Rennstrecken-Test mit dem stärksten Polo aller Zeiten
Schnelle Runden in Oschersleben mit dem VW Polo GTI Cup Edition
Ein echtes Sportgerät
Vor dem ersten Ausritt mit der Straßenversion ging es zunächst in die stark modifizierte Rennsemmel. Obwohl unverkennbar ein Polo, wurde hier vieles konsequent den Bedürfnissen des Rennsports angepasst. Entsprechend muss sich der Pilot durch Gitterrohr-Verstrebungen schlängeln, in einen harten Schalensitz zwängen und umständlich einen Vierpunktgurt anlegen. Nach dem Start des Motors grollt der Zwerg-Bolide gereizt vor sich hin. Der Verzicht auf sämtliches Dämmmaterial sorgt für eine blecherne und bisweilen infernalische Klangkulisse. Quelle des Lärms ist ein Zweiliter-FSI-Benzinmotor mit eher bescheidenen 150 PS. Der Verzicht auf jeglichen Schallschutz hat einen gewichtigen Vorteil: Die 150 Pferde müssen nur 1.060 Kilo bewegen.
Abwürgen leicht gemacht
Obwohl damit ein Leichtgewicht, fällt das erste Anfahren mit dem Cup-Polo schwer. Aufgrund der Rennkupplung mit kurzem Schleifpunkt würgt der Anfänger den Motor unweigerlich ab. Doch sonst fährt sich das Sportgerät fast wie jedes andere Auto. Der drehfreudige Motor und ein kurz übersetztes Sechsgang-Getriebe sorgen für guten Durchzug. Eine sehr direkte, elektrohydraulische Lenkung, kräftig zupackende Bremsen mit Rennsport-ABS und 17-Zoll-Aluräder mit 200er-Gummiwalzen sind die weiteren Komponenten der athletischen Auslegung. Dank seiner Rennsport-Federung liegt der Polo zudem knüppelhart auf dem Asphalt. Entsprechend direkt, präzise und ungefiltert kann man mit dem gutmütig untersteuernden Sportwagen sehr schnell durch Kurven brettern.
Eine Saison kostet 35.000 Euro
Was jedoch zum ultimativen Kick fehlt, ist gewaltige Power für Nerven kitzelnde Top-Speeds. Die bescheidene Leistung und eine kurze Übersetzung verhindern jeglichen Vorstoß in den Geschwindigkeits-Kosmos der Formel 1. Nicht die Motorleistung, sondern vor allem das Können in Kurven entscheidet bei den Rennen über Sieg und Niederlage. Dieses Können dürfen übrigens 16 bis maximal 24 Jahre alte Fahrer und Fahrerinnen im Renn-Polo unter Beweis stellen. Das ausgewählte Motorsport-Jungvolk tritt jedes Jahr von April bis Oktober gegeneinander an. Im monatlichen Abstand gibt es insgesamt zehn Rennen in sieben Läufen. Den Gesamtsieg der Saison 2006 hat übrigens Jimmy Johanson aus Schweden geholt. Er und seine 22 Mitstreiter mussten für ihre Teilnahme in der vergangenen Saison jeweils 35.000 Euro hinblättern. Für eine semiprofessionelle Rennserie durchaus ein Schnäppchen.
Tacho-Skala zeigt 260 km/h
Obwohl nicht ganz so teuer, ist die Straßenversion Polo Cup Edition mit 22.425 Euro definitiv kein Sonderangebot im Kleinwagen-Segment. Dafür bekommt der Käufer einen Dreitürer mit markantem Dachkantenspoiler, Front- und Heckschürze sowie Seitenschwellern – alles mit deutlichen Anleihen an den Renn-Polo. Das Signet ,Cup Edition" auf der Heckklappe ist der schriftliche Querverweis auf den Motorsport-Bruder. Ein derart scharf aussehendes Serienmodell der Baureihe gab es jedenfalls bisher noch nicht. Auch der Innenraum bietet das Flair schneller Autos: Hier wird man von Sportsitzen mit hoher Seitenführung umfasst und blickt durch das Sportlederlenkrad auf eine 260-km/h-Tachoskala. Ein um 15 Millimeter gesenktes Sportfahrwerk sowie 17-Zoll-Räder mit 205er-Reifen stellen den guten Kontakt zum Asphalt her.
225 km/h Top-Speed
Für den flotten Vortrieb ist ein turbogeschwängerter 1,8-Liter-Fünfventil-Vierzylinder verantwortlich, der wie im Schwestermodell Seat Ibiza Cupra 180 PS leistet. Im Polo werden die 235 Newtonmeter Maximal-Drehmoment bei 2.000 Touren erreicht. Mit so viel Power unter der Haube schafft der kleine VW eine Spitze von 225 km/h und absolviert den 100-km/h-Sprint in 7,5 Sekunden. Begeistern kann das GTI-Derivat vor allem bei Zwischenspurts: von 80 auf 120 km/h im vierten Gang dauert es nur sieben Sekunden. Trotz der üppigen Kraft soll der Durchschnittsverbrauch bei nur 7,9 Litern auf 100 Kilometer liegen. Nach unseren Runden in Oschersleben zeigte der Bordcomputer jedoch 17 Liter an.
