Ford Mondeo Turnier, Opel Vectra Caravan und VW Passat Variant im Test

Zwei Gruppen von Kombis gibt es in der Mittelklasse: Einerseits sind da die Edeltransporter renommierter Premiummarken wie Mercedes C-Klasse T-Modell, BMW 3er Touring und Audi A4 Avant. Auf der anderen Seite stehen die günstigeren Modelle von Massenherstellern. Wir haben uns fürs Sparen entschieden und drei wichtige Vertreter der letzteren Gruppe für Sie getestet – Mittelklassekombis von Ford, Opel und VW.

Drei Selbstzünder der 100-PS-Klasse
Für unseren Test haben wir drei beliebte Mittelklassekombis ausgewählt. Häufig werden solche Kombis von Geschäftsreisenden gefahren, die lange Strecken zurücklegen müssen. Dafür eignen sich sparsame Diesel besonders gut. Deshalb suchten wir uns für den Antrieb Selbstzünder der 100-PS-Klasse aus. Beim Ford Mondeo Turnier testeten wir die 115 PS starke Variante des 2.0 TDCi. Der Opel Vectra Caravan wird von dem 100 PS starken 1.9 CDTI vorwärtsgetrieben und der Passat Variant von dem 105 PS starken 1.9 TDI.

MOTOR / GETRIEBE
Der nominell stärkste Kombi im Vergleich ist also der Ford. Nicht immer ist der stärkste Motor auch der beste. Und manchmal sagen sogar die Beschleunigungsdaten wenig über das Fahrgefühl in einem Auto aus. Bei unseren Kombis jedoch ist es so: Im Ganzen gefällt der Motor des Mondeo am besten. Er wirkt so flott, wie es die Daten sagen. Mit 11,2 Sekunden braucht er rund eine Sekunde weniger für den Spurt auf Tempo 100 als der Passat, der wiederum eine Sekunde schneller ist als der Vectra. Zudem hat der Ford kein spürbares Turboloch. Beim Vectra ist es ansatzweise spürbar, während der VW nicht nur den am wenigsten zugkräftigen Motor, sondern auch das am weitesten klaffende Turboloch hat. Wer nicht achtgibt, bleibt beim Beschleunigen und Hochschalten ab und zu in diesem Loch hängen.

Niedriger Verbrauch und Partikelfilter
Der Spritverbrauch liegt bei allen drei Autos laut Hersteller zwischen 5,8 und 6,2 Litern auf 100 Kilometer. Das wären hervorragende Werte, doch auf unseren Testfahrten ergab sich bei allen drei ein Verbrauch von etwas über sieben Litern. Alle Testwagen erfüllen die Euro-4-Abgasnorm und bei allen ist ein Diesel-Partikelfilter verfügbar. Hier hat sich in letzter Zeit viel getan: Noch im Herbst 2005 war der Vectra der einzige Nichtraucher. Während das immer noch seltene Ökobauteil bei Vectra und Mondeo Serie ist, kann man den Volkswagen auch noch ohne Filter bestellen.

Passat mit nur fünf Gängen
Auch in puncto Getriebe gibt es Unterschiede: Mondeo und Vectra werden mit Sechsgang-Schaltung ausgerüstet; dagegen muss der Passat mit fünf Gängen auskommen. Die drei Getriebe gaben vom Schaltkomfort her keinen Anlass zur Kritik. Keines hakelt, und die Schaltknüppel wirken solide – hier zeigt sich, dass Mondeo, Vectra und Passat über viele Jahre ausgereift sind.

FAHRWERK / LENKUNG
Wie beim Motor überzeugt auch beim Fahrwerk der Mondeo am meisten. Denn der Ford bietet den besten Kompromiss zwischen Wankstabilität in der Kurve einerseits und Federungskomfort bei Fahrbahnunebenheiten andererseits: Er neigt sich in engen Biegungen kaum nach außen und ignoriert Löcher im Asphalt einfach. Weniger beeindruckend sind Passat und Vectra: Während der VW ein klein wenig zur Härte neigt, wirkt der Vectra zuweilen etwas schwammig.

Sicherheitsreserven für die Autobahn
Da sich die sparsamen Dieselkombis vom Motor her gut für schnelle und weite Autobahnfahrten eignen, sollte das Fahrwerk auch hohen Geschwindigkeiten gewachsen sein. Alle drei Fahrwerke haben dafür genug Sicherheitsreserven: Sie bleiben bei hohen Geschwindigkeiten stabil, selbst wenn man nach langer Fahrt einmal kleine Lenkfehler macht. Auf der Autobahn ist es auch gut, wenn die Lenkung verhärtet: Ständiges Nachlenken nervt und ermüdet auf die Dauer. Hier ist es der VW, der uns am meisten zusagt. Beim Ford und beim Opel ist das Lenkrad jenseits von 140 km/h zu unruhig.

