Peugeot 3008, Toyota Verso und VW Touran mit Dieseln um die 110 PS

Wenn Wyatt Earp, Billy the Kid oder Butch Cassidy in Westernfilmen Kutsche fahren, benutzen sie fast immer einen geräumigen Typ, den man Park-Coach nennt. Will Hans Mustermann Personen und Gepäck transportieren, kauft er oft einen Kompaktvan. Wir haben drei davon mit Dieseln um die 110 PS gegeneinander antreten lassen: den Peugeot 3008 HDi 110, den Toyota Verso 2.0 D-4D und die neue Version des VW Touran mit der 105 PS starken Variante des 1.6 TDI und BlueMotion-Technology-Paket.

MOTOR / GETRIEBE
Was die Papierform angeht, so liegt der Toyota bei der Motorpower an der Spitze: Der Zweiliter-Diesel des Verso leistet 126 PS und ist damit der stärkste Antrieb im Vergleich. Der Peugeot mit 112 PS und der VW mit 105 PS liegen bei der Leistung niedriger. Der Unterschied ist spürbar, vor allem der Toyota beschleunigt fühlbar besser. Die Beschleunigungszeiten folgen den PS-Unterschieden: Der starke Verso braucht 11,3 Sekunden, bis Tempo 100 erreicht ist, und ist damit am schnellsten. Der Peugeot lässt sich schon 12,2 Sekunden Zeit, während der Touran mit 12,8 Sekunden am langsamsten Landstraßentempo erreicht. Die Höchstgeschwindigkeiten liegen jedoch alle zwischen 183 und 186 km/h und damit gleichauf.

Leiser VW, schnarrender Toyota
Beim 3008 setzt der Turbo-Schwung recht unvermittelt ab etwa 1.700 U/min ein, während sich bei den Konkurrenten die Kraft gleichmäßiger entfaltet. Auch bei den akustischen Eigenschaften gibt es markante Unterschiede: Hier überzeugt der VW voll und ganz, das typische Dieselgeräusch ist kaum mehr zu hören. Der Peugeot legt das Schnarren nur hin und wieder mal an den Tag, während es der Verso eigentlich fast immer abgibt, unabhängig von Last, Drehzahl und Gang. Unsere Testwagen sind sämtlich mit Sechsgang-Schaltungen ausgestattet. Bei VW und Peugeot lassen sich die Fahrstufen problemlos wechseln, während es beim Toyota ab und zu hakelt.

Niedriger VW-Herstellerverbrauch
Beim Spritverbrauch laut Hersteller liegt der VW vorne – wenn er wie unser Exemplar mit dem BlueMotion-Techno­logy-Spritsparpaket ausgestattet ist. Dann hat das Auto unter anderem eine Start-Stopp-Automatik, die vor allem in der Stadt Kraftstoff spart. Damit bringt es der Touran auf einen Verbrauch von 4,6 statt 5,1 Liter pro 100 Kilometer. Von den anderen beiden Testwagen gibt es keine Spritsparversionen, und auch eine Start-Stopp-Automatik ist nicht verfügbar.

Welcher Motor ist nun der beste?
Der 3008 liegt mit einer Herstellerangabe von 5,2 Liter fast gleichauf mit dem Touran ohne Sparpaket, während der Toyota mit 5,6 Liter auf 100 Kilometer die rote Laterne trägt. Auf unseren Ausfahrten verbrauchten wir allerdings mit dem Toyota am wenigsten (6,1 Liter), Peugeot und VW brauchten etwa einen Liter mehr auf 100 Kilometer. Einen Diesel­partikelfilter haben alle drei Autos, und auch die Euro-5-Abgasnorm wird von allen erfüllt – seit kurzem auch vom 3008. Welcher von den Dreien hat nun den besten Motor? Das hängt davon ab, was einem am Wichtigsten ist. Wir würden uns für den leisen VW entscheiden.

FAHRWERK / LENKUNG
Ihre Bestimmung finden Kompaktvans als Familienautos, und mit diesen werden typpischerweise auch weite Strecken in den Urlaub gefahren. Da ist ein gutes Fahrwerk wichtig, auch wenn man nicht wie ein Rennfahrer durch die Kurven hetzt. Was unsere drei Testwagen diesbezüglich taugen, zeigt sich auf welligem, brüchigem Belag schnell: Der Touran gleicht die Unebenheiten weitaus am besten aus.