Schnell auf Geraden
Mit der aufgerüsteten Straßenversion kann man eben sehr lustvoll auf der Rennstrecke rumheizen. Auf den Geraden kann das GTI-Derivat mit seinem vergleichsweise lang ausgelegten und präzisen Fünfgang-Getriebe sogar so schnell wie das Rennsport-Original fahren. In Kurven legt sich der Zivil-Athlet hingegen stark zur Seite, will bei weitem nicht so direkt und präzise dem vorgegebenen Kurs folgen wie sein Renn-Pendant. Diese Auslegung hat einen entscheidenden Vorteil: Auf dem vergleichsweise holperigen Belag unserer Straßen – seinem eigentlichen Einsatzgebiet – ist man dafür recht komfortabel unterwegs. Darüber hinaus ist die Cup Edition ein alltagstaugliches und sicheres Reisemobil. Zur Serienausstattung zählen eine Klimaanlage, elektrische Fensterheber, ABS, ESP, vier Airbags und eine Reifendruckkontrollanzeige.
Kein günstiges Angebot
Ein besonders günstiges Angebot ist der Polo Cup Edition erwartungsgemäß nicht. Als Dreitürer kostet er 22.425 Euro. Für den Fünftürer werden sogar 23.225 Euro fällig. Das sind 145 Euro mehr als für den 200 PS starken Opel Astra 2.0 Turbo mit ebenfalls fünf Türen. Und der Rüsselsheimer ist nicht nur stärker und günstiger, sondern rangiert gleich noch eine Klasse überm Polo. Darüber hinaus gibt es im Kleinwagen-Segment ähnlich starke und gut ausgestattete Mitbewerber des Polo GTI Cup: Der bereits erwähnte Seat Ibiza Cupra 1.8 20V kostet 21.300 Euro, einen Peugeot 206 RC bekommt man ab 21.500 Euro und der Renault Clio Sport ist ab 21.900 Euro zu haben.
Preisliste
|
VW Polo GTI Cup Edition |
|
| Grundpreis: | 22.425 Euro |
| Ausstattungen | Preis in Euro |
| ABS | Serie |
| ESP | Serie |
| ASR | Serie |
| Airbag Fahrer | Serie |
| Airbag Beifahrer | Serie |
| Seitenairbags vorn | Serie |
| elektr. Fensterheber vorn | Serie |
| elektr. Fensterheber hinten | Serie beim Fünftürer |
| elektr. verstellbare Außenspiegel | Serie |
| Klimaanlage | Serie |
| Klimaautomatik | 285 |
| Zentralverriegelung mit Fernbed. | Serie |
| CD-Radio | ab 455 |
| MP3 | ab 495 |
| elektr. Schiebedach | 820 |
| Leichtmetallfelgen | 17 Zoll Serie |
| Sitzhöheneinstellung | Serie |
| Tempomat | 190 |
| Lederausstattung | 1.725 |
Datenblatt
| Motor und Antrieb | |
| Motorart | Reihen-Vierzylinder-Benzinmotor |
| Zylinder | 4 |
| Ventile | 5 |
| Hubraum in ccm | 1.781 |
| Leistung in PS | 180 |
| Leistung in kW | 132 |
| bei U/min | 2.000 |
| Drehmoment in Nm | 235 |
| Antrieb | Frontantrieb |
| Gänge | 5 |
| Getriebe | Schaltgetriebe |
| Fahrwerk | |
| Bremsen vorn | Scheiben, innenbelüftet, 312 mm |
| Bremsen hinten | Scheiben, 232 mm |
| Räder, Reifen vorn | 17-Zoll-Aluräder, 205/40R17 |
| Räder, Reifen hinten | 17-Zoll-Aluräder, 205/40R17 |
| Maße und Gewichte | |
| Länge in mm | 3.915 |
| Breite in mm | 1.650 |
| Höhe in mm | 1.459 |
| Radstand in mm | 2.464 |
| Leergewicht in kg | 1.265 |
| Zuladung in kg | 455 |
| Kofferraumvolumen in Liter | 270 |
| Kofferraumvolumen, variabel in Liter | 1.030 |
| Anhängelast, gebremst in kg | 800 |
| Dachlast in kg | 75 |
| Tankinhalt in Liter | 45 |
| Kraftstoffart | Benzin, 98 ROZ |
| Fahrleistungen / Verbrauch | |
| Höchstgeschwindigkeit in km/h | 225 |
| Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden | 7,5 |
| Elastizität von 80-120 km/h in Sekunden | 7,0 |
| EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km | 7,9 |
| EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km | 11,0 |
| EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km | 6,2 |
| CO2-Emission in g/km | 190 |
| Schadstoffklasse | Euro 4 |
| Fixkosten | |
| Steuer pro Jahr in Euro | 121 |
| Haftpflicht-Klasse | 16 |
| Teilkasko-Klasse | 24 |
| Vollkasko-Klasse | 25 |
Bildergalerie: Stärkster Polo aller Zeiten
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