INNENRAUM / PLATZ
Das Cockpit gefällt eindeutig beim Passat am besten. Uns haben es die vielfarbigen Anzeigen bei eingeschaltetem Licht angetan. Aber auch das Lenkrad und die Innenraumgestaltung machten beim Wolfsburger den edelsten Eindruck. Der zweite Platz geht an den Vectra, und das Schlusslicht bildet der Mondeo. Das Cockpit des Ford wirkte auf uns ein wenig zusammengestückelt: Das blaue Ford-Logo passt farblich schlecht zu den braunen Holzflächen, und die Digitalanzeigen der Instumente wollen nicht mit der altmodischen, ovalen Uhr in der Mittelkonsole harmonieren.

Passat mit elektronischer Parkbremse
Auch bei den funktionalen Eigenschaften brilliert der Passat: Riesige Fächer in den Türen bieten nicht nur Platz für ausgewachsene Getränkeflaschen, sondern auch für dicke Straßenatlanten und dergleichen. Weniger praktisch ist der Mondeo, während es beim Vectra definitiv zu wenig Raum gibt. Die Sitze bieten bei allen drei Modellen etwas wenig Seitenhalt. Beim Mondeo war uns außerdem das Gestühl an der Hüfte zu schmal. VW setzt bei der Ausstattung des Passat auf Gimmicks wie eine elektronische Parkbremse und ein elektronisches Startsystem. Die Parkbremse ist von der Bedienung her etwas gewöhnungsbedürftig. Keine Nachteile, aber auch keine Vorteile hat hingegen das Startsystem. Um den Motor in Gang zu setzen, wird ein elektronischer Schlüssel in einen Schacht neben der Lenksäule gesteckt.

Vectra: Keine Ablagen im Fond
Da schon in der Golfklasse im Fond in der Regel genug Platz für mittelgroße Erwachsene ist, erwarteten wir hier bei den getesteten Mittelklasseautos keine Probleme. Und wirklich findet sich mehr als genug Raum für die Knie und über dem Kopf. Beim Passat ist die Kopffreiheit zwar geringfügig kleiner als bei der Konkurrenz, doch der Unterschied dürfte nur bei sehr Großen zum Tragen kommen. Außerdem lassen sich im VW die Kopfstützen nicht sehr weit herausziehen. Alle Fahrzeuge haben drei Dreipunktgurte im Fond, wobei der mittlere praktischerweise in der Sitzlehne verankert ist. Bei den Ablagen patzt nur der Vectra: Er hat hinten keine Fächer in den Türen.

KOFFERRAUM / VARIABILITÄT
Bei einem Kombi spielt naturgemäß der Kofferraum eine wichtige Rolle. Sehen wir uns zunächst die nackten Daten an. Hier schneiden Passat und Vectra etwa gleich gut ab: Während der Passat das größte Volumen bei fünfsitziger Konfiguration besitzt (603 Liter), brilliert der Vectra bei umgelegten Rücksitzen (1.850 Liter). Der Ford fährt in beiden Disziplinen hinterher und bietet mit 540 bis 1.700 Litern kaum mehr als der Skoda Octavia Combi (580 bis 1.620 Liter). Um das maximale Stauvolumen nutzen zu können, sind bei allen drei Kombis zwei Querstreben zu entnehmen. Während dies bei Ford und Opel kein Problem darstellt, sind beim VW vor allem beim Wieder-Einsetzen stets mehrere Versuche und etwas Kraft nötig. Gut beim Passat ist aber der auffaltbare Laderaumboden, mit dessen Hilfe das Transportgut besser an seinem Platz gehalten werden kann.

Beim Mondeo klappt's nicht recht
Bei allen drei Kombis lassen sich die Rücksitzlehnen asymmetrisch geteilt umklappen. Die Sitzbank ist beim Mondeo jedoch nur im Ganzen klappbar – da wird es schwierig, wenn man gleichzeitig lange Gegenstände und Passagiere mitnehmen will. Außerdem gibt es hier keine Halterungen für die Kopfstützen, die vor dem Umklappen herausgenommen werden müssen. Am einfachsten ist das Umklappen beim Opel: Die Querstreben lassen sich leicht ausbauen, die Kopfstützen brauchen nicht entnommen zu werden und auch die Bank muss nicht umgeklappt werden. Der Laderaum ist hier besonders regelmäßig geformt und völlig eben.

