Getestet: Der günstigste Diesel im kleinsten Volvo-Kombi

Ziemlich eckig, crashsicher und recht teuer: Das sind die gängigen Klischees über Kombis von Volvo. Aber stimmt das noch? Am Beispiel des V50 überprüfen wir das in diesem Test. Als Motorisierung wählten wir den neuen Einstiegsdiesel 1.6D, um zu sehen, ob das 110 PS starke Aggregat für den günstigsten Schwedenkombi ausreicht.

110 Diesel-PS von Peugeot
Der Common-Rail-Diesel schöpft 110 PS aus 1,6 Liter Hubraum. Bei dem Aggregat handelt es sich nicht um eine Neuentwicklung, sondern es stammt aus der Diesel-Kooperation zwischen PSA Peugeot-Citroën und Volvos Mutterkonzern Ford. So arbeitet derselbe Motor zum Beispiel auch im Peugeot 206. Während er aber in einem Kleinwagen wahrhaft sportlich wirkt, weckt der Diesel im Volvo V50 wenig Emotionen: Man fühlt sich beim Gasgeben nicht gerade in den Sitz gedrückt. Das ist zum Teil wohl ein subjektiver Effekt, denn die Daten sind nicht schlecht: Das Auto beschleunigt in 12,0 Sekunden auf 100 km/h.

Akustisch im Hintergrund
Die Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h wird ohne Probleme erreicht – der Tacho unseres Testwagens zeigte bis zu 200 km/h an. Das maximale Drehmoment beträgt 240 Newtonmeter, die schon bei 1.750 U/min zur Verfügung stehen. In der Praxis hat man ab 2.000 Touren das Gefühl zu beschleunigen. Akustisch bleibt der Diesel im Hintergrund und verrät sich kaum durch Rauigkeit.

Nur Euro 3, kein Partikelfilter
Den Verbrauch gibt Volvo mit 5,0 Litern auf 100 Kilometer an – ein guter Wert. Ein Manko ist jedoch, dass der Diesel derzeit nur die Euro-3-Norm erfüllt. Euro 4 schafft das Auto nur mit einem Partikelfilter, der erst im Laufe des Jahres 2005 angeboten werden soll. Bis dahin sollte man sich mit dem Kombikauf also noch gedulden – nicht nur der Umwelt zuliebe, sondern auch im Hinblick auf den höheren Wiederverkaufswert eines Euro-4-Diesels. Oder man kann sich den 136 PS starken 2.0D ansehen, den es bereits in einer Euro-4-Variante mit Filter gibt. In puncto Euro 4 und Partikelfilter enttäuschen aber die allermeisten Mittelklassekombis. Ein Musterknabe ist hier der Peugeot 407 SW HDi FAP, der denselben Motor unter der Haube hat wie der V50 1.6D – allerdings mit Filter und Euro-4-Einstufung.

Bequemes Sitzen im Fond
Am Fahrwerk des V50 gibt es nichts auszusetzen. Es ist mit ABS und ESP ausgestattet und überrascht selbst im Grenzbereich nicht mit unerwarteten Temperamentsausbrüchen. Bei Maximaltempo auf der Autobahn fühlt man sich sicher und genießt die komfortable, aber nicht zu weiche Federung. Auch das Innere des V50 ist gelungen – besonders die schöne Mittelkonsole macht Eindruck. Das serienmäßige Fünfgang-Getriebe mit seinen auffallend kurzen Schaltwegen erinnert entfernt an BMW-Modelle wie den 3er Touring. Das Schalten damit macht Spaß. Im Fond des Kombis sitzt man gut: Knie- und Kopffreiheit reichen für Erwachsene auch auf langen Strecken aus. Die Kopfstützen lassen sich allerdings nicht weit genug herausziehen. Gut aber: Der mittlere Dreipunktgurt ist in der Sitzlehne untergebracht – das erleichtert das Anschnallen.

Ebener, aber nicht riesiger Laderaum
Die Rücksitze lassen sich leicht umlegen, und danach ergibt sich ein fast ebener Laderaum. Er fasst 417 bis 1.307 Liter Gepäck. Nicht viel, wenn man bedenkt, dass ein ganz normaler VW Golf mit maximal 1.305 Litern nur zwei Liter weniger Stauraum hat. Andere Mittelklassekombis enttäuschen in puncto Laderaum jedoch ebenso wie der Volvo: Der Alfa Sportwagon bietet mit 360 bis 1.180 sogar nochmal deutlich weniger, der Peugeot 407 SW schluckt mit 448 bis 1.365 Litern nur unwesentlich mehr als der V50. Der 505 bis 1.720 Liter große Mazda 6 Kombi bietet dagegen ein wesentlich höheres Volumen.

