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Mercedes G 63 AMG im Test
Einer, den eigentlich keiner braucht?

Matthias Naumann 
Von: Matthias Naumann
29. Mai 2012 um 14:09 Uhr
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Stolze 33 Jahre hat die Mercedes G-Klasse schon auf dem Buckel. Doch der Offroad-Klassiker ist nicht tot zu kriegen. Und so erhält der Geländebolide bereits zum wiederholten Male ein Facelift beziehungsweise eine Modellpflege, wie Mercedes das nennt. Als Highlight setzen die Schwaben jetzt leistungsmäßig noch einen obendrauf – in Form des G 63 AMG.
544 PS und 760 Newtonmeter
Der Neue ist ein Erlebnis, das sich schon beim Anlassen des Motors offenbart. Es beginnt mit einem kurzen, lauten Aufheulen und setzt sich mit einem genüsslichen, alles andere als diskreten V8-Blubbern fort, wie man es eigentlich nur noch von US-Cars kennt. Der aus dem ML 63 AMG übernommene Achtzylinder-Biturbo mit Benzindirekteinspritzung schöpft aus 5,5 Liter Hubraum satte 544 PS und 760 Newtonmeter Drehmoment. Das Vorgängermodell G 55 AMG musste sich noch mit 507 PS und 700 Newtonmeter ,begnügen", zählte mit einem Verkaufsanteil von über 40 Prozent aber zu den begehrtesten Varianten der G-Klasse. Vor allem in der arabischen Welt schmücken sich Scheichs und andere Reiche gerne mit der Power-G-Klasse. Das dürfte sich mit dem G 63 AMG nicht ändern, auch knapp 138.000 Euro Anschaffungspreis sollten kein Hinderungsgrund sein.
Länger, breiter, bulliger
Optisch erfüllt das neueste AMG-Modell jedenfalls alle Anforderungen, um hohe Aufmerksamkeit zu garantieren. Im Vergleich zum herkömmlichen G-Modell wächst der G 63 AMG um jeweils rund zehn Zentimeter in die Länge (auf 4,77 Meter) und in die Breite (auf 1,86 Meter). Verantwortlich dafür zeichnen ein neuer Stoßfänger mit gewaltigen Lufteinlässen vorne und verbreiterte Radhäuser. Zum bulligen Auftritt gesellen sich serienmäßige 20-Zoll-Räder, seitliche Edelstahl-Trittbretter sowie die links und rechts unterhalb der Fondtüren montierten Doppelendrohre. Weitere Erkennungsmerkmale sind ein Kühlergrill mit Doppel-Querstrebe, Seitenschutzleisten aus Edelstahl und ,V8-Biturbo"-Schriftzüge an den Kotflügeln.
Elegantes Interieur
Innen zeigen sich zwar noch Überbleibsel der alten, robusten Geländewagen-Ausstattung wie das etwas wuchtige Armaturenbrett oder der massive Haltegriff vor dem Beifahrersitz. Doch ansonsten gibt sich die Kabine sehr edel und luxuriös. Außer den Sitzen ist auch die Instrumententafel immer mit Leder bezogen. Hinzu kommen Zierleisten in Klavierlack und zahlreiche Chromapplikationen. Den kurzen Gangwahlhebel hat der G 63 von anderen AMG-Modellen wie dem Supersportler SLS übernommen. Neu in allen G-Modellen ist der Multifunktions-Bildschirm mit 17,8-Zentimeter-Diagonale, der zum serienmäßigen Entertainment- und Navigationssystem ,Comand Online" gehört. Das Platzangebot für Kopf und Beine fällt vorne wie hinten großzügig aus, allerdings sitzen Fahrer und Beifahrer recht nah den Türen dran.
