Der Zweiliter-Boxer-Diesel und der frontgetriebene 1.5 RF im Test

Wenn es ums Sparen beim Fahren geht, spaltet sich die Gemeinde der Autokäufer in zwei Fraktionen: Während die einen auf einen möglichst günstigen Kaufpreis schielen, steht für die anderen der niedrige Verbrauch im Mittelpunkt. Subaru versucht nun, es beiden Lagern recht zu machen: Den kompakten Impreza gibt es jetzt mit einem Zweiliter-Diesel, zugleich rückt eine Variante mit Frontantrieb und 1,5-Liter-Benziner ins Programm. Grund genug, die neuen Japaner genauer zu betrachten.

Ein ganz spezieller Selbstzünder
Wenden wir unseren Blick zunächst auf den Diesel-Impreza. Hier leistet sich Subaru motorentechnisch eine Spezialität in jeder Hinsicht: den ersten Boxer-Selbstzünder für Personenwagen. Hintergrund für diese Entscheidung ist die flache und kompakte Bauweise eines Boxermotors, zudem wird damit ein niedriger Schwerpunkt erreicht. Besonders hervorgehoben wird seitens des Herstellers der vibrationsarme Lauf des Aggregats, der Ausgleichswellen überflüssig macht.

Auffällig unauffällig
Also schnell zum Parkplatz, um den Diesel-Impreza auf der Straße zu erfahren. Der Modellname leitet sich von dem englischen Wort ,impress", zu deutsch ,beeindrucken" ab. Beeindruckend beim Blick auf die Karosserie ist die große Lufthutze in der Motorhaube. Sie ist laut Subaru für den darunter liegenden Ladeluftkühler nötig. Über die Optik lässt sich streiten, wir finden, dass sie an den Impreza WRX STi erinnert, was der Dieselversion durchaus zum Vorteil gereicht. Ansonsten hält das Außendesign kaum Überraschungen bereit und gibt sich mehrheitsfähig. Zu den Highlights zählen die Scheinwerfer im so genannten ,Falkenaugen-Design" und die Rückleuchten mit Bremslicht-LEDs.

Aufgeräumter Innenraum
In den Zeiten der Informationswelle und Knöpfchenflut in den Cockpits von Neuwagen sticht der Impreza angenehm heraus. Alle wichtigen Funktionen sind schnell erkennbar und geben keine Rätsel auf. Einzige Ausnahme ist der Multifunktionshebel für die Scheibenwischer, der etwas Gewöhnung bedarf. Wenig befriedigend, speziell für Menschen mit langen Beinen, ist das zu niedrig stehende Lenkrad. Ebenfalls besser könnte die Materialanmutung der verbauten Kunststoffe sein - die Wertigkeit deutscher Konkurrenzmodelle wird nicht erreicht. Etwas größer und tiefer dürfte auch der Kofferraum sein, der sich mit einem Fassungsvermögen von 301 bis 1.216 Liter am unteren Ende der Kompaktklasse befindet.

Bitte mit Gefühl
Nun ist die Zeit gekommen, den Schlüssel im beleuchteten Zündschloss zu drehen und sich in Bewegung zu setzen. Doch hier ist zunächst Gefühl gefragt: Beim Anfahren muss man behutsam mit dem Kupplungs- und Gaspedal umgehen, sonst stirbt der Motor ab. Das gleiche Phänomen konnten wir bereits beim Subaru Outback Diesel feststellen. Zur Ehrenrettung sei allerdings hinzugefügt, dass man nach einiger Zeit die richtige Dosis im Fuß entwickelt. Bei der Beschleunigung zeigt der 150 PS starke Selbstzünder im Impreza wahre Sportqualitäten, der nominelle Beschleunigungswert von 8,6 Sekunden auf Tempo 100 erscheint glaubhaft. Mit dazu trägt auch das Sechsgang-Schaltgetriebe bei, welches in den ersten fünf Stufen kurz übersetzt ist. Zwiespältig ist der Griff zum Knüppel in der Mitte: Zwar rasten die Gänge sauber ein, doch die Wege sind recht lang. Eine Automatik soll ab 2010 als Alternative bereitstehen.