Ab 24.550 Euro
Den V50 1.6D gibt es ab 24.550 Euro. Die gute Serienausstattung umfasst unter anderem sechs Airbags, ESP, elektrische Fensterheber rundum, elektrisch einstellbare Außenspiegel, CD-Radio und Klimaanlage. Ein Mangel bei der Ausstattung ist, dass man für die Beifahrerairbag-Abschaltung einen Aufpreis zahlen muss: Wer beim Autokauf noch nicht an Nachwuchs gedacht hat, kann später keinen Kindersitz auf dem Vordersitz installieren.

Crashsicher wie im Klischee
Mit Ausnahme dieses Mankos ist die Crashsicherheit aber offenbar gut. Das lässt sich anhand eines EuroNCAP-Tests des Schwestermodells S40 annähernd beurteilen. Da schnitt die Limousine mit der Maximalwertung von fünf Sternen in der Disziplin Insassenschutz ab. Zumindest das Klischee vom sicheren Volvo stimmt noch. Und das Aussehen? Der V50 kommt lang nicht so eckig daher wie Volvo-Kombis von einst. Eine Passantin äußerte sich denn auch überrascht zu unserem Testauto: So einen rundlichen Volvo hätte sie noch nie gesehen. Bleibt noch die Frage nach dem Preis: Sind 24.550 Euro gerechtfertigt? Das lässt sich am besten mit einem Seitenblick auf die Konkurrenz beantworten.

Günstiger als bei deutschen Marken
Die Mittelklassekombis von deutschen Premiummarken wie Audi, BMW und Mercedes kosten mindestens 4.000 Euro mehr als der Volvo. Preislich besser vergleichbar sind der Alfa 156 Sportwagon 1.9 JTD, der Mazda 6 2.0 CD und der Peugeot 407 HDi FAP 110. Sie liegen alle nahe bei unserem Volvo. Wem die Mittelklassekombis allesamt zu teuer sind, der findet eine Klasse tiefer Autos, die ebenso viel Raum bieten, aber deutlich weniger kosten: Der Skoda Octavia Combi beispielsweise fasst mit 580 bis 1.620 Litern Stauraum deutlich mehr als der V50. Der vergleichbare 1.9 TDI mit 105 PS erfüllt auch die Euro-4-Norm. Und man bekommt ihn schon ab knapp 19.000 Euro. Die Ambiente-Version ist mit ihrer Ausstattung dem Volvo sogar überlegen, kostet aber nur 20.940 Euro – das sind runde 3.500 Euro weniger. Nur beim Image kann Skoda wohl nicht mit Volvo mithalten.
(sl)

Preisliste


Volvo V50 1.6D

Grundpreis: 23.450 Euro
V50 1.6D 23.450
V50 1.6D Kinetic 24.550
V50 1.6D Momentum 26.550
V50 1.6D Summum 28.750
Airbag auf Beifahrerseite abschaltbar 50
Fünfgang-Automatik 1.700
Außenspiegel elektrisch einklappbar 290
Bixenon-Scheinwerfer 890
Bordcomputer 350
Dachreling 290
Elektronische Einparkhilfe hinten 500
Tempomat 390
Schlüsselloses Zugangs- und Startsystem 600
Klimaautomatik 675
Nebelscheinwerfer 230
Automatische Niveauregulierung 700
Regensensor 100
DVD-Navigationssystem 2.250
Elektrisches Glasschiebedach 890

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Turbodiesel, Common-Rail-Einspritzung, DOHC 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 1.560 
Leistung in PS 110 
Leistung in kW 81 
bei U/min 1.750 
Drehmoment in Nm 240 
Antrieb Vorderradantrieb 
Gänge
Getriebe Schaltung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.514 
Breite in mm 1.770 
Höhe in mm 1.452 
Radstand in mm 2.640 
Leergewicht in kg 1.412 
Zuladung in kg 488 
Kofferraumvolumen in Liter 417 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.307 
Dachlast in kg 75 
Tankinhalt in Liter 55 
Kraftstoffart Diesel 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 190 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 12,1 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 5,0 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 6,3 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 4,3 
Schadstoffklasse Euro 3 

Kombi-Einstieg