Wohnmobil Viano Marco Polo im Test

Manch einer hält ihn für einen Lkw, dabei ist er nicht größer als ein VW California: der Mercedes Viano Marco Polo. Das Wohnmobil wurde jetzt frisch überarbeitet. Wir sind den Wagen mit modernisiertem 3,0-Liter-Diesel gefahren.

Leuchtende Veränderungen
Der Viano guckt jetzt mit neuen Scheinwerfern auf die Straße, gegen 1.113 Euro Aufpreis gibt es auch Xenonlicht. Das serienmäßige LED-Tagfahrlicht ist für die Sicherheit gut. Der vordere Stoßfänger bekommt nun im unteren Bereich eine Gitteroptik und die Heckleuchten tragen eine schwarze Blende in Glasoptik. Ansonsten ist der Viano Marco Polo ein recht schnittiger Wagen – zumindest wenn man bedenkt, dass er auf einem Nutzfahrzeug basiert. Ist das Hubdach ausgefahren, wirkt der Van richtig gigantisch.

Gute Stube
Gedacht ist der Marco Polo für vier Übernachtungsgäste, wer clever ist, macht größere Touren nur zu zweit, sonst hockt man sich zu sehr auf der Pelle. Das Ausfahren des Dachs geht komfortabel per Knopfdruck, in den dann frei werdenden Schlafraum kommt man am besten, indem man die Vordersitze als Treppe benutzt. Das Bett im ersten Stock liegt sich ganz bequem und serienmäßig helfen zwei Schwanenhals-Lampen beim nächtlichen Lesen. Im Parterre lässt sich die Rückbank mit ein paar Handgriffen zum Bett umklappen, auch hier stimmt das Liegegefühl. Einer lauschigen Wohnatmosphäre zuliebe lassen sich auch Fahrer- und Beifahrersitz nach hinten umdrehen. Wenn dann noch der Tisch mit dem recht schwer ausziehbaren Bein steht, kann wieder mal gemeinsam Abendbrot gegessen werden.

Teures Gestühl
Die Sitze von Fahrer und Beifahrer werden in der rauen Welt der Nutzfahrzeuge separat behandelt. Wer die Lederausstattung für 2.479 Euro ordert, der muss auch zwei Sitzheizungen dazu nehmen: Eine für den Fahrer und eine für den Beifahrer, macht nochmal 212 Euro pro Platz. Ansonsten ist das vordere Gestühl durchaus langstreckentauglich, die Abwesenheit von sportlichem Seitenhalt sollte selbstverständlich sein. Leicht irritiert hat uns, dass die Vordersitze ein bisschen wackelig wirkten, wenn wir die Rücklehnen nach hinten drückten. Auf den Fahrkomfort hat dies allerdings keinerlei Auswirkungen. Was wir uns wünschen würden: Die Heckklappe könnte ruhig noch etwas höher aufschwingen, damit auch groß gewachsene Menschen sich nicht unter ihr durchbücken müssen.

Ruhige Reise
Das Fahrwerk des Viano haben die Ingenieure grundlegend überarbeitet. Tragfeder, Federteller, Stützlager, Querlenker und Stabilisator: Alles ist neu. Vor allen Dingen wegen der neuen Lager konnte die Karosserie vom Fahrwerk hinsichtlich der Übertragung von Vibrationen weiter entkoppelt werden, was einer niedrigen Geräuschkulisse zugute kommt. Ansonsten gibt sich selbst die optionale Luftfederung (1.959 Euro) immernoch recht hart. Das heißt zum einen: vor großen Schlaglöchern und unübersehbaren Bodenwellen ein bisschen Abbremsen. Zum anderen lassen sich aber Kurven überraschend sportlich nehmen, die Agilität des hohen Wagens ist selbst bei hohen Geschwindigkeiten bemerkenswert. Dabei nehmen die Bremsen den Wohnlaster souverän in die Zange, verzögern vorbildlich.

Effiziente Kraft
Unser Marco Polo wird von einem Sechszylinder-Turbodiesel mit 3,0 Liter Hubraum angetrieben. In seiner neuesten Auflage bringt das Aggregat nun 224 PS an den Start, der Vorgänger musste noch mit 20 PS weniger auskommen. Das Drehmoment bleibt bei 440 Newtonmeter, es liegt zwischen 1.800 und 2.400 U/min an. Die Leistungssteigerung geht erfreulicherweise mit einer Verbrauchssenkung daher: 8,5 statt 9,2 Liter wandern jetzt pro 100 Kilometer durch den Tank.

Sanft und sauber
Beim Tritt aufs Gas dreht das Dieseltriebwerk freudig hoch, bringt den Reisewagen schnell auf Touren. Die jetzt mit 1.800 bar in die Zylinderräume eingepressten Kraftstoff-Tröpfchen verbrennen ganz sanft – zumindest hat der Fahrer diesen Eindruck. Äußerst kultiviert brummt der Motor ganz leise vor sich hin, die in ihm wütenden Explosionen bleiben uns fern. In 9,1 Sekunden spurtet der Marco Polo auf Tempo 100, erst bei 201 km/h ist Schluss. Serienmäßig ist der Sechszylinder an eine Fünfgang-Automatik gekoppelt, die schon auf Grund des immensen Drehmoments keine Probleme hat. Sehr sanft schaltet sie durch die Stufen, in jeder Situation steht mehr als genug Kraft bereit – auch aus dem Sand vom Elbestrand wühlen wir uns problemlos wieder frei. Was es bei der Automatik noch nicht gibt, ist ein Start-Stopp-System.