Highlight unter der Haube
Für ein sehr sicheres Fahrverhalten sorgt der serienmäßige permanente Allradantrieb, lediglich die Lenkung arbeitet etwas zu indirekt. Der Boxer-Diesel ist ein echtes Meisterstück: In Sachen Laufruhe setzt der Selbstzünder die aktuelle Referenz, selbst Tempo 100 sind im vierten Gang bei 2.500 Umdrehungen entspannt fahrbar. Freunde der Marke Subaru werden sich zudem über die dezente Boxer-Note beim Beschleunigen freuen. Wie leise der Motor ist, zeigt sich auch dran, dass wir bei niedrigem Tempo die Windgeräusche bewusst wahrgenommen haben.

Besondere Position auf dem Markt
Was kostet nun der Wohlklang aus Japan? Subaru ruft für den Impreza 2.0D in der einzig erhältlichen Ausstattung ,Active" einen Preis von 24.990 Euro auf. Damit ist er 2.200 Euro teurer als das gleich starke Benziner-Modell, aber dafür mit 5,8 Liter im Durchschnitt knapp drei Liter sparsamer. Die Serienausstattung lässt kaum Wünsche offen, sie umfasst unter anderem eine Berganfahrhilfe, eine Klimaautomatik und ein CD-Radio. Zudem entlässt Subarus Prachtstück seine Abgase durch einen geschlossenen Partikelfilter. Vorteilhaft für die Karriere des Diesel-Impreza ist die überschaubare Konkurrenz. Ebenfalls noch recht neu ist der VW Golf 2.0 TDI 4Motion. Er kostet mit fünf Türen und 140 PS in der Comfortline-Ausstattung 26.695 Euro.

Neues Einstiegsmodell mit Frontantrieb
Am unteren Ende ergänzt mit dem Impreza 1.5 RF eine neue Basisausführung das Angebot. Die Besonderheit ist der für Subaru ungewöhnliche Frontantrieb, erkennbar durch den Buchstaben ,F" in der Modellbezeichnung. Jens Becker, Geschäftsführer von Subaru Deutschland, erklärt den Schritt mit der Anpassung an die Marktbedürfnisse: ,Die öffentliche Wahrnehmung des Allradantriebs als zu teuer, zu schwer, zu durstig hat einen durchschlagenden Erfolg auf breiter Front bisher verhindert."

Mit spitzem Bleistift kalkuliert
Subaru stellt heraus, dass man bei der Preisgestaltung mit spitzem Bleistift gerechnet hat. Wo gespart wurde, bemerkt man schon beim Einsteigen: Der Türgriff ist in schwarzem Kunststoff gehalten, im Innenraum bestehen Lenkradkranz und Schaltknauf aus schlichtem Hartplastik. Sehen lassen kann sich aber die Serienausstattung der einzig lieferbaren Version namens Active. Neben sechs Airbags gibt es eine CD-Audioanlage, elektrisch verstellbare Außenspiegel und sogar eine Klimaautomatik.

Sparen an der Sicherheit
Weniger gut ist die Tatsache, dass das bei Subaru VDC genannte ESP nicht einmal gegen Aufpreis im Einstiegs-Impreza zu haben ist. Ein weiteres klares Manko ist die Ausrüstung mit Trommelbremsen an der Hinterachse. In Kurven kündigt das Fahrzeug bei zu starkem Gasgeben ein Untersteuern an, indes dürfte eine solche Situation im Normalfall selten vorkommen. Dennoch: An der Sicherheit darf nicht gespart werden, ein ESP sollte in dieser Fahrzeugklasse zur Serienausstattung gehören, zumal es sich auch positiv beim Wiederverkauf auswirkt.

Reisen statt rasen
Unterwegs zeigt sich, dass der 1,5-Liter-Benziner mit seinen 107 PS eine gelassene Gangart bevorzugt. Möchte man schnell vorankommen, sind hohe Drehzahlen erforderlich, als Folge erhebt das Aggregat trotz Boxerprinzip recht kernig seine Stimme. Der Blick auf die nackten Zahlen bestätigt den Eindruck: Das maximale Drehmoment von 142 Newtonmeter liegt bei 3.200 Umdrehungen an, Tempo 100 ist nach 13,2 Sekunden erreicht. Die Kraftübertragung erfolgt über ein etwas teigiges Fünfgang-Schaltgetriebe, optional ist eine Vierstufen-Automatik erhältlich. Mit einem Durchschnittsverbrauch von 7,3 Liter liegt der Fronttriebler übrigens nur 0,2 Liter unter der Allradvariante.