Peugeot überrascht positiv
Der Peugeot folgt jedoch dichtauf: Auch er steckt Wellen und Schläge sauber weg, sein Fahrwerk poltert allerdings mehr als das vom Touran. Am meisten mit schlechten Straßen zu kämpfen hat der Toyota – er wirkt am wenigsten komfortabel. Überdies hat der Verso eine unangenehme Neigung zur Neigung: In Kurven wankt der Karosserieaufbau stärker nach außen als bei den anderen beiden Kandidaten. Selbst beim Bremsen knickt der Japaner zuweilen vorne ein.

Lenkung beim Peugeot etwas zäh
Der Toyota verfügt ähnlich wie der VW über eine recht leichtgängige Lenkung, die uns eher zusagt, als das etwas zähe Lenken beim Franzosen-Van – aber das ist Geschmackssache. So oder so ist unser VW der Sieger der Testkategorie Fahrwerk und Lenkung , aber nur knapp vor dem Peugeot.

KAROSSERIE / INNENRAUM
Kompaktvans werden gekauft, um Kinder und Koffer zu transportieren, wobei es aber nicht nur um Platz, sondern auch um Flexibilität geht: Muss am Samstag noch die neue Kommode fürs Kinderzimmer transportiert werden, so sind am Sonntag schon wieder die Frau Mama und alle drei Sprösslinge unterzubringen.

Fünf oder sieben Sitze
Am meisten Platz für den Personentransport haben der Toyota Verso und der VW Touran. Sie besitzen optional sieben Sitze, während der Peugeot stets fünf hat – wer mehr will, muss den größeren 5008 ordern. Den Sitzkomfort in der dritten Reihe konnten wir nur beim Verso testen, da der Touran als Fünfsitzer zu uns kam. Bemerkenswert ist, dass man in der dritten Sitzreihe des Toyota auch als Erwachsener noch halbwegs vernünftig sitzen kann, was durchaus keine Selbstverständlichkeit ist. Auch in der zweiten Reihe sind beim Toyota Kopf- und Kniefreiheit am großzügigsten bemessen, gefolgt vom VW. Im Peugeot ist die Kopffreiheit gering, wobei auch hier Erwachsene Platz finden. Das Gesagte gilt jeweils für die passagierfreundlichste Konfiguration mit der zweiten Sitzreihe in der hintersten Position. Verschieben lassen sich die Rücksitze allerdings nur beim Verso und beim Touran.

Touran mit größtem Kofferraum
Was den Transport von Gepäck betrifft, so weist der fünfsitzige Touran mit 695 bis 1.989 Liter den weitaus größten Kofferraum auf. Beim Siebensitzer ist das Maximalvolumen etwas geringer, beträgt aber immer noch stattliche 1.913 Liter. Der Verso folgt mit 484 bis 1.740 Liter, wobei der Siebensitzer mit 440 bis 1.696 Liter wieder etwas weniger schluckt.

Peugeot enttäuscht beim Kofferraum
Abgeschlagen auf Platz drei landet der Peugeot mit 432 bis 1.241 Liter. Das sind Werte, die auf dem Niveau einer Golfklasse-Limousine liegen. Sorry, Peugeot, aber das geht gar nicht: Wenn man sich schon einen Kompaktvan kauft, dann auch wegen des Stauraums. Von den dürren Zahlen abgesehen, bieten alle drei Wagen unterschiedliche Innenraumkonzepte, und hier begeistert der Touran wenig. Er besitzt eine typische Van-Sitzanlage: Die Rücksitze der zweiten Reihe lassen sich wickeln. Das heißt, die Sitzlehnen werden auf die Sitzflächen geklappt und dann die ganzen Möbel in die Senkrechte gebracht, wo sie dann per Stahlstange fixiert werden müssen. Alternativ lassen sich die Sitze ausbauen, wobei sich aber kein ebener Ladeboden ergibt – all das ist umständlich und man klemmt sich an den Stahlteilen leicht die Finger ein. Positiv fällt beim Touran jedoch auf, dass er eine etwa fünf Zentimeter niedrigere Ladekante besitzt als die beiden Konkurrenten.

