Der CT 200h mit Prius-Antrieb und aufwendigem Fahrwerk im Test

Rund 2.000 Autos hat die Marke Lexus im Jahr 2010 in Deutschland verkauft. Mit dem neuen Modell CT 200h wollen die Japaner die Verkaufszahlen schlicht und einfach verdoppeln. Das zeigt, welche Bedeutung Lexus dem Kompaktmodell zumisst. Wie heute schon zwei Drittel der verkauften Lexus-Modelle wird der CT 200h von einem Hybridsystem bewegt – ein konventioneller Antrieb ist nicht geplant. Im Gegenteil, bis 2015 will Toyotas Luxusmarke nur noch Hybridmodelle anbieten. Wir haben den am 19. März 2011 startenden Lexus CT 200h bereits getestet.

Hybridsystem aus dem Prius
Angesichts von Toyota Prius und Auris Hybrid stellt sich beim CT 200h die Frage, ob sich der Premium-Lexus nennenswert von den beiden anderen kompakten Hybridautos des Konzerns unterscheidet. In puncto Antriebssystem muss man die Frage verneinen. Der CT 200h hat wie der Prius einen 1,8-Liter-Benziner mit 100 PS sowie einen 82 PS starken Elektromotor. So ergibt sich eine Systemleistung von 136 PS. Als Batterie wird wie gehabt eine Nickel-Metallhydrid-Batterie verwendet. Lithium-Ionen-Batterien böten die gleiche Kapazität bei weniger Volumen, doch die Produktionskapazität für diesen Akkutyp wurde im Konzern noch nicht aufgebaut, so Lexus. Auch die Zuverlässigkeit der neueren Technik wird noch nicht gut beurteilt. Wie der Prius kann auch der Lexus etwa zwei Kilometer laut- und emissionslos rein elektrisch fahren, bei maximal 45 km/h. Solange die Batterieladung es zulässt, kann man durch Betätigung der EV-Taste den Elektromodus bevorzugen. Per Drehregler mit den Stellungen Eco, Normal und Sport lässt sich bestimmen, wie der Hybridantrieb auf den Gasbefehl reagiert, wobei auch andere Systeme wie Lenkung und ESP beeinflusst werden.

Kein Sportmodell
Unabhängig von den Einstellungen ist der Lexus vom Vortrieb her keine wahre Freude. Ein guter Diesel der gleichen Leistungsklasse fährt dem CT 200h leicht davon. So beschleunigt ein Audi A3 Sportback 2.0 TDI S tronic in 9,1 Sekunden auf Tempo 100, während der Lexus dafür 10,3 Sekunden benötigt. Die Höchstgeschwindigkeit liegt beim CT 200h bei 180 km/h, der Audi wird 207 km/h schnell.

Gummibandeffekt wie bei CVT
Wenn man mit dem CT 200h beschleunigt, fühlt es sich so wie ein Auto mit CVT-Getriebe an: Der Wagen wird allmählich immer lauter, bis man die Endgeschwindigkeit erreicht hat, um dann wieder leise zu werden. Erst dann fällt die gute Geräuschdämmung auf. Autokäufer, bei denen der Fahrspaß im Mittelpunkt steht, sehen sich lieber anderswo um.

Unter den sparsamsten Modellen mit Benzinmotor
Anders sieht es in puncto Umwelt aus. Der genannte Audi verbraucht laut Hersteller 4,9 Liter Diesel auf 100 Kilometer, Lexus gibt beim CT 200h einen Verbrauch von nur 3,8 Liter auf 100 Kilometer an. Trotz des günstigeren Dieselpreises zahlt man da mit dem Audi an der Tanksäule mehr. Auch bei den Emissionen hat der Lexus die Nase vorn: Während der Audi 129 Gramm CO2 pro Kilometer ausstößt, sind es beim CT 200h nur 87 Gramm. Damit liegt das Auto an Stelle eins, wenn man Modelle mit Benzinmotor berücksichtigt und an Stelle zwei, wenn man alle Modelle mit Verbrennungsmotor einrechnet. Nur der vergleichsweise winzige Smart Fortwo 0.8 cdi stößt noch ein Gramm weniger aus, die sparsamste Version des VW Polo BlueMotion liegt gleichauf. Im Vergleich zu Dieseln fallen zusätzlich die sehr geringen NOx- und Rußemissionen ins Gewicht. So stuft Lexus das Auto als das umweltfreundlichste Auto mit Verbrennungsmotor ein.

