Fünf Türen, 81 PS, 8.500 Euro: So gut ist der kompakte Lada

Wer sich ein fabrikneues Auto kaufen möchte und nicht viel Geld investieren will, könnte einmal einen Blick in die Preisklasse unter 10.000 Euro riskieren. Doch die Auswahl bleibt hier überschaubar. Zwar hat eine Reihe von Herstellern Billig-Offerten im Portfolio, aber die Rechnung geht meist nicht auf: Sobald man fünf Türen möchte und noch ein paar praktische Ausstattungsdetails addiert, steht unterm Strich eine höhere Zahl mit fünf Ziffern. Zu den preiswertesten Autos in Deutschland gehören der Dacia Logan ab 7.200 Euro, der Dacia Sandero für 7.500 Euro und die Lada-Kompakt-Reihe ab 8.500 Euro.

Kalina und Nummer
Die kurzen Lada-Mobile wurden unter dem Namen ,Kalina" bekannt, werden aber mittlerweile offiziell unter ihrer internen Nummer gehandelt. Das Stufenheckmodell heißt 1118, die Fließheckvariante 1119 und der Kombi trägt die Zahl 1117. Dass Fahrzeuge keinen blumigen Namen tragen, sondern einfach nur eine Ziffernfolge, klappt beispielsweise bei BMW hervorragend, dort kann man aber anhand der Zahlen die einzelnen Modelle viel besser zuordnen. Wir haben nun den Lada 1119 für Sie getestet.

1119: Modernes Fließheck
Der 1119 sieht mit seinem Fließheck moderner und dynamischer aus als der 1118 mit Stufenheck. Das Design ist unauffällig und erinnert von vorn ein wenig an den Opel Corsa der B-Baureihe. Dass wir mit dem Lada dennoch interessierte Blicke einfangen, mag daran liegen, dass unser Testwagen eine Beklebung mit der Web-Adresse des Importeurs hat. Zudem sind die Autos des russischen Herstellers in Deutschland doch eher selten zu sehen.

Per Schlüssel den Kofferraum
Wir müssen wie früher den Schlüssel benutzen, um den Kofferraum unseres Fließheck-Autos zu entriegeln. Zwar hat der Wagen eine Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, aber leider schließt dieses System den Kofferraum nicht mit ein, obwohl eine Taste dafür vorhanden ist. Ist die Klappe geöffnet, steht ein Stauraum von 260 Liter zur Verfügung. Das ist recht mager: Die Stufenheck-Variante bietet unterm Deckel immerhin 400 Liter. Unser 1119 beherbergt unter einer labberigen Pappabdeckung das Ersatzrad. Weder die Materialien, noch die Verarbeitung machen einen hochwertigen Eindruck.

600 Liter Ladevolumen
Beim Testwagen können wir sowohl die Rückbank in zwei Teilen nach vorn klappen, als auch die Rücklehnen umlegen. Dafür müssen wir allerdings recht fummelig die Kopfstützen entfernen. Dann vergrößert sich das Ladevolumen auf immerhin 600 Liter. Störend ist die etwas hohe Kante, über die wir das Ladegut hieven müssen. Der Viertürer bietet übrigens 757 Liter Platz. Die Ursache liegt in der Länge: Der 1119er ist 3,85 Meter lang, der 1118er-Kofferraum-Kalina misst aber 4,04 Meter.

Weich gepolsterte Sitze
Nutzt man den Kurzen aus dem Wolgaer Autowerk nicht als Lastesel und lässt die Lehnen oben, finden zwei Passagiere im Fond überraschend bequem Platz. Durchschnitts-Erwachsene klagen weder über Probleme mit der Kopf- noch mit der Beinfreiheit. Die Sitze sind weich gepolstert, dürften aber gern eine längere Oberschenkelauflage haben. Über dieses Manko klagen auch Fahrer und Beifahrer, wobei auf den Einzelsitzen vorn der fehlende Seitenhalt noch spürbarer wird. Dennoch fühlen wir uns verhältnismäßig gut untergebracht – wir wollen es ja mit der Fahrdynamik auch nicht übertreiben.

Nüchtern, aber praktisch eingeräumt
Der Innenraum des Lada ist sachlich eingeräumt und nüchtern gestylt. Sitzbezüge aus grobem Stoff und billig wirkende Material-Oberflächen erinnern uns ebenso wie der Plastik-Geruch an die 1980er-Jahre. Unser Testwagen hat keine Klimaanlage, dieses Extra kostet 1.200 Euro Aufpreis. Dass Purismus bei der Ausstattung auch gute Seiten hat, merken wir an der Bedienerfreundlichkeit: Es gibt nur wenige Schalter und Knöpfe. Alle sind gut zu erreichen und eindeutig definiert. Ein Radio im DIN-Format liefert die Musik. Man könnte in den Schacht aber auch ein DIN-Navigationssystem einbauen und hätte damit ein Komfort-Feature mehr.

1,6-Liter-Vierzylinder mit 81 PS
Unter der Haube arbeitet, wie auch beim Stufenheck-Kalina, ein 1,6-Liter-Motor. Die Maschine läuft nicht besonders leise und wird beim Hochdrehen richtig rau. Dafür überrascht der Vierzylinder mit einem spontanen Ansprechverhalten. Spritzig und agil kommt das 81-PS-Aggregat aus dem Drehzahlkeller und hängt willig am Gas. Dennoch braucht der kleine Lada 13 Sekunden auf Tempo 100 und gefühlt eine ewige Zeit bis zur Höchstgeschwindigkeit. Die zeigt der Tacho mit etwa 180 km/h an, laut Lada sind es 165 km/h. Auch bei den Verbrauchswerten ergibt sich eine Differenz: Der Hersteller nennt einen Wert von 7,1 Liter auf 100 Kilometer, wir haben im Alltag durchschnittlich 8,6 Liter verbraucht.

