Zweimal runde 70 PS: Fortwo gegen iQ mit CVT-Automatik im Test

Der Allerkleinste ist und bleibt der Smart Fortwo. Kein anderes Serienauto ist so innenstadttauglich, kein anderes so einfach zu parken. Doch mit weniger als drei Meter Länge kommt der Toyota iQ in seine Nähe. Die großzügigeren Abmessungen haben auch ihre Vorzüge, denn der Japaner ist für vier statt nur für zwei Insassen zugelassen. Wir haben die Autos gefahren, um zu sehen, was die beiden Innenstadt-Flitzer können.

MOTOR / GETRIEBE
Für den Vergleich wählten wir die iQ-Version mit einem 68 PS starken 1,0-Liter-Benzinmotor, der gut zur Fortwo-Variante mit 71 PS starkem 1,0-Liter-Ottomotor passt. Bei den zwei Saugern sind nicht nur Leistung und Hubraum fast gleich. Beide sind auch Dreizylinder und stemmen fast das gleiche Drehmoment. Beim Anfahren mit dem iQ fällt ein Schubloch auf; bei etwas höheren Drehzahlen wirkt er dann flotter als der Smart. Außerdem spürt man im Stand beim Toyota-Dreizylinder deutliche Vibrationen – dies ist beim Smart kaum der Fall. Dafür ist der Smart wesentlich lauter.

Halbautomatik gegen CVT
So sehr sich die Testwagen beim Motor gleichen, so deutlich unterscheiden sie sich bei der Art des Antriebs und beim Getriebe. Der Smart ist ein Hecktriebler, der Toyota ein Fronttriebler. Außerdem hat der Fortwo stets ein automatisiertes Schaltgetriebe, das in der gefahrenen Passion-Version einen manuellen und einen automatischen Modus sowie Schaltwippen besitzt. Damit legt der Smart bei jedem Gangwechsel eine Pause ein. Unser iQ ist mit der optionalen stufenlosen CVT-Automatik ausgestattet und fährt sich damit viel komfortabler. Manuelles Eingreifen in die Gangwahl ist hier allerdings nicht möglich.

Gleichauf beim Verbrauch
Beim Fortwo 1.0 mhd ist eine Start-Stopp-Automatik in allen Ausstattungen Serie, beim iQ nur in der Version iQ+. Obwohl der Toyota größer ist, verbraucht die Schaltversion sogar 0,1 Liter weniger als der Smart: 4,3 Liter auf 100 Kilometer. Beide Autos gehören zu den sparsamsten Benzinern auf dem Markt. Die CVT-Version des iQ schluckt jedoch gleich 4,7 Liter. In der Praxis brauchte der Smart 6,0, der iQ aber 7,5 Liter. Beide Motoren erfüllen nur die Euro-4-Abgasnorm.

Niedriges Höchsttempo
Für die Autobahn sind unsere Flitzer nicht geboren, denn beim Höchsttempo muss man Abstriche machen: Laut Datenblatt schafft der Smart 145 km/h, und beim iQ ist bei 150 Schluss. Wir trieben den Tacho des Smart auf Tempo 150, während mit dem iQ sogar 165 Sachen angezeigt wurden.

FAHRWERK / LENKUNG
Außer wegen des niedrigen Höchsttempos eignen sich unsere Autos auch durch das Fahrwerk wenig für die Autobahn. Irgendwann ab Tempo 120 wird es einem im Smart mulmig, während der iQ stabiler bleibt. Ähnliches gilt für Kurven: Wer zu schnell in die Biegung fährt, kommt mit dem iQ leichter wieder heraus. Eilt der Smart bereits mit quietschenden Reifen und blinkendem ESP dahin, so hat der iQ bei gleichem Tempo noch keine Probleme. Erfreulicherweise besitzen beide Autos serienmäßig ESP, was bei Kleinst­autos nicht selbstverständlich ist. Eine Servolenkung ist dagegen nur beim iQ Serie. Auch auf gerader Strecke ist der Toyota angenehmer. Denn der Smart rumpelt bei Fahrbahnunebenheiten, er ist viel härter gefedert als der iQ, der leichter über Fugen, Rillen und Schwellen hinweg rollt. Hinzu kommt, dass der Smart beim Bremsen und beim automatischen Gangwechsel fast immer nickt, was den negativen Effekt der erwähnten Zugkraftunterbrechungen verstärkt. Apropos Bremsen: Der Smart hat anders als der iQ hinten nur Trommeln.

KAROSSERIE / INNENRAUM
Wie erwähnt ist der iQ mit 2,99 Meter rund 30 Zentimeter länger als der Smart. Doch beim Radstand beträgt der Unterschied nur 13 Zentimeter. Dennoch besitzt er vier Sitzplätze, während der Smart nur zwei bietet. Der Platz hinter dem iQ-Fahrer ist allerdings für Erwachsene völlig ungeeignet, und auch ein Kind wird nur Platz haben, wenn der Fahrer vor ihm nicht zu groß ist. Der Platz hinter dem Beifahrer bietet aber Erwachsenen genug Beinfreiheit, da der vordere Sitz durch das asymmetrisch gestaltete Armaturenbrett weit vorgeschoben werden kann. Die Kopffreiheit ist hinten für Erwachsene zu gering, doch mit etwas gutem Willen kann man den iQ als 3+1-Sitzer bezeichnen.

