Viersitzige Limousine soll sich jetzt mit 6,5 Liter auf 100 Kilometer begnügen

Es ist noch gar nicht lange her, da war eine viertürige Limousine von Porsche undenkbar. Genauso unvorstellbar war es, dass in die sportlichen Fahrzeuge aus Zuffenhausen einmal ein Dieselmotor eingebaut werden könnte. Jetzt wird erstmals sogar beides miteinander kombiniert – in Form des Panamera Diesel. Kann das noch ein richtiger Porsche sein, der auf Sprit sparen getrimmt wurde und mit einer Tankfüllung über 1.200 Kilometer weit kommen soll?

Porsche profitiert von VW
Dass Porsche nun vollends auf Diesel setzt, ist mitnichten so. Doch jetzt profitieren auch die so auf ihre Eigenständigkeit bedachten Sportwagenbauer aus Schwaben vom Volkswagen-Einstieg, da sie nun vollen Zugriff auf die Wolfsburger Konzern-Aggregate haben. Baureihen-Leiter Michael Steiner gibt unumwunden zu, dass es ohne VW keinen Diesel-Panamera gegeben hätte und der ursprünglich auch gar nicht vorgesehen war. Nun steht der Dreiliter-Turbodiesel zur Verfügung, der auch im Audi Q7, im VW Touareg sowie im Rahmen des gemeinsamen modellspezifischen SUV-Projekts im Porsche Cayenne zum Einsatz kommt. Im Panamera leistet das Triebwerk 250 PS und damit fünf Pferdestärken mehr als in den Schwestermodellen. Der 313 PS starke Biturbo-TDI, den Audi demnächst im A6 anbietet, wäre übrigens keine Alternative gewesen. Er passt schlicht nicht in den Motorraum des Panamera.

,Keine Granate"
Ob damit bewusst die Erwartungen heruntergeschraubt werden sollten oder ob es einfach nur etwas schnoddrig formuliert war – im Vorfeld unserer Testfahrten weist uns ein Porsche-Ingenieur darauf hin, dass der Panamera Diesel ,keine Granate" geworden sei. In der Tat: Wer einen Sportwagen in Limousinenform erwartet, der wird enttäuscht werden. Aber das ist auch gar nicht der Anspruch der mittlerweile achten Panamera-Variante. Vielmehr sollen Kunden erreicht werden, die eine sportliche Reiselimousine fahren wollen, viel Zeit in ihrem Auto verbringen, lange Strecken zurücklegen und gegebenenfalls ihren Chef oder Fuhrparkleiter davon überzeugen müssen, dass ein Porsche als sparsamer Dienstwagen durchaus eine Alternative sein kann.

Nur dezente Hinweise
Von außen ist der Selbstzünder-Panamera lediglich an einem ,diesel"-Schriftzug auf den beiden vorderen Türen auszumachen. Um die eigens entwickelten Endrohrblenden zu identifizieren, muss man schon besonders genau hinsehen. Doch auch ,der Fahrer soll nicht sofort erkennen, dass es ein Diesel ist", hebt Baureihenchef Steiner hervor und spielt damit auf den Motorsound an. Der klingt in der Tat nicht nach einem Selbstzünder – vielmehr kernig und grummelnd statt nagelnd und aufdringlich. Zusätzliche Dämmung hält die Geräuschkulisse für die Insassen ohnehin in Grenzen.

Lang, breit und schwer
Der V6-Motor treibt den 4,97 Meter langen, 1,93 Meter breiten und fast zwei Tonnen schweren Koloss gleichmäßig und souverän voran. Beim Herausbeschleunigen aus dem Drehzahlkeller hätten wir uns das ein oder andere Mal jedoch eine Schippe mehr Kraft gewünscht. Neben den 250 PS Leistung stehen maximal 550 Newtonmeter Drehmoment zur Verfügung, die ab 1.750 Umdrehungen anliegen. 6,8 Sekunden für den Spurt von null auf Tempo 100 und eine Höchstgeschwindigkeit von 242 km/h können sich sehen lassen, zum Klassenprimus reicht es damit allerdings nicht. Der Audi A8 3.0 TDI (6,1 Sekunden und 250 km/h) ist schneller unterwegs. Serienmäßig mit an Bord des viertürigen Porsche-Diesels ist ein Start-Stopp-System, das den Motor nach einem Halt äußerst zügig wieder startet.

Acht sanft wechselnde Gänge
Der Panamera Diesel ist ausschließlich mit Automatikgetriebe inklusive Schaltwippen erhältlich. Der Achtgang-Wandler wurde auch deshalb genommen, um die aus dem Cayenne bestehende Motor-Getriebe-Kombination nutzen zu können. Der Automat wechselt seine Gänge sanft, im Normalmodus aber mit einer Gedenksekunde. Im Sport-Modus hingegen sprechen Gaspedal und Motor deutlich schneller an. Das Porsche Doppelkupplungsgetriebe PDK stünde dem Panamera Diesel sicherlich ebenfalls gut zu Gesicht, würde ihn noch sportlicher wirken lassen.

Sportlich, aber ausreichend komfortabel
Der extrovertiert auftretende und absolut hochwertig verarbeitete Panamera Diesel wird serienmäßig mit einer Stahl-, für knapp 3.500 Euro extra mit einer adaptiven Luftfederung ausgestattet. Sie erlaubt drei verschiedene Einstellungsmöglichkeiten, die den Viertürer immer sportlich, auf Wunsch aber auch ausreichend komfortabel auf dem Asphalt halten. Das Kurvenverhalten der Limousine lässt kaum Wünsche offen, die Lenkung agiert so, wie wir es von einem Porsche erwarten. Das Interieur bietet großzügigen Platz für vier Personen und – gegen teils saftige Preisaufschläge – jeden Luxus, der von einer Oberklasse-Limousine heutzutage erwartet wird.