SUV-artiges Sitzsystem beim 3008
Während der Touran ein Van-Sitzsystem hat, orientiert sich der 3008 eher an SUVs: Öffnet man die Hecktür, fällt eine Art Ladeklappe auf, die man entriegeln und dann nach unten öffnen kann – wie zum Beispiel auch beim BMW X5. Nachteil: Man kommt nicht so nah an den Laderaum heran wie bei einem Kombi. Außerdem besitzt der 3008 einen variablen Ladeboden, der sich auf drei unterschiedlichen Höhen einsetzen lässt. Die oberste Position eignet sich besonders, wenn man die Ladeklappe geschlossen lassen will. Wer bei heruntergelassener Lade einen ebenen Kofferraumboden haben will, verwendet die mittlere Lage. Das unterste Niveau schließlich sorgt für den größten Gepäckraum. Lange Gegenstände passen in den 3008, indem man nicht nur die Fondsitze, sondern auch den Beifahrersitz nach vorn umlegt – so ergibt sich eine ebene Ladefläche bis vor zum Armaturenbrett.

Kombi-Sitzsystem beim Verso
Positiv fällt beim Peugeot außerdem auf, dass zur Nutzung des gesamten Gepäckraums keine Querstrebe entnommen werden muss. Wie störend eine solche Strebe ist, kann man an unserem Verso sehen. Wenn der Balken nicht im Weg sein soll, muss das sperrige Teil jedes Mal ausgebaut werden, sobald man die Sitze der zweiten Reihe umklappen will.

Sitzsystem: Einfach und gut
Abgesehen davon besitzt der Verso das einfachste Sitzsystem unseres Vergleichsfelds: Es ähnelt dem von Limousinen und Kombis her bekannten Konzept. Die Sitzlehnen werden einfach umgeklappt und damit basta. Dabei ergibt sich ein ebener Boden – sehr einfach und sehr praktisch.

Cockpit beim Verso eher mau
Was das Cockpit angeht, so bieten die Vordersitze des Verso am wenigsten Seitenhalt, der Peugeot schneidet gut ab und VW – wie so oft beim Thema Sitze – am besten. Ansonsten gefällt uns die limousinenartige Atmosphäre im Touran sehr: Hier fühlt man sich fast wie im VW Golf. Verarbeitung und dezente Optik sind auf hohem Niveau. Ebenfalls schön, aber eher SUV-artig ist das Innere des 3008. Hier trennt eine Mittelkonsole die Bereiche von Fahrer und Beifahrer. Wir sind eigentlich keine Fans von Armauflagen zwischen den Sitzen, da sie uns oft beim Schalten stören, aber auf dieser Konsole ruht auch unser Unterarm gerne – sie vereinfacht die Bedienung des Schalthebels sogar. Das Design ist ansonsten ähnlich dezent und schick wie beim Touran. Am wenigsten sagt uns das Verso-Cockpit zu. Es ist auf Van getrimmt, das heißt, die Instrumente liegen in der Mitte des Armaturenbretts. Die orangefarben leuchtenden Ziffern, die ziemlich windige Armauflage und allgemein das eher triste Ambiente lassen das Verso-Interieur wenig glänzen.

Sieger dieser Testkategorie: Toyota
Alles in Allem gefällt uns das einfache Sitzsystem des Verso am besten, gefolgt vom immer noch guten Konzept des Peugeot. Der Touran-Innenraum ist nicht so praktisch, hat aber den Vorteil, dass er am meisten Stauvolumen bietet. In puncto Kofferraum enttäuscht der 3008. Das Cockpit gefällt bei VW und Peugeot deutlich besser als beim Toyota. Da wir bei Kompaktvans das Raumkonzept für wichtiger halten, gewinnt dennoch der Verso diese Kategorie.

AUSSTATTUNG / PREIS
Wenn man Fahrzeuge von Importeursmarken mit einem VW vergleicht, liegt der Verdacht nahe, dass der Volkswagen der teuerste ist. So auch hier, doch ist der Abstand nicht allzu groß. Den Touran 1.6 TDI BlueMotion Technology mit 105 PS gibt es ab 24.950 Euro. Dafür erhält man die Version Trendline, die schon recht vernünftig ausgerüstet ist. Zur Ausstattung gehören ESP, sechs Airbags, die Start-Stopp-Automatik, elektrisch einstellbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber rundum, eine Zentralverriegelung, eine Klimaanlage und ein CD-Radio.