Sonderangebot von Subaru
Subaru möchte für den Impreza 1.5RF einen Preis von 16.490 Euro haben, die Automatik kostet 1.400 Euro und die Allradversion 2.000 Euro Aufpreis. Zieht man diverse Produkte der Konkurrenz als Vergleichsbasis heran, zeigt sich die Preiswürdigkeit des Japaners: Kia möchte für einen Cee'd 1.4 EX mit 109 PS und Klimaanlage 17.380 Euro haben, der klimatisierte VW Golf 1.6 Trendline mit 102 PS und fünf Türen ist zu einem Preis von 18.245 Euro erhältlich. Beide verfügen jedoch serienmäßig über ein ESP. Sollte der elektronische Aufpasser noch mit an Bord kommen, könnte der Impreza 1.5RF zu einem interessanten Knaller-Angebot in der Kompaktklasse werden. Bis zum 31. März 2009 schenkt Subaru übrigens allen Neuwagenkäufern für vier Jahre die Kfz-Steuer.

Wertung

  • ★★★★★★★★☆☆
  • Der Boxer-Diesel im Subaru Impreza schließt überzeugend eine lange offene Lücke im Modellprogramm. Für den Selbstzünder spricht vor allem der exzellente Motor, welcher Maßstäbe in Sachen Laufruhe setzt. Hinzu kommt die Tatsache, dass es im Bereich der Kompaktklasse kaum Konkurrenz bei allradgetriebenen Dieseln gibt und sich im Vergleich zu einem VW Golf über 2.000 Euro sparen lassen. Einziges Manko ist die fehlende Automatik, allerdings wird daran bereits gearbeitet.

  • Antrieb
    90%
    sehr laufruhiger Diesel
    reagiert beim Anfahren sensibel
  • Fahrwerk
    80%
    gute Straßenlage dank Allrad
    indifferente Lenkung
  • Karosserie
    80%
    aufgeräumtes Interieur
    kleiner Kofferraum
  • Kosten
    80%
    geringer Verbrauch
    hoher Grundpreis

Preisliste


Subaru Impreza 2.0D Active

Grundpreis: 24.490 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Kopfairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaautomatik Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
CD-Radio Serie
MP3 Serie
Metalliclackierung 390
Leichtmetallfelgen Serie (16-Zoll)
Sitzhöheneinstellung Serie
Tempomat Serie
Lederausstattung 2.520
Anhängevorrichtung 399 (abnehmbar)

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Boxer-Diesel mit Common-Rail-Direkteinspritzung 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 1.998 
Leistung in PS 150 
Leistung in kW 110 
bei U/min 1.800 - 2.400 
Drehmoment in Nm 350 
Antrieb Allradantrieb permanent 
Gänge
Getriebe Schaltgetriebe 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.495 
Spurweite hinten in mm 1.500 
Radaufhängung vorn Einzelradaufhängung 
Radaufhängung hinten Einzelradaufhängung 
Bremsen vorn Scheibenbremsen innenbelüftet 
Bremsen hinten Scheibenbremsen innenbelüftet 
Wendekreis in m 11,6 
Räder, Reifen vorn 205/55 R 16 
Räder, Reifen hinten 205/55 R 16 
Lenkung Zahnstangenlenkung mit elektrischer Servounterstützung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.415 
Breite in mm 1.740 
Höhe in mm 1.470 
Radstand in mm 2.620 
Leergewicht in kg 1.410 
Zuladung in kg 510 
Kofferraumvolumen in Liter 301 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.216 
Anhängelast, gebremst in kg 1.600 
Dachlast in kg 80 
Tankinhalt in Liter 64 
Kraftstoffart Diesel 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 205 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 8,6 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 5,8 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 6,8 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,2 
CO2-Emission in g/km 152 
Schadstoffklasse Euro 4 mit Partikelfilter 
Fixkosten
Garantie 3 Jahre 

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