Facelift-SUV mit Allradantrieb und 190 PS im Test

Er hat Style und er trägt den Drang nach Offroad-Fahrten in sich: der Freelander von Land Rover. Jetzt bekommt die 2006 vorgestellte Generation ein kleines Facelift. Wir haben uns den Allrad-Wagen mit 190-PS-Diesel zum Test vorgenommen.

Äußerlich der Alte
Am Blech wollten die Designer dem Freelander anscheinend nicht flicken. Es gibt auch keinen Grund: Der Wagen steht in seiner Klasse immer noch mit einem eigenständigen und vorzeigbaren Design da. Deshalb wurden nur Details geändert. Der Rahmen um den Grill wurde etwas abgesetzt und die Nebelscheinwerfer stecken jetzt in eckigen Öffnungen. Außerdem wurden die Heckleuchten leicht modifiziert. Was man nicht sieht: Die Seitenfenster sollen um zehn Prozent größer geworden sein. Außerdem übt man sich in Schlichtheit: Das Land-Rover-Logo ist jetzt nicht mehr glamourös goldfarben sondern anständig silbern hinterlegt. Dass die Briten auch gleich noch das Ausstattungslevel ,S", ,SE" oder ,HSE" neben die Modellbezeichnung ans Heck schreiben, finden wir wiederum ein bisschen übertrieben.

Hoher Kommando-Stand
In der kantigen gut gemachten Kabine des Freelander hat der Fahrer eine besonders hohe Sitzposition. Die verschafft Überblick auf Straße und Gelände. Die Sitze sind auch für die weite Strecke bequem, allerdings wird Passagieren mit langen Beinen die kurze Oberschenkel-Auflagefläche auffallen. Gegen Aufpreis werden die Sitze mit schickem Leder überzogen und so manche Plastik-Oberfläche durch Holzfurnier ausgetauscht. Und im Heck können 405 bis 1.670 Liter Gepäck mitkommen.

Keiner wankt
In der flott gefahrenen Kurve macht sich der Wankausgleich des Freelanders bezahlt: Der Wagen kippelt kaum. Sauber ziehen wir das SUV ums Eck. Die Lenkung gibt sich dabei leichtgängig. Im Gelände und beim Einparken ist dies ein Vorteil. Bodenwellen, Querrillen, vom Winter zerfetzte Straßen: Mit allem kommt der Freelander gut zurecht. Und auch im tief verschneiten Gelände schlägt sich der Einstiegs-Landy (der noch günstigere Defender hat eine Sonderstellung) wacker. Dabei hilft sein Terrain-Response-System, bei welchem per Drehregler verschiedene Gelände-Arten vorgewählt werden können. Da steht der kleine Freelander seinen großen Brüdern Discovery und Range Rover Sport sowie Range Rover in nichts nach – nur auf die Untersetzung muss er verzichten. Den auf Grund seiner eingeschränkten Geländekompetenz komplett aus der Art schlagenden frontgetriebenen Freelander eD4 lassen wir mal außen vor. Der Allrad-Freelander ist wohl das geländefähigste Fahrzeug seiner Klasse.

Vor der Mauer
Den Antrieb erledigt im Freelander SD4 ein neuer 2,2-Liter-Turbodiesel mit 190 PS. Das dazugehörige Basis-Aggregat leistet 150 PS. Mit einer geänderten Motorsteuerungs-Software haben die Ingenieure den Ladedruck so erhöht, dass aus dem 150-PS-TD4 ein 190-PS-SD4 wird. Die Motoren beider Leistungsstufen sind exakt aus den gleichen Materialien geschnitzt. Ein TD4-Modell in der Ausstattungsstufe ,S" wird mit 32.900 Euro berechnet, bei der vergleichbar ausgestatteten SD4-Variante werden 36.400 Euro fällig. Da die Bremsen beider Motorisierungs-Varianten identisch sind, stellt sich die Frage, ob ein findiger Tuner den 40-PS-Leistungsschub nicht für weniger als 3.500 Euro hinbekommt. Soviel zu den Hintergründen. Die 190 PS liegen bei 3.500 U/min an. Das maximale Drehmoment von 420 Newtonmeter haut bei 2.000 U/min an die Kurbelwelle – Werte, die mit denen des 150-PS-Modells identisch sind. Und die 2.000 U/min sind eine echte Schallmauer. Darunter passiert nicht viel. Die ausgeprägte Anfahrschwäche unseres Freelander hängt sicher mit diesem Old-School-Turboloch und dem Wandler des serienmäßigen Automatikgetriebes zusammen.

Nach dem Loch
Über den besagten 2.000 U/min gibt sich unser Motor dann ziemlich munter. Drehfreudig sprudelt er seine Leistung heraus und lässt uns auch beim üblen Gelände-Gewühle nicht im Stich. Wer das Aggregat immer schön auf knapp über 2.000 Touren hält, hat uneingeschränkt Freude. In 9,5 Sekunden spurtet der kleine Land Rover von null auf 100 km/h – ein guter Wert, der im auffälligen Gegensatz zu den 190 km/h Höchstgeschwindigkeit steht. Ein VW Tiguan 1.4 TSI mit 150 PS schafft 194 km/h. Die Abregelung schon bei 190 km/h hat keine technischen Gründe, wie uns Land Rover auf Nachfrage bestätigt. Hier geht es ausschließlich ums Marketing: Ein Discovery 3.0 TDV6 (45.900 Euro) und ein Range Rover Sport 3.0 TDV6 (71.500 Euro) kommen auf 193 km/h. Und es darf bei Land Rover anscheinend nicht sein, dass die erheblich teureren Modelle von einer höheren Endgeschwindigkeit des Einstiegsmodells gedemütigt werden. In den meisten Ländern dieser Welt wäre diese Diskussion ohnehin rein akademisch – im Autobahn-Land Deutschland sieht das anders aus. Da der Freelander auch bei Höchstgeschwindigkeit sicher auf der Straße liegt, dürfte hier der ein oder andere Tuner dank Anhebung der Abregelungs-Grenze den ein oder anderen Euro machen.