Nicht ganz billig
Der Grundpreis unseres Viano Marco Polo 3.0 CDI liegt bei 55.347 Euro. Mit ein paar Extras sind wir schnell bei 75.000 Euro – unbedingt günstig ist so ein kleines Wohnmobil also nicht. Aber VW langt beim Konkurrenzmodell California mindestens genauso zu: Ein T5 California 2.0 BiTDI Comfortline mit Aufstelldach, 180 PS und Siegengang-Doppelkupplungsgetriebe wird beim Einstiegspreis mit 59.191 Euro berechnet.

Wertung

  • ★★★★★★★★★☆
  • Der Mercedes Viano Marco Polo ist ein komfortables Wohnmobil für zwei bis vier Personen. In der Kabine lässt sich bequem kochen, waschen und schlafen. Die Sitzvariabilität schafft bei Bedarf einen gemütlichen Raum.

    Das neue Fahrwerk verhilft dem großen Wagen zu dynamischen Höhenflügen, gibt sich aber bei schlechter Piste recht hart. Der Sechszylinder-Diesel wiederum ist äußerst kraftvoll und sorgt im Zusammenspiel mit der Fünfgang-Automatik für zügiges und trotzdem leises Vorankommen.

  • Antrieb
    95%
    laufruhiger, kräftiger Sechszylinder-Turbo
    sauber arbeitende Fünfgang-Automatik
  • Fahrwerk
    85%
    sehr dynamisch ausgelegt, kaum Wanken
    bei groben Unebenheiten zu hart
  • Karosserie
    85%
    moderne Erscheinung, effiziente Platzausnutzung
    Heckklappe könnte weiter öffnen, Nutz-Vordersitze
  • Kosten
    75%
    Preis-Leistung stimmt
    entmutigende Aufpreisliste

Preisliste


Mercedes Viano Marco Polo 3.0 CDI

Grundpreis: 55.347 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Kopfairbags vorn 494
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaautomatik Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe Serie
Bildschirmnavigation 3.790
CD-Radio 563
elektr. Schiebedach 1.046
Metalliclackierung 1.241
Leichtmetallfelgen 821 (16 Zoll)
Tempomat 318
Lederausstattung (nur i.V.m. Sitzheizung vorn) 2.479
Xenonlicht 1.113
Nebelscheinwerfer Serie
Anhängevorrichtung (abnehmbar) 891
Sitzheizung vorn (Fahrer) 212
Sitzheizung vorn (Beifahrer) 212
Luftfederung 1.959
Lordosenstütze Fahrersitz 82
Lordosenstütze Beifahrersitz 82
Aufstelldach, elektrohydraulisch 1.430
Außenspiegel, elektrisch heranklappbar 303
Innenspiegel automatisch abblendbar 114
Anhängelast 2500 kg 115
Scheinwerfer-Reinigungsanlage 303
Elektr. Betätigung für Schiebetür rechts 834
Kraftstofffilter mit Wasserabscheider 113
AUX-Buchse 40
Parktronic-System 785
Heckkamera 583
Radiovorrüstung 292
Dachbett Serie
Schiebetür rechts Serie
Wärmedämmendes Glas rundum Serie
Licht- und Regensensor Serie
Multifunktionslenkrad mit Reiserechner Serie
Anfahrassistent Serie
Seitliche Markise 679
Feuerlöscher 1 kg 136
Wegfall Dachbett -585
Einkaufklappbox Serie
Tresor unter dem Beifahrersitz Serie
Gasherd, zweiflammig Serie
Spüle mit einklappbarem Wasserhahn Serie
Kühlfach Serie
Hintere Sitze zum Bett umklappbar Serie

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart V-Turbodiesel 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 2.987 
Leistung in PS 224 
Leistung in kW 165 
bei U/min 1.800-2.400 
Drehmoment in Nm 440 
Antrieb Hinterradantrieb 
Gänge
Getriebe Automatik 
Fahrwerk
Radaufhängung vorn Luftfederung 
Radaufhängung hinten Luftfederung 
Räder, Reifen vorn 225/60 R 16 
Räder, Reifen hinten 225/60 R 16 
Lenkung Zahnstangenlenkung mit Servounterstützung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 5.008 
Höhe in mm 1.960 
Radstand in mm 3.200 
Anhängelast, gebremst in kg 2.000 
Tankinhalt in Liter 75 
Kraftstoffart Diesel 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 201 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 9,1 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 8,5 
CO2-Emission in g/km 223 
Schadstoffklasse Euro 5 

Bildergalerie: Mercedes am Strand