Im Fahrwerk liegt der Unterschied
So stark der Lexus den Toyota-Hybriden beim Antrieb ähnelt, so groß ist der Unterschied beim Fahrwerk. Hinten setzt Lexus eine Mehrlenkerachse ein, eine deutlich aufwendigere und bessere Lösung als die Torsionsachse von Prius und Auris. Damit fährt sich der Lexus auf kurvigen Landstraßen in der Tat hervorragend und schafft das Kunststück, komfortabel und dennoch wankstabil zu sein. Optional wird der Komfort durch Querdämpfer gesteigert, die Karosserievibrationen verringern.

Super Lenkrad
Ein weiterer Hauptunterschied zu den günstigeren Hybriden liegt im Innenraum. Hier fällt zuerst das dicke, griffsympathische Lenkrad auf. Es steht sehr senkrecht, was zumindest normal großen Fahrern entgegenkommt – Große haben mitunter Schwierigkeiten, weil sich die Lenkachse nicht weit nach oben schwenken lässt. Die Sitze bieten vor allem am Rücken guten Seitenhalt, an den Schenkeln sind sie für uns etwas weit. Auch die Kopfstützen sind auffallend bequem. Die Mittelkonsole sorgt dafür, dass wir angenehm ,eingebaut" sind – wie in vielen BMW-Modellen. Deren Gestaltung entspricht allerdings nicht unseren Designvorlieben. Besser gefällt uns die Leiste auf der Beifahrerseite, die es in verschiedenen Materialien gibt. Was die Verarbeitung angeht, bietet der Lexus wie erwartet ein hohes Niveau. Die Knöpfe wackeln nicht, die Regler drehen sich satt. Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist der Controller für den Bildschirmzeiger: Der kleine Bedienhebel ist kein Problem, aber der dazugehörige Bestätigungs-Button liegt seitlich statt oben – für Mausbenutzer ungewohnt.

Kofferraum mit praktischem Einlegeboden
Im Fond haben Erwachsene gut Platz, und auch das Einsteigen klappt bei dem stets fünftürigen Wagen problemlos. Der Kofferraum präsentiert sich zunächst gut nutzbar: Ein Einlegeboden sorgt dafür, dass beim Ein- und Ausladen keine Schwelle stört. Darunter gibt es ein Fach, das nicht besonders hoch ist und sich so vor allem für Kleinkram eignet. Ein Flugzeug-Bordgepäck-Koffer passt hier nicht hinein. Das Fach reicht auch nicht bis zu den Rücksitzen, denn da sitzt wie beim Prius die Batterie. Insgesamt ergeben sich aber 375 Liter Gepäckraum – ein VW Golf hat nur 350 Liter Platz.

Ärgerlicher Querholm
Die Rücksitzlehnen lassen sich einfach umlegen. Danach bleibt aber ein Querholm, an dem die Gepäckraumabdeckung hängt, und behindert die komplette Ausnutzung des Kofferraums. Bei einem Kombi oder SUV ist das fast immer so, in einer Schräghecklimousine aber ein seltenes Ärgernis, wenn nicht gar ein Alleinstellungsmerkmal. Das Entnehmen der Querstrebe ist wegen der Länge mit etwas Bastelei verbunden. Immerhin ist der Holm sehr leicht. Danach ergibt sich ein gut nutzbarer, fast ebener Ladeboden. Das Maximalvolumen erreicht allerdings nur 985 Liter – ein Wert auf Kleinwagenniveau. In einen Audi A3 passen 1.100 Liter, in einen Golf sogar runde 1.300 Liter. Insgesamt gibt es für den Kofferraum Maluspunkte.

Lexus = Luxus = teuer?
Den CT 200h gibt es ab 28.900 Euro. Dafür erhält man ein Sicherheitspaket aus sieben Airbags und ESP sowie eine gute Komfortausrüstung: ein CD-Radio, eine Klimaautomatik, 15-Zoll-Aluräder und eine Fahrlichtautomatik sind an Bord. Eine Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber und elektrisch einstellbare Außenspiegel sind ebenfalls stets dabei. Wem das noch nicht reicht, der kann für 850 Euro Aufpreis die Executive Line, für 1.830 Euro mehr die Dynamic Line oder für satte 11.950 Euro mehr die Impression Line bestellen. Aber bleiben wir für unseren Konkurrenzvergleich bei der vernünftigen Basisversion. Den Audi A3 Sportback 2.0 TDI S tronic gibt es ab 27.800 Euro. Für die fehlenden Aluräder und die Klimaautomatik zahlt man aber über 2.400 Euro Aufpreis. So ist der Lexus nicht überteuert. Ärgerlich ist aber, dass man für die Basisversion viele Extras nicht ordern kann. Wer zum Beispiel Parkpiepser haben will, muss schon die Executive Line wählen, um die 700 Euro teure Zusatzausstattung bestellen zu dürfen. So kann der Lexus im Endeffekt dann doch ein teurer Spaß werden.

