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Starkes Nischen-Modell
Langer Name, kurzer Sinn? Mini John Cooper Works Paceman im Test

Roland Hildebrandt 
Von: Roland Hildebrandt
26. Feb. 2013 um 15:30 Uhr
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Diese Bezeichnung hat es in sich: Mini John Cooper Works Paceman heißt der neueste Spross der Engländer. Schon beim normalen Paceman, der dreitürigen Ableitung des Countryman, stellen sich nicht wenige die Sinnfrage. Braucht es ein solches Fahrzeug überhaupt? Doch es gibt durchaus Argumente für den Paceman: Sein fünftüriger Bruder Countryman macht bereits ein Drittel aller Mini-Verkäufe aus, allerdings bietet der Paceman die deutlich elegantere Optik. Vom Hersteller selbst kommt ein weiterer Punkt ins Spiel: Alle, die einen Allradantrieb im normalen Mini vermissen, können alternativ zum Paceman greifen. Pünktlich zum Marktstart der Baureihe geht das Topmodell mit dem Zusatz ,John Cooper Works" an den Start. Wir konnten es bereits fahren.
Auf Krawall gebürstet
Bereits von außen macht unser Testwagen klar: Ich bin der Super-Paceman. Rote Streifen und rote Außenspiegelkappen auf schwarzem Lack bilden eine etwas krawallige Erscheinung. Doch keine Angst, es sind auch diskretere Gestaltungsmöglichkeiten im Angebot. Innen setzt sich der Trend zur Auffälligkeit fort: Sportsitze plus Sportlenkrad sowie dunkle Ziffernblätter bilden das Ambiente, bei Bedarf gibt es rote Zierleisten. Etwas enttäuschend ist die Qualität der Kunststoffe im Cockpit, angesichts der selbstbewussten Preisgestaltung kann man hier mehr erwarten. Unverändert umständlich ist die Bedienung. Sie erfordert einiges an Eingewöhnungszeit. Damit könnte man zwar leben, doch diverse Schalter sind so ungünstig angebracht, dass der Blick zwangsläufig von der Straße weg wandert. Aber es gibt auch Positives zu vermelden: Dank steiler A-Säule und gewölbter Motorhaube ist die Sicht nach vorne prima, nach hinten raus sind Parkpiepser jedoch Pflicht. Als sehr bequem entpuppen sich die vorderen Möbel, auch auf den zwei Einzelsitzen im Fond lässt es sich aushalten. Der Kofferraum schluckt zwischen 330 und 1.080 Liter Gepäck.
Kraft ohne Musik
Aber auf diese Art der inneren Werte kommt es dem Piloten des Power-Paceman weniger an. Entscheidend ist der Platz unter der Haube: Dort arbeitet ein alter Bekannter in Gestalt des 1,6-Liter-Vierzylinders mit Twin-Scroll-Turbo und Direkteinspritzung. Das 218 PS starke Triebwerk stellt 280 Newtonmeter maximales Drehmoment, kurzzeitig sind sogar 300 Newtonmeter drin. In der Praxis geht es damit flott voran, wenngleich nicht brachial. Kein Wunder, beträgt das Leergewicht mit Fahrer doch fast 1,5 Tonnen. Vielmehr erweist sich der John Cooper Works Paceman als prima Gleiter, der früh im höheren Gang bewegt werden kann. Möglich macht es das bereits ab 1.900 Umdrehungen anliegende maximale Drehmoment. Untermalt wird das Ganze von einer recht unentschlossenen Soundkulisse, der Mini klingt brummig, allenfalls etwas kernig, was aber auf der Autobahn schnell stört. Auch die serienmäßige Sportabgasanlage ändert nichts daran. Für den richtig ordentlichen Bums muss man im exakten Getriebe herunterschalten und der Maschine freien Lauf lassen. Erst bei hohen Drehzahlen stürmt der John Cooper Works Paceman so voran, wie es das Äußere verspricht.
Überzeugendes Fahrwerk
Serienmäßig weist der stärkste Paceman einen Allradantrieb auf, der das Antriebsmoment mithilfe eines elektromagnetisch arbeitenden Mitteldifferenzials stufenlos zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt. Das System passt gut zum Wagen, wer es darauf anlegt, kann bei verschneiten Straßen den ein und anderen Heckschwenk provozieren. Eine angenehme Überraschung bietet das Fahrwerk: Trotz der Tieferlegung um zehn Millimeter wie im Countryman und der damit verbundenen Straffheit wird genügend Restkomfort bewahrt. Die Wirbelsäulen der Insassen danken es. Ein dicker Pluspunkt ist die von Mini gewohnte, sehr präzise Lenkung mit vorbildlicher Rückmeldung. Bei Bedarf gibt es einen ,Sport Button" an Bord. Er ändert das Ansprechverhalten und die Soundentwicklung des Motors, betroffen ist auch die Kennlinie der Servolenkung. In der Realität sind die Unterschiede kaum fühlbar, sondern eher hörbar. Bei der Gaswegnahme erklingt ein Sprotzeln in den Endrohren. Doch ganz ehrlich: Das Geräusch vermittelt eher den Eindruck, als sei irgendetwas im Heckbereich kaputt.
