Populäre Modelle mit Benzinern um die 130 PS im Test

Zu den Topsellern der Kompaktklasse gehört seit jeher der Opel Astra. Die neue Version ist seit Anfang Dezember 2009 auf dem Markt. Grund genug für uns, das Auto gegen die Erzrivalen VW Golf und Ford Focus antreten zu lassen. Wir wählten einen der interessantesten neuen Motoren aus Rüsselsheim, den 140 PS starken 1.4 Turbo. Dazu kommen entsprechende Versionen der Konkurrenz: der Golf 1.4 TSI mit 122 PS und der Focus 2.0 mit 145 PS.

MOTOR/GETRIEBE
Während der Opel und der Volkswagen jeweils eine Turbo-Aufladung besitzen, hat der Ford einen Saugmotor. Dafür arbeitet das Focus-Aggregat mit einem größeren Hubraum von rund zwei Litern, während die anderen beiden Testkandidaten nur 1,4 Liter Volumen besitzen. Also zwei typische Downsizing-Modelle gegen einen klassischen Motor. Welches von diesen Konzepten sorgt für das meiste Drehmoment? In diesem Fall haben die Turbo-Downsizing-Aggregate die Nase vorne: Astra und Golf können jeweils 200 Newtonmeter vorweisen, während der Focus mit 185 Newtonmeter hinterherfährt.

Geringe Unterschiede im Vortrieb
Trotz der unterschiedlichen Daten, was Leistung und Drehmoment angeht, wirken die drei Motoren subjektiv ähnlich stark. Besonders beim Golf hält sich der Turbo sehr zurück, er fällt kaum durch den typischen Vorwärtsdrang aus niedrigen Drehzahlen auf. Etwas mehr Turbo-Power spüren wir beim Astra, aber auch hier ist der Unterschied zum aufladungslosen Focus gering. Letzterer macht eher bei hohen Drehzahlen Spaß. Ein schlechter Motor steckt auch beim Ford nicht unter der Haube. Der subjektive Eindruck von ähnlicher Performance wird untermauert von den Beschleunigungsdaten: Beim Sprint auf Tempo 100 liegt der Focus nur knapp vorne. Er braucht 9,2 Sekunden, gefolgt vom Golf mit 9,5 Sekunden und dem Astra mit 9,7 Sekunden. Große Unterschiede sind das nicht, und auch bei der Höchstgeschwindigkeit reicht das Spektrum nur von 200 bis 206 km/h.

Downsizing zahlt sich beim Verbrauch aus
Anders ist es beim Spritverbrauch im EU-Zyklus. Hier schneidet der Opel am besten ab: 5,9 Liter auf 100 Kilometer waren bis vor Kurzem noch der Spitzenplatz bei den kompakten Benzinern. Inzwischen hat sich der Audi A3 1.4 TFSI mit nur 5,5 Liter vor unseren Rüsselsheimer geschoben. So oder so: 5,9 Liter sind ein Verbrauchswert, für den man sich nicht mal als Dieselfahrer schämen müsste. Die anderen beiden Kandidaten brauchen mehr Sprit: Der Golf mit 6,2 Liter nur wenig mehr, aber der Focus gehört mit 7,1 Liter nicht mehr zu den sparsamen Autos. Bei unseren Testfahrten brauchte er mit 10,4 Liter auf 100 Kilometer auch am meisten Kraftstoff, gefolgt von Opel Astra (9,0 Liter) und VW Golf (8,5 Liter). Hier bestätigt sich, dass Downsizing-Motoren Sprit sparen. Noch etwas sparsamer wären wohl alle drei Autos, wenn sie mit Spritspartechnik wie Start-Stopp-Automatik und Bremsenergierückgewinnung ausgestattet wären.

Ford fahren mit einem Gang weniger
Die unterschiedlichen Verbräuche haben aber auch damit zutun, dass der Opel und der VW mit Sechsgang-Schaltung daherkommen, während dem Ford der höchste Gang fehlt. Wer gar nicht schalten will, kann den Golf mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe bestellen. Der Ford-Fahrer muss dagegen auf eine Viergang-Automatik zurückgreifen. Die schlechtere Alternative, auch weil hier nur die Euro-4-Norm erfüllt wird. Gar keine Alternative gibt es für schaltfaule Fahrer des Astra 1.4 Turbo.

Ford bei hohem Tempo laut
Serienmäßig fährt der Focus wie gesagt mit einem Gang weniger als die Konkurrenz. Auch in puncto Geräuschniveau macht sich das bemerkbar. Alle drei Autos werden ab 4.000 bis 4.500 Touren recht laut, aber wenn der sechste Gang fehlt, ist dieses Niveau eben auf der Autobahn schneller erreicht. Beim Ford ist es schon ab etwa 150 km/h so weit. Im Stand fällt besonders der Golf positiv auf: Hier dachten wir an der roten Ampel mehrmals, das Auto müsste eine Start-Stopp-Automatik haben, so leise dreht das VW-Aggregat im Stand bei 650 U/min.

