein aktiv eingreifender Spurhalteassistent. Ebenfalls serienmäßig sind fünf Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung.

Wer Spezielles will, zahlt kräftig drauf
Doch wer ein beliebtes Extra will wie Sitzheizung oder Parkpiepser, muss mindestens die Ausstattung Trend bestellen. Sie kostet allerdings schon 20.300 Euro. Dann sind auch ein Notbremssystem mit Fußgängererkennung, Parkpiepser hinten, Rückfahrkamera, Lenkrad- und Sitzheizung, 16-Zoll-Alufelgen, DAB-Radio und ein 7,0-Zoll-Touchscreen an Bord. Für den Kona ist erstaunlich viel Hightech verfügbar, wie etwa LED-Scheinwerfer. Vieles andere wird erst für die höchsten Ausstattungsversionen angeboten – so zum Beispiel die Sitzbelüftung, die elektrische Sitzverstellung oder das Head-up-Display. Einen Abstandstempomaten haben sich die Hyundai-Mannen noch als Verbesserungsmöglichkeit für die Zukunft aufgespart ...

Elektroversion mit 500 Kilometer Reichweite folgt
Aufgespart haben sich die Koreaner auch noch ein paar Motorisierungen. Zum Marktstart am 4. November 2017 sind nur der 1.0 T-GDI und der 1.6 T-GDI verfügbar. Ab Mitte 2018 kommen zwei 1,6-Liter-Diesel mit 115 und 136 PS (sehr löblich: mit NOx-Speicherkat und Adblue-Abgasreiningung) hinzu sowie zwei Elektroversionen. Eine davon soll bemerkenswerte 500 Kilometer Reichweite und rund 200 PS bieten – man darf gespannt sein.

Wertung

Hyundai-Deutschland-Geschäftsführer Markus Schrick wird nicht müde zu betonen, dass das Design bei Hyundai Kaufgrund Nummer eins ist. Beim Kona könnte die recht extreme Gestaltung allerdings ein Nicht-Kauf-Grund sein. Andererseits: Der Nissan Juke sieht noch viel extremer aus und findet doch seine Käufer. Ansonsten ist der Kona ein gutes SUV – wie viele andere auch. Gute Dreizylinder-Turbos haben inzwischen viele Marken, annehmbare Fahrwerke auch. Die farbliche Individualisierung und etliche beliebte Extras müssen beim Kona sehr teuer erkauft werden. Es bleiben der günstige Einstiegspreis und die spezielle Optik. Wenn wir dem Kona dennoch die Daumen drücken, dann deshalb, weil er für Hyundai ein großer Schritt ist, ähnlich wie der C-HR für Toyota. Nein, er ist ein Sprung: raus aus dem lauwarmen Wasser der Biederkeit hinein in die Emotionalität – dazu herzlichen Glückwunsch.

+ gut passender 1.0 T-GDI, günstiger Einstiegspreis, gute Basisausstattung, viel Technik erhältlich, frische Außenfarben

- beliebte Extras und nette Farb-Optionen erst in den teuren Ausstattungen

 

Preisliste

Hyundai Kona 1.0 T-GDI Trend
Grundpreis: 20.300 Euro

Ausstattungen Preis in Euro elektr. Fensterheber vorn Serie elektr. Fensterheber hinten Serie elektr. verstellbare Außenspiegel Serie (beheizbar) Klimaanlage Serie Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie Automatikgetriebe nur für 1.6 T-GDI (DKG) Bildschirmnavigation 850 (mit 8,0-Zoll-Display, Soundsystem von Krell) elektr. Schiebedach ab Style Metalliclackierung 590 Leichtmetallfelgen Serie (16 Zoll) Sitzhöheneinstellung Serie (Fahrer) Tempomat Serie Nebelscheinwerfer 500

Audiosystem mit 7,0-Zoll-Farb-Touchscreen, Aux/USB, DAB-Radio Serie Notbremsssystem mit Fußgängererkennung Serie Lichtsensor Serie Parkpiepser hinten und Rückfahrkamera Serie Lenkrad- und Sitzheizung Serie LED-Scheinwerfer 900 Assistenzpaket (Parkpiepser vorne, Head-up-Display, Querverkehrswarner, Totwinkelassistent) für Style: 950 Euro Sitzpaket (elektr. verstellbare Ledersitze, Cockpit-Farbelemente in Limone, Orange oder Rot) für Style: 1.400 Euro

 

Datenblatt

Motor und Antrieb Motorart Turbobenziner mit Direkteinspritzung  Zylinder 3  Ventile 4  Hubraum in ccm 998  Leistung in PS 120  Leistung in kW 88  bei U/min 1.500 bis 4.000  Drehmoment in Nm 172  Antrieb Front  Gänge 6  Getriebe Schaltung  Fahrwerk Räder, Reifen vorn 6.5 J x 16 mit Reifen 205/60 R 16  Räder, Reifen hinten wie vorne  Maße und Gewichte Länge in mm 4.165  Breite in mm 1.800  Höhe in mm 1.550  Radstand in mm 2.600  Leergewicht in kg 1.233  Zuladung in kg 542  Kofferraumvolumen in Liter 361  Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.143  Anhängelast, gebremst in kg 1.200  Tankinhalt in Liter 50  Fahrleistungen / Verbrauch Höchstgeschwindigkeit in km/h 181  Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 12,0  EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 5,2  EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 6,0  EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 4,7  CO2-Emission in g/km 117  Schadstoffklasse Euro 6 

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