Heiß gemacht: Nissan Juke Nismo im Test

Kennen Sie Nismo? Nein? Das macht nichts, denn damit stehen Sie nicht alleine. Außerhalb von Japan ist der Motorsportableger von Nissan weitestgehend unbekannt. Nur wer gerne das Rennspiel ,Gran Turismo" auf der Playstation spielt, weiß um die Qualitäten der flotten Flitzer. Doch nun will Nissan den Namen Nismo auch in Europa etablieren und zwar in Form von starken Spitzenmodellen der jeweiligen Baureihen. Den Anfang macht der Juke Nismo, ihn konnten wir schon testen.

Start vor fast 50 Jahren
Bevor wir uns dem starken Juke zuwenden, ein kurzer Blick in die Historie. 1964 begannen Nissan-Ingenieure damit, recht gewöhnliche Limousinen für den Motorsport aufzumöbeln, um den Absatz anzukurbeln. Schon beim ersten Rennen kamen fünf Skyline 2000 GT hinter einem Porsche 904 GTS ins Ziel. Doch erst 1984 wurde Nismo zur ,echten" Nissan-Motorsportabteilung und zum offiziellen Werkstuner erhoben. Vergleichbar ist Nismo mit AMG-Mercedes, der M GmbH von BMW oder der OPC-Sparte von Opel.

Maßvoller Zuwachs
Nun kommt also der Nissan Juke in den Genuss einer Leistungskur. Über die Optik des 4,16 Meter langen Wagens kann man trefflich streiten, immerhin sticht er aus der Masse hervor. Den Kunden scheint es zu gefallen, denn mit über 12.000 Neuzulassungen auf dem deutschen Markt im Jahr 2012 ist er eines der erfolgreichsten Nissan-Modelle. Technische Basis für den Juke Nismo ist die Version mit 1,6-Liter-Turbobenziner. Statt regulärer 190 PS gibt es zehn Pferdestärken mehr, auch das maximale Drehmoment bekommt einen kleinen Aufschlag.

Anspruch und Wirklichkeit
Im Innenraum erwarten uns Sportsitze mit Wildlederbezug. Die Tierhaut kommt auch bei den Türverkleidungen zum Einsatz. Weitere Details sind ein modifizierter Schaltknüppel und ein knallroter Drehzahlmesser. Leider wirkt das Cockpit durch den massiven Einsatz von Hartplastik etwas billig. Für Erstaunen sorgt der Umfang der Serienausstattung: Extras gibt es laut Nissan keine, doch wir vermissen in einem Topmodell wie dem Juke Nismo elektrisch verstellbare Sitze und eine Sitzheizung. Auch die Einstufen-Klimaautomatik ist schlicht zu wenig. Zur besseren Veranschaulichung: Der Kunde kauft sich den teuersten Juke im Programm, muss dann aber eine Sitzheizung beim Händler nachrüsten lassen. Wenig üppig ist auch das Platzangebot im Fond, hier kratzt der Dachhimmel bei größeren Personen am Scheitel. Auf Kleinwagen-Niveau liegt der Kofferraum: 251 bis 830 Liter sind eher mau.

Kontrollierte Kraft
Auf die Straße rollen wir mit dem handgeschalteten Juke Nismo, der mit Frontantrieb auskommen muss. Allrad gibt es nur in Verbindung mit einem CVT-Getriebe. Mit zurückhaltend-kernigem Sound legt der Juke Nismo los, viel Freude bereitet dabei die Sechsgang-Schaltung mit kurzen Wegen und exakten Anschlüssen. Positiv ist ihre Abstimmung: 50 km/h im sechsten Gang sind kein Problem. Wer auf brachialen Schub steht, wird ein wenig enttäuscht, der Wagen schiebt gleichmäßig voran. Zwischen 2.400 und 4.800 Umdrehungen steht das maximale Drehmoment von 250 Newtonmeter bereit. Mit einer Sprintzeit von 7,8 Sekunden auf Tempo 100 ist der Juke Nismo kein übertrieben wilder Sprinter, dafür fallen besagte 250 Newtonmeter aber auch nicht blitzartig über die Vorderräder her. Ein spezifischer Motorklang fehlt hingegen, bis etwa 130 km/h bleibt es relativ ruhig.

Auf Beutezug
Ein Lob verdienen sich die Nissan-Ingenieure für die gute Fahrwerksabstimmung. Sie wurde zwar für den Juke Nismo gestrafft, trotzdem werden Unebenheiten weitgehend absorbiert. Eine rückenmordende Hoppelkiste ist der in England gebaute Japaner jedenfalls nicht. Beim Kurvenräubern hilft die direkt ansprechende Lenkung. Trotz Frontantrieb lässt sich der Juke Nismo gut in die Kurven werfen, wenngleich er mit knapp 1,3 Tonnen Leergewicht nicht gerade Leichtbau praktiziert. Der Fahrer kann darüber hinaus zwischen den drei Fahrmodi ,Eco", ,Normal" und ,Sport" wählen. Sie beeinflussen Parameter wie Drosselklappensteuerung und Lenkunterstützung. Gravierende Unterschiede sind jedoch zwischen ,Normal" und ,Sport" nicht spürbar, während ,Eco" in einem 200-PS-Sportler eher putzig wirkt.