FAHRWERK/LENKUNG
Was das Fahrwerk angeht, so wird in der Kompaktklasse hinten meist eine wenig aufwendige Verbundlenkerachse eingebaut, was auch Platz im Heck spart. Einen besseren Kompromiss zwischen Sportlichkeit und Komfort erlaubt eine so genannte Mehrlenker-Hinterachse, die aber einen höheren Aufwand bedeutet. Ford und VW setzen dennoch auf diese Lösung. Das Ergebnis ist beeindruckend: Beide Fahrzeuge sind sowohl auf langen Geradeaus-Strecken wie auch auf kurvigen Landstraßen angenehm zu fahren.

Innovative Opel-Hinterachse
Der Astra besaß im alten Modell lediglich die althergebrachte Verbundlenkerachse. Die wird auch beim jetzt eingeführten Modell verbaut, doch geht Opel neue Wege mit einer speziellen Verstärkung: Die Rüsselsheimer setzen auf ein so genanntes Wattgestänge. Dabei handelt es sich um zwei Stangen quer zur Fahrtrichtung, die von den Radführungen nach innen streben, wo sie sich an der Karosserie abstützen. Vereinfacht ausgedrückt, haben die Stangen eine ähnliche Funktion wie ein Stabilisator: Sie sorgen für Wankstabilität in der Kurve. So können die Lagerbuchsen mehr auf Komfort ausgelegt werden. Uns hat diese Lösung voll und ganz überzeugt. Der Astra wirkt sogar noch eine Spur komfortabler als die beiden getesteten Konkurrenten.

Adaptive Fahrwerke bei VW und Opel
Diese Aussage bezieht sich auf die Normaleinstellung des Astra. Denn wie beim Golf kann man ein adaptives Fahrwerk bestellen, das auch unsere Testautos besaßen. Dabei passt sich das Auto an Fahrweise und Straßenbeschaffenheit an. Außerdem kann der Fahrer neben der Normalstellung noch eine Sport- und eine Komforteinstellung wählen. Beim Focus gibt es dergleichen nicht. Insgesamt haben wir an den drei Fahrwerken nichts zu kritisieren. Auch was die Lenkung angeht, befriedigen alle drei Autos. Einer unserer Tester beklagte allerdings beim Astra ein wenig exaktes Lenkgefühl.

KAROSSERIE/INNENRAUM
Unsere drei Schräghecklimousinen haben recht unterschiedliche Maße: Der Astra ist mit 4,42 Meter der Längste, gefolgt vom 4,34 Meter langen Focus und dem Golf mit 4,20 Meter Länge. Beim Radstand, entscheidend für den nutzbaren Innenraum, ist die Reihenfolge die gleiche, auch wenn die Unterschiede nicht ganz so groß sind. Während es den Ford und den VW als Drei- und Fünftürer gibt, muss man sich bei Opel beim Dreitürer noch länger gedulden, denn einstweilen gibt es nur den Fünftürer.

Wenig Kopffreiheit im Ford-Fond
Der Platz im Fond ist beim Golf am großzügigsten bemessen: Hier haben auch Erwachsene hinten mehr als genug Platz. Nur unwesentlich kleiner ist das hintere Sitzabteil im Astra. Beim Focus ist die Kniefreiheit geringer, aber vor allem stoßen wir beim Versuch, die Kopfstütze zu benützen, mit dem Hinterkopf an die Decke. Außerdem fehlt beim Focus ein Fach in den hinteren Türen.

Kofferraum: Je nachdem
In puncto Kofferraumgröße bietet der Ford jedoch Vorteile. Er kann 396 bis 1.258 Liter vorweisen. Der kleinere Wert steht für die bis zum Fenster beladene fünfsitzige Konfiguration, und hier ist der Ford am geräumigsten. Es folgt der Astra mit 370 bis 1.235 Liter, was angesichts der Größe des Fahrzeugs doch etwas enttäuscht – sogar der alte, deutlich kleinere Astra hatte eine höhere Transportkapazität. Der Golf bietet mit 350 bis 1.305 Litern am wenigsten Platz bei fünfsitziger Bestuhlung, aber am meisten nach dem Umklappen. Störend ist die Schwelle, die sich durch die Dicke der flachliegenden Lehnen ergibt. Kleiner ist diese Schwelle beim Ford Focus und beim Opel Astra. Bei Letzterem gibt es optional einen Einlegeboden, der die Einladeschwelle egalisiert und so das Herausziehen von schweren Gegenständen ermöglicht. Eigentlich eine schöne Sache, nur verkantet der Zwischenboden ständig, wenn man ihn auf ein anderes Niveau bringen will. Der Einlegeboden im neuen VW Polo ist da viel besser.