Noch ohne Start-Stopp
Der Gesamtverbrauch unseres Freelander SD4 liegt laut Hersteller bei 7,0 Liter Diesel pro 100 Kilometer – damit gönnt sich das 190-PS-Aggregat genauso viel Selbstzünder-Saft wie sein um 40 PS schwächerer Kamerad aus dem TD4. Aber beim TD4 gibt es die Handschaltung, was in der Kombination mit einem Start-Stopp-System 0,8 Liter Sprit pro 100 Kilometer spart. Der SD4 ist nur mit einer Sechsgang-Automatik von Aisin, Typ SWF21, zu haben. Das Getriebe macht einen ganz manierlichen Job, wird aber momentan noch nicht mit Start-Stopp kombiniert. Und Konkurrenzmodelle wie den BMW X3 xDrive20d gibt es optional mit einer Achtgang-Automatik. Dem Bayern reichen 5,6 Liter pro 100 Kilometer. Hier hat Land Rover noch Reserven.

Wertung

  • ★★★★★★★★★☆
  • Der Land Rover Freelander ist schick geblieben und mit 190 PS und Allradantrieb nicht nur für die Straße geeignet. Kein Kompakt-SUV bringt bessere Geländefähigkeiten mit. Das Fahrwerk ist eine der Stärken des SD4, genauso der schicke Innenraum.

    Übertrieben ist der Aufpreis gegenüber dem 150-PS-Modell und die Abregelung schon bei 190 km/h müsste auch nicht sein. Insgesamt ist der Freelander ein stylischer Geländegänger, der sich keine fetten Schnitzer leistet.

  • Antrieb
    80%
    über 2.000 U/min richtig gut
    Anfahrschwäche, kein Start-Stopp
  • Fahrwerk
    95%
    kaum Wanken, gut auf der Straße
    ebenso gut im Gelände
  • Karosserie
    90%
    eigenständig und schick
    kurze Auflage für die Oberschenkel
  • Kosten
    90%
    passabler Einstiegspreis
    akzeptable Aufpreisliste

Preisliste


Land Rover Freelander SD4 S

Grundpreis: 36.400 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Kopfairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaautomatik Serie (2 Zonen)
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe Serie
Bildschirmnavigation 2.150
CD-Radio Serie
MP3 Serie
elektr. Schiebedach 1.400
Metalliclackierung 720
Leichtmetallfelgen Serie (16 Zoll)
Tempomat Serie
Lederausstattung 1.429
Xenonlicht 760
Nebelscheinwerfer Serie
Sitzheizung 380
Digitales Radio (DAB) 330
Garagentor-Öffner 250
Einparksensoren hinten 390
Außenspiegel elektrisch einklappbar 280

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Reihen-Turbodiesel 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 2.179 
Leistung in PS 190 
Leistung in kW 140 
bei U/min 2.000 
Drehmoment in Nm 420 
Antrieb Allradantrieb, permanent 
Gänge
Getriebe Automatik 
Kraftverteilung variabel 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.611 
Spurweite hinten in mm 1.624 
Radaufhängung vorn Einzelradaufhängung, McPherson-Federbeine, Querlenker, Schraubenfedern, Stabilisator 
Radaufhängung hinten Einzelradaufhängung, McPherson-Federbeine, Trapezlenker, Schraubenfedern 
Bremsen vorn Scheibenbremsen, innen belüftet, 300 mm 
Bremsen hinten Scheibenbremsen, 302 mm 
Wendekreis in m 11,3 
Räder, Reifen vorn 215/75R16 auf 6.5Jx16 
Räder, Reifen hinten 215/75R16 auf 6.5Jx16 
Lenkung Zahnstangenlenkung, servounterstützt 
Geländekompetenz
Böschungswinkel vorn in Grad 31 
Böschungswinkel hinten in Grad 34 
Rampenwinkel in Grad 23 
Querneigung in Grad 27 
Steigfähigkeit in Prozent 30 
Wattiefe in mm 500 
Bodenfreiheit in mm 210 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.500 
Breite in mm 1.910 
Höhe in mm 1.740 
Radstand in mm 2.660 
Leergewicht in kg 1.805 
Zuladung in kg 700 
Kofferraumvolumen in Liter 405 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.670 
Anhängelast, gebremst in kg 2.000 
Dachlast in kg 75 
Tankinhalt in Liter 68 
Kraftstoffart Diesel 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 190 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 9,5 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 7,0 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 8,7 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,7 
CO2-Emission in g/km 185 
Schadstoffklasse Euro 5 
Fixkosten
Steuer pro Jahr in Euro 339 
Haftpflicht-Klasse 24 
Teilkasko-Klasse 20 
Vollkasko-Klasse 20 

Bildergalerie: Kompakte Geländekunst