Twizy im Test: Nutzwert Fehlanzeige, aber ein bezahlbarer Spaß

Zehn Prozent der im Jahr 2020 verkauften Renaults sollen Elektroautos sein. Ein ehrgeiziges Ziel, denn bisher ist noch kein einziges Modell auf dem Markt. Doch noch 2011 sollen die ersten E-Mobile mit Franzosen-Rhombus starten, und Anfang 2012 kommt der Twizy, das kleinste und ungewöhnlich­ste Gefährt aus der Reihe. Wir haben einen Prototypen getestet.

Türen im Lamborghini-Stil
Der Twizy ist ein vierrädriges, halboffenes Gefährt mit zwei Sitzen. Es gibt ein Dach mit integrierter Front- und Dachscheibe, aber keine Seitenteile. Optional kann man Türen bestellen, die sich im Lambo-Stil scherenartig nach oben öffnen und zumindest die untere Hälfte der Seiten verschließen. So soll man während der Fahrt auch bei Regen trocken bleiben. An der Ampel allerdings, zumal bei Seitenwind, wird man nass.

Rund 40 Zentimeter kürzer als ein Smart
Mit 2,32 Meter ist der Twizy etwa 40 Zentimeter kürzer als ein Smart Fortwo. Einparken ist ein Klacks, zumal mit den optionalen Parkpiepsern fürs Heck. Die beiden Insassen sitzen hintereinander, man kann sich vorne wie hinten angurten und es gibt sogar einen Fahrer-Frontairbag. Gepäck wird in Fächern auf dem Armaturenbrett und hinter dem Beifahrersitz verstaut. Als Zubehör gibt es eine Art Rucksack mit 50 Liter Inhalt, der auf den Beifahrersitz gestellt werden kann. Mit dem Wocheneinkauf für die ganze Familie wird es aber auch damit schwierig, zumindest wenn eine Getränkekiste dazugehört.

Zwei Antriebsversionen
Was den Antrieb angeht, gibt es zwei Versionen: Der Twizy 45 hat nur 5 PS und ist auf 45 km/h begrenzt. Dadurch darf er mit dem Führerschein der Klasse S gefahren werden – den darf man schon mit 16 Jahren machen. Der Twizy ohne Zusatzbezeichnung hat 20 PS und schafft 80 km/h. Zur Sprintfähigkeit gibt es keine Angaben. Doch die gefahrene, stärkere Variante macht Spaß – langsam kommt man sich nicht vor. Allerdings hat das Auto weder Bremskraftunterstützung noch Servolenkung, von ABS oder ESP ganz zu schweigen. Man sollte also lieber etwas mehr Abstand zum Porsche-Vordermann mit seinen Keramikbremsen lassen. Enge Kurven werden besser gemütlich angegangen, sonst kommt man mit dem Lenkradkurbeln nicht hinterher.

100 Kilometer Reichweite
Ansonsten fährt sich der Twizy problemlos. Mit zwei Knöpfen werden die Fahrmodi R oder D eingelegt, schalten muss man nicht. Das Lenkrad inklusive Hebeln für Blinker und Scheibenwischer sieht aus wie bei einem normalen Auto. Man dreht den Zündschlüssel, löst die Handbremse, drückt aufs Gaspedal, und los geht's. Instabil, wie wir vorab wegen der schmalen Spur dachten, ist das Gefährt nicht, weil die 100-Kilo-Batterie unter dem Fahrersitz für einen tiefen Schwerpunkt sorgt. Die Lithium-Ionen-Akkus speichern sieben Kilowattstunden (kWh) und reichen für 100 Kilometer – für ein Citymobil genügt das. Danach wird an der Haushaltssteckdose in dreieinhalb Stunden aufgeladen – bei den meisten E-Mobilen dauert das Aufladen bei 230 Volt ganze acht Stunden.

Knapp 7.000 Euro plus Akku-Monatsmiete
Für die starke Version des Twizy ist noch kein Preis bekannt, doch der Twizy 45 soll 6.990 Euro kosten. Im Vergleich mit Elektrorollern, die es ab etwa 1.500 Euro gibt, ist das viel Geld, doch der Twizy ist zumindest bei Glätte sicherer. Mit dem über 30.000 Euro teuren Mitsubishi i-MiEV verglichen, ist der Twizy 45 spottbillig. Doch kommt eine Miete für die Batterie hinzu, die bei 7.500 Kilometer pro Jahr 45 Euro monatlich beträgt. Hält man das Fahrzeug fünf Jahre, zahlt man insgesamt knapp 10.000 Euro, etwa so viel wie für den günstigsten Smart. 100 Kilometer kosten bei dem Benziner aber etwa 6,60 Euro, beim Twizy nur etwa 1,75 Euro – berechnet bei einem Strompreis von 25 Cent pro kWh. Der Smart schafft aber auch 145 km/h, und man bleibt trocken darin. Noch mehr Nutzwert hat ein fünfsitziger Dacia Sandero 1.2 für ebenfalls knapp 7.000 Euro. Reine Vernunftmenschen sind mit dem Twizy schlecht bedient – es sei denn, sie sollen von ihrer einseitigen Haltung kuriert werden ...

Wertung

  • ★★★★★★★★☆☆
  • Wenn es nur um Vernunft geht, kann der Twizy mit einem Smart Fortwo oder einem Dacia Sandero nicht mithalten: Er lässt sich nicht heizen, man sitzt im Regen und in den Kofferraum passt kein Familien-Wocheneinkauf. Aber Spaß macht der Twizy ohne Frage, und man ist deutlich geschützter darin als auf einem Roller. Im Vergleich zum Mitsubishi i-MiEV ist der Twizy unschlagbar günstig und hat außerdem einen gewissen Coolness-Faktor. Der Twizy ist ein nettes Spielzeug, nicht mehr , aber auch nicht weniger. Es gibt Unvernünftigeres für 7.000 Euro.

  • Antrieb
    80%
    flottes Fahrgefühl
    lokal emissionsfreier Elektroantrieb
  • Fahrwerk
    80%
    tiefer Schwerpunkt
    keine Bremskraftunterstützung, kein ABS, kein ESP
  • Karosserie
    60%
    kaum Wetterschutz
    wenig Stauraum
  • Kosten
    90%
    deutlich günstiger als Mitsubishi i-MiEV
    mit Batteriemiete deutlich teurer als Dacia Sandero 1.2

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Elektro-Synchronmotor 
Leistung in PS 20 
Leistung in kW 15 
Drehmoment in Nm 57 
Antrieb Heckantrieb (Motor hinten, Hinterachse angetrieben) 
Getriebe Untersetzung mit Vorwärts- und Rückwärtsgang 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.050 
Spurweite hinten in mm 1.036 
Bremsen vorn Scheiben 
Bremsen hinten Scheiben 
Wendekreis in m 3,4 
Räder, Reifen vorn Reifen 125x80 R13 
Räder, Reifen hinten Reifen 145x80 R13 
Maße und Gewichte
Länge in mm 2.320 
Breite in mm 1.191 
Höhe in mm 1.461 
Radstand in mm 1.684 
Leergewicht in kg 450 
Kofferraumvolumen in Liter 63 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 80 
Weitere Informationen
1/moreName Lithium-Ionen-Akku (7 kWh, 100 kg) unter dem Fahrersitz 
2/moreName 100 km 
3/moreName 7 kWh/100 km 
4/moreName keine Angabe 
5/moreName keine Angabe 

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