Beschleunigt schneller als ein Boxster
Sein wahres Potenzial zeigt der allradgetriebene G 63 AMG bei einem beherzten Tritt aufs Gaspedal. Dann weicht der Blubber-Sound einem gierigen Gurgeln und der über 2,5 Tonnen schwere Koloss schießt mit Gewalt nach vorne. In nur 5,4 Sekunden sprintet der Wagen von null auf Tempo 100 – schneller als ein Porsche Boxster. Trotz Tachoanzeige bis 280 ist der G 63 AMG selbstredend kein Sportwagen, er ist elektronisch auf 210 km/h begrenzt. Neu ist die Siebengang-Automatik, die auf den sperrigen Namen ,AMG Speedshift Plus 7G-Tronic" hört. Sie bietet drei Fahrprogramme und eine automatische Zwischengasfunktion beim Rückschalten. Im Sportmodus werden beim Hochschalten unter Volllast die Schaltzeiten verkürzt, im ,Controlled Efficiency"-Modus wird das Start-Stopp-System aktiviert. Alternativ kann der Fahrer die Gänge manuell über Schaltpaddles am Lenkrad wechseln.
25 Liter Verbrauch sind kein Problem
Obwohl der G 63 AMG vor Kraft nur so strotzt, will er kein Schluckspecht sein. Dank Start-Stopp-Automatik und des neuen Getriebes konnte Mercedes trotz erhöhter Leistung den Normverbrauch gegenüber dem Vorgänger um 2,1 auf 13,8 Liter reduzieren. Doch dieser Wert ist eher theoretischer Natur: Fährt man die AMG-G-Klasse, wie man solch einen PS-Protz eben fährt, schnellt die Verbrauchsanzeige im Bordcomputer schnell auf 25 Liter pro 100 Kilometer.
Viel Lenkarbeit erforderlich
Dass der G 63 AMG einen etwas zwiespältigen Eindruck hinterlässt, soll aber nicht allein am Durst festgemacht werden. Vielmehr verlangt er auch fahrerisches Können. Denn unter Volllast bringt der Geländewagen seine Kraft nicht immer problemlos auf den Asphalt. Das Fahrzeug bricht beim Beschleunigen schon mal aus, wird allerdings vom ESP wieder eingefangen. Ein weiteres Problem stellt die Lenkung dar: Sie agiert für einen sportlichen Boliden zu indirekt, erfordert vor allem in engen Kurven permanentes Umgreifen und damit regelrechte Lenkarbeit. Die AMG-Hochleistungs-Bremsanlage sorgt im Fall der Fälle für standesgemäße Verzögerung. Immerhin: Wer will, kann mit der AMG-Version ohne Abstriche ab in anspruchsvolles Gelände. Wie bei jedem G-Modell stehen auch bei der Sportvariante drei Differenzialsperren und eine Geländeuntersetzung zur Verfügung. Die absolute Leistungsspitze ist mit dem G 63 AMG übrigens noch nicht erreicht. Künftig gibt es darüber angesiedelt noch den G 65 AMG – mit Sechsliter-V12, 612 PS und 1.000 Newtonmeter. Der laut Mercedes stärkste Serien-Geländewagen der Welt kostet mit 264.180 Euro dann aber gleich fast doppelt soviel wie der kleine Bruder G 63 AMG.
Wertung
-
★★★★★★★★☆☆
Der Mercedes G 63 AMG scheint eines der Autos zu sein, die man nicht wirklich braucht. Wer einen großen Mercedes-Geländewagen mit über 500 PS möchte, kann ja auch zum ML 63 AMG greifen. Doch die sportliche G-Klasse hat einfach einen ganz besonderen Charme, Erscheinungsbild und Sound sind grandios. In manchen Situationen wirkt der G 63 AMG allerdings übermotorisiert. Nichtsdestotrotz wird der Power-Offroader seine Kundschaft finden.