Nur die S-Klasse ist sparsamer
Porsche erwartet für die mindestens 80.183 Euro teure Dieselvariante hierzulande einen Anteil von über 40 Prozent. Für viele dürfte der Verbrauch ein kaufentscheidendes Argument darstellen. 6,5 Liter gibt der Hersteller auf 100 Kilometer an. Weniger verbrauchen in der Oberklasse nur die Mercedes-Modelle S 250 CDI BlueEfficiency (5,7 Liter) und S 350 BlueTec (6,2 Liter). Mit den optionalen rollwiderstandsarmen Reifen soll der Diesel-Panamera sogar nur 6,3 Liter benötigen. Das ist deutlich weniger als beim Panamera S Hybrid, für den 7,1 Liter angegeben werden. Der verfügt allerdings über eine Gesamtleistung von 380 PS und trägt deutlich mehr Sportlergene in sich. Doch neben einem 26.000 Euro höheren Anschaffungspreis unterscheiden sich Diesel und Hybrid auch hinsichtlich der Zielmärkte. Der Panamera Diesel wird vor allem in Europa eine wichtige Rolle spielen, in Amerika und China hingegen gar nicht angeboten. Dort sind in vor allem Hybridautos gefragt.

Wertung

  • ★★★★★★★★★☆
  • Der Panamera Diesel darf sich allemal als echter Porsche titulieren lassen. Allerdings sollten Kunden mit der richtigen Erwartungshaltung an den sparsamen Viertürer gehen: Sie bekommen keinen Sportwagen mit Reisequalitäten und viel Platz, sondern ein luxuriöses Langstreckenfahrzeug, das ausreichend Power und Fahrspaß bietet. Wer es hingegen mit einem Panamera auch mal richtig krachen lassen will, der sollte mindestens zum 400 PS starken Panamera S greifen – deutlich höherer Spritverbrauch inklusive.

  • Antrieb
    90%
    souveräne Fahrleistungen
    im Drehzahlkeller etwas zu verhalten
  • Fahrwerk
    100%
    tolles Zusammenspiel aus Komfort und Dynamik
    gutes Einlenkverhalten, kraftvolle Bremsen
  • Karosserie
    95%
    guter Reisewagen mit Top-Qualität und viel Platz
    nach hinten sehr unübersichtlich
  • Kosten
    85%
    niedriger Verbrauch, 26.000 Euro günstiger als der Hybrid
    lange Aufpreisliste, saftige Auschläge

Preisliste


Porsche Panamera Diesel

Grundpreis: 80.183 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Seitenairbags hinten 410
Kopfairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaautomatik Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe Serie (8 Gänge)
Bildschirmnavigation 3.142
CD-Radio Serie
MP3 Serie
elektr. Schiebedach 1.476
Metalliclackierung 1.142
Leichtmetallfelgen Serie (18 Zoll)
Sitzhöheneinstellung Serie
Tempomat Serie
Lederausstattung ab 3.201
Xenonlicht 1.059
Kurvenlicht 1.714 (im Paket)
Anhängevorrichtung 1.214
Knieairbags für Fahrer und Beifahrer Serie
Parksensoren hinten Serie
Parksensoren vorn und hinten 476
Rückfahrkamera 1.131
automatische Heckklappe 655
elektronisch geregeltes Dämpfersystem 1.547
Sport Chrono Paket Plus 797
Keramik-Verbundbremsanlage 8.033
geschwindigkeitsabhängige Servolenkung 262
19-Zoll-Leichtmetallräder 1.785
rollwiderstandsoptimierte Reifen 119
Abstandstempomat 2.035
Spurwechselassistent 655
adaptive Sportsitze 3.154
Sitzheizung vorn 434

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Dieselmotor mit Common-Rail-Direkteinspritzung und Turbolader 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 2.967 
Leistung in PS 250 
Leistung in kW 184 
bei U/min 1.750 bis 2.750 
Drehmoment in Nm 550 
Antrieb Heckantrieb 
Gänge
Getriebe Automatik 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.658 
Spurweite hinten in mm 1.662 
Radaufhängung vorn Aluminium-Doppelquerlenkerachse, Federbeine mit zylindrischen Stahlfedern und innenliegenden, hydraulischen Zweirohr-Gasdruckdämpfern 
Radaufhängung hinten Aluminium-Mehrlenkerachse mit Fahrschemel, einzeln an vier Lenkern geführte Räder, zylindrische Stahlfedern, hydraulische Zweirohr-Gasdruckdämpfer 
Bremsen vorn innenbelüftete Scheiben, 360 mm 
Bremsen hinten innenbelüftete Scheiben, 330 mm 
Räder, Reifen vorn 245/50 ZR 18, 8 J x 18 
Räder, Reifen hinten 275/45 ZR 18, 9 J x 18 
Lenkung Zahnstangenlenkung mit Servounterstützung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.970 
Breite in mm 1.931 
Höhe in mm 1.418 
Radstand in mm 2.920 
Leergewicht in kg 1.955 
Zuladung in kg 620 
Kofferraumvolumen in Liter 445 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.263 
Anhängelast, gebremst in kg 2.200 
Dachlast in kg 75 
Tankinhalt in Liter 80 
Kraftstoffart Diesel 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 242 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 6,8 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 6,5 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 8,1 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,6 
CO2-Emission in g/km 172 
Schadstoffklasse Euro 5 
Fixkosten
Steuer pro Jahr in Euro 389 
Haftpflicht-Klasse 21 
Teilkasko-Klasse 29 
Vollkasko-Klasse 29 

Langstrecken-Athlet