Gut gefedert, aber schwammige Straßenlage
Wie die Motordaten bereits ahnen lassen, eignet sich der Lada nur bedingt zum sportlichen Schnellfahren. Diesen Eindruck hinterlässt auch das Fahrwerk. Der kompakte Russe fühlt sich in der Stadt und beim Cruisen auf der Landstraße am wohlsten. Der Unterbau bügelt Unebenheiten sauber weg und zeigt sich gut gefedert, wenn auch etwas schwammig. Schnell gefahrene Kurven werden von einer schwankenden Karosserie quittiert. Fehlende Sicherheitstechnik macht es für Ungeübte ohnehin nicht empfehlenswert, den Lada allzu heftig über den Asphalt zu scheuchen: Ein elektronisches Antischleuder-System gibt es nicht. Ein solches ist übrigens auch nicht für die preislichen Hauptkonkurrenten Dacia Sandero und Logan zu haben.

Dicker Minuspunkt: Kein ABS
Die elektromechanische Servolenkung reagiert recht indirekt und gibt besonders in Mittellage nur wenig Feedback von der Straße. Dass der Lada aber kein Antiblockier-System (ABS) für die Bremsen hat, ist ein dicker Minuspunkt für den Russen. Er dürfte damit derzeit der einzige Neuwagen aus einer Großserienproduktion sein, der dieses wichtige Sicherheitsfeature nicht besitzt. Dafür sind ab Werk zwei Airbags montiert. Das war bei Lada-Autos lange Zeit nicht üblich.

Ab 8.500 Euro
Die offizielle Lada-Preisliste weist für den 1119 einen Basispreis von 7.930 Euro aus. Allerdings muss man hier unter anderem noch Überführungskosten und Garantieleistungen dazurechnen. Mit zwei Jahren Werksgarantie kostet der Wagen 8.500 Euro, mit vier Jahren Gewährleistung ist er ab 8.650 Euro zu haben. In diesem Grundpreis sind eine Wegfahrsperre, die Zentralverriegelung, den Bordcomputer und die Colorverglasung enthalten. Gegen Aufpreis bekommt man die bereits erwähnte Klimaanlage, Alufelgen, Nebenscheinwerfer und ein CD-Radio.

Wertung

  • ★★★★★★☆☆☆☆
  • Die Anschaffung eines Lada 1119 ist sicherlich kein Lustkauf: Das Mobil ist ein preiswerter, bequemer Personentransporter und ein gutmütiger Lastesel. Sein Anschaffungspreis unterhalb der 10.000-Euro-Grenze ist nur ein theoretischer Wert, denn mit Radio, Klima und Alus ist man fix im fünfstelligen Bereich gelandet. Doch in puncto Sicherheit hinterlässt der kompakte Fünftürer einen faden Beigeschmack. Dass der Lada kein ESP bietet, ist im Vergleich zum fehlenden ABS noch das kleinere Übel. Hier sollte man wirklich gründlich nachdenken: Mit einem Dacia Logan oder Sandero ist man nicht nur billiger, sondern diesbezüglich auch sicherer unterwegs.

  • Antrieb
    60%
    agiler und spitzer Motor
    rauer, lauter Sound
  • Fahrwerk
    55%
    gute Federung
    schwammiges Verhalten in Kurven, kein ABS
  • Karosserie
    65%
    viel Platz im Fond
    wenig Stauraum, billig wirkende Matrialien
  • Kosten
    60%
    günstiger Anschaffungpreis
    nur wenige Optionen bestellbar

Preisliste


Lada 1119

Grundpreis: 7.930 Euro
Modell Preis in Euro
Lada 1119 "Meine Wahl - 2+2 Jahre Garantie" 8.690
Lada 1119 "Meine Wahl - Kompakt" 8.500
Ausstattungen Preis in Euro
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
Klimaanlage 1.200
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
CD-Radio 460
elektr. Schiebedach auf Anfrage
Metalliclackierung Serie
Leichtmetallfelgen 650 (14 Zoll)
Sitzhöheneinstellung Serie
Nebelscheinwerfer 250
Anhängevorrichtung 620
Autogasanlage 2.100
Schutzleisten an den Stoßfängern 30
Fußmatten Uni 35
Scheibenantenne 35

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Reihen-Ottomotor 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 1.596 
Leistung in PS 81 
Leistung in kW 60 
bei U/min 2.500 
Drehmoment in Nm 122 
Antrieb Frontantrieb 
Gänge
Getriebe Schaltgetriebe 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.430 
Spurweite hinten in mm 1.410 
Radaufhängung vorn Einzelradaufhängung, Querlenker unten McPherson-Federbeine 
Radaufhängung hinten Verbundlenkerachse mit Dämpferbeinen und Stabilisator 
Bremsen vorn Scheiben, innenbelüftet 
Bremsen hinten Scheiben 
Maße und Gewichte
Länge in mm 3.850 
Breite in mm 1.700 
Höhe in mm 1.500 
Radstand in mm 2.470 
Leergewicht in kg 1.080 
Zuladung in kg 475 
Kofferraumvolumen in Liter 260 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 600 
Anhängelast, gebremst in kg 900 
Dachlast in kg 50 
Tankinhalt in Liter 50 
Kraftstoffart Super 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 165 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 13 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 7,1 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 9,6 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,7 
CO2-Emission in g/km 177 
Schadstoffklasse Euro 4 

Bildergalerie: Lada 1119 im Test