-
Antrieb
80%
sportwagenähnliche Beschleunigung, großartiger V8-Sound Leistung wird nicht immer auf die Straße gebracht
-
Fahrwerk
70%
Offroad-Tauglichkeit bleibt voll erhalten Lenkung agiert zu indirekt
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Karosserie
90%
luxuriöses Interieur, bulliger Auftritt Sitze recht nah an der Tür
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Kosten
75%
sehr umfangreich ausgestattet Alltagsverbrauch deutlich über 20 Liter
Preisliste
Mercedes G 63 AMG
Grundpreis: 137.505 Euro
Ausstattungen Preis in Euro ABS Serie ESP Serie ASR Serie Airbag Fahrer Serie Airbag Beifahrer Serie Kopfairbags vorn Serie Kopfairbags hinten Serie elektr. Fensterheber vorn Serie elektr. Fensterheber hinten Serie elektr. verstellbare Außenspiegel Serie Klimaautomatik Serie Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie Automatikgetriebe Serie (7 Gänge) Bildschirmnavigation Serie CD-Radio Serie MP3 Serie elektr. Schiebedach 1.785 Metalliclackierung Serie Leichtmetallfelgen Serie (20 Zoll) Sitzhöheneinstellung Serie Tempomat Serie Lederausstattung Serie Xenonlicht Serie Anhängevorrichtung 381
Start-Stopp-System Serie Multifunktionslenkrad mit Leder und Klavierlack Serie belederte Instrumententafel Serie AMG-Einstiegsleisten aus Edelstahl Serie Edelstahl-Trittbretter Serie Reserveradabdeckung aus Edelstahl Serie AMG-Sportabgasanlage mit seitlichen Doppelendrohren Serie elektrische Geländeuntersetzung Serie elektrische Differentialsperren Serie Sitzheizung vorn und hinten Serie Bluetooth-Freisprechfunktion Serie Licht- und Regensensor Serie Totwinkelassistent 1.071 Einparkhilfe vorn und hinten 869 Rückfahrkamera 536 Abstandstempomat 1.845 Alarmanlage 327 Laderaumabdeckung 333
Datenblatt
Motor und Antrieb Motorart Ottomotor in V-Form mit Benzindirekteinspritzung und Biturbo-Aufladung Zylinder 8 Ventile 4 Hubraum in ccm 5.461 Leistung in PS 544 Leistung in kW 400 bei U/min 2.000 bis 5.000 Drehmoment in Nm 760 Antrieb permanenter Allradantrieb Gänge 7 Getriebe Automatik Kraftverteilung 50 zu 50 Fahrwerk Spurweite vorn in mm 1.501 Spurweite hinten in mm 1.501 Radaufhängung vorn Starrachse mit Längs- und Querlenkern, Gasdruckstoßdämpfer, Schraubenfedern, Gummihohlfedern, Drehstab-Stabilisator Radaufhängung hinten Starrachse mit Längs- und Querlenkern, Gasdruckstoßdämpfer, Schraubenfedern, Gummihohlfedern Bremsen vorn innenbelüftete Scheiben, 375 mm Bremsen hinten innenbelüftete Scheiben, 330 mm Wendekreis in m 13,6 Räder, Reifen vorn 275/50 R20, 9,5 J x 20 Räder, Reifen hinten 275/50 R20, 9,5 J x 20 Lenkung Kugelumlauf-Servolenkung, Lenkungsdämpfer Geländekompetenz Böschungswinkel vorn in Grad 27 Böschungswinkel hinten in Grad 27 Rampenwinkel in Grad 21 Querneigung in Grad 54 Steigfähigkeit in Prozent 80 Wattiefe in mm 600 Bodenfreiheit in mm 220 Maße und Gewichte Länge in mm 4.769 Breite in mm 1.855 Höhe in mm 1.938 Radstand in mm 2.850 Leergewicht in kg 2.550 Zuladung in kg 650 Kofferraumvolumen in Liter 480 Kofferraumvolumen, variabel in Liter 2.250 Anhängelast, gebremst in kg 3.500 Tankinhalt in Liter 96 Kraftstoffart Super Fahrleistungen / Verbrauch Höchstgeschwindigkeit in km/h 210 Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 5,4 EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 13,8 EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 17,2 EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 11,8 CO2-Emission in g/km 322 Schadstoffklasse Euro 5
Bildergalerie: Mercedes G 63 AMG im Test
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