AUSSTATTUNG / PREIS
Preislich liegen unsere drei Dieselkombis nahe beieinander: Allesamt sind sie für etwa 25.000 Euro erhältlich. Auch die Ausstattung ist fast identisch. Das Anti-Schleudersystem ESP und sechs Airbags sind bei allen Serie. In puncto Komfort sind eine Klimaanlage, elektrische Fensterheber vorne, eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung und eine Dachreling Standard. Dennoch gibt es auch Unterschiede im Detail. Der Mondeo hat jedoch in der Grundversion – anders als die beiden Konkurrenten – nur manuell einstellbare Spiegel. Außerdem rollt der Vectra serienmäßig nur auf 15-Zoll- statt auf 16-Zoll-Rädern wie die anderen beiden. Der Passat schließlich hat wie erwähnt serienmäßig keinen Partikelfilter.

Eine Klasse tiefer ist's billiger
Im Vergleich zu Kombis der Golfklasse sind die getesteten Mittelklassekombis teuer. So gibt es beispielsweise den Skoda Octavia Combi mit 105-PS-Diesel schon für unter 19.000 Euro. Wählt man die auf dem alten Modell basierende Version Tour, so kommt man sogar mit weniger als 17.000 Euro weg. Auch wenn man die magere Ausstattung auf gleichen Stand mit den Mittelklasseautos bringt, kann man mit solchen Autos noch viel Geld sparen. Aber selbst wenn man in der gleichen Klasse bleibt, kommt man billiger weg – indem man ausländische Marken wählt. So gibt es etwa den Mazda 6 Sportkombi mit einem 120-PS-Diesel schon ab 23.170 Euro – das sind rund 1.800 Euro weniger als unsere Testfahrzeuge kosten.

Haltungskosten: VW vorne
Neben den Anschaffungskosten belasten auch Versicherung, Steuer, Sprit, Werkstattkosten und ähnliches die Geldbörse. Wie sehen unsere drei Kombis hier aus? Für eine Haltedauer von vier Jahren und einer jährlichen Fahrleistung von 15.000 Kilometern ergeben sich laut ADAC-Kostenberechnung für den Passat die niedrigsten Gesamtkosten; es folgen Vectra und Mondeo. Der Wolfsburger kostet etwa 6.400 Euro pro Jahr, der Vectra etwa 7.000 Euro und der Mondeo rund 7.400 Euro. (Quelle: http://www.adac-autokosten.de) Während die Betriebskosten inklusive Sprit bei den drei Testkandidaten fast identisch sind, liegen die Unterschiede im Wertverlust und den Fix- sowie Werkstattkosten begründet. Und wie sehen die Gesamtkosten bei unseren Sparautos aus? Der Mazda 6 ordnet sich zwischen Passat und Vectra ein, ist also gar nicht so günstig wie geglaubt. Der Skoda Octavia Combi dagegen ist günstiger als alle anderen Autos im Vergleichsfeld. Hier zahlt man nur rund 6.000 Euro pro Jahr – sogar bei der neuen Version.
(sl)

Wertung

  • ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆
  • Der Mondeo bietet nicht nur den stärksten, sondern auch den flottesten Motor. Auch das Fahrwerk macht beim Ford den harmonischsten Eindruck. In puncto Fahreigenschaften ist also der Mondeo Sieger. Genauso wichtig erscheint uns in dieser Klasse jedoch der Kofferraum – und da bieten Vectra und Passat mehr Volumen. Preislich und von der Ausstattung her liegen die Modelle nah beieinander. Bei den Gesamtkosten führt der VW. Einen klaren Sieger gibt es in diesem Vergleich der drei Mittelklassekombis also nicht.

  • Ford Mondeo Turnier 2.0 TDCi
    80%
    bester Motor, bestes Fahrwerk
    kleinster Kofferraum, Fondsitzbank nicht geteilt umklappbar
  • Opel Vectra Caravan 1.9 CDTI
    80%
    hohes Kofferraumvolumen in zweisitziger Konfiguration
    Fahrwerk wirkt zuweilen etwas schwammig
  • VW Passat Variant 1.9 TDI
    80%
    schöner Innenraum
    nur fünf Gänge

Bildergalerie: Mittel oder Klasse?