Wir haben uns in 3,7 Sekunden auf 100 km/h gedrückt

Eigentlich müsste uns jede Bodenwelle bestrafen. Jeden Kieselstein sehen wir schon aus großer Entfernung auf der Straße liegen. Wir erwarten, dass das Rad über dieses kleine Hindernis kracht und wir bis zu unseren Halswirbeln durchgeschüttelt werden. Aber nichts dergleichen passiert in diesen weniger als vier Sekunden. Dann steht die Tachonadel auf der Hundert und wir begreifen langsam: Wir sind in einer ganz neuen Dimension von Fahrzeugen unterwegs, die sich am legendären Lotus 7 orientieren. Der Caterham CSR200 ist eine total verrückte Mischung aus Komfort und renntauglicher Straßenlage, genau das Richtige für das Flagschiff eines Fahrzeugherstellers.

Echtes Seven-Design
Als Caterham 1973 die Rechte an Colin Chapmans Lotus 7 übernahm, war der Weg der kleinen britischen Sportwagenschmiede vorgezeichnet: Ab jetzt wird Geld mit würdigen Nachfolgern eines Wagens verdient, der wie kein anderer Fahrerlebnisse in Reinstform in Geist und Körper transportierte. Der Lotus 7 sollte einfach nicht sterben und Caterham ist seit den frühen 70ern der renommierteste, ernsthafteste und teuerste Erbe dieser Legende. So ist man dem originalen Seven-Design eng verpflichtet, mag sich aber technischen Neuerungen nicht komplett verschließen. Der klassische Lotus-Style ist natürlich noch da: flacher kurzer Körper mit langer schmaler Haube, offen liegende Vorderräder, aufgesteckte Rundscheinwerfer, zwei Sitze und ein Notverdeck.

Die Zeit läuft weiter
Aber der Caterham CSR200 musste sich auch ein paar Änderungen gefallen lassen, die den einen oder anderen hartgesottenen Seven-Fan in einen Zwiespalt stürzen werden. Als Erstes sind da die verdeckten Stoßdämpfer zu nennen. Der Laie beachtet es gar nicht, der Fan braucht es: die sichtbare Feder-Dämpfer-Kombination unmittelbar an der Radaufhängung. Caterham hat diese beim CSR200 ins Innere des Vorderwagens verlegt, nur das Gestänge der Radaufhängung ist noch zu sehen. Neben leichten aerodynamischen Vorteilen soll dies vor allen Dingen einen besseren Federungskomfort zur Folge haben. Und dies bei einer Fahrzeuggattung, die von fehlendem Komfort lebt. Lange Aufenthalte im Windkanal ziehen noch zwei kleine Modifikationen nach sich: Zum einen sind die Kotflügel der Vorderräder abgeplattet, zum anderen sind die Kunstleder-Türen nach außen ein wenig ausgebeult, was einen nicht zu unterschätzenden Vorteil mit sich bringt.

Die kleinen Annehmlichkeiten
Die Türbeule nach außen gibt Fahrer und Beifahrer ein wunderbares Gefühl: Genau in der richtigen Höhe kann man den jeweiligen Arm auf den Fahrzeugrand in die Kuhle der Tür legen. So wie ein Manta-Fahrer seinen Ellenbogen aus dem Seitenfenster schiebt, nur eben schön versteckt in der Tür. Der Verschlussmechanismus ist aufwendiger als beispielsweise beim Westfield, wo nur ein Lederriemchen mit Druckknopf zum Einsatz kommt. Beim Caterham klappt eine Art Scharnier mit Druckknopf über die Türschwelle, zusätzlich rastet ebenfalls ein am Lederriemen befestigter Druckknopf ein. Und noch was hebt den CSR200 von Westfield-Modellen ab: Er hat zwei winzige, offene Ablagen in der Mittelkonsole. Dort liegen Gegenstände von der Größe eines Handys oder Fotoapparates sicher. Die CSR-Modelle von Caterham haben eine weitere Art Luxus-Schmankerl zu bieten: Ein echter Blinkhebel wartet auf Betätigung. Bei klassischen Seven-Style-Cars muss ein Kippschalter rechts neben dem Lenkrad umgelegt werden. Der Caterham-Blinker erstaunt mit einem lauthalsen Fiep-Ton. Da der Hebel nach dem Abbiegen nicht von selbst wieder in die Ausgangsstellung zurückkehrt, erinnert dies den Fahrer ständig daran, das Blinklicht wieder zu löschen.

Endlich wieder Sitzen
Caterham verpasst der CSR-Reihe weiche Armaturenbretter. Puristen ist dies natürlich viel zu süßlich, aber schlecht sehen die Wagen damit nicht aus. Und noch was ist genau richtig: So klein, wie der Caterham wirkt, die Sitze bieten bequemen Platz. Dies gilt sowohl für die Länge der Sitzfläche als auch für deren Breite und den Polsterungskomfort. Dies ist in der harten Welt der Seven-Style-Cars beileibe keine Selbstverständlichkeit. Gestühl, welches aus Hartplastik besteht, und das Becken wie mit einer Kneifzange einpresst, haben wir auch schon kennengelernt. Die straffen Vierpunkt-Hosenträger-Gurte nehmen uns unnötige Bewegungsfreiheit, und auch lange Beine lassen sich komplett im Fußraum ausstrecken – in welchen Autos geht das schon? Allerdings bringt, wie beim Westfield, auch beim Caterham der sich nach vorne verjüngende Raum eng beieinander liegende Pedale mit sich.