Da geht noch etwas
Apropos 200 PS: Nissan hat noch weitere Verstärkung auf der Bank sitzen. Auf abgesperrter Strecke konnten wir einen Juke-Prototypen mit rund zehn Prozent mehr Leistung, also knapp 220 PS, testen. Die finale PS-Zahl ist noch nicht festgelegt, doch der Versuchswagen überzeugt mit guter Kurvenlage bei hohem Tempo. Mit der Serienversion kann noch 2013 gerechnet werden. Wer erstmal mit dem ,normalen" Juke Nismo Gas geben will, sollte 26.400 Euro bereithalten, für die Variante mit Allrad und Automatik werden 3.000 Euro mehr fällig. Damit liegt der Nismo ausstattungsbereinigt 2.230 Euro über dem Juke Tekna mit 190 PS. Was bietet die Konkurrenz? Im Angebot wäre etwa der Mini Cooper S Countryman, der trotz 184 PS ähnliche Fahrleistungen bietet und 26.300 Euro kostet. Eine weitere Alternative ist der Citroën DS4 THP 200 mit 200 PS für 28.650 Euro. Zumindest in Deutschland wird der Juke Nismo ein Fall für Fans und Kenner bleiben: Nissan geht von rund 210 Verkäufen für 2013 aus. Weitere Nismo-Modelle werden folgen, darunter im Sommer der 370 Z Nismo.

Wertung

  • ★★★★★★★★☆☆
  • Gerade einmal zehn PS mehr, aber deutlich teurer: Braucht es den Nissan Juke Nismo wirklich? Wir sagen: Ja. Das Gesamtpaket stimmt, zudem sticht der Wagen aus dem automobilen Einheitsbrei heraus. Der traditionsreiche Name Nismo ist eine Chance für Nissan, um an Profil zu gewinnen. Juke-Freunde haben die Wahl: das dezente Modell mit 190 PS oder der krawalligere Nismo mit 200 PS. Golf GTI fahren kann schließlich jeder.

  • Antrieb
    80%
    exakte Schaltung
    fehlender Motorsound
  • Fahrwerk
    90%
    gut abgestimmte Federung
    präzise Lenkung
  • Karosserie
    75%
    angenehme Sitzposition
    kleiner Kofferraum
  • Kosten
    80%
    akzeptabler Grundpreis
    wichtige Extras nicht lieferbar

Preisliste


Nissan Juke Nismo 4x2 MT

Grundpreis: 26.400 Euro
Modell Preis in Euro
Juke Nismo 4x4 CVT 29.400
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Kopfairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie (inklusive Heizung)
Klimaautomatik Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Bildschirmnavigation Serie
CD-Radio Serie
MP3 Serie
Metalliclackierung Serie
Leichtmetallfelgen Serie (18 Zoll)
Sitzhöheneinstellung Serie (Fahrer und Beifahrer)
Tempomat Serie
Lederausstattung Serie (Teilleder)
Nebelscheinwerfer Serie

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Benziner mit Turboaufladung und Direkteinspritzung 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 1.618 
Leistung in PS 200 
Leistung in kW 147 
bei U/min 2.400 - 4.800 
Drehmoment in Nm 250 
Antrieb Frontantrieb 
Gänge
Getriebe Schaltgetriebe 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.525 
Spurweite hinten in mm 1.525 
Radaufhängung vorn McPherson-Achse 
Radaufhängung hinten Verbundlenkerachse 
Bremsen vorn Scheiben innenbelüftet 
Bremsen hinten Scheiben 
Wendekreis in m 10,7 
Räder, Reifen vorn 225/45 R18 
Räder, Reifen hinten 225/45 R18 
Lenkung Zahnstangenlenkung mit elektrischer Servounterstützung 
Geländekompetenz
Böschungswinkel vorn in Grad 22 
Böschungswinkel hinten in Grad 25 
Rampenwinkel in Grad 22,5 
Bodenfreiheit in mm 180 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.165 
Breite in mm 1.770 
Höhe in mm 1.565 
Radstand in mm 2.530 
Leergewicht in kg 1.293 
Zuladung in kg 428 
Kofferraumvolumen in Liter 251 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 830 
Anhängelast, gebremst in kg 1.200 
Dachlast in kg 75 
Tankinhalt in Liter 46 
Kraftstoffart Super 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 215 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 7,8 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 6,9 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 9,1 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,6 
CO2-Emission in g/km 159 
Schadstoffklasse Euro 5 

GTI auf Japanisch