Cockpit: Am schönsten beim Golf
Die Cockpitgestaltung ist beim Golf am gelungensten. Das Interieur ist bei VW inzwischen so edel wie bei den Premiummarken BMW oder Audi. Uns sagt besonders die elegant-schlichte Kombination aus viel Schwarz mit dezenten, silbernen Akzenten zu. Dieselben Farbetöne dominieren auch beim Astra, hier werden aber mehr Metallic-Elemente eingesetzt. Und man hat diverse Schwünge eingebaut, die Dynamik ausstrahlen sollen. Insgesamt wirkt der Astra innen dadurch nicht so vornehm wie der Golf. Noch weniger gefällt uns die Grau-Orgie mit den unpassenden Karbonelementen beim Focus. Wenn Karbon, dann so zurückhaltend wie bei unserem Golf. Ebenfalls unschön ist der grobschlächtige Hebel für die Audio-Fernbedienung am Lenkrad des Focus.

Auch bei den Sitzen: VW vorne
Auch bei den Sitzen waren wir mit dem Wolfsburger Klassenprimus am zufriedensten. Die in unserem Fahrzeug eingebauten Sportsitze sind aufpreispflichtig in der Version Comfortline, aber Serie bei Highline. Sie bieten hervorragenden Seitenhalt und sind dennoch bequem. Für unser Hinterteil nicht ganz so passend, aber auch überdurchschnittlich sind die Astra-Sitze. Am wenigsten Seitenhalt bietet das Gestühl des Focus.

AUSSTATTUNG/PREIS
Am günstigsten von unseren drei Kandidaten ist der Opel Astra 1.4 Turbo. Ihn gibt es in der Version Selection schon für 19.075 Euro. Genau 2.500 Euro mehr, also 21.575 Euro, zahlt man für die günstigste Fünftürer-Version des Focus 2.0, den Style+. Nur wenig teurer ist der fünftürige Golf 1.4 TSI Comfortline für 21.665 Euro.

Mager ausgestattete Astra-Basisversion
Dass der Astra in der Basisversion deutlich weniger kostet als die beiden anderen Kompakten, liegt auch an der mageren Ausstattung. Serie beim Selection sind sechs Airbags, ESP, 16-Zoll-Stahlräder, elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber vorne und eine fernbedienbare Zentralverriegelung. Auffällig und ein Armutszeugnis für einen Fünfsitzer ist, dass es im Fond nur zwei Kopfstützen gibt – die dritte kostet allerdings nur 50 Euro Aufpreis.

Astra auch ausstattungsbereinigt günstig
Wegen der fehlenden Elemente Klimaanlage und CD-Radio beim Selection ist die Version Astra Edition für 20.575 Euro empfehlenswerter. Auch in dieser Variante ist der Opel Astra noch 1.000 Euro günstiger als der Focus Style+, der von der Ausstattung her dem Astra Edition sehr ähnlich ist. Fast gleich ausgerüstet ist auch der Golf Comfortline. Er besitzt über die erwähnten Elemente hinaus noch einen Fahrer-Knieairbag sowie eine elektronische Einparkhilfe. Unabhängig von diesen Details ist klar: Der Astra besitzt nicht nur den niedrigsten Basispreis, er ist auch ausstattungsbereinigt günstiger als die anderen beiden Modelle.

Wertung

  • ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆
  • Die drei Testkandidaten liegen eng beieinander, doch fährt der Ford dann doch ein Stück hinterher. Vor allem der hohe Spritverbrauch und der fehlende sechste Gang machen sich negativ bemerkbar, aber auch die geringere Kopffreiheit im Fond.

    Die Entscheidung zwischen Astra und Golf fällt schwer. Ersterer hat einen etwas niedrigeren Verbrauch, dafür gefällt uns der Golf außen wie innen besser. Wem das egal ist, der entscheidet sich vielleicht wegen des etwas geringeren Preises für den Astra. Andererseits gibt es diesen noch nicht als Dreitürer. Und Städter parken wohl lieber den kürzeren und übersichtlicheren Golf ein. Die Wahl zwischen Golf und Astra mag jeder selber treffen, wir würden uns jedoch für den VW entscheiden.

  • Ford Focus 2.0
    80%
    geringe Kopffreiheit im Fond
    nur fünf Gänge, hoher Verbrauch
  • Opel Astra 1.4 Turbo
    90%
    geringster Verbrauch, gutes Fahrwerk
    weder DKG noch Automatik verfügbar
  • VW Golf 1.4 TSI (122 PS)
    90%
    niedriger Verbrauch
    schicke Optik, sehr gute Sitze

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