Leicht und steif
Der Caterham CSR200 wiegt gerade mal 575 Kilogramm, kann sich also zur Kategorie der ,Half-Ton-Vehicles" zählen. Zudem basiert der Sportwagen auf einem steifen Gitterrohrrahmen. Leichte Fahrzeuge mit Gitterrohrrahmen haben beim Crash gute Karten. Um in Frankreich Fahrzeuge anbieten zu können, musste Caterham Crashtests absolvieren. Dies hat die kleine Manufaktur zirka 75.000 Euro gekostet, Geld, welches die 80 im Jahr in Frankreich verkauften Caterhams nicht so schnell wieder reinholen werden. Aber da das Crashtest-Ergebnis exzellent war – beachtlich für ein Auto ohne Dach, echte Türen und Airbags – hilft es der Marke Caterham weltweit.

Es ist nicht zu fassen
Caterhams Wahlspruch lautet: ,Designed for Racing, built for Living". Irgendwie müssen die Jungs also Renn- und Alltagstauglichkeit unter einen Hut kriegen. Und beim Fahrwerk ist ihnen, wie eingangs schon angedeutet, ein Wunder gelungen. In der Kurve wird der Wagen zum Gedicht. Auch wer noch so einen zartfühlenden Fahrerkörper sein Eigen nennt, Kurvenwanken wird er nicht feststellen. Jede noch so enge Biege nehmen wir mit einer gehörigen Portion Schwung, seitliches Abkippen ist einfach nicht drin. Trotzdem merken wir Schlaglöcher oder Risse im Teer kaum. Das Fahrwerk ist eines der besten, das wir je unter dem Hintern hatten. Wann wachen wir endlich auf?

Schnelle Gerade und auch sonst: Üben
Das kleine Lenkrad reagiert auf jede noch so winzige Gefühlsregung des Fahrers. Eine viertel Umdrehung und der Wagen schießt direkt um Kurven, die sich stärker als 90 Grad biegen. Mit Leichtigkeit geht hier das normale Rollen in den Drift über. Aber der Drift wirkt leicht und ist gut zu kontrollieren. Wieder erweist sich das geringe Gewicht des Caterham als Vorteil. Beim Bremsen müssen wir kräftig zutreten, werden dann aber mit blockadefreier, gleichmäßiger und kräftiger Verzögerung belohnt. Trotzdem: ABS, ESP und Airbags sind nicht an Bord. Erfahrung und Weitblick sind leichter und müssen als Ersatz herhalten. Und auf der Geraden versucht der Wagen bei hohen Geschwindigkeiten ganz leicht zu schwimmen. Unebenheiten ziehen unseren CSR in den Bann. Hier ist geübtes, sehr feinfühliges Gegensteuern gefragt – was wir nach 15 Minuten drauf haben.

200 PS für 575 Kilogramm
Der CSR200 ist mit einem 2,3-Liter-Ford-Cosworth-Duratec-Motor unterwegs. Dieser leistet sich 200 PS bei 7.000 U/min. Für einen 575 Kilogramm schweren Wagen heißt das: Es müssen 3,7 Sekunden vergehen, dann ist Tempo 100 erreicht. Insgesamt wird das leichte Sportgerät bis zu 225 km/h schnell. Dabei zieht ein Sound durch den Wind, von dem wir nicht genug bekommen. Reichhaltig und in kurzen Bögen aufbauend knallt der Caterham sein Lied durch die Landschaft. Dabei hängt das Triebwerk so direkt und heftig am Gas, als wenn wir per Hand direkt die Drosselklappe aufreißen würden. Wer sich ein wenig hinter die beheizbare Frontscheibe duckt, bleibt halbwegs vom Wind verschont – wer so irre ist, die Seitentüren abzubauen, sollte unter 80 km/h bleiben oder die Windmaschine des Eurovision Song Contest in ihrer durchgeknallten Form lieben.

Kurze Renn-Abstufung
Dass Caterham die Fahrzeuge direkt für die Rennpiste abstimmt, merken wir auch beim Getriebe. Zum einen ist das Zahngerät ein Caterham-Eigengewächs – eine Novität in der von Fremdzulieferern dominierten Kit-Car-Industrie – zum anderen ist es auffällig kurz übersetzt. Bereits nach einem kurzen Gasstoß ist der folgende Gang angesagt. Allerdings kann man als nicht in Rennmanier fahrender Normalbürger auch äußerst schaltfaul zu Werke gehen, die Getriebeabstufung gibt sich da tolerant. Aber das Schalten in einem Caterham erfüllt uns mit Wohlbefinden. Der runde Metall-Schaltknauf mit ,Caterham"-Gravur liegt gut in der Hand und muss fest gezogen werden, wobei es nur selten zu Haklern kommt. Vor einer Tatsache können wir die Augen nicht verschließen: Der Wagen ist kein Traum – er ist Realität.