Ungeheuer teuer
Ab dem 14. März 2013 steht die Paceman-Palette beim Händler. Wer den König in Form des John Cooper Works sein Eigen nennen möchte, sollte nicht knauserig sein. Selbstbewusste 35.950 Euro werden für den bei Magna-Steyr in Österreich gebauten Wagen aufgerufen. Immerhin, eine Klimaanlage, CD-Radio und 18-Zoll-Alus sind serienmäßig. Trotzdem langt Mini ordentlich zu, wie der Blick in die 15-seitige Liste der Extras zeigt. Für eigentlich bei einem Topmodell selbstverständliche Dinge wie Sitzheizung (290 Euro), eine Klimaautomatik (400 Euro), Parkpiepser hinten (350 Euro) und eine Lederausstattung (1.890 Euro) bitten die Gentlemen zur Kasse. Immerhin, direkte Konkurrenten hat der John Cooper Works Paceman nicht zu fürchten. Doch es geht preiswerter: Für den Citroën DS3 THP 200 Racing sind es 30.990 Euro, der neue VW Golf GTI mit 220 PS startet als Dreitürer bei fast schon bescheidenen 28.350 Euro.
Wertung
-
★★★★★★★★☆☆
Er ist teuer und nur bedingt praktisch. Streng genommen braucht also kein Mensch den Mini John Cooper Works Paceman. Doch so einfach ist die Gleichung schon deswegen nicht, weil der Dreitürer von seinem Konzept her einzigartig ist. Trotz des serienmäßigen Allradantriebs bietet der stärkste Paceman viel Fahrdynamik. Allerdings sollte Mini noch am Sound des Vierzylinder-Turbos feilen, schließlich kauft das Ohr mit.
-
Antrieb
80%
elastischer Motor fehlender Klang
-
Fahrwerk
90%
Federung mit gutem Restkomfort präzise Lenkung
-
Karosserie
80%
akzeptables Platzangebot schlechte Sicht nach hinten
-
Kosten
70%
hoher Grundpreis magere Serienausstattung
Preisliste
Mini John Cooper Works Paceman
Grundpreis: 35.950 Euro
Ausstattungen Preis in Euro ABS Serie ESP Serie ASR Serie Airbag Fahrer Serie Airbag Beifahrer Serie Seitenairbags vorn Serie Kopfairbags vorn Serie Kopfairbags hinten Serie elektr. Fensterheber vorn Serie Klimaanlage Serie Klimaautomatik 400 Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie Automatikgetriebe 1.540 Bildschirmnavigation 1.590 CD-Radio Serie MP3 Serie elektr. Schiebedach 980 Metalliclackierung 480 Leichtmetallfelgen Serie (18 Zoll) Sitzhöheneinstellung Serie (Fahrer und Beifahrer) Lederausstattung 1.890 Xenonlicht 690 Nebelscheinwerfer Serie
Sitzheizung vorne 230 Einparkhilfe hinten 350
Datenblatt
Motor und Antrieb Motorart Benziner mit Turboaufladung und Direkteinspritzung Zylinder 4 Ventile 4 Hubraum in ccm 1.598 Leistung in PS 218 Leistung in kW 160 bei U/min 1.900 - 5.000 Drehmoment in Nm 280 Antrieb Allradantrieb Gänge 6 Getriebe Schaltgetriebe Fahrwerk Spurweite vorn in mm 1.527 Spurweite hinten in mm 1.554 Radaufhängung vorn McPherson-Achse Radaufhängung hinten Mehrlenkerachse Bremsen vorn Scheiben innenbelüftet Bremsen hinten Scheiben Wendekreis in m 11,6 Räder, Reifen vorn 225/45 R18 Räder, Reifen hinten 225/45 R18 Lenkung elektrisch unterstützte Servolenkung Geländekompetenz Bodenfreiheit in mm 107 Maße und Gewichte Länge in mm 4.124 Breite in mm 1.786 Höhe in mm 1.527 Radstand in mm 2.596 Leergewicht in kg 1.475 Zuladung in kg 470 Kofferraumvolumen in Liter 330 Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.080 Dachlast in kg 75 Tankinhalt in Liter 47 Kraftstoffart Super Fahrleistungen / Verbrauch Höchstgeschwindigkeit in km/h 226 Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 6,9 EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 7,4 EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 9,4 EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 6,2 CO2-Emission in g/km 172 Schadstoffklasse Euro 5
Bildergalerie: Langer Name, kurzer Sinn?
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- Make: Mini
- Model:
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