Nicht viel Platz für Gepäck
Wie nicht anders zu erwarten, ist in beiden Autos nicht viel Platz für Gepäck. Der iQ schneidet aber noch etwas besser ab. In viersitziger Konfiguration passt zwar eigentlich gar kein Gepäck hinein, aber dafür kann man die Rücksitze umklappen. So ergibt sich eine ebene, gut nutzbare Ladefläche, auf die bei dachhoher Beladung 395 Liter Gepäck passen. Das ist wahrlich nicht viel, denn selbst in einen Fiat 500 gehen nach dem Umklappen der Fondsitze über 600 Liter hinein. Aber beim Smart ist es noch weniger, nämlich nur 340 Liter. Auch wenn der Smart zusätzlich eine umklappbare Beifahrersitzlehne besitzt: In den iQ passt mehr hinein.

iQ bei der Crashsicherheit vorn
Das Thema Crashsicherheit ist bei Autos ohne große Knautschzonen besonders wichtig. Hier liegt der Toyota mit fünf Sternen im Euro­NCAP-Crashtest ebenfalls vorn, während sich der Smart mit vier zufrieden geben muss. Für die passive Sicherheit sorgen beim Smart nur zwei serienmäßige Airbags, während es beim iQ gleich neun sind – neben Frontairbags, Seitenairbags vorne und Kopfairbags gibt es noch zwei Knieairbags sowie als Weltpremiere einen Heckairbag, der die Insassen bei einem Aufprall von hinten schützt.

Schöne Stoffe im Smart
Der Innenraum gefällt uns beim Fortwo besser. Statt mit Hartplastik ist das Armaturenbrett mit einem ansprechenden Stoff bezogen – eine eigenständige und überzeugende Lösung. Das Zifferblatt des Tachos ist allerdings etwas lieblos gestaltet. Materialien und Farben im iQ haben uns im Vergleich enttäuscht. Dafür sind die Sitze hier eindeutig besser. Seitenhalt bieten auch sie kaum, aber sie sind weicher und bequemer als die harten Smart-Schalen.

AUSSTATTUNG / PREIS
Als der Smart 1998 auf den Markt kam, beklagten viele den hohen Preis von 16.480 Mark oder über 8.000 Euro – dafür bekam man auch einen Fiat Seicento oder Ford Ka. Auch der heutige Basispreis von 9.990 Euro ist happig, wenn man mit Dacia Sandero und anderen Billigautos vergleicht. Unsere Smart-Version mit 71 PS und der Topausstattung Passion gibt es sogar erst für 12.700 Euro. Genausoviel verlangt Toyota für die Schaltversion des iQ 1.0. Mit CVT sind mindestens 13.900 Euro zu zahlen, sodass man etwa zehn Prozent des Fahrzeugpreises in die Automatik investiert. Ob es einem das wert ist, muss jeder selbst wissen – wir würden uns weigern. Rechnet man das CVT-Getriebe dazu, dann ist der iQ 1.200 Euro teurer als der Smart.

iQ mit besserer Sicherheitsausstattung
Allerdings kann Toyota auf die bessere Ausstattung verweisen. Wie der Smart besitzt der iQ eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung, elektrische Fensterheber, eine Klimaanlage und 15-Zoll-Aluräder – ordentlich für einen Kleinstwagen. Darüber hinaus bietet der iQ wie erwähnt neun statt nur zwei Airbags. Außerdem hat er elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, die beim Fortwo 160 Euro kosten, sowie ein CD-Radio, das bei Smart für 613 Euro erhältlich ist. Umgekehrt hat der Fortwo dem iQ nur einen Berganfahrassistenten voraus.

Wertung

  • ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆
  • In der Testkategorie Motor und Getriebe siegt der iQ – vor allem, weil die Smart-Halbautomatik so nervt. Die Motoren schneiden etwa gleich ab. In puncto Fahrwerk wirkt der Toyota stabiler und komfortabler. Bei der Karosserie das gleiche Bild: Der iQ hat mehr Platz und ist crashsicherer. Und der Preis? Als Handschalter kostet der besser ausgestattete iQ gleich viel wie der Smart. Das teure CVT-Getriebe würden wir nicht bestellen. So siegt der iQ eindeutig. Überzeugt haben uns der überlegene Fahr-, Geräusch- und Schaltkomfort sowie das bessere Platzangebot.

  • Smart Fortwo 1.0 mhd 71 PS
    80%
    günstiger als der iQ mit CVT
    laut, rumpelig, nervige Zugkraftunterbrechungen
  • Toyota iQ 1.0 CVT
    90%
    wesentlich höherer Fahrkomfort, mehr Innenraum
    teures CVT

Duell der Kleinsten