Wertung

  • ★★★★★★★★☆☆
  • Der Lexus CT 200h soll mit seinem Hybridantrieb Umweltliebhaber ansprechen, die dennoch Sinn für Komfort haben. Die Frage ist, wie zahlreich diese Klientel ist. Aus dem Bauch heraus würden wir sagen: Die Umweltfreunde sind hierzulande eher Komfortverächter, kaufen kleine Autos mit Minimalausstattung. Fahrspaß-Menschen müssen sich den CT 200h nicht ansehen – mit dem Hybridantrieb ist das Auto kein Katapult. Die Pluspunkte und die Hauptunterschiede zu Prius sowie Auris Hybrid liegen beim hervorragenden Fahrwerk und in der Verarbeitung. Unpraktisch ist der Kofferraum des CT 200h mit dem sperrigen Querholm und dem zu geringen maximalen Stauvolumen. Immerhin: Allzu teuer ist der erste Kompakt-Lexus angesichts der gebotenen Ausstattung nicht.

  • Antrieb
    80%
    sparsamer und umweltfreundlicher Hybridantrieb
    weniger Power als ein PS-gleicher Diesel
  • Fahrwerk
    95%
    sehr komfortabel
    dennoch wankstabil
  • Karosserie
    70%
    ärgerlicher Querholm im Kofferraum
    Maximal-Ladevolumen zu gering
  • Kosten
    75%
    gute Ausstattung, angemessener Preis
    viele Extras erst in höheren Ausstattungen wählbar

Preisliste


Lexus CT 200h

Grundpreis: 28.900 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie (durchgehend)
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie (beheizbar)
Klimaautomatik Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Bildschirmnavigation im Paket ab Executive Line
CD-Radio Serie
MP3 Serie
elektr. Schiebedach -
Metalliclackierung 650
Leichtmetallfelgen Serie (15 Zoll)
Sitzhöheneinstellung Serie (Fahrer)
Tempomat im Paket ab Executive Line
Lederausstattung 1.890 (ab Dynamic Line)
Xenonlicht -
Kurvenlicht -
Nebelscheinwerfer Serie ab Executive Line
Fahrer-Knieairbag Serie
Berganfahrkontrolle Serie
Fahrlichtautomatik Serie
höhen- und längseinstellbares Lenkrad Serie
Parkpiepser vorn und hinten 700 (ab Executive Line)
Scheibenwischerautomatik im Paket ab Dynamic Line
LED-Scheinwerfer 910 (ab Dynamic Line)

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Hybridsystem mit Elektro- und Ottomotor (16 Ventile, DOHC, VVT-i, Atkinson-Zyklus) 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 1.798 
Leistung in PS 99 
Leistung in kW 73 
bei U/min 2.800-4.400 
Drehmoment in Nm 142 
Antrieb Frontantrieb 
Getriebe elektronisch gesteuertes, stufenlos variables Getriebe (E-CVT) 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.535 *) 
Spurweite hinten in mm 1.530 *) 
Radaufhängung vorn McPherson-Achse 
Radaufhängung hinten Mehrlenker-Achse 
Bremsen vorn belüftete Scheiben, 255 mm 
Bremsen hinten Scheiben, 259 mm (Basisversion) 
Wendekreis in m 10,4 
Räder, Reifen vorn 15 x 5 1/2 J mit Reifen 195/65 R15 (Basisversion) 
Räder, Reifen hinten wie vorn 
Lenkung Zahnstangenlenkung mit elektrischer Servounterstützung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.320 
Breite in mm 1.765 
Höhe in mm 1.430 
Radstand in mm 2.600 
Leergewicht in kg 1.370 
Zuladung in kg 420 
Kofferraumvolumen in Liter 375 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 985 
Tankinhalt in Liter 45 
Kraftstoffart Super (95 Oktan) 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 180 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 10,3 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 3,8 *) 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 3,7 *) 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 3,7 *) 
CO2-Emission in g/km 87 *) 
Schadstoffklasse Euro 5 
Weitere Informationen
1/moreName permanent erregter Drehstrom-Synchronmotor 82 PS, 60 kW, 207 Nm 
2/moreName Nickel-Metall-Hydrid, 202 V, 6,5 Ah, 650 V 
3/moreName 136 PS (100 kW) 
4/moreName Basisversion mit 15-Zoll-Rädern 

Gallery: Premium-Sparer