Wertung

  • ★★★★★★★★★☆
  • Der Caterham CSR200 ist das Seven-Style-Car für Leute, die es geschafft haben. Der ungewöhnlich hohe Preis von 56.600 Euro wird mit einer für Lotus-7-Autos enorm komfortablen Federung ohne Abstriche bei der Renntauglichkeit vergolten. ,You pay your money, you make your choice" sagt uns David Ridley, Export Sales Manager bei Caterham. Und das Geld bleibt. Caterham-Fahrzeuge haben sich als äußerst resistent gegen Wertverluste erwiesen.

    Ein 575-Kilogramm-Auto braucht sicher keine 200 PS, das weiß man bei Caterham und das wissen auch die Kunden. Aber genauso wissen alle, dass das unheimlich Spaß macht. 100-prozentiges Spaßdestillat. Sie wissen schon – man muss es probiert haben.

  • Antrieb
    90%
    hängt maximal direkt am Gas
    Getriebeabstufung gewöhnungsbedürftig
  • Fahrwerk
    100%
    null Wanken oder Nicken
    komfortables Feder-Dämpfer-System
  • Karosserie
    95%
    leichte Aluminiumhülle
    sogar kleine Ablagen im Innenraum
  • Kosten
    75%
    bestes Seven-Car fürs Geld
    unverschämt teuer

Preisliste


Caterham CSR200

Grundpreis: 56.600 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
ABS -
ESP -
ASR -
Airbag Fahrer -
Airbag Beifahrer -
Seitenairbags vorn -
Kopfairbags vorn -
elektr. verstellbare Außenspiegel -
Klimaanlage -
Automatikgetriebe -
CD-Radio -
Leichtmetallfelgen 15 Zoll Serie
Sitzhöheneinstellung -
Tempomat -
Lederausstattung 445
verbreitertes Chassis Serie
Windschutzscheibe und Wetterausrüstung Serie
Differenzial mit begrenztem Schlupf Serie
verstärkte Frontbremsen Serie
Einzelradaufhängung hinten Serie
innenliegende Vorderrad-Dämpfung Serie
Vierpunkt-Hosenträgergurte Serie
Caterham-Lenkrad Serie
Armlehnen an den Außenseiten Serie
Komplettauskleidung des Innenraums Serie
Heizung Serie
Soft-Armaturenbrett, Bodenwanne, Momo-Lenkrad 2.300
Karbon-Armaturenbrett 355
Karbon-Frontflügel 710
Verdecktasche 73
Sperrdifferenzial 1.280
Batterie-Hauptschalter 255
Karbon-Rennsitze 1.990
FIA-Überrollbügel 295
FIA-Überrollkäfig 1.260
FIA-Sicherheitstank 1.180

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Reihen-Ottomotor, Ford Cosworth Duratec 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 2.261 
Leistung in PS 200 
Leistung in kW 147 
bei U/min 5.750 
Drehmoment in Nm 221 
Antrieb Heckantrieb 
Gänge
Getriebe Schaltgetriebe 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.505 
Spurweite hinten in mm 1.465 
Radaufhängung vorn Doppel-Dreieckslenker mit innenliegendem Dämpfersystem, über Pushrod angelenkt 
Radaufhängung hinten Einzelradaufhängung, Doppel-Dreickslenker 
Bremsen vorn Scheibenbremsen, innenbelüftet, 254 mm 
Bremsen hinten Scheibenbremsen, 254 mm 
Wendekreis in m 11,0 
Räder, Reifen vorn 195/45 R15 
Räder, Reifen hinten 245/40 R15 
Lenkung Zahnstangenlenkung 
Geländekompetenz
Bodenfreiheit in mm 100 
Maße und Gewichte
Länge in mm 3.300 
Breite in mm 1.685 
Höhe in mm 1.140 
Radstand in mm 2.315 
Leergewicht in kg 565 
Zuladung in kg 310 
Tankinhalt in Liter 42 
Kraftstoffart Super 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 225 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 3,7 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 11,5 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 16,6 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 8,5 
CO2-Emission in g/km 277 
Schadstoffklasse Euro 4 
Fixkosten
Steuer pro Jahr in Euro 155,25 
Haftpflicht-Klasse Individualvereinbarung, i.d.R. ca. 1.000 bis 2.000 Euro pro Jahr Vollkasko einschließlich Haftpflicht und 1.000 Euro Selbstbeteiligung 
Teilkasko-Klasse Individualvereinbarung s.o. 
Vollkasko-Klasse Individualvereinbarung s.o. 
Service-Intervalle 1 Jahr 
Garantie 2 Jahre 

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