Wenn Österreicher sich mit dem Mini beschäftigen
Tuner RMS macht den Kleinen von der Insel in sieben Schritten zur Rakete
Understatement sieht anders aus
Schon bevor der RMS-Mini in die Nähe der Redaktion kommt, spitzen alle die Ohren und spekulieren über die Quelle des ,Lärms". Als das gelbe Geschoss dann aber über den Hof fährt, ist jeder überrascht. ,So klein und doch so laut" ist die einhellige Meinung. Und erst der optische Auftritt: Lumma-Spoiler ringsum, extra breite Puschen und fast keine Bodenfreiheit mehr. Understatement sieht anders aus. Aber wer mit diesem Mini unterwegs ist, dem ist das egal. Was zählt, sind Leistung, Leistung und nochmal Leistung. Und die hat der 3,60 Meter kurze Zwerg mehr als genug.
Der erste Eindruck zählt
Doch eh wir ins Detail der technischen Veränderungen gehen, wollen wir erstmal sehen, was der Brachial-Mini so zu bieten hat. Da wären zunächst die Sportsitze von König, mit denen nicht jeder Fahrer kompatibel sein dürfte. Wer etwas zu viel auf den Hüften hat, sitzt eher auf den Sitzwangen, als dazwischen. Wem das Gestühl jedoch passt, der wird von ihm hervorragend festgehalten und auch in schnellen Kurven nicht mehr losgelassen. Das Cockpit des kleinen Unruhestifters kommt ansonsten im Serienlook daher. Sieht man von drei Zusatzinstrumenten ab, die im Radioschacht untergebracht sind. Sie geben unter anderem Auskunft über die Öltemperatur und den Ladedruck des Kompressors und machen den Einsatz einer Standard-Musikquelle unmöglich.
Sieben Schritte zur Rakete
Kommen wir nun zu den Modifikationen unter dem Blech: Wer mehr aus seinem Mini herausholen möchte, der ist beim österreichischen Tunerteam von RMS genau richtig. In sieben Schritten drehen die Mini-Spezialisten so kräftig an der Leistungsschraube, dass der Mini Cooper S am Ende mit unglaublichen 270 PS aufwarten kann – aus serienmäßigen 1,6 Litern Hubraum wohlgemerkt. Herzstück der Kraftkur ist ein wassergekühlter Ladeluftkühler, der dem neu implantierten Motorsportkompressor vorgekühlte Luft zur Verfügung stellt. Um der gestiegenen Luftmenge die Kraftstoffzufuhr anzupassen, weitet RMS die Ventilquerschnitte und verbaut größere Ventile. Eine Sportnockenwelle sorgt für schärfere Öffnungs- und Schließzeiten. Lohn der Mühen: 75 Zusatz-PS.
Die Feinarbeit
Die Anpassung der Steuersoftware und ein spezieller Fächerkrümmer entlocken der kleinen lauten Rennsemmel weitere 25 Pferdchen. Somit hauchen die fanatischen Mini-Fans ihrem Lieblingskind insgesamt 100 Extra-PS ein. Das elektronische Öl-Kühlsystem, die elektronische Kühlmittelpumpe und das Sperrdifferenzial sorgen dafür, dass der Extrem-Mini angesichts der Leistung nicht überhitzt, klemmt oder die Kraft sinnlos verraucht.
Hart aber herzlich laut
Nachdem die Veränderungen an unserem Probanden analysiert und von fast allen für gelungen erklärt wurden, soll ein erster Ausritt die Stärken und Schwächen des Krawall-Bruders offenbaren. Fahrer- und Beifahrersitz werden bestiegen und der Zündschlüssel herumgedreht. Was von außen schon markerschütternd war, wird im Inneren zur alles beherrschenden Musik. Das Radio wird hier niemand vermissen. Nachdem der abgesenkte Bürgersteig vom Hof hart, aber erfolgreich genommen wurde, kann es losgehen. Nur schnell raus aus bebautem Gebiet und ab auf die Landstraße. Denn hier vermuten wir den natürlichen Lebensraum des Extrem-Sportlers. Auf dem Weg dorthin werden abgesackte Gullideckel zu harten Abgründen und verkehrsberuhigende Bodenwellen zu unüberwindbaren Hindernissen. Aber endlich finden wir eine Landstraße ohne störende Ortschaften oder hinderlichen Verkehr.
Jetzt kommt der Pistenschreck
Die Beschleunigungszeit von null auf Tempo 100 gibt RMS mit hurtigen 5,5 Sekunden an. Das glauben wir den Österreichern zwar nicht ganz, aber angesichts des permanenten Drucks im Kreuz vergehen höchstens sechs Sekunden bis zur magischen Grenze. Begleitet wird der kräftige Durchzug vom brüllenden Sound der Auspuffanlage und dem verführerischen Kreischen des Kompressors. Gänsehaut-Feeling pur! Man fühlt sich versetzt in eine längst vergangene Rallye-Ära, in der Gruppe-B-Boliden die Schotterpisten zum Erbeben brachten.