3008: Ähnlich ausgestattet, aber günstiger
Runde 900 Euro günstiger ist der 3008 HDi 110 Tendance, für den 24.040 Euro zu zahlen sind. Die Ausstattung unterscheidet sich nur in Details von der unseres Touran Trendline. So gibt es elektrische Fensterheber nur vorn, kein Start-Stopp-System, dafür aber einen Tempomaten, einen umklappbaren Beifahrersitz und eine elektronisch betätigte Feststellbremse. Statt auf 15-Zoll-Felgen rollt der Peugeot auf 17-Zöllern.

Klima kostet bei Toyota Aufpreis
Auf den ersten Blick preislich am günstigsten liegt der Verso. Ihn erhält man mit dem 126-PS-Diesel ab 23.500 Euro, man spart also gegenüber dem Touran fast 1.500 Euro. Aber werfen wir einen Blick auf die Ausstattung, bevor wir jubeln. Die Basisversion ohne Zusatzbezeichnung umfasst im Unterschied zur Ausrüstung des VW einen siebten Airbag. Andererseits werden die Fensterheber nur vorn elektrisch bedient, außerdem fehlt die Start-Stopp-Automatik. Von der Radgröße liegt der Verso mit 16 Zoll zwischen VW und Peugeot. Aber jetzt kommt's: Die Klimaanlage, die bei den anderen Kandidaten Serie ist, muss beim Verso für 1.200 Euro als Extra geordert werden. So kommt man auf einen Preis von 24.700 Euro, und – schwupps – ist der Toyota fast so teuer wie der VW. Preislich ist also der Peugeot die beste Wahl.

Peugeot mit wenig Extras
Als Extras empfehlen sich bei allen drei Autos eine elektronische Einparkhilfe und Metallic-Lack. Bei Peugeot sind Parkpiepser in der Basisversion gar nicht verfügbar, der Metallic-Lack kostet 480 Euro. Bei Toyota zahlt man 740 Euro für die Parkhelfer vorn und hinten sowie 490 Euro für den Lack. Bei VW sind die Preise mit 515 beziehungsweise 720 Euro ähnlich. Im Detail finden Sie die Kosten der jeweiligen Basisversion und der verfügbaren Extras in unserer Preisliste. Die Striche darin besagen, dass ein Extra für die Grundversion nicht verfügbar ist. So ist etwa die Verso-Basisversion nur mit fünf Sitzen verfügbar, und für den Peugeot 3008 Tendance gibt es Nebelscheinwerfer auch nicht gegen Aufpreis. Bei der Extra-Auswahl ist VW großzügiger.

Wertung

  • ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆
  • Mit einem Kompaktvan möchte man erstens gut fahren und zweitens viel transportieren. Beim Fahren schneidet der VW Touran am besten ab, dicht gefolgt vom Peugeot 3008. Der Toyota Verso hat uns wegen des instabilen Fahrwerks enttäuscht – da hilft auch der stärkere Motor nicht. Der Verso hat seine Stärken beim Transportieren von Menschen und Material. Er bietet das beste Sitzsystem. Der Touran hat zwar am meisten Stauraum, aber das Ausbau-Sitzsystem ist etwas unpraktisch. Der 3008 bietet umgekehrt ein gutes Sitz- und Kofferraumkonzept, aber viel zu wenig Laderaum. Wenn dieses Manko nicht wäre, hätte der 3008 den Testsieg errungen. So aber entscheiden wir uns für den VW Touran – und nehmen die Wickelsitze zähneknirschend in Kauf. Man sieht: Jeder von unseren drei Kandidaten hat seine spezifischen Stärken und Schwächen.

  • Peugeot 3008 HDi 110
    80%
    günstigster Preis, Motor und Fahrwerk ordentlich
    viel zu wenig Laderaum
  • Toyota Verso 2.0 D-4D
    80%
    bester Vortrieb im Vergleich, gutes Sitzsystem
    wackeliges Fahrwerk
  • VW Touran 1.6 TDI BlueMot. Techn.
    90%
    gutes Fahrwerk, leiser Motor, Start-Stopp-System
    unpraktisches Sitzsystem (Ausbausitze)

Für Kinder und Koffer