Markerschütterndes Brüllen
Ab 5.500 Umdrehungen verliert der Fahrer unseres schreienden Kanarienvogels endgültig seine Zurückhaltung und die rasende Sucht hat ihn gepackt. Während sich der Beifahrer mit schwitzigen Händen festzuhalten versucht, lotet der Pilot die Haftungsgrenzen der 205er-Reifen und die Obergrenze seines Punktekontos aus. Das Brüllen wird immer lauter und ist markerschütternd. Schaltorgien bis in den vierten Gang werden geradezu zelebriert und reichen aus, um dem Führerscheinverlust sehr nahe zu kommen. Das ständige Eingreifen des ASC bremst die Rennsemmel jedoch so sehr aus, dass wir beschließen, es zu deaktivieren. Jetzt kommt zwar noch mehr Laune auf, doch auf feuchter Straße droht der Kleine nun ruppig abzufliegen – das kann aber auch an der hohen Geschwindigkeit liegen.
Discolight auf der Autobahn
Spannung kommt beim kleinen Gelben mit dem lauten Gebrüll auch auf der Autobahn auf: Der Tacho reicht zwar nur bis 240, die angegebenen 250 scheinen dennoch sehr realistisch. Der kleine Motor schreit bei diesen Tempi allerdings so laut, dass man sich sehnlichst einen siebten Gang wünscht. Und auch das ASC scheint bei schnellen Autobahnfahrten auf nasser Fahrbahn am Grenzbereich zu arbeiten. Die permanent aufleuchtende Anzeige jedenfalls spricht Bände.
Nicht immer eitel Sonnenschein
Die hohen Drehzahlen liegen dem heiseren 1,6-Liter-Aggregat am meisten. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten: Wer kurz vor dem roten Bereich allzu schnell vom Gas geht, der wird mit hektischem Bocken und rapidem Geschwindigkeitsverlust bestraft. Ungeübte Fahrer dürften vor allem in Kurven mit diesem Verhalten ihre Probleme haben. Und auch die Bremsen konnten uns nur bedingt überzeugen. Einerseits extrem standfest und zuverlässig, vermissen wir jedoch einen klar definierten Druckpunkt, der eine harmonischere Dosierung erlaubt. Aber wahrscheinlich ist bei diesem Auto harmonisches Fahren überhaupt nicht erwünscht, sondern schlicht der Krawall-Auftritt und der unverfälschte Fahrspaß.
Kein Spaß für jedermann
Wer mit der gelben Gefahr auf Porsche-Jagd gehen will, der muss tief in die Tasche greifen. Der von uns gefahrene Mini aus dem Hause RMS schlägt mit saftigen 39.400 Euro zu Buche. Darin enthalten sind 100 zusätzliche Pferdchen ebenso wie Sportsitze, Spoiler und Co. Angesichts des Grundpreises eines serienmäßigen Cooper S von knapp 21.000 Euro sprechen wir also von einer glatten Preisverdopplung. Doch wer schnell sein will, muss leiden.
(jk)
Preisliste
|
RMS Mini Cooper S |
|
| Grundpreis: | |
| RMS Mini Cooper S | 39.400 |
| Wasserladelufkühlerkit, 25 PS (Wasserladeluftkühler, Wasserpumpe, Schläuche, Schellen, Wasserkühler) | 1.612 |
| Fächerkrümmer mit Sportkat, 10 PS | 1.235 |
| Motorsportkompressor mit Anbaukit, 30 PS | 4.260 |
| Modifizierter Zylinderkopf mit überarbeiteten Ein- und Auslässen, größeren Ventilen und Motorsportnockenwelle, 20 PS | 2.550 |
| Elektronische Wasserpumpensystem (Wasserpumpe, Schellen und Halter, Kabelbaum, Wasserpumpesteuergerät) | 1.200 |
| Sperrdifferential | 1.300 |
| Spezialsoftware | 700 |
| Komplettes Body-Kit | 1.870 |
Datenblatt
| Motor und Antrieb | |
| Motorart | Otto-Reihenmotor mit Kompressor |
| Zylinder | 4 |
| Ventile | 4 |
| Hubraum in ccm | 1.598 |
| Leistung in PS | 270 |
| Leistung in kW | 199 |
| bei U/min | 4.550 |
| Drehmoment in Nm | 308 |
| Antrieb | Front |
| Gänge | 6 |
| Getriebe | Handschaltung |
| Maße und Gewichte | |
| Radstand in mm | 2.467 |
| Kofferraumvolumen in Liter | 150 |
| Tankinhalt in Liter | 50 |
| Kraftstoffart | Super Plus (min. 98 Oktan) |
| Fahrleistungen / Verbrauch | |
| Höchstgeschwindigkeit in km/h | 250 |
| Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden | 5,5 |
Bildergalerie: Ein brüllender Kanarienvogel im Test
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